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Julian Wangler (jw), Martin Weinrich (wc), Thomas Götz (tg)21.10.08

"Kobayashi Maru"

Michael A. Martin & Andy Mangels

Inhalt

Keine Zeit zum Verschnaufen. Das verheerende Coridan-Massaker, das die Romulaner unter dem Tarnmantel angerichtet haben, um die Koalition der Aussicht auf einen Warp-Sieben-Antrieb zu berauben, liegt erst wenige Monate zurück. Jetzt gibt es eine neue Bedrohung: Seit geraumer Zeit werden rätselhafte Angriffe auf Dilithiumfrachter der Erde und ihrer Verbündeten verübt.

Umso mehr ist das Klima innerhalb der eben erst gegründeten Planetenallianz gereizt. Hitzige Diskussionen führen nicht nur in internen Kooperationsfragen zu handfesten Konflikten - insbesondere, was einen möglichen Eintritt Alpha Centauris in die Koalition angeht -, schnell liegen auch die Positionen in Bezug auf den unbekannten Aggressor überkreuz. Während insbesondere tellarite und andorianische Meinungsführer die Klingonen hinter den feigen Übergriffen auf die Transportrouten der Koalition vermuten, ist Jonathan Archer davon überzeugt, dass die Romulaner dahinter stecken.

Trip Tucker hat sich währenddessen auf ein Leben als Undercoveragent auf Romulus eingeschworen. Als rechte Hand des Warpfeldwissenschaftlers Ehrehin versucht er, nach seiner ersten haarsträubenden Mission als Geheimagent (Wir erinnern uns: Es ging darum, die Entwicklung eines romulanischen Warp-Sieben-Antriebs zu vereiteln.) ruhigeres Fahrwasser einkehren zu lassen. Doch das ist ihm nur kurz vergönnt: Eine Gruppe romulanischer Dissidenten tötet den hochrangigen Forscher, wodurch Trip Hals über Kopf in den Fokus von Admiral Valdore gerät. Letzterer ahnt bereits, dass er ein Spitzel sein muss - und entschließt sich, ihn für seine eigenen Ziele einzuspannen.

Auf der Enterprise spürt T'Pol über ihre besondere Verbindung zu Trip, dass der ehemalige Chefingenieur in Gefahr ist. Sie wird sich zur Entscheidung durchringen, mithilfe vulkanischer Geheimdienstinformationen in romulanischem Raum auf eigene Faust nach ihm zu suchen.

Parallel zu diesen aufrüttelnden Ereignissen greifen drei klingonische Schlachtkreuzer aus heiterem Himmel den mit der Erde alliierten Handelsplaneten Draylax an. Die Enterprise und die Columbia werden zur Verteidigung ins entsprechende System geschickt, wo sie sich einen harten Kampf mit den Klingonen liefern, diese aber schließlich vertreiben können. Jetzt kochen die Gemüter in Koalitionsrat und Sternenflotte endgültig über, denn der klingonische Überfall scheint eine weitere Bestätigung des allgemeinen Verdachts zu sein, das Reich plane einen Krieg. Nur Archer bleibt skeptisch - und kann im weiteren Verlauf der Geschichte tatsächlich belegen, dass die klingonischen Kreuzer von einem Computerhack der Romulaner fremdgesteuert worden waren. Das wiederum passt ins Schema, denn schon einmal versuchte das Sternenimperium, verschiedene Mächte mit der Erde in Konflikt zu bringen. Nun gilt es, die Wogen mit Qo'noS zu glätten - Archer kommt nicht um einen Besuch auf der klingonischen Heimatwelt herum. Und wie sich bald herausstellt: ebenso wenig um einen handfesten Bat'leth-Kampf.

Ganz obendrein treibt sich entlang der klingonisch-romulanischen Grenze ein Frachtschiff herum, das ausgerechnet eine entscheidende Rolle im kommenden Kriegsausbruch gegen das Sternenimperium spielen wird. Der Name: Kobayashi Maru ...

