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StartStarfleet AcademyStarfleet Academy - Season 1Kurzrezension „Star Trek: Starfleet Academy“ – 1x08 „The Life of the Stars“

Kurzrezension „Star Trek: Starfleet Academy“ – 1×08 „The Life of the Stars“

Nach ihrer Rehabilitation kehrt Tamira Sadal nach San Francisco zurück. Um ihr die notwendige Fürsorge und medizinische Begleitung zukommen zu lassen, wird sie vom War College an die Sternenflottenakademie versetzt. Die Moral und psychische Gesundheit der Lernenden leidet weiterhin spürbar unter den Folgen der Miyazaki-Krise. Ake beauftragt daher Lieutenant Tilly damit, einen verpflichtenden Literaturkurs für ihre Schützlinge einzurichten.

Was meinen wir mit “spoilerfrei”?

Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was “spoilerfrei” bedeutet. Damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr die Rezension vorab lesen möchtet, machen wir hier transparent, was wir darunter verstehen:

  • Wir verraten keine wichtigen und unerwarteten Wendungen der Handlung bzw. Informationen über die fiktiven Welt und ihre Figuren.
  • Was im Vorfeld durch Vorschauclips und Trailer gezeigt wird, ist kein Spoiler.
  • Was im Cold Open (vor dem Vorspann) bzw. im ersten Akt (bei Episoden ohne Cold Open) passiert, ist kein Spoiler.
  • Handwerklichen Aspekte (Schauspiel, Drehbuch, Bühnenbild, Soundtrack, Spezialeffekte) sind keine Spoiler, sofern sie nichts Wichtiges über die Handlung verraten.

„The Life of the Stars“

Abgesehen von SAM ist den übrigen Protagonist:innen unklar, wie sie Tillys Anliegen einschätzen sollen: ein Theaterstück auszuwählen, zu interpretieren und aufzuführen. Die photonische Lebensform hingegen ist begeistert vom Konzept und verschlingt in kürzester Zeit Jahrhunderte literarischer Werke. Unterdessen holen die Studierenden die Konsequenzen ihrer Traumata ein. Viele wirken wie Schatten ihrer selbst und zeigen keinerlei Interesse daran, an Tillys durchschaubarem Versuch teilzunehmen, eine Art Theatertherapie über sich ergehen zu lassen.

Der B-Plot der Episode konzentriert sich auf SAM, deren Fehlfunktionen trotz der Behandlung in „Ko’Zeine“ stetig zunehmen. Die Handlung um SAM beleuchtet das seltsam distanzierte Verhältnis, das der Doktor zu ihr pflegt, und ist zweifellos von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung der Serie. Allerdings wirkt das Drehbuch hier spürbar holpriger.

SAM und Lythe in "The Life of the Stars" (Photo: Brooke Palmer/Paramount+)
SAM und Lythe in “The Life of the Stars” (Photo: Brooke Palmer/Paramount+)

Das Skript von Gaia Violo und Jane Maggs ist genau das, was „Starfleet Academy“ dringend brauchte: eine intelligente Aufarbeitung von „Come, Let’s Away“, ohne in die Fallstricke vorhersehbarer und ausgetretener Pfade zu tappen. Es hilft, dass sowohl dem Publikum als auch den Studierenden schnell klar wird, dass Tilly den Literaturkurs als eine Form der Gruppentherapie anlegt. Erfrischend ist zudem der Meta-Kommentar aus dem Mund der Figuren, die keine Lust haben, „ihr Trauma über den ganzen Boden zu ergießen“ – eine Trope, der viele Fans während „Discovery“ und „Picard“ überdrüssig geworden sind.

„Starfleet Academy“ hat sich mit „Ko’Zeine“ dramaturgisch keinen Gefallen getan. „The Life of the Stars“ wäre der perfekte Anschluss an „Come, Let’s Away“ gewesen. Mit geringfügigen Anpassungen wäre es sinnvoller gewesen, „Ko’Zeine“ und „Come, Let’s Away“ in der Reihenfolge zu tauschen. Allerdings hätte dann das adrenalingeladene Wiedersehen mit Nus Braka nicht in das aus sechs Episoden bestehende Preview-Paket geschafft, das das Studio im Vorfeld für Rezensionen zur Verfügung stellte.

