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Julian Wangler (jw), Martin Weinrich (wc)08.06.15

"Uncertain Logic"

Christopher L. Bennett

Inhalt

Es dauerte eine Weile, bis Christopher L. Bennett seinen dritten Roman der "Rise of the Federation"-Reihe vorlegte, dem seit einigen Jahren laufenden "Enterpreise"-Sequel. Nun ist es soweit. Und wieder einmal ist es ein Zweiklang aus äußeren und inneren Bedrohungen, denen sich die blutsjunge Planetenallianz und ihre Protagonisten ausgesetzt sehen. Drehte sich beim letzten Mal alles um die Aufnahme der Rigelianer in die Föderation, springen wir erneut ein Jahr weiter – in die frühen Monate des Jahres 2165 – und schauen den Crews der Raumschiffe Endeavour, Pioneer und Essex über die Schulter. In "Uncertain Logic" erleben wir sowohl Abenteuer im unerforschten All als auch im Herzen der Föderation.

Anders als in den bisherigen Bänden der Reihe hängen die unterschiedlichen Handlungsbögen diesmal jedoch nicht zusammen und fließen auch zu einem späten Zeitpunkt nicht ineinander. Nehmen wir uns also kurz und bündig die drei Geschichten in der Geschichte vor.

Auf Vulkan drohen die Errungenschaften der syrannitischen ‚Revolution‘ ins Wanken zu geraten, als die Echtheit des vor über zehn Jahren von Captain Archer, T’Pol und der aktuellen Regierungschefin T’Pau gefundene Kir’Shara in Zweifel gezogen wird. Wir erinnern uns: Der Fund und die Veröffentlichung von Suraks Schriftenkorpus war für die pazifistisch orientierte Syranniten-Bewegung der Hebel, um die getarnte Militärdiktatur des vulkanischen Oberkommandos und vor allem von Administrator V’Las zu stürzen und ein neues innen- wie außenpolitisches Kapitel für Vulkan aufzuschlagen (wobei wir im Seriendreiteiler nie so richtig erfuhren, wie in so kurzer Zeit der politische Wechsel vonstatten gehen konnte).

Nun plötzlich ist festgestellt worden, dass es sich beim jahrtausendealten vulkanischen Artefakt offenbar um eine Fälschung handelt. Kaum hat sich die Nachricht verbreitet, wittern reaktionäre und konservative Kreise auf Vulkan – die alten Lakaien von V’Las – Oberwasser. Dies jedoch könnte die ganze Föderation destabilisieren und sogar Vulkans Austritt zur Folge haben. In dieser aufgeheizten Situation bricht Admiral Archer mit der Endeavour nach Vulkan auf, um herauszufinden, ob die Vorwürfe im Hinblick auf das Kir’Shara tatsächlich wahr sind. Es gilt, zu beweisen, dass dder Fund des Kir’Shara vor einer Dekade nicht in Wahrheit eine List der Syranniten war, um an die Macht zu kommen.

Währenddessen dringt die Pioneer unter dem Kommando von Captain Reed in ein stellares Gebiet ein, das wegen des Kriegs gegen die Romulaner lange Zeit eine Sperrzone war. Es stellt sich heraus, dass hier zwar keine romulanischen Minenfelder lauern, dafür jedoch eine feindselig gesonnene künstliche Intelligenz – es wimmelt nur so vor vollautomatischen Reparaturstationen von genau jener Bauart, der die Crew der Enterprise in ihrem zweiten Missionsjahr begegnet ist. Dabei entpuppte sich, dass die Computerintelligenz, die hinter der Station steht, nicht nur nach dem Prinzip Leistung und Gegenleistung Schiffe repariert, sondern sogar Crewmitglieder entführt und ihren Tod vortäuscht, um ihre neuralen Bahnen zur Erweiterung der eigenen Prozessorleistung zu missbrauchen.

Nach einer unschönen neuerlichen Begegnung mit dem alten Widersacher aus Staffel zwei sind Reed und Travis Mayweather Feuer und Flamme, den Reparaturstationen, die sich sogar mit unbemannten und schwer bewaffneten Drohnen schützen, den Garaus zu machen - zumal diese, wie sich herausstellt, ganze Völker leiden lassen. Sie organisieren Unterstützung und kehren mit einer kleinen andorianischen Flotte in das Raumgebiet zurück. Reed bittet auch seinen alten Freund Trip Tucker um Hilfe, der sich kurz darauf Travis als lebender Toter offenbart.

