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StartLiterature ZoneReview: "Perry Rhodan Silberband 1 - Die dritte Macht"

Review: “Perry Rhodan Silberband 1 – Die dritte Macht”

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Regulär erhältlich

Inhalt (Klappentext)

Die politischen Machtblöcke der Erde drohen ihre Meinungsverschiedenheiten in einem alles vernichtenden Atomkrieg auszutragen. Der Kampf um dir Vorherrschaft wird in den Weltraum hinausgetragen, der Wettlauf um die Eroberung des Mondes beginnt. An Bord der STARDUST starten Major Perry Rhodan und drei weitere Angehörige der US-Space-Force zum Erdtrabanten. Schon vor der Landung auf dem Mond ereignen sich merkwürdige Dinge: Funkgespräche werden gestört, Flugmanöver verlaufen unplanmäßig und an Bord der STARDUST zeigen die Kontrollinstrumente unerklärliche Werte an. Nach der Landung wird es zur Gewißheit: Auf Luna befinden sich Angehörige einer unvorstellbar mächtigen extraterrestrischen Zivilisation. Perry Rhodan nimmt Kontakt zu diesen Intelligenzen auf und findet heraus, daß es Besatzungsmitglieder eines havarierten Expeditionsschiffes der Arkoniden sind. Als erster Mensch wird er mit dem überlegenen Intellekt und dem für Menschen kaum begreiflichen Wissensstand dieser Wesen konfrontiert. Wie Perry Rhodan mit dieser Situation fertig wird und die Macht der Fremden nutzt, um den Ausbruch des Dritten Weltkriegs zu verhindern, schildert dieses Buch.

Kritik

Eigentlich hatte ich ja schon eine Kurzrezension zum ersten Perry-Silberband geschrieben, es scheint aber Interesse da zu sein, doch tiefer in die Serie einzutauchen, weswegen es nun diese ausführliche Rezi des ersten Silberbands gibt. Mal sehen, wie sich das entwickelt und ob die Reihe hier weitergeht ;).

Review: "Perry Rhodan Silberband 1 - Die dritte Macht" 1

Denn zu Perry Rhodan gibt es eigentlich eine Menge zu sagen. Gestartet 1961 ging man in die (damals) 10-jährige Zukunft von 1971 und zeigte die erste Mondlandung und eine Weiterentwicklung der Menschheit. Natürlich wurde eine derart kurze Zeitspanne schnell von der Realität überholt, was dem ureigenen Perryversum aber keinen Abbruch tat. Bei uns fand die Mondlandung ja bekanntlich 1969 statt, bei Perry und dem weiteren Ausbau blieb es dann dabei – eine Art Parallelentwicklung eben, auf die wir gleich noch zu sprechen kommen. Vermutlich hat man diesen kurzen Zeitraum gewählt, weil man nie davon ausging, mehr als nur ein paar Hefte zu schreiben und so eben die Message transportieren wollte. Aber wie so oft überholt die Realität die Fiktion oder in diesem Fall der Erfolg. Denn die Reihe ging derart durch die Decke, dass man sie bis heute fortführte und irgendwo bei Band 3300 oder so herumlungert (Stand: September 2026).

65 Jahre hat das Franchise damit schon auf dem Buckel und wer von Anfang an dabei war, ist heute vermutlich schon älteren Kalibers. Oder er hat später angefangen und aufgeholt. Schreibt gerne mal in die Kommentare, wer alle Bände gelesen hat und wann ihr eingestiegen seid, würde mich interessieren. Vor allem auch, ob man es schafft, noch aufzuholen. Als Komplettist habe ich nämlich durchaus das Bedürfnis, von Anfang an zu lesen… allerdings dürfte das bei der Fülle an Heften eine Mammutaufgabe sein. Andererseits, die einzelnen Geschichten sind genau genommen relativ dünn. Meine Frau hat zumindest die ersten 42 Silberbände hier stehen und zumindest die werd ich hoffentlich durchackern (neben Warhammer, Star Wars und all den anderen Büchern auf dem Pile of Shame). Hinzu kommen die Heyne-Sammelbände, die eigene Storylines enthalten (z.b. Posbi, Andromeda). Und dann sind da ja noch die Ableger-Serien… was ich mir damit wohl angetan habe?