Kritik

1. Julian Wangler

Die Enterprise und die Columbia begleiten Frachtschiffe durch gefährliche Raumbereiche ... und was hat es mit Kobayashi Maru auf sich?
Eine ganze Weile verstrich, bis die Autoren des "Enterprise"-Relaunch, Michael A. Martin und Andy Mangels, für Nachschub sorgten. Jetzt ist "Kobayashi Maru" endlich da - und verspricht bereits durch seinen Titel Fulminantes. Denn jetzt, so scheint es, wird das legendäre No-Win-Szenario, dem Kadetten an der Sternenflotten-Akademie sich in späteren Jahrhunderten stellen müssen, nicht bloß erklärt, sondern findet auch eine hoch interessante Einbettung in eine geschichtliche Phase, so kurz vor dem sicheren Krieg gegen die Romulaner.

Bedauerlicherweise verfliegt dieses vorfreudige Gefühl beim Leser bereits, als die Kobayashi Maru zum ersten Mal auftaucht. Es ist irgendwie nicht das, was man erwartet hat. Natürlich hat sich das Autorentandem überlegt, den alten Frachter zum Joker der Story zu machen. Demnach mussten M&M ihm einen geheimniskrämerischen Hintergrund geben; etwas, das man noch nicht gehört hat. Allerdings kann man sich zu keiner Zeit daran berauschen, wenn die Maru auf ihren allbekannten Untergang zufliegt beziehungsweise Archer sie - wie erwartet - nicht retten kann.

Ob sie dabei irgendwelche Vulkanier transportiert, die im klingonisch-romulanischen Grenzgebiet unter der Hand einen Horchposten errichten sollen, entlockt dem Leser keine absonderliche Begeisterung. Mehr bekommt er das Gefühl, hier wird ein Kanon-Element auf Biegen und Brechen in den "Enterprise"-Relaunch eingefügt, ohne dass es wirklich etwas Neues bringt. Der Titel des Buchs wirkt angesichts der wenigen Szenen, wo der Frachter überhaupt eine Rolle spielt, hoffnungslos überkandidelt.

Werfen wir einen Blick auf den ganzen Rest der Handlung. Manch einen mag es verwundern, dass die Klingonen plötzlich im Vordergrund stehen und gar nicht einmal so sehr die Romulaner. Dahinter steckt durchaus ein kluger Gedanke: Wenn der Krieg zwischen Koalition und Sternenimperium ausbricht, muss schließlich geklärt sein, warum die Klingonen sich aus dem langjährigen bewaffneten Konflikt heraushalten werden. Allerdings ergießt sich "Kobayashi Maru" gerade in seinem Mittelteil in einem ebenso langwierigen wie langweiligen Besuch auf Qo'noS, wo Archer letztlich nichts anderes tut, als sich mit den Kriegern wieder zu versöhnen. Wenn man bedenkt, dass am Ende des Romans die Koalition den Romulanern bereits den Krieg erklärt (auch ein interessantes Faktum), kommen die Auftritte von Valdore und Co. definitiv zu kurz.

Das zumal, weil der Trip-Handlungsbogen diesmal recht blutleer wirkt. Er dümpelt auf dem Stand von "Was Menschen Gutes tun" herum und wartet kaum mit neuen Storyelementen und damit auch nicht mit Überraschungen auf. Bedenkt man, dass Trips Verwandlung zum Spion ein maßgeblicher Anlass war, diesen Relaunch ins Leben zu rufen, enttäuscht insbesondere diese Erkenntnis bitter. Immerhin kommt ein wenig Bewegung in seine Situation als Agent hinein, weil er vor Valdore seine Maskerade zu verlieren droht. Auch wird der vulkanische Spion Sopek genauer unter die Lupe genommen und erweist sich für Trips Lage als bedeutsam. Ausgesprochen problematisch finde ich, dass T'Pol und Reed zeitweilig die Enterprise verlassen, um Trip in romulanischem Gebiet zur Hilfe zu eilen. Das erzeugt beim Leser den Eindruck, romulanisches Territorium liege mal eben um die Ecke und sei leichthin zu durchfliegen. T'Pol bedient sich in diesem Fall über Connections beim vulkanischen Geheimdienst eines speziellen Schiffes.