Indes ist die Essex unter Befehl von Captain Bryce Shumar weiter auf Erstkontaktmission und hält die Fackel der neue Welten und Zivilisationen suchenden Sternenflotte hoch. Der Planet Sauria, der das Schiff noch in den letzten Büchern beschäftigte, spielt nun keine Rolle mehr. Diesmal erfolgt ein Besuch beim Volk der kahlköpfigen Deltaner, bekannt über Lieutenant Ilia aus dem ersten Star Trek-Film. Doch schnell zeigt sich, dass Diplomatie ein Geschäft ist, das gelernt sein will. Das für die Menschen ungewohnte sexuelle Selbstverständnis der Deltaner erzeugt in Kombination mit ihren aggressiven Pheromonen rasch einen Zwischenfall, der die Beziehungen zwischen der Föderation und dieser neuen Welt auf längere Zeit belasten könnte...

Kritik

1. Julian Wangler

Als auf Vulkan das ideologische Fundament der syrannitischen Revolution in Frage gestellt wird, steht der jungen Föderation eine innenpolitische Krise bevor.
Der Enterprise-Relaunch aus der Feder des Autorentandems Mangels und Martin hat insgesamt keine gute Figur gemacht, und auch der Auftakt von "Rise of the Federation" entrang mir ehrlich gesagt nur eher verhaltene Begeisterung. Allerdings machte gerade der letzte Band, Tower of Babel, einen veritablen Sprung nach vorn. Zum ersten Mal verlieh Bennett der Geschichte rund um die kürzlich entstandene und im Findungsprozess begriffene Föderation eine beachtenswerte Tiefe, kombiniert mit dem von ihm so beherrschten World-Building. Man meinte bereits, der Knoten sei endlich geplatzt. Bennett bediente die Klaviatur der neuen Serie mit einem wirklich gelungenen Buch.

Doch "Uncertain Logic" ist für mich ein Rückschlag. Wenn ich dieses Buch lese, dann fällt mir vor allem eines ein: Fast Food. Keine neuen Ideen. Es ist eigentlich ein brühwarmes Wiederaufkochen des längst schon Gehabten, was wir hier vorgesetzt bekommen. Das gilt für alle drei Handlungsbögen, die umso uninteressanter sind, da sie vom Anfang bis zum Schluss komplett parallel ablaufen und damit keine ganzheitliche Geschichte bilden.

Am offensichtlichsten abgekupfert ist die Vulkan-Handlung, in der zwar viel salbungsvoll geredet, erklärt, eingeordnet und dadurch Seiten gefüllt werden. Doch im Kern ist dieser Plot eine Wiederholung des Dreiteilers aus der vierten Staffel, nur diesmal unter leicht veränderten Vorzeichen. Diesmal gilt es, die Syranniten an der Macht zu halten. Was die Geschichte rettet, sind die vielen Einblicke in die Mentalität der Vulkanier, die Auswirkungen der politphilosophischen Revolution vor zehn Jahren (was in der vierten Staffel und im Enterprise-Relaunch viel zu kurz kam!) und das wie immer sehr gelungene World-Building. Letzteres lebt natürlich davon, dass zu Vulkan zahlreiche Informationsfetzen aus dem Canon-Bestand existieren, die nun gekonnt miteinander verwoben und weitergesponnen werden können.

Die Pioneer-Story ist zwar keine nackte Wiederholung einer Idee, dafür aber deren konsequente und ziemlich schmucklose Fortsetzung. Es erscheint vollkommen willkürlich, dass diese Todesstationen ausgerechnet jetzt 'zurückkehren'. Persönlich weiß ich nicht, warum nun schon wieder ein Bösewicht der Woche auf den Plan muss. Ich jedenfalls hätte auf diese schon in der entsprechenden TV-Episode nicht besonders beeindruckenden Computerintelligenzen getrost verzichten können. Stattdessen hätte sich Bennett Gedanken machen können, wie er die Pioneer an die Vulkan-Handlung anschließen und dem Ganzen einen gewissen Mehrwert geben kann. So aber erleben wir wieder die üblichen Auseinandersetzungen mit ‚ein paar bösen Jungs‘, mögen sie diesmal auch synthetisch sein. Immerhin: Ein netter Einfall war es, Trip wieder an ein paar seiner alten Freunde heranzurücken und ihn an Bord zu holen, um nach den Erschaffern der Intelligenzen Ausschau zu halten.

