StartNews & StoriesDaily TrekReview: Paramount+ startet mit viel Verspätung, dünnem Angebot und dickem Preisschild

Review: Paramount+ startet mit viel Verspätung, dünnem Angebot und dickem Preisschild

Wenige Inhalte, und ein dafür ziemlich selbstbewusstes Preisschild - das fasst den Start von Paramount+ zusammen.

-

(aka. “Mit Trekkies kann man’s ja machen Teil 4”)

Als “Star Trek: Discovery” 2021 abrupt von Netflix verschwand, wurde der Dienst für “Early 2022” angekündigt. Heute startet Paramount+ in Deutschland. Wir haben uns das Angebot für euch angeschaut.

Vor allen Dingen Trekkies mussten lange und sehnsüchtig darauf warten, heute ist endlich Paramounts eigener Streamingdienst in Deutschland gestartet, und mit ihm “Star Trek: Strange New Worlds“.

Paramount+ Homepage zum Deutschlandstart
Auf Paramount+ gibt es noch viel Platz für mehr Inhalte (Screenshot: TrekZone Network)

Statt “Early 2022”, wie es zum Start von “Star Trek: Discoverys” vierter Staffel hieß, schafft es der Streamingkanal gerade noch so in den letzten Tagen von 2022 in Deutschland, Österreich und der Schweiz seinen Dienst aufzunehmen.

Endlich ein “Star Trek”-Streamingdienst für Alles?

Wer erwartet hat, dass mit Paramount+ endlich wieder ein einzelner Streaminganbieter alle Filme und Serienfolgen unter einem Dach anbietet, wird noch eine ganze Weile enttäuscht sein. Zu finden sind zum Start:

  • Die klassischen Live-Action-Serien: “The Original Series”, “The Next Generation”, “Deep Space Nine”, “Voyager” und “Enterprise”
  • Alle 13 Filme (in ihrer Original-Kinofassung)
  • “Discovery”: Staffel 1-4
  • “Prodigy”: Folgen 1×01-1×13
  • “Strange New Worlds”: Folgen 1×01 und 1×02

Wir vermissen:

  • “The Animated Series”
  • “Short Treks”
  • “Picard”
  • “Lower Decks”
  • Die aktuellsten Episoden von “Prodigy”
  • Die restliche Staffel “Strange New Worlds” (2 neue Folgen erscheinen jede Woche)
  • Die 4K-Neuauflagen der Kinofilme I-IV, insbesondere den neuen “Director’s Cut” von “The Motion Picture”

Wer Zugriff auf einen möglichst vollständigen “Star Trek”-Katalog haben möchte, der benötigt weiterhin mindestens noch ein zusätzlichen Abo bei Amazon Prime Video für “Lower Decks” und “Picard” und ein Abonnement bei Netflix oder RTL+ für “The Animated Series”. Unseres Wissens gibt es derzeit kein deutsches Streaming-Angebot, um die “Short Treks” zu sehen.

Streaming-Chaos (Collage: TZN)
Streaming-Chaos (Collage: TZN)

Während wir die lizenzrechtlichen Gründe für ein Fehlen von “Picard” und “Lower Decks” nachvollziehen können, ist es uns unerklärlich, warum TAS,.”Short Treks” und die Remaster der Filme fehlen.

Update 09.12.: Die 17.Folge von Prodigy, welche am 08.12. erscheinen sollte, ist inzwischen auch abrufbar. Allerdings nur im englischen Original. Die Folgen 14-16 fehlen indes noch.

Technik

Wahrscheinlich Dank seines gestaffelten Starts in unterschiedlichen Weltregionen macht Paramount+ zum Deutschlandstart heute Vormittag jedenfalls eine stabile Figur. Streams starten zügig und schalten flott auf 1080p hoch (4K kann ich mangels entsprechender Hardware nicht testen).

Update 09.12.: Wie sich inzwischen bestätigt hat, bietet Paramount+ zum Start kein 4K an, was vermutlich das Fehlen der 4K-Remaster der ersten vier Kinofilme erklärt. Zudem kommt die deutsche Tonspur nur in Stereo daher, während die englische Originalspur in DTS 5.1 erschallt.