Da haben wir prompt einen weiteren Punkt, der dazu führen mag, dass sich der Leser verwundert die Augen reibt: Überhaupt scheint der vulkanische Geheimdienst viel zu viel über die Romulaner zu wissen. Und das, ohne dass es der Geschichte erwähnenswert zugutekäme. Ich frage mich: Wäre es nicht spannender gewesen, die Romulaner als weithin abstrakte Bedrohung zu führen und nie genau zu wissen, was sie als Nächstes vorhaben? In diesem Punkt stellen sich M&M ohnehin nicht immer geschickt an, leuchten sie den romulanischen Antagonisten doch allzu gerne mitten in den Kopf.

Kommen wir zu den Charakteren. Hier pflanzt sich insbesondere die Hypothek fort, dass Trip als Scharnier in der Enterprise-Crew nicht mehr zur Verfügung steht. Darunter leidet zuallererst die Lockerheit an Bord - alles wirkt nun sehr viel verkrampfter und ernster -, aber in einem zweiten Schritt überhaupt auch das Interesse der Autoren, sich mit der persönlichen Verfassung der Protagonisten noch großartig zu beschäftigen. Es kündigte sich schon in "Was Menschen Gutes tun" an, doch jetzt bekommt man es unheilvoll bestätigt: Trips Weggang von Bord braucht seine interessanten storytechnischen Energien auf und verkommt zum großen Manko, fällt es doch jetzt sehr viel schwerer, sich mit Archer und der Mannschaft zu identifizieren. Dass hin und wieder auf einige Gastcharaktere Rücksicht genommen wird, ist keineswegs eine Entschädigung für den beinahe vollständigen Verlust des Gemeinschaftsgeistes, von dem "Enterprise" vorher immer gezehrt hatte.

Am Ende verschwindet dann noch das Schwesterschiff Columbia, kommandiert von Erika Hernandez, spurlos. Das ist nicht irgendein Zufall, sondern ein bewusster Akt und leitet indirekt über zur "Destiny"-Trilogie, die storytechnisch jedoch nichts weiter mit dem "Enterprise"-Relaunch gemein hat. Das, wie auch den Kriegsausbruch, nimmt man irgendwie mit einem gleichgültigen Schulterzucken hin. Im nächsten Buch befinden wir uns dann bereits im Krieg.

Fazit: "Kobayashi Maru" ist nicht einmal ein außerordentlich schlechtes Buch. Aber es riskiert nichts, verzichtet völlig auf kreative Einlagen oder besondere Wendungen, ebenso auf charakterliche Vertiefungen. Und das in einer derart kritischen Etappe des Konflikts mit den Romulanern. Wenn man sich vorstellt, dass "Enterprise", wäre es fortgeführt worden, vielleicht an dieser Stelle seinen Serienhöhepunkt erlebt hätte, ist die Erzählung eine herbe Enttäuschung. Das Ableben des sagenumwobenen Frachters verkommt zur müden Geste. Wäre nicht der Name so plakativ verwendet worden, hätte man wohl gar nicht geahnt, um welchen Kahn es sich gehandelt hat. Der wohl interessanteste Teil des ganzen "Enterprise"-Relaunch scheint bereits hinter uns.

2. Martin Weinrich

Kobayashi Maru ist in der Sternenflottenakademie ein Test, den man eigentlich nicht bestehen kann. Der Titel verrät also, dass sich die Enterprise in diesem Roman in einer aussichtslosen Situation befinden wird. Der Roman ist also deutlich düsterer als selbst die Serie während der Xindi-Bedrohung."Kobayashi Maru" erzählt eine Geschichte an verschiedenen Handlungsorten.

