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    Leserbrief: “Star Trek” ist mehr als gewöhnliches Science-Fiction

    Lesermeinung von Piero zum aktuellen Umgang deutscher "Star Trek" Fans von Paramount

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    An dieser Stelle veröffentlichen wir eine Leser*innen Meinung, die uns als Reaktion auf unseren aktuellsten Kommentar “Mit Trekkies kann man’s ja machen” erreicht hat. Den ursprünglichen Kommentar findet ihr hier.

    Von TZN-Leser Piero

    Liebes Paramount!

    Zögerlich, aber immer mehr, setzt ihr seit fünf Jahren auf eure Marke “Star Trek”. Nach der Jahrtausendwende als ausgelaugt und auserzählt abgestempelt, baut ihr mit nun fünf Serien diese fiktive Welt aus.

    Doch wie man nun in Pressemitteilungen lesen kann, kommt mit “Strange New Worlds” erst jetzt eine Serie, welche den Geist von “Star Trek” atmen soll. Man merkt, ich schreibe etwas vorsichtig, denn auch das ist ein Punkt, auf den ich später eingehen möchte.

    “Da ihr ja keine Ahnung hattet, dass eine der Stärken früher “Star Trek”-Serien im Ensemble gelegen hat, habt ihr […] eure Serie auf eine Figur fokussiert.”

    Discovery

    Bild: © Paramount

    Vor fünf Jahren habt ihr mit einem bildlich super tollen Pilotfilm die Serienwelt von “Star Trek” mit “Discovery” wiederbelebt. Doch da hört die Begeisterung bereits auf. Ihr habt euch keinen Deut um die etablierten Völker gekümmert, sondern habt eine der wichtigsten Rassen in Orks verstümmelt. Man stelle sich vor, Disney hätte Yoda als Elf gezeigt. Der Aufschrei der Fans wäre ähnlich gewesen.

    Da ihr ja keine Ahnung hattet, dass eine der Stärken früher “Star Trek”-Serien im Ensemble gelegen hat, habt ihr in ‘weiser Voraussicht’ eure Serie auf eine Figur fokussiert. Dass diese Figur nervtötend ist, die Regeln von Starfleet reihenweise bricht und sich zudem in einem Gefühlszustand befindet, in dem noch nie ein Sternenflotten-Offizier zuvor gewesen ist, habt ihr gekonnt ignoriert. Die Staffeln schmecken genauso, wie wenn zu viele Köche den Brei verderben.

    “Doch ihr habt euch gedacht, ihr zeigt den “Star Trek”-Fans, die gerne an eine optimistische Zukunft glauben möchten, […] stattdessen eine neue Föderation der Zwietracht, des Hasses und der Unterdrückung.”

    Picard

    Bild: © Paramount

    Und dann kam diese eine Convention. Patrick Stewart – sorry: Sir Patrick Stewart – kündigte seine Rückkehr als Jean-Luc Picard an. Alle dachten, jetzt den berühmten Captain wohl als Admiral, Ausbilder an der Akademie oder als Botschafter zu sehen.

    Doch ihr habt euch gedacht, ihr zeigt den “Star Trek”-Fans, die gerne an eine optimistische Zukunft glauben möchten, in “Picard” stattdessen eine neue Föderation der Zwietracht, des Hasses und der Unterdrückung. Also genau das, was alle anderen Science-Fiction-Welten jeden Tag schon zeigen. Fluchende und rauchende Ex-Sternenflotten-Offiziere runden das Ganze noch ab.

    Und jetzt mit der dritten Staffel kam euch endlich die Erleuchtung, die beliebte Crew der Enterprise D und E zurückzuholen. Selbst wenn ihr die 90er-Jahre verschlafen haben solltet: Ein kurzer Blick zurück hätte genügt.

    “Zum ersten Mal kam wieder das Gefühl auf, die echte Welt von “Star Trek” zu sehen und zu erleben. “

    Lower Decks & Prodigy

    Bilder: © Paramount

    Dann kam mit “Lower Decks” eine zuerst sehr überdreht wirkende Zeichentrickserie. Zum ersten Mal kam wieder das Gefühl auf, die echte Welt von “Star Trek” zu sehen und zu erleben. Doch auch hier muss man sagen: Die Sternenflotte, die ich bisher kannte, würde niemanden so behandeln, wie unsere Hauptfiguren behandelt werden! Aber immerhin war hier ein leichter Fortschritt zu erkennen.