Mit 65 Jahren muss man aber auch neidlos anerkennen: Perry ist vor den “großen” Franchises gekommen. Vor Star Wars (1977), vor Star Trek (1965/1966), vor Raumpatrouille Orion (ebenfalls 1966), vor Doctor Who (1963) und vor all den anderen Franchises, die danach kamen. Dabei ist die Reihe aus Deutschland stammend und hat im Laufe der Zeit einige Rekorde gebrochen. Nachdem was man jetzt hier, in eben diesem Silberband, geboten bekommt, würde es mich nicht wundern, wenn selbst Gene Roddenberry sich hier einige Inspirationen geholt hat, wobei PR wohl erst 1969 in die USA schwappte und sich dort wohl nicht so etablieren konnte, wie hier. Im Laufe der Zeit gab es natürlich wechselhafte Autoren, auf die wir hier jetzt aber nicht einzeln eingehen. Denn wir wollen uns ja mit dem Silberband beschäftigen.

Der enthält die ersten 5 PR-Heftromane auf etwa 400 Seiten. Fängt man an zu lesen, wird man schnell in die Welt gezogen. Die ist unserer zwar recht ähnlich, hat aber doch ein paar Unterschiede. So gibt es hier quasi nur zwei Machtblöcke (Asien und der Westen, bzw. würde man eventuell noch Russland dazuzählen), die Menschen haben Fortschritte in der Technologie gemacht und reisen in Raketen zum Mond und, das wohl wichtigste, es gibt ein Heilmittel gegen Krebs (was später noch wichtig wird). Der Rest ist dann schon ein wenig wie bei uns und die Unterschiede fallen jetzt nicht so gravierend ins Gewicht, dass sie den Lesespaß trüben. Vermutlich wird es besser, wenn man dann in der Zukunft ist (es geht ja bis hin zum terranischen Imperium… nein, nicht das aus Warhammer!), da da dann eben alle weiteren Bezüge fehlen. Was auch auffällt ist die Sprache, die natürlich dem Zeitgeist entspricht. So sagt Perry etwa öfter mal “Hey Alter”, was man so auch heutzutage nicht mehr sieht.

An anderer Stelle kommt die Geschichte recht fortschrittlich daher, etwa, wenn mit Thora eine weibliche Raumschiffkommandantin eingeführt wird. Okay, die wird später dann etwas “herabgewürdigt”, in dem man sagt, das Frauen ja zu Hysterie neigen und sie daher in Panik gerät – ebenfalls etwas, das man so heute wohl nicht mehr schreiben würde – aber immerhin, die Ansätze sind schonmal da. Auch die Geschichte dürfte inzwischen wohlbekannt sein: die Stardust, dass Raumschiff von Perry, findet auf dem Mond ein abgestürztes Arkoniden-Raumschiff. Perry bringt Crest, den führenden Wissenschaftler, mit zur Erde und beginnt, sein eigenes Reich aufzubauen.

Und hier geht es dann mit den Verwicklungen auf der Erde so richtig los. Klar, man kann an der Stelle argumentieren, warum Crest sich so schnell auf die Menschen einlässt. Auf der einen Seite ist er krank und braucht das erwähnte Heilmittel gegen den Krebs, wie wir aber dann im weiteren Verlauf erfahren, hat er ebenso eine Vision wie Perry und sieht die Menschen als legitime Nachfolger der Arkoniden an. Über die erfahren wir auch ein wenig etwas, vorrangig, dass sie als führende Rasse im All inzwischen so eingelullt sind, das sie alle nur noch vor ihren Schirmen hocken und sich berieseln lassen (heute würde man VR-Welten dazu sagen) und daher auch verlernt haben, wie man ihre Schiffe repariert. Denn auch da muss Perry helfen. Am Anfang also vielleicht stellenweise etwas holprig, werden diese KErnpunkte aber später angegangen und gut erklärt.