Die Enterprise ist den ganzen Roman über beschäftigt. Zu Beginn ärgert sich Captain Archer zwar noch, dass er lediglich ein "Aufpasser" für Frachter ist, doch das ändert sich schnell. Bald ist die Enterprise in einer Hilfsaktion für die Kobayashi Maru, eine Verteidigungsaktion und eine diplomatische Aktion verwickelt.

Das Ganze geschieht, während sich die politische Lage für die neu gegründete Koalition der Planeten immer mehr verschlechtert. Die Romulaner haben eine Technologie entwickelt, mit der sie andere Raumschiffe aus der Entfernung übernehmen und steuern können. Dadurch sind sie in den Besitz klingonischer und vulkanischer Schiffe gelangt. Eben diese setzen sie nun ein, um die Koalitionswelten zu destabilisieren. Diese fallen natürlich sofort darauf rein. Captain Archer muss mit der Enterprise jedes Mal dafür sorgen, dass sich die Wogen glätten. Das beinhaltet auch eine Reise nach Qo'nos und einem Duell mit einem klingonischen Admiral.

Dabei kann er nur auf eine beschränkte Crew bauen. Denn T'Pol und Reed verlassen die Enterprise relativ schnell, weil sie das Gefühl haben, Trip sei in Gefahr. Trip hat derweil wirklich Probleme. Schon zu Beginn des Romanes entdecken die Romulaner, dass er ein Spion ist. Es ist lediglich seinem Wissen über das Warpprogramm der Romulaner und einer leichten Ungewissheit der Führenden zu verdanken, dass er überlebt. Er wird jedoch von einem romulanischen General auf eine Mission geschickt, die ihn auf jeden Fall enttarnen soll.

Die Enterprise-Handlung ist recht solide. Die Enterprise-Crew versucht alles, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Dabei muss der Leser miterleben, wie diese Bemühungen fruchtlos bleiben. Die Koalition der Planeten driftet immer mehr ins Chaos ab.

Der Ausflug nach Qo'nos ist spannend, wirkt aber ein wenig übertrieben. Schließlich ist es tatsächlich eine Art Selbstmordmission, auf die die Sternenflotte die Enterprise da schickt. Außerdem ist es ein wenig merkwürdig, dass man immer nur die Enterprise und die Columbia bei der Verteidigung der Koalitionswelten erlebt. Natürlich liegt der Fokus hier auf der Erde, Alpha Centauri und deren Verbündeten - also Systeme, die ohne Koalition von der Sternenflotte hätten verteidigt werden müssen. Trotzdem hätte man ein paar Mühen von den Verbündeten mit einflechten können.

Etwas schade ist auch, dass man die Horizon, das Schiff, auf dem Ensign Mayweather geboren wurde, in einem sehr kurzen Abschnitt zerstört wird. Da hätte man mehr aus dem Schiff machen können. Natürlich kommt es zum Schluss zu einer Entscheidung, ob die Kobayashi Maru gerettet werden soll oder nicht. Archer trifft durch einen Tipp von Trip die einzig richtige Entscheidung: Er opfert den Frachter. Das hat natürlich Auswirkungen auf das Ansehen Archers in seiner Crew. Gerade Mayweather verliert dadurch das Vertrauen in ihn.

Sowieso macht der Roman deutlich, dass die Crew der Enterprise anfängt auseinanderzubrechen. T'Pol ist gekränkt, dass sie nicht an Trips vorgetäuschtem Tod beteiligt wurde. Mayweather hält Archer nun vor, dass er Frachter im Stich lässt. Reed verletzt Befehle, um Trip zu retten. Und ohne Trip ist das Gemeinschaftsgefühl auf der Enterprise nicht mehr da. Daher fühlt sich Archer sehr allein. Und er hat Schwierigkeiten mit seiner Rolle als Soldat. In seinem Herzen ist er immer noch Forscher, obwohl er das nicht sein darf.

