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StartDaily TrekRezension: "Strange New Worlds 4x07 - Wie Chronitonen durch das Stundenglas"

Rezension: “Strange New Worlds 4×07 – Wie Chronitonen durch das Stundenglas”

Folge 7 bringt einen alten bekannten zurück. In der Spoiler-Review schaut Tom, was der Auftritt taugt.

Von alten Bekannten…

Die vorliegende Folge ist eine Trelane, also Q-Folge. Sollte irgendwann irgendwo noch immer Zweifel daran bestehen, dass es sich bei Trelane um einen Q handelt, so wird das später ausgeräumt, als eine weitere Q im Richterkostüm erscheint, dass eindeutig an TNG angelehnt ist. Okay, als kleinen Joke meint Pike zu Trelane, sein Name ist ihm egal, so dass er diesen noch immer nicht erfährt. Und auch Spock liegt nur betäubt auf der Krankenstation herum – denn auch er darf Trelane ja nicht treffen, da er dies erst Jahre später mit Kirk tut. An dieser Front hat man also auf den Kanon geachtet – oder zumindest einigermaßen. Da Trelane seinen Namen nie sagt, könnte man später übrigens sogar retconnen, dass er es doch nicht ist.

An anderer Stelle wird der Kanon aber wieder einmal zugunsten des Drehbuchs zurechtgebogen. Denn die Enterprise hat plötzlich Counselors an Bord, etwas, das eigentlich erst Mitte des 24.Jahrhunderts eingeführt wurde, als man erkannte, dass man auf so langen Missionen da draußen eben auf therapeutische Hilfe setzen muss. Klar kann man auch hier wieder sich alles zurechtbiegen, etwa, dass sie halt bis kurz vor Kirk noch da waren und dann wieder für 100 Jahre abgeschafft wurden. Das ändert aber nichts daran, dass man sie hier eingeführt hat, nur damit man am Ende eine Szene einfügen kann, in der Pike heult.

Aber ich greife schon wieder vor, gehen wir der Reihe nach durch. Bei Trelanes Effekten hört man den Sound aus der klassischen Serie, was für eine gewisse Nostalgie sorgt. Auch die Fernsehschirme haben was (und könnten erklären, warum Trelane auch später in die falsche Zeit schaut, denn offensichtlich zwingt er die Crew hier in eine Soap aus den 90ern (oder 2000ern). Trelane muss hier genau genommen für ein Schulprojekt büffeln und macht deswegen dieses Experiment an der Crew. Und ja, der Einfall ist extrem witzig, sogar die Note, die er am Ende erhält.

Die Seifenoper schwankt dann auch immer zwischen Vollbild und Spielfilmstreifen hin und her, um abzugrenzen, in welchem Format man sich befindet und ja, das macht zumindest anfangs schon irgendwie Spaß und ein paar der Szenen sorgen für einen Lacher. Fast schon hatte ich die Hoffnung, dass die Folge endlich eine der besseren der Staffel werden könnte, denn das sind ja per se mal gute Voraussetzungen. Im Verlauf der Folge habe ich aber dann leider gemerkt, dass sie mich irgendwann total verloren hat und mir der Ausgang nicht egaler hätte sein können. Meine Frau hat die Folge übrigens noch schneller verloren, als mich.

Worans liegt? Vermutlich daran, dass die guten Voraussetzungen durch die am Ende dann doch flache Story konterkariert werden. Und das, obwohl man sich am Ende dann sogar noch um ein paar Charaktermomente bemüht. Trelane und seine Fähigkeiten werden dabei sogar relativ sparsam eingesetzt, die meiste Interaktion spielt sich im Regieraum ab. Das kurze Intermezzo mit Pike ist dahingegen sehr amüsant und weitere oder ähnliche dieser Szenen hätten der Folge hier eindeutig besser gestanden, statt sich im weiteren Verlauf auf die Soap-Elemente zu konzentrieren.

Die Bausteine zusammensetzen

Wir befinden uns also in einer Soap und die Charaktere reagieren allesamt extrem übertrieben. Pike ist immun gegen Trelanes Einfluss, das warum ist aber debattierbar. Die Kopfverletzung zu Beginn hätte ja eine gute Ausrede sein können, aber wie bei vielem in dieser Folge, kann man sich am Ende nicht sicher sein, ob ein Shuttleunfall wirklich stattgefunden hat. Also eigentlich könnte das hier wieder eine kurze Rezension werden, da vieles nicht real ist. Man hat hier aber anscheinend durchaus gemerkt, dass dies schon bei der Muppetfolge nicht zielführend war, deswegen werden sich die Charaktere am Ende auch an alles erinnern. Die Erklärung von Trelane, Pike müsse seinen inneren Konflikt lösen und ist vermutlich deshalb immun, zieht hier übrigens noch weniger. „Die Macht kann großen Einfluss haben, auf die Geistig Schwachen“, die emotional geladenen aber scheinbar nicht. Aber gut, im Kontext der Folge ist das in Ordnung, es gibt noch beileibe andere Probleme hier.