Update: Unser Redakteur Tom Götz meldet, dass die Bereitstellung via Sky nicht so gut läuft. Um ca. 17:00 begrüßte ihn diese Meldung:

Review: Paramount+ startet mit viel Verspätung, dünnem Angebot und dickem Preisschild 1
Auf Sky gibt es ein Baustellenschild statt “Strange New Worlds”

Update 2 (9.12.): Inzwischen ist ein Zubuchen via Sky möglich. Laut unseren Lesern gibt es aber noch Probleme mit Sky Schweiz.

Merkwürdigkeiten gibt es aber in Details.

Zunächst erfordert die Nutzung des Dienstes (auch in der kostenlosen Probewoche) die Angabe einer Kreditkarte. Lastschrift, PayPal oder andere Zahlungsmöglichkeiten werden nicht angeboten. Das ist das erste potentielle Ärgernis, das eventuell schon die Registrierung unmöglich macht.

Update: Zumindest über Android ist es möglich, das Abonnement auch mit Google-Pay oder PayPal zu bezahlen, wenn man es über die App abschließt. Danke an Leserin Ilonka Liska via Facebook.

Ein anderes Problem: Die Nutzer:innen-Profile erlauben sehr wenig Einstellmöglichkeiten. Weder lässt sich Auto-Play deaktivieren, noch merkt sich das System (zumindest im Webbrowser) die eingestellten Audio- und Untertitelsprachen. Selbst wenn man zwei Episoden der selben Serie hintereinanderschaut, muss man dabei jedes Mal manuell den O-Ton auswählen, wenn man wie meiner einer gerne auf Englisch guckt.

Bei “The Original Series” und “The Next Generation” ist es übrigens nicht möglich, die Originalfassung der Folgen in Standardauflösung zu sehen, es wird immer das HD-Remaster mitsamt CGI-Änderungen abgespielt. Bei den Kinofilmen indes gibt es ausschließlich die Kinofassungen zu sehen.

Paramount+ minus vieler Inhalte

Das alles wäre bestimmt zu verschmerzen, wenn denn insgesamt das Preis-Leistungsverhältnis für Paramount+ stimmen würde. Und hier ist der große Haken.

Denn das Angebot und die Preise von Paramount+ unterscheiden sich sowohl im internationalen Vergleich untereinander, als auch mit Blick auf andere Streamingdienste – und dabei zieht das deutsche Paramount+ fast immer den Kürzeren, teilweise deutlich.

Wir mussten uns manuell durch den Katalog klicken, deswegen kann es sein, dass wir eine Zeile hier oder dort doppelt gezählt oder übersprungen haben. Aber unserer Zählung nach geht Paramount+ in Deutschland mit 158 Serien und 414 Filmen ins Rennen. Das ist ein Bruchteil der 660 Serien und 2311 Filme, die es in den USA zu sehen gibt (Quelle: justwatch.com). Für weniger als ein Viertel des Inhalts ruft Paramount+ hierzulande jedoch einen vergleichbaren Monatspreis ab, nämlich 7,99 € statt 9,99 $. Selbst mit dem zur Einführung befristeten Köderangebot für 59,99 € im ersten Jahr langt Paramount+ hier zu Lande immer noch kräftig zu.

Streaming-Chaos (Collage: TZN)
Streaming-Chaos (Collage: TZN)

Richtig ungünstig wird es, wenn man das Angebot im Wettbewerb vergleicht. Bei Netflix gibt es eine Auswahl von 2118 Serien und 4998 Filmen für 12,99 € im Monat (Standard-Tarif), bei Amazon Prime Video sind es 922 Serien und 4171 Filme für 7,99 € im Monat und bei Disney+ 632 Serien und 1682 Filme für 8,99 € im Monat.

Nur ein prominenter Anbieter kommt mit einem noch dünneren Angebot daher: Apple+ mit 99 Serien und 53 Filmen. Für 6,99 € im Monat jagt der iPhone-Bauer dem weißen Berg auf blauem Grund die Krone für den teuersten Content pro Minute ab. (Quelle: justwatch.com, trusted.de). Aber Apple produziert auch erst seit wenigen Jahren Inhalte, Paramount dagegen kann auf einen Katalog zugreifen, der ein Jahrhundert zurückreicht – als deutscher Kunde hat man davon allerdings ziemlich wenig.