Ein Punkt ist aber wirklich ärgerlich an der Enterprise-Handlung: Die Technik der Romulaner wirkt völlig unglaubwürdig. Die knappen Erklärungen, wie die Technik funktionieren soll, reichen nicht aus. Das ist doch eine unglaublich mächtige Waffe. Die Romulaner können nun Schiffe einfach übernehmen, die wichtigsten Systeme ausschalten und dann per Fernbedienung steuern. Wie soll man denn dagegen ankämpfen? Es wird im nächsten Band sicher eine Gegenwaffe geben, aber hier fällt vor allem auf, dass die Technik völlig unrealistisch wirkt.

Die Trip-Handlung ist dafür sehr realistisch. Trip hat eigentlich keine Ahnung von Spionage. Deswegen erreicht er auch überhaupt nichts. Als T'Pol und Reed in aus einer aussichtslosen Situation retten, hat er nichts erreicht. Die einzige Information, die er weitergibt, ist eine gefälschte. Das ist - wie schon gesagt - angenehm realistisch. Völlig unverständlich ist aber, dass er trotzdem wieder als Romulaner zurückkehrt. Er weiß, dass er enttarnt ist. Er weiß, dass er bisher eigentlich nichts erreicht hat. Außerdem hat ist seine Beziehung zu T'Pol nun auf einer klareren Ebene. Warum kehrt er zurück? Das macht einfach keinen Sinn.

Im Lauf der Handlung macht es natürlich Sinn, denn Trip kann noch eine Morse-Botschaft an Archer schicken, die ihn vor einer Falle bei der Kobayashi Maru warnt. Aber das konnte Trip vorher ja nicht wissen. Der Roman endet für Trip mit einem Cliffhanger. Er kann sich von einem funktionsunfähigen romulanischen Schiff retten, nur um auf ein Trümmerteil zuzusteuern, ohne umdrehen zu können. Ein interessanter Cliffhanger, der aber nicht wirklich zieht. Schließlich haben die Autoren in "Was Menschen Gutes tun" gerade alle Mühen unternommen, um Trip zurückzubringen. Da werden sie ihn jetzt nicht gleich umbringen.

Die T'Pol-Reed-Handlung ist ganz nett, wirkt aber auch etwas unrealistisch. Schließlich machen sie sich mit einem Shuttle und T'Pols Kontakten zum vulkanischen Geheimdienst auf den Weg in romulanisches Territorium und haben dabei mehr Erfolg als Trip in romulanischer Tarnung. Das ist ein wenig zu heftig, um glaubwürdig zu sein.

Im Verlauf des Romans verschwindet die Columbia. Das war nötig, um sie in der "Destiny"-Trilogie einzusetzen. In diesem Roman wirkt es aber ein wenig unsinnig. Zum Schluss erklärt die Koalition den Romulanern den Krieg. Der romulanische Krieg hat damit begonnen, man darf auf den nächsten Band gespannt sein. Es stellt sich jetzt natürlich die Frage, wie die Sternenflotte diesen Krieg überhaupt führen möchte. Schließlich hat sie jetzt nur noch die Enterprise als wirkliches Warp-Raumschiff. Es wäre in dieser Hinsicht wirklich besser gewesen, wenn es am Ende des Romans trotz der ausweglosen Kobayashi-Maru-Situation noch ein Erfolgserlebnis gegeben hätte. Die Columbia hätte zum Beispiel einen Weg finden können, die neue romulanische Waffe auszutricksen. Das hätte ihrem Verschwinden einen Sinn gegeben.

Fazit: "Kobayashi Maru" ist beim Lesen durchaus spannend. Die gelungene düstere Atmosphäre und die turbulente politische Situation sorgen dafür, dass man immer wissen möchte, wie es weitergeht. Außerdem leidet man mit Captain Archer, dessen Crew auseinanderbricht.