Haken wir die Stationen also mal der Reihe nach ab: M’Benga leidet an einer Krankheit und muss von Chapel und Ortegas aufgefangen werden (wobei letztere ein klein wenig „hinein konstruiert“ wirkt). Das geht natürlich soweit, dass am Ende seine zitternden Finger durch gutes Zureden aufgefangen werden können. Wie alle nimmt auch M’Benga dies sichtlich mit, wobei ich da zuerst dachte, man schiebt seine Unsicherheiten vielleicht auf die J’Gal-Sache oder was ähnliches. Aber nein, Weltraumwahnsinn.

Für mich eindeutig der schwächste Arc der „erfundenen“ Soap-Geschichten. Bietet wenig Neues und lässt auch in die Charaktere nicht wirklich tief blicken, das hatte man früher schon anders und besser. Una darf als amtierender Captain hier auch ein klein wenig mitmischen, unterm Strich ist aber wie bei Ortegas ihre Rolle hier eher kleiner.

Dann ist da der Arc um Uhura und Pike, denn Uhura denkt, dass Pike ihr Vater ist. Ein durchaus netter Ansatz, auch wenn Pike im Moment nicht mitmachen will und erst zustimmt, als ihm keine andere Wahl mehr bleibt. Das führt zu immerhin einigen lustigen Konstellationen (inklusive besagter Couns), etwa beim leeren Rezeptbuch, verwässert aber eben auch dadurch schnell, dass Pike eben weiß, das er nicht Uhuras Vater ist und es im Grunde nur darum geht, sie bei der Stange zu halten. Auch hier also kein echter „Konflikt“, der dann aber immerhin in Pikes Vision seiner „echten“ Tochter führt. Aber dazu kommen wir später im Abschnitt bei den Charakterentwicklungen.

Die dritte Handlung im Bunde ist natürlich die Herztransplantation von Spock. Hier karrt La’an Sybok heran, der auch von Ethan Peck gespielt wird. Jedwede Meckerei, dass er halt nicht die gleiche Mutter wie Spock hat und daher gar nicht gleich aussehen kann, erübrigt sich, denn er wurde aus Spock erschaffen, ist also hier nur eine Art „geistiger“ Klon. Und ja, auch hier sind die Szenen wieder schön übertrieben dargestellt, die Anziehung der beiden – also Sybok und La’an – ist aber spürbar und man nimmt ihr ab, dass sie quasi überlegt, mit ihm zu gehen. Auch das werden wir uns gleich bei den Charakterszenen noch genauer anschauen.

Das ganze gipfelt dann in der blutigen Herz-OP, ein Schelm wer hier eine Hommage an Sareks OP aus TOS zieht. Ist im Kontext ja ganz nett, verpufft am Ende dann aber halt leider auch wieder. So bleiben unterm Strich ein paar halbgare künstlich aufgebauschte Charaktermomente, die vielleicht im Kontext der Folge okay sind, aber eben auch nicht gerade spannend.

Die Charaktermomente

Zumindest an anderer Stelle punktet die Geschichte aber besser, und das sind die Charakterszenen. Fangen wir mit La’an und Spock an. Wie oben erwähnt, kann man La’ans Entwicklung hier nachvollziehen, denn sie will durchaus mit Sybok durchbrennen. Das ist natürlich dem Ende der Beziehung der beiden geschuldet. Das ist zwar zunächst nicht real, bringt aber, wie die anderen am Ende, La’an zum Nachdenken. Wer meine Reviews verfolgt, der weiß: ich bin Team Laspo bzw. Spoan, da hier die Chemie der beiden Schauspieler einfach passt.

Am Ende hat La’an also erkannt, dass es womöglich ein Fehler war, mit Spock Schluss zu machen, sie will sich wieder annähern. Spock wehrt sie aber ab (noch jemand der ihn am liebsten durch den Bildschirm zerren würde?). Nun ist mir natürlich klar, dass es irgendwie irgendwann enden muss, aber das ist hier halt schon die recht unspektakulärste Art. Statt Spock durch ihren Verlust später in seinen Logikstatus fallen zu lassen, scheint es fast so, als würde man sich das hier wieder auf Gedeih und Verderb zurechtbiegen. Das vor allem deshalb, weil man halt schon letzte Woche eine erneute (sanfte?) Annäherung verspüren konnte. Das scheint aber hier leider komplett wie weggeblasen. Vor allem ging ja alles von ihr aus, weswegen Spock eigentlich offener für eine Fortführung hätte sein sollen. Ja, vielleicht ist er wirklich dumm und erkennt es nicht aber da muss man schon Tomaten auf den Augen haben. Aber gut, die neue T’Pring ist ja durchaus auch heiß *hüstel*