Und wie erwähnt ist auch Perry ein Visionär. Denn er will eine friedlich vereinte Erde und landet mit Crest daher in der Gobi. Mit der überlegenen Technologie erklärt er dort sein Reich, die dritte Macht und verhindert, das Atomwaffen oder ähnliches auf ihn abgefeuert werden können. Damit reiht sich Perry durchaus in Staatsmänner wie Attatürk ein, die ebenfalls klare Visionen ihres Staates hatten. Man stelle sich nur vor, sowas würde heute passieren: Menschen treffen auf ein Alien. Würde man jemanden wie Perry haben, der es neutral runterbringt, oder will nicht eher jede Nation es in die Finger bekommen und einen Vorteil draus ziehen? Würde überhaupt jemand (außer uns Star Trek-Fans) dem Alien helfen? Das sind alles gute Fragen und all das wird hier aufgeworfen und geklärt. Damit wird hier schon angeregt, was in den nächsten Heften noch deutlicher zutage tritt: nicht nur ist Perry ein Mann des Friedens, es werden hier auch schöne moralische Fragen aufgeworfen. Ja, sogar die Menschen, die ihm nicht helfen wollen, werden von anderen Regierungen getötet. Damit wird hier schonungslos der Welt ein Spiegel vorgehalten (oder auch der damaligen Welt), und gerade deshalb funktionieren die Szenen auch so gut. Übrigens: die Grenzen der Wüste Gobi waren damals stellenweise wirklich noch fließend, da sich die Wüste ständig bewegt.

Das wird später noch bedeutend besser, denn man ruht sich nicht auf den Lorbeeren aus und stellt realistisch dar, wie die unterschiedlichen Nationen sich zu Perrys neuem Gebiet durchgraben wollen. Man hätte vielleicht noch erwähnen können, wie Perry und Co sich ernähren, aber gut. Reginald Bull, der wirklich hier Perrys Pitbull ist, ist übrigens als Mann fürs Grobe auch dabei und holt die benötigten Ersatzteile samt Heilmittel in die neue dritte Macht. Nun kommt aber der Twist, denn obwohl versucht wird, alles geheim zu halten, sind immer mehr Leute von Perrys Vision überzeugt.

Man muss hier auch kontastieren, dass die damalige Angst vor einem Atomkrieg hier massiv reinspielt und ein Hauptpunkt ist (war er ja z.B. auch in TOS). Viele Menschen hatten Angst davor und dann kommt Perry und beendet das – eine schöne Utopie, die leider noch weit von der Realität entfernt ist. Jedenfalls schließen sich weitere Personen Perry an, und auch hier bleibt man realistisch. Vom einfachen Mann bis hin zum knallharten Agenten: hier ist ein Mann mit Vision, dem folgen wir. Und so kommt es dann auch, dass PErry eben vor weiteren Anschlägen gewarnt wird, weil auch diese Leute eine friedlich vereinte Erde wollen. Genau so, bitte.

Nicht nur bliebt es hier nachvollziehbar, dieser Wunsch steht auch, das erwähnte ich ja bereits in der Kurzrezi, ganz im Zeichen von Star Trek, das ja ebenfalls eine friedliche utopische Zukunft verheißt. In diese Kerbe schlägt PR genau hier und funktioniert vielleicht deswegen richtig gut, damals wie heute, denn das Thema bleibt immer noch zeitlos. Vielleicht auch mit ein Grund dafür, warum mich die Geschichte so in ihren Bann gesogen hat.

