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Kurzrezension “Star Trek: Starfleet Academy” – 1×06 “Come, Let’s Away”

Was als Trainingsmission auf einem havarierten Schiff der Sternenflotte beginnt, entwickelt sich binnen kürzester Zeit zu einem Geiseldrama, das Keldric, Ake und Vance zwingt, ausgerechnet bei Nus Braka Hilfe zu suchen.

Was meinen wir mit “spoilerfrei”?

Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was “spoilerfrei” bedeutet. Damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr die Rezension vorab lesen möchtet, machen wir hier transparent, was wir darunter verstehen:

  • Wir verraten keine wichtigen und unerwarteten Wendungen der Handlung bzw. Informationen über die fiktiven Welt und ihre Figuren.
  • Was im Vorfeld durch Vorschauclips und Trailer gezeigt wird, ist kein Spoiler.
  • Was im Cold Open (vor dem Vorspann) bzw. im ersten Akt (bei Episoden ohne Cold Open) passiert, ist kein Spoiler.
  • Handwerklichen Aspekte (Schauspiel, Drehbuch, Bühnenbild, Soundtrack, Spezialeffekte) sind keine Spoiler, sofern sie nichts Wichtiges über die Handlung verraten.

„Come, Let’s Away“

Die Athena wird ihrem Auftrag als Schulschiff gerecht und entsendet die Studierenden beider Bildungseinrichtungen, um ein 100 Jahre altes Wrack zu bergen. Die Teams auf der U.S.S. Miyasaki und der Brücke der Athena haben jeweils eine Stunde Zeit, den Antrieb wiederherzustellen – danach sollen die Gruppen ausgetauscht werden. Doch dazu kommt es nicht: Kurz nachdem Caleb die Lebenserhaltung reaktiviert hat, wird das Schiff von den „Furies“ geentert und das Außenteam als Geiseln genommen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, um sie zu befreien.

Reymi, Kraag, SAM und Lythe in "Come, Let’s Away" (Photo: John Medland/Paramount+)
Reymi, Kraag, SAM und Lythe in “Come, Let’s Away” (Photo: John Medland/Paramount+)

Nach mehreren Folgen, in denen “Starfleet Academy” einzelne Figuren ins Rampenlicht stellte, kehrt „Come, Let’s Away“ zum Ensembleformat des Piloten zurück und greift den übergreifenden Handlungsbogen um Nus Braka wieder auf. Das Drehbuch von Kenneth Lin und Kiley Rossetter ist waschechtes “Star Trek“, wie es in den jüngsten Serien oft vermisst wurde: Der Plot trägt sein eigenes Gewicht, die Charaktere wirken weitgehend kompetent, und die Bewältigung der Krise gelingt nicht durch einen einzelnen genialen Schachzug, sondern durch beständiges Teamwork. Vergleichbares leistete zuletzt die zweite Hälfte der “Picard“-Folge „No Win Scenario“.

Trotz der Laufzeit von einer Stunde kommen nicht alle Figuren gleichwertig zum Zug. Besonders Kraag wirkt streckenweise wie ein Statist, Reno bleibt vollständig abwesend.

Viele seltene Qualitäten

Dafür hat „Come, Let’s Away“ einen klaren Fokus und vermeidet deutlich mehr Schwächen als die bisherigen Folgen. Die Episode setzt sich auf mehreren Ebenen und in verschiedenen Motiven mit dem klassischen “Star-Trek”-Mantra „Das Wohl Vieler wiegt schwerer als das Wohl Weniger oder eines Einzelnen“ auseinander. Diese Kohärenz zwischen Erzählsträngen und -ebenen ist in der Kurtzman-Ära selten geworden.

Doch „Come, Let’s Away“ vergisst auch die bisherigen Stärken von “Starfleet Academy” nicht: Viele Dialoge, Charaktermomente und insbesondere das Kammerspiel in Akes Bereitschaftsraum bleiben als Highlights der bisherigen Serie in Erinnerung.