Nach dem Lesen des Romans fängt man dann an, über die Ereignisse nachzudenken. Da fallen dann auf einmal eine übermächtige romulanische Waffe auf, ein Spaziergang durch das romulanische Imperium, ein unsinniges Verschwinden eines NX-Schiffes und ein Pseudo-Spion, der nicht mitbekommt, dass er kaum etwas erreicht. Das stört dann im Nachhinein und ein "Star Trek"-Roman soll einen ja nicht stören.

Insgesamt ist der Roman also leider nur durchschnittlich, obwohl er spannend ist. Er schafft aber durchaus Fakten, auf die ein Folgeroman gut aufbauen könnte - wenn er gewisse, eben aufgezählte, Fehler vermeidet.

3. Thomas Götz

Ursprünglich war ja angedacht gewesen, nach den eher mäßigen Verkaufserfolgen der ersten beiden "Enterprise"-Romane, die Serie einzustellen. Zum Glück für alle treuen Fans hat sich Cross Cult noch einmal umentschieden und bringt nun den dritten "Enterprise"-Relaunch-Band in deutscher Sprache. Und so viel vorweg: Es hat sich gelohnt. Im Übrigen sollte das Buch nicht mit dem gleichnamigen TOS-Roman verwechselt werden.

Der Roman stammt erneut aus der Feder von Andy Mangels und Michael A. Martin, zwei Autoren, die man mittlerweile getrost als Veteranen auf dem Sektor der Trek-Bücher bezeichnen kann. Neben einigen sehr guten Büchern haben die beiden aber auch einige eher durchwachsene Bücher abgeliefert - aber das passiert wohl jedem Autoren mal. Im vorliegenden Band bedienen sie routiniert die "Enterprise"-Charaktere und spinnen die Story um die Romulaner fort. Dabei ist es nicht nur löblich, dass die Charaktere gut getroffen wurden, sondern auch, dass man konform zu dem bleibt, was man bisher nur aus Andeutungen oder dem Fandom weiß, nämlich das der romulanische Krieg bis zu seinem Ausbruch eher ein "heimlicher" Krieg war.

Dazu passt, dass die Romulaner die Koalition stürzen wollen, weil sie sie als Gefahr erachten und daher zunächst alles wie Piratenüberfälle aussehen lassen. Natürlich spitzt sich das Ganze im Verlauf der Geschichte noch weiter zu und auch der Bekannte Admiral Valdore mischt wieder mit. Alles in allem also eine schöne politische Story, die aber auch Agententhematiken enthält, die wieder in Form von Trip eingestreut werden. Der verfolgt weiter seine Spionagemission bei den Romulanern - hat aber auch noch sein Band zu T'Pol, die gleich los eilt, um ihn zu retten. Dabei wird auch schön vor Augen geführt, dass man nicht immer Hals über Kopf zu eben solchen Rettungsaktionen aufbrechen sollte ...

Neben der sehr schönen, intrigenreichen Story sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass es sehr viele heimliche und offene Schmankerl für die Fans gibt. So sind etwa die Admiräle Eric Stillwell (nach dem Autor diverser Folgen) sowie Palmieri erwähnt (seines Zeichens das Mastermind hinter den Buchrelaunches zur damaligen Zeit) und es fällt sogar die Bemerkung, dass man auf einem "Wagon Train to the Stars" ist - Fans natürlich ein Begriff. Aber auch Personen wie Sareks Vater oder Erika Hernandez (aus "Destiny") tauchen auf und tragen sogar ihren Teil zur Handlung bei. So ist es also sehr schön, dass man hier extrem konform mit anderen Roman- und TV-Serien des Franchises geblieben ist.