Mit Trekkies kann man’s ja machen

Es bleibt unterm Strich ein sehr, sehr teures Vergnügen, die neuen Abenteuer von Captain Pike und seiner Crew durch die Weiten des Alls zu verfolgen. Und das ist meines Erachtens auch das eigentliche Geschäftsmodell hinter Paramount+. “Star Trek”-Fans sollen die Nummer letztlich bezahlen, und zwar nicht einmal, sondern wegen einer auf kurzfristige Profitmaximierung ausgerichteten Lizensierungsstrategie auch noch doppelt und dreifach mit mehreren Streamingdiensten. Dass man kurz vor dem Deutschlandstart von P+ auch noch “Prodigy” im Free-TV verwertet, und den zahlenden Kunden nicht wenigstens einen Monat Vorsprung gewährt, zeigt, dass die Strategie bei Paramount weiterhin lautet: Mit Trekkies kann man’s ja machen. Und zwar wieder, und wieder.

Bewertungsübersicht

Gesamt
Technik
Inhalteangebot
Preis-Leistung

Fazit

Früher oder später werden Trekkies nicht umhin kommen, Pramount+ zu beziehen, wenn sie denn aktuelle "Star Trek"-Folgen parallel zur US-Veröffentlichung sehen möchten. Die einzige Alternative ist, Episoden einzeln für noch mehr Geld im Einzelabruf auf anderen Plattformen zu mieten oder zu kaufen. Das ändert nichts daran, dass das Angebot dünn und der abgerufene Preis eine mittlere Frechheit sind, zumal Stand heute ein wesentlicher Teil des "Star Trek"-Katalogs fehlt. Internationale Trekkies hätten nach zwei schwierigen Jahren etwas besseres verdient.
christopher.kurtz
Christopher Kurtz
Seit den frühen 2000ern ist Christopher Redakteur im TrekZone Network. Wenn er nicht in den unendlichen Weiten nach kritisch rationalem Humanismus Ausschau hält oder sich über die Plausibilität fiktiver Technologien und Gesellschaftsformen den Kopf zermartert, findet man ihn meistens in der Nähe von Spielen der geselligen Art, egal ob analog oder digital, ob als Mitspieler oder Gelegenheitsautor.

Erstelle jetzt dein eigenes Benutzerkonto! Damit kannst du deine Kommentare länger bearbeiten und in deinem Profil übersichtlich anzeigen lassen.


Wir behalten uns vor, Kommentare gekürzt oder nicht zu veröffentlichen, sollten sie zu der Diskussion thematisch nicht konstruktiv beitragen.

14 Kommentare

Abonnieren
Benachrichtige mich bei

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

14 Kommentare
Newest
Oldest Most Voted
Inline Feedbacks
Alle Kommentare

Noch ein Nachtrag. Die Auto-Play-Funktion lässt sich bei mir in der Samsung-TV-App und in der Apple-App deaktivieren, aber nicht im Browser übers Web.

Morgens um 09:00 nach der ersten Enttäuschung auf Amazon (nur Kreditkarte) und der weiteren (bis jetzt keine Zugangsdaten für Sky Anmeldung) war es mir dann um 17:00 !!! möglich doch noch über Amazon die ersten beide Folgen SNW anzuschauen.
Also was will man mehr als Kunde

Die technische Qualität lässt sehr zu wünschen übrig. Es gibt weder 4K UHD noch Dolby Digital. Man muss sich mit flachen PCM Stereo Ton begnügen. So braucht niemand Paramount+.

Das ist uns inzwischen auch aufgefallen. Und dürfte die Erklärung dafür sein, warum die 4K Remaster der ersten vier Filme fehlen (kein 4K….).