Insofern, okay, eine gute Szene, die der Weiterentwicklung der Charaktere zwar Rechnung trägt, an vielen Stellen aber auch sehr holprig daherkommt. Für Pike kann man das nicht sagen. Er springt nämlich zu der Zeit mit seiner Tochter zurück, also der, die er in der Zukunftsvision mit Batel hatte. Damals sagte ich ja, die Szene hat mich eher etwas kalt gelassen, da eindeutig nicht real, diesmal schaut es ein wenig anders aus, denn die Interaktion zwischen Vater und Tochter überzeugt hier besser. Vor allem wird deutlich, dass irgendwann, irgendwo diese Realität „real“ war und damit verschafft man Pike einen runden Abschluss mit seiner Geliebten. Das hätte es am Ende von Staffel 3 gebraucht, denn das wäre eigentlich die perfekte Abrundung gewesen. Er geht sogar zu Uhura und sagt, dass sie mal gemeinsam kochen sollten, was ebenfalls eine schöne Szene ist. Also ein Happy End hier und ein schöner Abschluss für Uhura aber auch für Pike!

… wäre da nicht die Endszene mit Pike bei der Couns. Dass es Counselors eigentlich noch gar nicht geben dürfte, wurde ja bereits erwähnt. Pike darf hier nun über eben jene Szene mit seiner Tochter sprechen und am Ende weint er sogar. Man mag nun argumentieren, dass das ja menschlich wäre und auch ein Captain mal jemanden zum reden braucht. Das mag natürlich stimmen, dass Pike hier aber zusammenbricht und heult, war für mich völlig übertrieben. Er mag reden, ein derartiger Zusammenbruch passt aber nicht zu ihm, das hätte hier ohne Tränen abgehen sollen, dann wäre es meiner Ansicht nach glaubwürdiger gewesen. Kollege Matthias bemängelt ja seit einiger Zeit die Demontage von Pike durch die Serie – und in keiner anderen Szene als dieser hab ich das eben so deutlich vor mir gesehen. Man scheint sich bei New Trek wirklich auf die Fahnen geschrieben zu haben, jedwede bedeutende Entwicklung durch überzogene andere Darbietungen oder „Weiterentwicklungen“ nahezu sofort wieder auszuhebeln.

Aber mal noch was positives zum Schluss: Trelane erwähnt Werbepausen (eigentlich obsolet im Zeitalter des Streamings, aber für irgendwann im Free-TV) und nach dem Abspann gibt es, wie bei den Short Treks (außer den Deutschen, denn die Szene wurde den Deutschen damals vorenthalten) eine kleine Werbung über Frühstückscerealien. Das macht durchaus Spaß.

Bewertung

Ist das hier noch ein Experiment? Teilweise vielleicht, aber zumindest ist, wie bei der Vorwoche, der Experimentierfaktor zurückgeschraubt worden. Die Szenen mit Trelane und der Q machen durchaus Spaß, sind aber zu gering gesät. Auch bei einigen Charaktermomenten sind, wie so oft, gute Ansätze zu erkennen, die aber durch die übertriebene Soap-Darstellung konterkariert wird. Statt sich auf die erwähnten Stärken zu konzentrieren, versteift man sich auf die Darstellung dieser Szenen, die leider nicht so gut funktionieren. Ist die Folge ein Totalausfall? Das nicht, aber zu mehr als einem „Kann man mal gucken“ reicht es damit auch hier leider nicht.

Bewertungsübersicht

Bewertung
Seriestrange-new-worlds
Thomas Götz
Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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Ist das hier noch ein Experiment? Teilweise vielleicht, aber zumindest ist, wie bei der Vorwoche, der Experimentierfaktor zurückgeschraubt worden. Die Szenen mit Trelane und der Q machen durchaus Spaß, sind aber zu gering gesät. Auch bei einigen Charaktermomenten sind, wie so oft, gute Ansätze zu erkennen, die aber durch die übertriebene Soap-Darstellung konterkariert wird. Statt sich auf die erwähnten Stärken zu konzentrieren, versteift man sich auf die Darstellung dieser Szenen, die leider nicht so gut funktionieren. Ist die Folge ein Totalausfall? Das nicht, aber zu mehr als einem „Kann man mal gucken“ reicht es damit auch hier leider nicht.Rezension: "Strange New Worlds 4x07 - Wie Chronitonen durch das Stundenglas"
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