Verwunderlich ist auch das Auftreten von Sylvia Tilly, die jede Form sozialer Unbeholfenheit abgelegt zu haben scheint und stattdessen mit geradezu guinanhaften „People-Skills“ gesegnet zu sein scheint. Es strapaziert die Glaubwürdigkeit der Figur, dass sie dank ihrer neuen Aufgabe in so kurzer Zeit eine derartige Wandlung durchlaufen haben soll. Gleichzeitig ist es jedoch schön, Mary Wiseman so freudestrahlend agieren zu sehen.

„Our Town“

Mit „Our Town“ („Unsere kleine Stadt“) stützt sich „The Life of the Stars“ auf ein Werk, das besonders in den USA zum kulturellen Kanon gehört. Die Pointe des Stücks – das in seinen ersten beiden Akten vergleichsweise banale Episoden aus dem Alltagsleben einer Kleinstadt zeigt – liegt im Rückblick einer verstorbenen Hauptfigur auf ebendieses Leben und die menschliche Ignoranz, mit der es geführt wird. In „The Life of the Stars“ erklärt SAM, ihre Wahl von „Our Town“ habe mit „hoffnungsvollem Trotz“ zu tun.

Reymi, Kraag, Sadal, Lythe und Mir in "The Life of the Stars" (Photo: John Medland/Paramount+)
Reymi, Kraag, Sadal, Lythe und Mir in “The Life of the Stars” (Photo: John Medland/Paramount+)

Auch wenn die B-Story essenziell ist, um die Episode thematisch abzurunden, stellt sie leider einen Schwachpunkt dar. Besonders Robert Picardo wirkt hier nicht überzeugend, wobei unklar bleibt, ob sein Spiel, das Drehbuch oder Andi Armaganians Regie das Problem sind. Den Gesamteindruck trübt zudem, dass „Starfleet Academy“ fast ausschließlich auf Bestandssets und gelegentlichen Ausflügen vor die AR-Wand gedreht wird. Zwar ist das Atrium ein toller Spielort, doch nach der Hälfte der Staffel wirkt es bereits abgenutzt. Dass für die Inszenierung des B-Plots erneut dasselbe Set herhalten muss, ist für vergleichbar konstruierte Geschichten in „Star Trek“ zwar nichts Ungewöhnliches, aber dennoch bedauerlich und letztlich ermüdend.

In „The Life of the Stars“ werden zahlreiche Parallelen zwischen Szenen aus dem Stück und den jüngsten Entwicklungen der Hauptfiguren gezogen, doch Thornton Wilders Werk wird erfreulicherweise nie als bloße Vorlage missbraucht. Im Gegenteil emanzipiert sich die Episode deutlich vom dritten Akt des Bühnenstücks und zieht eine naheliegende, alternative Lehre. Dies ist einerseits eine logische Konsequenz des „hoffnungsvollen Trotzes“, andererseits ein weiterer Beweis dafür, dass Violo tatsächlich versteht, was den harten Kern des „Star Trek“-Wertekanons ausmacht – jenen Kanon, der das Franchise seit über 60 Jahren prägt.

Mit Rücksicht auf die Leser:innen, die die Episoden noch nicht gesehen haben, bitten wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag auf Spoiler zu verzichten. Danke!

Bewertung

Trotz spürbarer Schwächen in der B-Story gelingt es *„The Life of the Stars“*, eine waschechte *„Star Trek“*-Geschichte zu erzählen, die unverbraucht wirkt und sowohl den vordergründigen Plot als auch den Subtext mit *„hoffnungsvollem Trotz“* konsequent und souverän zum Abschluss bringt.

Bewertungsübersicht

Gesamt
Christopher Kurtz
Seit den frühen 2000ern ist Christopher Redakteur im TrekZone Network. Wenn er nicht in den unendlichen Weiten nach kritisch rationalem Humanismus Ausschau hält oder sich über die Plausibilität fiktiver Technologien und Gesellschaftsformen den Kopf zermartert, findet man ihn meistens in der Nähe von Spielen der geselligen Art, egal ob analog oder digital, ob als Mitspieler oder Gelegenheitsautor.

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Trotz spürbarer Schwächen in der B-Story gelingt es *„The Life of the Stars“*, eine waschechte *„Star Trek“*-Geschichte zu erzählen, die unverbraucht wirkt und sowohl den vordergründigen Plot als auch den Subtext mit *„hoffnungsvollem Trotz“* konsequent und souverän zum Abschluss bringt.Kurzrezension „Star Trek: Starfleet Academy“ – 1x08 „The Life of the Stars“
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