Mit den verschiedenen Punkten habt ihr schon recht.- Aber ich habe schon einen wohlwollender Blick. Disney Plus hatte bei Start (2020) jedoch auch nur 500 Filme und 350 Serien und sind in 2 Jahren auf rund 1600 und 600 gestiegen. Ich denke auch bei Paramount+ hat das eine Menge mit exklusiven Lizenzrechten bei anderen Anbietern zu tun, die nach und nach auslaufen werden (abgesehen von neuem Content). Ich bin sicher, Paramount+ wird sich noch entwickeln. Und ich finde, es gibt noch andere spannende Serien, die mir so günstiger kommen, als wenn ich ein Staffelpass bei Amazon, Apple TV oder sonst… Weiterlesen »

Da hast du grundsätzlich Recht, die Frage ist nur, warum man dann 3 Monate vor Start die ganzen Lizenzen nochmal an die RTL Group verschachert?

Wir können den Dienst nur danach beurteilen, was er zum Review-Zeitpunkt tatsächlich liefert. Bei P+ gelten für mein Verständnis keine mildernden Umstände bezüglich Lizenzen, weil man erst sehr, sehr spät in den Streamingmarkt eingestiegen ist, und die entsprechenden Probleme schon beim Wettbewerb besichtigen konnte. Außerdem führt man die treuesten Kunden seit Jahren am Nasenring durch die Manege, beginnend damit, die Rechte zwischen Netflix und Amazon Prime zu splitten.

Weiterhin viel Spaß im TrekZone Network
Christopher

Sollte ja bei Sky inbegriffen sein, aber Stand 15:10 Uhr am 8.12.2022: Fehlanzeige!

Bei Sky geht es inzwischen.
Allerdings musst du es separat aktivieren, da beide Accounts getrennt sind (ein Schelm wer dabei daran denkt, das die Dienste sich irgendwann trennen und man auf den Kosten von P+ “sitzen” bleibt…Remember the words 😉 )

Sofern du, wie ich, keine Mail erhalten hast, einfach einloggen, unten in deinem Account auf P+ sichern gehen. Wenns in deinem Paket enthalten ist bekomsmt du den Aktiiverungscode gleich angezeigt inklusive “Weiter zu P+”. Da dann drauf, Code rein, Account anlegen und dann gehts los 😉

Sky Schweiz: Da läuft gar nichts. Nicht mal ein Code kann angefordert werden, kein Link, der in Deutschland oder Österreich funktioniert, klappt für Sky Schweiz. Man könnte fast denken, bei Sky Schweiz haben sie noch nie was von Paramount+ gehört.

Dass ich Strange New Worlds nicht einfach durchbingen kann, ist schon krass.Da hol ich mir doch erst ein Abo, wenn alle Episoden verfügbar sind.

Last edited 1 Monat zuvor by Maja

Ich hatte mich auch darauf gefreut, Prodigy bis Folge 16 (akt.) nachholen zu können.

Damit ist für mich leider auch in frage gestellt, ob es künftig weltweit zeitgleiche Veröffentlichungen der neuen Staffel (was ja eigentlich Sinn und Zweck von P+ sein sollte/muss) geben wird. DAs wirft leider kein gutes Licht, da bin ich bei euch.

Ja, darauf habe ich mich auch gefreut. Aber Paramount (ob mit oder ohne Plus) beschäftigt scheinbar unfähige Mitarbeitende.

Gerade gesehen das Folge 17 (die heute erscheint) da ist.
Also Folge 1-13 auf deutsch und folge 17 (aus USA) , allerding snur auf englisch, gerade zu sehen.

Wahrscheinlich ein Versehen..also schnell sein 😉

Empfohlene Episoden

Empfohlene Artikel

Früher oder später werden Trekkies nicht umhin kommen, Pramount+ zu beziehen, wenn sie denn aktuelle "Star Trek"-Folgen parallel zur US-Veröffentlichung sehen möchten. Die einzige Alternative ist, Episoden einzeln für noch mehr Geld im Einzelabruf auf anderen Plattformen zu mieten oder zu kaufen. Das ändert nichts daran, dass das Angebot dünn und der abgerufene Preis eine mittlere Frechheit sind, zumal Stand heute ein wesentlicher Teil des "Star Trek"-Katalogs fehlt. Internationale Trekkies hätten nach zwei schwierigen Jahren etwas besseres verdient.Review: Paramount+ startet mit viel Verspätung, dünnem Angebot und dickem Preisschild
14
0
Was ist deine Meinung? Kommentiere!x