Und auch die Gegner sind hier nicht dumm, denn es gelingt ihnen, das Raumschiff der Arkoniden auf dem Mond zu zerstören. Thora konnte aber samt Beiboot (und Arbeitsrobotern) entkommen und hilft Perry nun zwangsweise. Was nicht ganz so schön ist, ist das Auftauchen der Mutanten. Durch die Strahlung der Atombomben aus dem zweiten Weltkrieg sind Kinder mit Superfähigkeiten geboren worden. Was ich vielleicht noch akzeptieren hätte können, sind Gedankenleser, die künftigen Telepathen, da hätte man dann auch im Nachgang noch Erklärungen finden können. Aber Superkräfte wie Teleportation oder Zeitreisen… das ist schon schwerer Tobak, vor allem halt auch, weil man inzwischen weiß, dass Atombomben so nicht funktionieren bzw. derartige Auswirkungen haben. Zur Verteidigung kann man freilich anbringen, dass viele Leute das damals glaubten, aber richtig besser macht es das nicht wirklich. Sollte ich Hoffnungen darauf setzen, dass da noch eine “Alien-Erklärung” kommt? (Ein späterer Retcon, wie man heute sagen würde?) Vermutlich nicht.

Auch wirken die Charaktere noch nicht so fesselnd wie Perry und die Nebencharaktere. John Mitchell ist eben noch in einer Bank, beim nächstenmal ist er schon auf Weltverbessererkurs mit Perry. Anne Sloane hat eigentlich Sympathien für Perry und wird trotzdem angeheuert, ihn zu infiltrieren. Vor allem, da der beteiligte General selber ein Gedankenleser ist, hätte man eigentlich drauf kommen können, dass das nie klappen wird. An dieser Stelle fehlt mir also auch etwas Entwicklung bei den Mutantencharakteren. Auch etwas unglücklich ist, dass Perry oftmals den Hypnostrahler einsetzt, um seine Zeile zu erreichen. Ja, er ist fair und bezahlt die Menschen immer, das wäre aber heutzutage ein Grund für zig Tausend Anwälte. Auch, dass Perry sich in Thora verliebt, kommt mir ein bisschen zu plötzlich, hoffentlich wird das noch ein bisschen besser ausgearbeitet.

Immerhin: die Story entwickelt sich Straight Forward und ein erster Vergeltungsangriff wird abgewehrt… also, von abtrünnigen Arkoniden jetzt, nicht auf der Erde. Im Silberband gibts zudem noch ein paar Hintergrundinfos zur Stardust, bzw. ein kleines Glossar, die weitere Entwicklungen vorweg nehmen.


Bewertung

Trotz einiger Abstriche, die nicht nur aber durchaus auch, der damaligen Zeit geschuldet sind, offenbart sich der erste Perry Rhodan-Band auch nach 60 Jahren noch als sehr lesenswert. Perry ist ein Mann mit einer Vision und will friedlich eine geeinte Erde schaffen, etwas, wovon man sich auch heute noch eine Scheibe abschneiden kann. Wer die vielen Tausend Bände, die vor einem liegen, nicht scheut und auch mit der alternativen Geschichtsschreibung klarkommt, darf auch heute noch bedenkenlos zugreifen.

Bewertungsübersicht

Bewertung
Thomas Götz
Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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Trotz einiger Abstriche, die nicht nur aber durchaus auch, der damaligen Zeit geschuldet sind, offenbart sich der erste Perry Rhodan-Band auch nach 60 Jahren noch als sehr lesenswert. Perry ist ein Mann mit einer Vision und will friedlich eine geeinte Erde schaffen, etwas, wovon man sich auch heute noch eine Scheibe abschneiden kann. Wer die vielen Tausend Bände, die vor einem liegen, nicht scheut und auch mit der alternativen Geschichtsschreibung klarkommt, darf auch heute noch bedenkenlos zugreifen.Review: "Perry Rhodan Silberband 1 - Die dritte Macht"
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