Der Sammelband zur Vorgeschichte der zweiten Staffel. Die Review geht allerdings nicht ohne Spoiler – ihr seid hiermit gewarnt!
Inhalt (Klappentext)
In einer von Wissenschaft geprägten Welt träumt der junge Zauberlehrling Keldor davon, mithilfe seiner Magie eines Tages Grayskull und das gesamte Universum zu beherrschen – und somit die Prophezeiung zu erfüllen. Auch der brutale Eroberer Hordak wird von einer Vorhersage über die Zukunft angetrieben. Als der Kriegsherr der Horde in Keldors Leben tritt und ihn unter seine Fittiche nimmt, verschmelzen ihre Schicksale. Und so beginnt letztlich die Legende von He-Mans späterem Erzfeind Skeletor!
Kritik
Der neue Masters-Band zeigt uns die Vorgeschichte der zweiten (und leider viel zu früh abgesetzten) Staffel der Netflix-Serie. Wobei, genau genommen stimmt das so nicht, da es nicht direkt vor der Serie spielt, sondern fast 30 Jahre früher. Es wird hier die Zeit gezeigt, als sich Keldor und Hordak kennenlernten und ihre ersten Missionen bestritten. In gewisser Weise, vielleicht abgesehen vom Ende, könnte es also auch eine Vorgeschichte zu allem anderen (oder gar Season 1) sein, auch wenn dann einige der Enthüllungen vorweggenommen würden. Doch der Reihe nach, denn dazu kommen wir noch.
Zunächst einmal ist zeichnungstechnisch alles auf gutem Niveau. Die Charaktere sehen aus, wie wir sie kennen und auch etwaige Emotionen spiegeln sich in ihren Gesichtern wider. In Kampfszenen hat man genug (auch Hintergrund-)Details, die einem das Herz aufgehen lassen. Hinzu kommen neue Charaktere wie Succubug und Tarangela (eine weibliche Webstor), die durchaus gut aussehen. Ein Schelm, wer hier daran denkt, dass möglicherweise Figuren dazu erscheinen könnten…
Was man auch noch sagen muss ist, dass die Story echt “fett” ist, will heißen: Es ist derart viel Text in den Sprechblasen präsent, dass man, obwohl der Band etwas dünn erscheint, durchaus etwas braucht. Hut ab.
Wie erwähnt spielt die Handlung noch vor He-Mans Geburt, so dass wir hier den gesamten Comic mit den Bösewichtern verbringen. Keldor besucht zwar kurz Eternos (und wird dort überrascht) und da tauchen auch ein paar bekannte Helden auf, die sind aber nur Beiwerk, denn das Hauptaugenmerk liegt auf Hordaks und Keldors Beziehung als Meister und Schüler. Das ist über den ganzen Comic hinweg ganz gut gelungen. Während Keldor immer nach Macht strebt, geht Hordak etwas geschickter und taktischer vor. Beide aber wollen letztlich nur den anderen ausnutzen und suchen nach Wegen, den anderen zu übervorteilen. So weit so bekannt.
Dazwischen eingewebt gibt es durchaus noch weitere Charakterszenen, etwa, wenn Miro Keldor gar nicht verstoßen will. Das kennen wir schon aus früheren Comics, wird hier aber nochmal gut miteinander verflochten. Natürlich stehen die anderen Charaktere etwas im Hintergrund, aber ist das ein Wunder bei zwei so mächtigen (bösen) Egos? Jedenfalls tragen unsere beide Schurken die Story durchaus exzellent. Lediglich Shadow Weaver kann hier vielleicht noch etwas Tiefe mitbringen, wobei es noch nicht die ist, die wir aus späteren Inkarnationen kennen. Generell hat die Idee mehrerer Weavers durchaus was für sich, auch wenn es stellenweise etwas verwirrend sein mag.
Als verwirrend könnte man auch manche Szenen bezeichnen, die im Widerspruch zu führeren Inkarnationen stehen – oder doch nicht? Skeletor erhält hier nämlich eine Gehirnwäsche, was nicht nur sein Verhalten in Season 2 (oder so Ausschweifungen wie den Infinita-Part aus den ersten Minicomics) erklärt, sondern auch einige weitere Kanon-Widersprüche ausmerzt (in gewisser Weise aber auch neue zu seiner Entstehung und seinem Stab aufwirft, aber da musste man bei MOTU ja schon immer etwas großzügiger sein). Es ist also in gewisser Weise eine gewisse Verbeugung vor den Fans, wozu auch Details wie etwa die Erwähnung der Fright Zone gehören, die sich auf anderen Welten manifestieren kann. Auch das erklärt das Aussehen des alten Spielzeugs bzw. dessen Auftauchen in diversen früheren Medien auf Eternia. Und auch eine gewisse Verbannung nach Despondos wird angedeutet, was Skeletors Verrat auf ein neues Level hebt.
Am Ende wird ein Bogen zum Ende der zweiten Staffel geschlagen, denn die Story knüpft genau dort an. Mehr als ein kurzer Blick ist aber nicht drin, denn eigentlich geht es ja um die Jugend-(und Lehr-)Jahre unserer Hexenmeister. Dennoch, ebenso wie das erwähnte Cliffhanger-Ende der Serie, ein Ausblick auf die Zukunft, der hoffentlich nicht wie im TV verpuffen wird, sondern alsbald eine Comicfortsetzung erhält. Bis dahin können wir uns aber an diesem Band erfreuen.