Ake in "Come, Let’s Away" (Photo: John Medland/Paramount+)
Ake in “Come, Let’s Away” (Photo: John Medland/Paramount+)

Auch wenn der Plot zunächst wie eine Neuauflage von „Peak Performance“ wirkt, steht „Come, Let’s Away“ schnell auf eigenen Beinen und entpuppt sich als spannender, charaktergetriebener Thriller. Besonders die Szenen zwischen Hunter und Giamatti allein rechtfertigen es, diese Folge in den Rang eines Klassikers zu heben. Wieder spiegeln sich Elemente des persönlichen Konflikts zwischen Braka und Ake in anderen Aspekten der Handlung wider: So bezeichnet Caleb Mir einen Comic über die Abenteuer der U.S.S. Miyasaki als „kolonialistische Propaganda“.

Seit dem Auftreten von Harry Mudd in der ersten Staffel von “Discovery” unternimmt “Star Trek” immer wieder halbherzige Versuche, das Konzept der Föderation und der Sternenflotte zu dekonstruieren. Bisher fehlte diesen Auseinandersetzungen jedoch sowohl stilistisch als auch inhaltlich die nötige Substanz, um etwas Relevantes auszusagen. Es bleibt abzuwarten, ob “Starfleet Academy” es endlich gelingt, die Idee ernsthaft zu Ende zu denken – etwa die Frage, welche negativen Folgen „das Ende der Geschichte“ in einer Welt des Überflusses und kultureller sowie politischer Dominanz nach innen und außen hat.

Einen Wermutstropfen gibt es leider beim Produktionsdesign: Die U.S.S. Miyasaki wirkt innerlich wie äußerlich wie ein Anachronismus. Ein Design aus dem 23. oder frühen 24. Jahrhundert passt schlecht als Testplattform für einen Antrieb im dritten Jahrtausend. Kirk oder Picards Föderation hätten selbst in größter Verzweiflung nie einen neuen Warpantrieb an einer Pferdekutsche getestet. Zudem ist die Brücke der Miyasaki schnell als das mit schwarzen Plastikplanen abgeklebte Set aus “Strange New Worlds” zu erkennen. Hier hätte ein glaubwürdigeres Produktionsdesign überzeugt.

Der Freude über die ansonsten spannende und sehenswerte Inszenierung von Regisseur Larry Teng tut dieses Zugeständnis ans Budget jedoch keinen Abbruch.

Mit Rücksicht auf die Leser:innen, die die Episoden noch nicht gesehen haben, bitten wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag auf Spoiler zu verzichten. Danke!

Bewertung

Holly Hunter und Paul Giamatti erfüllen in dieser Folge die Erwartungen an ihre hochkarätigen Rollen und sind in Bestform. Das Drehbuch ist clever, spannend und schafft echtes Star-Trek-Flair. Auch der Rest der Serie wirkt wie eine perfekt geölte Maschine – einzig die offensichtliche Wiederverwendung des Strange New Worlds-Sets trübt den Eindruck minimal.

Bewertungsübersicht

Gesamt
Christopher Kurtz
Seit den frühen 2000ern ist Christopher Redakteur im TrekZone Network. Wenn er nicht in den unendlichen Weiten nach kritisch rationalem Humanismus Ausschau hält oder sich über die Plausibilität fiktiver Technologien und Gesellschaftsformen den Kopf zermartert, findet man ihn meistens in der Nähe von Spielen der geselligen Art, egal ob analog oder digital, ob als Mitspieler oder Gelegenheitsautor.

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Holly Hunter und Paul Giamatti erfüllen in dieser Folge die Erwartungen an ihre hochkarätigen Rollen und sind in Bestform. Das Drehbuch ist clever, spannend und schafft echtes Star-Trek-Flair. Auch der Rest der Serie wirkt wie eine perfekt geölte Maschine – einzig die offensichtliche Wiederverwendung des Strange New Worlds-Sets trübt den Eindruck minimal.Kurzrezension "Star Trek: Starfleet Academy" - 1x06 "Come, Let's Away"
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