Julian Wangler (jw)
01.11.05
"Three"
Michael Jan Friedman
Inhalt
Alle guten Dinge sind drei. So kommt es auch nicht anders, dass
Michael Friedman sich dieses Mal seinem dritten "Stargazer"-Roman widmete,
vielleicht angetrieben von der Hoffnung, mit ihm würde alles besser. Man
erinnere sich: Die beiden ersten Werke der zu Peter Davids "Neuen Grenze" in
Konkurrenz stehenden "Stargazer"-Abenteuer waren wahrlich keine Überflieger in
Sachen Spannung, Originalität oder sei es nur bei den Charakteren.
Nun gut, das dritte Buch…
Wie eine heimliche Beschwörung wirkt es da fast, wenn man den schlichten Titel "Three"
vernimmt, der allerdings mehr in Zusammenhang mit dem Handlungsbogen zu sehen
ist, als er etwas mit der Roman-Abfolge zu tun hätte. Auch in "Three" gibt es wieder mehrere Handlungsstränge, die parallel zueinander
verlaufen.
Während Picard und Mannen einen Offizier der Stargazer aus dem seit der
klassischen Serie berühmt-berüchtigten Paralleluniversum in sein eigentliches
Raum-Zeit-Kontinuum zurückschicken müssen, durchläuft Waffenoffizier Vigo ein
Einzelabenteuer, als er den Diebstahl des neuen Typ-9-Phaserprototypen aus einer
der Entwicklungsstätten der Sternenflotte durch Angehörige seines eigenen Volkes
zu vereiteln hat.
Dabei gibt es einige kleine Haken: Um die Gerade Asmund aus dem
Spiegeluniversum, dem auch schon James T. Kirk einen Besuch abgestattet hat, in ihre
Realität zurückschicken zu können, muss Picard mit der Stargazer in ein Raumgebiet
eindringen, das von den streitlustigen Balduk bewohnt wird.
Kritik
 |
 Eine mysteriöse Frau kommt an Bord der Stargazer und beeinflusst die Offiziere Gerda und Idun Asmund... |
Eines steht fest: Auch dieses Mal scheitert Friedman an der wohl gravierendsten Hürde namens Überzeugung.
Und das aus einem ganz einfachen Grunde…
Da ich selbst seit Jahren aktiv einen Fan-Fiction-Roman nach dem anderen
schreibe, habe ich nicht zuletzt durch die eigenen Fehler gelernt, wie wichtig -
vor allem bei "Star Trek"-Novellen - die Paarung von prägnanten,
entwicklungsfähigen Charakteren (Motive!) mit einer spannenden, mitreißenden
Handlung ist. Das eine bedingt das andere.
Das Ergebnis ist eine grandiose Dynamik, mit welcher der betreffende Roman dann
theoretisch aufzuwarten vermag.
Bei Friedman scheint nichts zu stimmen. Weder die Darsteller, noch die Handlung.
Und vor allem greifen sie nicht ineinander.
Gewissermaßen könnte man dem guten Mann vorwerfen, er habe sich mit der Wahl der
Stargazer als Roman-Serie selbst ins Knie geschossen. Denn außer aus ein paar
ärmlichen Nebenher-Sätzen in "Die Schlacht von Maxia", zu einer Zeit, als "The
Next Generation"
noch in der ersten Staffel - und damit in den Kinderschuhen - steckte, hat man
nie irgendwo wieder etwas von Picards erstem Kommando gehört. Und da auch die Enterprise-C
niemals einen nennenswerten Auftritt außerhalb irgendwelcher temporalen
Kausalitätsahngelegenheiten fristete, erweist es sich sinnigerweise als ein
Schweres, die Zeitepoche zwischen 2330 und 2350 authentisch und fesselnd zu
kreieren.
Was man auf jeden Fall sagen kann, ist, dass nichts besonders Aufregendes auf
der intergalaktischen Bühne passiert, sonst hätte Friedman sich längst eines
kontinuierlichen Handlungsbogens annehmen können, welcher sich über mehrere
Romane erstreckt.
Das Dilemma ist klar: Die Probleme mit der Cardassianer haben noch nicht ihren
Höhepunkt erreicht und sind zu sporadisch, um eine coole Story draus zu machen
(zumal man ja den weiteren Verlauf ab "The Next Generation" ohnehin kennt), die Romulaner stecken
mitten im Isolationismus, und mit den Klingonen wurde gerade eben ein stabiler
Friedensvertrag unterzeichnet.
Nicht von irgendwoher kommt es, dass sich der Autor fragwürdiger Gegner wie den Balduk bedient, die auf den Leser wirken wie eine Vogelscheuche: künstlich und
überhaupt erzwungen.
Zusammen mit den sehr flachen Charakteren (einschließlich eines ziemlich
gesichtslosen Jean-Luc Picards) dümpelt "Stargazer" vor sich hin und erstickt
gewissermaßen an seiner eigenen Kurzweilig- und Belanglosigkeit.
Dieses Mal haben Geduld und Hoffnung bei mir ein Ende erreicht.
Bewertung
Weitere Infos
|
| Originaltitel |
"Three" |
|
| Buchreihe |
Stargazer |
|
| Autor |
Michael Jan Friedman |
|
| Preis |
Ursprüngl. Ladenpreis:
6,40 Euro

Antiquarisch: ca. 2 bis 4 Euro
 |
|
| Umfang |
247 Seiten |
|
| Verlag |
Simon & Schuster Pocket Books |
|
| ISBN |
0-7434-4852-9 |
|
|
(jw - 03.02.07)