Allerdings gelingt es Bennett aufgrund des Korsetts, das noch Mangels und Martin ihm wie einen Fluch auferlegten, einfach nicht, Trip wieder zu einem vollwertigen Teil der ‚Familie‘ zu machen. Er bleibt in den Schatten, muss da bleiben und spielt lediglich eine untergeordnete Rolle. Tatsächlich ist Trip, der zu Serienzeiten einst eine der zentralen Figuren war, in "Rise of the Federation" bestenfalls noch als wiederkehrende Gastrolle zu betrachten, und auch sein Identifikationswert hat schwer gelitten. Diesen Eindruck untermauert das missglückte Wiedersehen mit Travis, die Bennett nicht besonders glaubwürdig, aber eben auch unter schlechten Vorbedingungen in Szene setzt.

Was die Essex-Handlung angeht, so habe ich diese ohnehin immer nur als Dreingabe empfunden. Da es außer der TNG-Episode Ungebetene Gäste keine nennenswerten Hinweise auf Sternenflotten-Schiffe aus der frühen Föderationsära gibt, war klar, dass Bennett Captain Shumar und die Essex aufgreifen würde, vorzugsweise für diplomatische Missionen. Bislang hat mich der Plot bestenfalls halb überzeugt. Natürlich ist es nett, zu erfahren, wie der Erstkontakt mit wichtigen TOS-Völkern wie den Saurianern zustande kommt, letztlich wirkt das Ganze jedoch so, als hätte es vorab schon festgestanden und daher etwas gezwungen. Ebenso erzwungen wirkt im vorliegenden Buch der kleine Eklat, der sich auf Delta IV ereignet. Hinzu kommt, dass ich Captain Shumars Reaktion nicht unbedingt taktvoll finde, und so ist er möglicherweise nicht der Richtige, um diplomatisch sensible Erstkontakte herzustellen. Man sollte zumal meinen, dass die Menschen nun schon seit ein paar Jährchen zwischen den Sternen herumgekommen sind, um nicht bei erstbester Gelegenheit einen Streit vom Zaun zu brechen.

Fazit: Unter dem Strich überzeugt mich leider keine der Geschichten von "Uncertain Logic", wobei ich bereits bemängelt habe, dass zusätzliches Potenzial durch die strikte Parallelität der einzelnen Handlungsstränge verloren geht. Sicherlich ist der vulkanische Bogen durch die Erklärdichte im Hinblick auf die vulkanische Kultur noch der interessanteste, aber auch der, bei dem die Analogien am stärksten auffallen. Der Einbau der Reparaturstation-Intelligenzen ist für mich einfach völlig ohne Grund und erscheint mir im Buch wie ein Fremdkörper. Dagegen ist die Essex-Handlung zwar grundsätzlich legitim und geht in die Richtung, die ich mir für die frühe Föderationszeit vorstelle, insgesamt wurde mir jedoch aus dem Kontakt mit den Deltanern zu wenig gemacht. "Uncertain Logic" ist allerhöchstens Mittelmaß. Für das bereits dritte Buch der Reihe und auch für Bennett ist das zu wenig.

2. Martin Weinrich

"Uncertain Logic" präsentiert drei unterschiedliche Handlungsstränge. Auf dem Planeten Vulkan werden die herrschende Regierung der Syranniten und ihre friedlichen Ausrichtung durch ein Komplott in Frage gestellt. Die Pioneer unter Captain Reed trifft auf die Todesstationen aus der zweiten "Enterprise"-Staffel und findet heraus, dass es deutlich mehr dieser Einrichtungen gibt als vermutet. Zuletzt trifft die Essex unter Captain Shumar auf die Deltaner. Diese drei Ebenen beschreiben unterschiedliche Herausforderungen der frühen Föderation. Die Stärke des Romans ist, dass er wie seine Vorgäner dicht erzählt ist. Anders als die vorherigen Bände, sind die Handlungsstränge in "Uncertain Logic" jedoch nicht miteinander verbunden. Dies ist die größte Schwäche des Romans.

Auf Vulkan stehen die Syranniten vor einer großen Herausforderung. Nach vielen Jahren einer friedlichen Regierung, die endlich auch in der Außenpolitik den vulkanischen Pazifismus vertritt, ist das Fundament der syrannitischen Ideologie bedroht. Einer radikalen, militanten Gruppe gelingt es, die einst von Admiral Archer gefundenen Aufzeichnungen Suraks durch eine Fälschung zu ersetzen. Dadurch sieht es erst einmal so aus, als hätten die Syranniten die Vulkanier jahrelang betrogen. Die darauf folgenden Ausschreitungen bedrohen nicht nur den inneren Frieden in einem der Gründungsmitglieder, sie stellen in erster Linie Vulkans Mitgliedschaft in der Föderation infrage.