    Dann habt ihr eine weitere animierte Serie erschaffen. “Prodigy” soll “Star Trek” einem jüngeren Publikum schmackhaft machen. Hier habt ihr einen durchaus logischen Weg gewählt, indem die Handlung außerhalb der Föderation auf fremdem Gebiet und mit fremden Völkern gestartet ist. Doch ihr habt den Fehler gemacht, euch international schlecht aufzustellen. Nach Netflix und Amazon Prime habt ihr es nicht geschafft, eure (früheren) Partner auch von dieser Serie zu überzeugen. Weil ihr nämlich euer eigenes Ding abziehen wolltet. Unteressen habt ihr die Serie in einigen Ländern auf Nickelodeon gezeigt. Dort, wo die Serie ohnehin von Anfang an hätte laufen sollen.

    Strange New Worlds

    Dann kam euer Desaster mit der vierten Staffel von “Discovery”. Ihr habt es tatsächlich geschafft, internationale Zuschauer mit dem Abzug aller “Discovery”-Folgen von Netflix zu schockieren. Marketing der Extra-Klasse. Aber auch die Storys sind weiterhin keine “Star Trek”-Geschichten, sondern einfach nur stinknormales Science-Fiction, das derzeit wie Sand am Meer vorhanden ist. Ein kleiner Lichtblick gab es aber doch: Ihr habt die Worte der Fans scheinbar gehört, welche sich eine Serie mit Captain Pike gewünscht haben.

    “[Die Fan-Basis] will nur eines: Die optimistische Welt von “Star Trek” sehen. Sie wollen sehen, dass die Zukunft lebenswert und erstrebenswert ist – egal wie schlimm die aktuelle Welt auch sein mag.”

    Nun ist diese Serie gestartet und soll wieder den Optimismus von “Star Trek” in die Welt hinaus tragen mittels episodischer Erzählweise. Und siehe da, die Kritiken und die Fans scheinen vom Piloten und den ersten Folgen angetan und zufrieden zu sein. Doch eure Kunden auf der Welt vergesst ihr immer noch. Wie kann man sich einen Weltmarkt verbauen, nur weil man unfähig ist, einen Streamingdienst aufzubauen?

    Liebes Paramount…

    Ihr habt eine weltweite riesengroße Fan-Basis. Diese will nur eines: Die optimistische Welt von “Star Trek” sehen.

    Bild: © Paramount

    Sie wollen sehen, dass die Zukunft lebenswert und erstrebenswert ist – egal wie schlimm die aktuelle Welt auch sein mag.

    Sie möchten gute Geschichten sehen, die nachvollziehbar und Lebewesen zeigt, welche über sich selbst hinauswachsen und Probleme meistern.

    Sie wollen fremde Welten entdecken mit Technologien, die futuristisch wirken, aber in sich erklärbar und nachvollziehbar sind.

    Sie wollen eine Menschheit sehen, die ihre düstere Zeit endlich hinter sich gelassen hat und sich nun um die wirklich wichtigen Dinge kümmert.

    All das, was ihr in den jüngsten Realserien den “Star Trek”-Fans vorgesetzt habt, ist schlicht und einfach hundsnormale Science-Fiction, die man überall sehen kann.

    Ich wünsche mir wirklich, dass ihr endlich verstanden habt, was “Star Trek” ausmacht. Für einen solch großen Konzern, wie ihr es seid, sind fünf Jahre eine lange Zeit.

    Schämt euch dafür!

    Info: Dieser Kommentar wurde redaktionell bearbeitet. Das Original findet ihr hier.

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    2 Kommentare

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    Ein netter Rundumschlag, dem ich mehr oder weniger zustimmen kann. Trotzdem: Kumbaya-Trek brauche ich nicht, und ich zähle mich auch zur “weltweiten Fanbase”. Die besten Star Trek-Folgen waren verdammt düster. “Best of both worlds 1 und 2”, “In the pale moonlight”, etc… Wer nur Optimismus und heile Welt will, soll auf den evangelischen Kirchentag.

    Die neueren Trek-Serien haben andere Probleme als fehlender Optimismus. Im Gegenteil, mir wird eher zuviel gekuschelt und geherzt. Und geheult…

    Ein toller Text. Bringt es so ziemlich auf den Punkt. Obwohl ich finde dass picard dieses Gefühl mit der 2. Staffel wieder etwas revidiert hat. Da hat es dann gegen Ende an anderen Sachen gemangelt.
    Jetzt müsst ihr aber dafür sorgen dass die verantwortlichen bei Paramount das auch zu lesen bekommen

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