Aber gibt es denn auch negative Aspekte? Nun, ein paar sind da durchaus zu nennen. So etwa das Fernkontrollsystem der Romulaner, das so etwas hanebüchen wirkt (vor allem könnte man es doch in Zukunft - sprich: bis zu Picards Zeit - auch weiter einsetzen). Aber auch die Tatsache, dass nicht alle Charaktere ihren benötigten Entfaltungsraum erhalten, fällt auf. So sind Hoshi und Mayweather kaum mehr als bloße Staffage. Das Schiff von Mayweathers Eltern wird sogar ziemlich am Anfang des Buches zerstört (konform zur TOS-Serie) und als Travis es endlich erfährt, wird auch das in nur wenigen Seiten am Ende abgehandelt. Auch wenn dies Grundsteine für den nächsten Band legen mag, ist das doch etwas enttäuschend. Und auch dass immer mehr Leute erfahren, wie Romulaner wirklich aussehen, liegt einem als Leser etwas schwer im Magen. Sicher, das hält man geheim, da das Misstrauen gegen die Vulkanier sonst überhand nehmen würde - am Ende des Romans hat man als Leser aber das Gefühl, dass jeder bis auf die Öffentlichkeit vom wahren Aussehen der Romulaner weiß. Dies führt natürlich Kirks Mission 100 Jahre später als absurdum.

Im Übrigen ließen es sich die beiden Autoren nicht nehmen, einen schwulen Klingonen einzubauen. Dass die beiden gerne Homosexualität thematisieren ist ja bekannt, dies bei Klingonen zu tun, dürfte aber vielleicht zu den ein oder anderen Fandiskussionen führen. Immerhin sind die Klingonen ansonsten genauso gut in den Roman eingebunden wie die Romulaner, so dass man nicht nur von den Charakteren sondern auch von den Völkern her ziemlich alle Favoriten drin hat.

Und die Kobayashi Maru? Tja der titelgebende Frachter taucht nur am Anfang kurz auf und fehlt dann auf über 300 Seiten. Dann allerdings tritt das typische Kobayashi-Maru-Szenario ein, allerdings stecken hier auch die Romulaner dahinter. Die haben aber klingonische Schiffe, so dass das Szenario wie aus dem zweiten Film bekannt abläuft. Das ist natürlich wieder etwas, das die Fanherzen höher schlagen lässt, denn die Rettungsmission ist bis auf den genauen Wortlaut die aus "Star Trek II". Und hier muss Archer auch lernen, dass man nicht jeden retten kann - die erste schmerzhafte Lektion, aber sicher nicht die letzte. Nach knapp 70 Seiten ist der Spuk aber auch schon vorbei und eigentlich hätte man diesen Aufhänger oder auch diesen Titel nicht gebraucht. Aber sei es drum, wie erwähnt passt auch das Drumherum und dieser kleine Punkt macht, wie man so schön sagt, das Fett auch nicht mehr wett.

Der Roman endet mit der Kriegserklärung der Koalition und dem ein oder anderen Cliffhanger, der Lust auf mehr macht. Aber Moment, Kriegserklärung? 2155? Begann der romulanische Krieg nicht 2156? Tja, tatsächlich scheint hier im Relaunch das ein oder andere Detail dann doch noch umgeschrieben zu werden, aber wie genau, das wird erst der Folgeband zeigen (können).

Fazit: Ein rundum gelungener Band, der schön und plausibel den Auftakt zum romulanischen Krieg zeigt. Es wäre fast zu wünschen, dass dieser Roman die Verkäufe der Reihe wieder ankurbelt.

"Kobayashi Maru" ist unter anderem bei Amazon.de als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.

Bewertung

1. Julian Wangler
2. Martin Weinrich
3. Thomas Götz

Weitere Infos


Titel "Kobayashi Maru"

Originaltitel "Kobayashi Maru"

Buchreihe Enterprise-Relaunch

Autor Michael A. Martin & Andy Mangels

Übersetzer Bernd Perplies

Preis 12,80 Euro

Umfang 509 Seiten

Verlag Cross Cult

ISBN 978-3-86425-299-0

(jw, wc, tg - 23.03.14)


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