Besonders gelungen ist dabei die Darstellung der vulkanischen Gesellschaft. Der Stolz der Vulkanier, auf ihre eigenen Leistungen aber vor allem auf ihre logische Art, Herausforderungen zu meistern, ist in vielen Unterhaltungen spürbar. Gleichzeitig verdeutlicht die Erzählung aber, dass Vulkan wie jede andere Gesellschaft keinesfalls vor autokratischen Herausforderungen gefeit ist. Natürlich ist es leicht, den Finger auf die vielen romulanischen Agenten zu zeigen. Doch zentrale Positionen der Verschwörung werden von fanatischen Vulkaniern besetzt, die nicht akzeptieren können, dass "ihre" Sicht der Logik nicht von anderen geteilt wird. In Verbindung mit einer chauvinistischen Rhetorik, die sich vor allem gegen den Souveränitätsverlust innerhalb der Föderation wendet und vielen derzeitigen europäischen Argumentationsmustern nachempfunden ist, scheuen sie nicht davor zurück, Gewalt auch gegen ihr eigenes Volk einzusetzen.

Mit der Figur eines Exil-Cardassianers gelingt Bennett eine sehr eindringliche Bewertung der vulkanischen Vorgänge. Dieser Dichter sieht auf Vulkan klare Parallelen zu der politischen Lage auf dem (eigentlich ja aus vulkanischer Sicht furchtbar emotionalen) Cardassia. Hier zeigt sich, wie wenig im Krisenfall die externe Meinung oder die eigene Erfahrung zählt. Immerhin ist auch Vulkan erst vor kurzem aus einem autokratischen Regime entkommen. Trotzdem reicht der leiseste Zweifel an der absoluten Legitimität der neuen Ordnung aus, um die kriegerischen Fraktionen wieder zu stärken und die Gesellschaft an den Rand eines Bürgerkrieges zu bringen.

Abgesehen von dieser interessanten Darstellung vulkanischer Gemütslagen bringen diese Ereignisse der Handlung um den "Aufstieg der Föderation" nicht viel. Admiral Archer und Captain T’Pol versuchen mit einigem Erfolg die vulkanische Regierung zu stützen, es ist aber keine Schlüsselszene für die Föderationsentwicklung. Allenfalls zeigt dieser Abschnitt wie fragil das frühe Konstrukt "Föderation" ist und unter welchen glücklichen und historisch einzigartigen Umständen der Einigungsprozess überhaupt von statten gehen konnte.

Die Pioneer und ihre Besatzung treffen wieder auf die Todesstationen, die einst der Enterprise Reparaturen versprochen haben, dabei aber auch Travis Mayweather entführt haben, um ihn für ihren Zentralrechner zu missbrauchen. Nun stellt sich heraus, dass sie in einem an die Föderation grenzenden Sektor ein ganzes Netz an Raum- und Planetenstationen unterhalten. Teilweise werden dadurch ganze Völker in Bürgerkriege und Selbstvernichtungen getrieben. Erzürnt versuchen die Sternenflottenoffiziere diesem Treiben ein Ende zu bereiten.

Dieser Handlungsabschnitt ist vor allem durch die überzeugende Darstellung des Rache- und Betroffenheitsgefühls der Pioneer-Besatzung gelungen. Man merkt den Offizieren deutlich an, dass sie mit den lokalen Völkern mitfühlen. Dabei arbeitet Bennett ein zentrales Charakteristikum der Föderation heraus: Man fällt nicht einfach mit einer Flotte in den Sektor ein und zerstört die Stationen. Stattdessen halten sich die Kriegsschiffe immer im Hintergrund und wo es geht, arbeitet man mit den örtlichen Kräften zusammen. Hier hätte man sehr gut darstellen können, wie der Kooperationsstil der Föderation nicht nur Vertrauen säht, sondern gleichzeitig Erfolge erntet und die Föderation damit zu einem Erfolgsmodell macht.

Leider entwickelt sich die Handlung nicht in diese Richtung. Am Ende stehen keine neuen Beitritte oder Verbündete. Stattdessen stellen sich die "Ware" (wie die Stationen genannt werden) selbst als gelenkt heraus, die wahren Hersteller bleiben unbekannt. Ein kleiner Cliffhanger deutet sogar an, dass die Stationen auch in den kommenden Romanen noch eine Rolle spielen könnten. Dies ist ärgerlich. Man hätte diesen Handlungsstrang gut in diesem Roman beenden und ihn dadurch einen Beitrag zum "Aufstieg der Föderation" leisten lassen können.

Für die Gesamtentwicklung der "Enterprise"-Handlung hat dieser Abschnitt aber immerhin etwas Gutes: Trip arbeitet nun nicht mehr gänzlich undercover für Sektion 31. Er ist, getarnt, wieder als Chefingenieur (auf der Pioneer) tätig. Dies ist ein wichtiger erster Schritt, diesem Charakter wieder einen seriösen Platz in der Handlung zu verleihen. Trips Spionagemissionen waren bisher in der Regel eher ärgerlich als unterhaltsam. Vor allem seine eigene Motivation, sich als halblegaler Spion zu betätigen, konnten die Autoren nie wirklich herausarbeiten. Es bleibt zu hoffen, dass Bennett diese Handlung in dem folgenden Roman so "eskalieren" lässt, dass sich Trip offen gegen seine Auftraggeber stellt und seine Existenz wieder legalisiert – dann hat "Enterprise" hoffentlich endlich wieder einen weiteren überzeugenden Hauptcharakter.

Die Handlung um die Essex ist nicht so umfangreich wie die anderen beiden Abschnitten und ist in erster Linie eine "nette" Erstkontaktgeschichte. Die Deltaner haben eine hohe sexuelle Anziehungskraft. Menschen werden von dem Geschlechtsakt aber bis zum Wahnsinn getrieben. Captain Shumar ist verständlicherweise gar nicht begeistert, als er nach der Außenmission zwei seelisch schwer verletzte Crewmitglieder hat, denen der Beischlaf mit Deltanern nicht gut bekommen ist. Seine Reaktion, alle Kontakte abzubrechen und das Missverständnis nicht als solches zu akzeptieren, wirkt dennoch radikal. Es ist jedoch die Grundlage für die Moral dieses Abschnitts: Trotz dieses misslungenen Kontaktes ist die Essex sofort bereit, den Deltanern zu helfen, als sie in Gefahr geraten. Der Abschnitt verdeutlicht damit sehr gut die Philosophier der Föderation, die bei der Erkundung des Weltraums zwar Gefahren vermeiden möchte, bei Kontakten durchaus Profil zeigt, aber dennoch Agressoren immer die Stirn bietet.

Insofern verdeutlichen alle drei Ebenen auf ihre Art, wie der Charakter der Föderation langsam aber sicher Form an nimmt. Leider gibt es zwischen den Ebenen keine Verbindungen, sodass man es mit drei Einzelabenteuern zu tun hat, die alle so dicht erzählt werden, dass für einzelne Charakterentwicklung nur oberflächlich (à la angekündigte Hochzeiten) Platz ist. Die Vorgänger griffen zudem einen zentralen Entwicklungsschritt der Föderation auf. War es zunächst die generell friedliche Ausrichtung der Sternenflotte, folgte anschließend die zentrale Debatte über weitere Erweiterungen und extremistische und separatistische politische Bewegungen innerhalb der Mitgliedswelten. "Uncertain Logic" präsentiert keinen solchen Entwicklungsschritt, sondern drei Einzelabenteuer.

Fazit: "Uncertain Logic" verdeutlicht in zwei Erkundungsmission wie die Prinzipien der Föderation langsam Form annehmen, während die extremistischen Ausbrüche auf Vulkan verdeutlichen, wie verwundbar die noch junge Föderation ist. Das unterhält individuell sehr gut, kann im dritten Teil der Serie "Rise of the Federation" aber kein Gesamtpanorama bilden, das einen weiteren Entwicklungsschritt der Föderation nachvollzieht. Außerdem hätte die "Ware"-Handlung ein klareren Abschluss verdient gehabt. Zurück bleibt eine guter, teilweise spannend zu lesender Roman.

Bewertung

1. Julian Wangler
2. Martin Weinrich

Weitere Infos


Titel "Rise of the Federation: Uncertain Logic"

Buchreihe Enterprise-Relaunch

Autor Christopher L. Bennett

Preis 7,69

Umfang 400 Seiten

Verlag Simon & Schuster Pocket Books

ISBN 9781476779119

(jw, wc - 12.12.15)


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