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Review: Schlammlerche

Deutscher Titel:
Schlammlerche
Buchautor(en):
Anne Herzel
Verlag:
Cross Cult
Umfang (Seiten):
363
Preis:
18
Verfügbarkeit:
Regulär erhältlich
Veröffentlichungsjahr:
2026
ISBN:
978-3986668594

Der dritte Teil der Lichter unter London erzählt die Vorgeschichte. Auch das Review geht nicht komplett ohne Spoiler.

Inhalt (Klappentext)

Phoebe Ellis ist eine Schatzjägerin: eine Kriminelle, die sich unautorisiert an den Artefakten der neuentdeckten Katakomben unter London bedient. Bei einem missglückten Beutezug fällt sie den Mudlarks in die Hände, angeführt von Greyson Evans, dem berühmten Gründer der Society of Scraping. Er stellt sie vor die Wahl: Entweder wird sie selbst eine Mudlark oder endet in einer Gefängniszelle. Notgedrungen schließt sich Phoebe der unorganisierten Meute an, um unter der schützenden Hand von Greyson Evans zur ersten weiblichen Mudlark zu werden. Doch ein verstecktes Volk in der Finsternis, aus grausamen Alpträumen geborene Kreaturen und eskalierende Machtkämpfe in den Reihen der Mudlarks lehren Phoebe, dass Schönheit und Verderben innerhalb der Katakomben Hand in Hand gehen …

Kritik

Review: Schlammlerche 1

Wenn Bücher erfolgreich sind, besteht der dringende Wunsch, mehr aus der dargestellten Welt zu sehen. Nicht unbedingt aus monetären Gründen, sondern weil Autor und Leserschaft einfach Lust darauf haben. So geschehen bei “Lichter unter London”, die Buchreihe, die vor einem Jahr etwa erschienen ist. Dummerweise ist die Story in sich abgeschlossen gewesen, und was macht man dann? Man schreibt ein Prequel, also die Vorgeschichte. Das ist natürlich nicht neu und haben viele erfolgreiche Reihen so vorgemacht und auch die Schlammlerche ist hier keine Ausnahme, erzählt sie doch eben jene Konstellation, die unsere Charaktere letztlich zu dem gemacht bzw. geführt hat, der sie in der Hauptreihe sind. Dabei kommt der Roman mit einem schönen Farbschnitt daher (sowas gefällt mir ja immer besonders gut) und ist sogar dicker als jeder der einzelnen Hauptbände.

Im Original-Zweiteiler überzeugte vor allem das tolle World-Building, das eine faszinierende Umgebung erschuf, in der man sich gerne (und lange) verlor. An den Charakteren hätte man damals gern noch etwas mehr feilschen können, denn hier wurde ein paar Klischee-Fallen zu stark bedient, nichtsdestotrotz waren die Bände für Erstlingswerke sehr solide. Autorin Herzel hat jedenfalls ihre Hausaufgaben gemacht (oder Reviews gelesen?) und konsequent an ihren “Schwachstellen” gearbeitet. So wirken die Charaktere hier gleich etwas sattelfester bzw., bekommen mit Phoebe jemanden spendiert, dessen „Fall“ man von der ersten Sekunde an besser nachvollziehen kann als zuvor. Okay, ein bisschen weniger auf Frauendiskriminierung rum reiten hätte es auch sein dürfen, auf der anderen Seite ist das aber wohl auch realistisch, um die Ungerechtigkeit der letzten 30 Jahre aufzuzeigen. Dann aber könnte man sagen, dass man durchaus auch mehr auf die Umweltzerstörung durch Eindringlinge von außen hätte eingehen können. Na gut, ich hör ja schon auf, das ist nämlich Meckern auf ganz ganz hohem Niveau.

Dabei, der Spoiler sei an der Stelle gestattet, hat man auch eine wunderbare Dynamik hingekriegt, denn wie Kenner aus den ersten beiden Bänden wissen, ist Phoebe die böse, die für viel Leid verantwortlich ist/sein wird. Dieser Werdegang wird hier gut aufgezeigt, auch wenn er vielleicht für diejenigen, welche den Zweiteiler kennen, wenig überraschend ist. Überhaupt gibt es diesmal zu Beginn weniger Erklärungen und man wird gleich in die Welt (respektive eine Schatzsuche, ein bisschen also wie in Band 1) geworfen, was aber nicht schlimm ist, da sich alles organisch nach und nach von selbst ergibt. Man ist recht schnell wieder in der faszinierenden Umgebung gefangen, welche die Autorin unterhalb Londons geschaffen hat.

Auch wenn man vielleicht weiß, wie die Geschichte endet, lebt sie eben von diesem Zusammenspiel zwischen dem Charakter und der Umgebung – und natürlich der Frage, ob man mit ihr Sympathien hegen kann. Okay, die werden spätestens nach dem nächsten Massaker hinweggefegt, so dass es am Ende fast schon zuviel des Guten ist. Aber immerhin wird ihr so als Charakter eine Tiefe verliehen, die man im initialen Zweiteiler so nicht erwartet hätte. Da es sich nur um Phoebe dreht, bleiben andere Charaktere natürlich etwas auf der Strecke, aber auch da gibt es ein paar Ausnahmen, etwa, wenn sie immer wieder verraten wird oder zumindest am Schluss ein privates Glück findet.

Ja, auch ich hätte gern einen Band gehabt, der die Geschichte weiterspinnt, aber diese Prequel-Geschichte hat es in sich und mindestens ebenso gut wie der Zweiteiler. Und im Schlusswort spielt die Autorin sogar mit dem Gedanken, in die Welt zurückzukehren (vielleicht mit deutlich offeneren Türen für weitere Bände in einigen Jahren?). Count me in!

Bewertung

Eine sehr gute Vorgeschichte, die sich zwar auf die Bösewichtin konzentriert und vornehmlich deren Entwicklung zeigt, aber in gewisser Weise macht es sogar ein bisschen den Reiz aus, mal nicht strahlende Helden vor sich zu haben. Die kleineren Schnitzer der Dilogie wurden dabei gekonnt ausgebessert und die Geschichte wirkt sogar noch wuchtiger als diese selbst. Natürlich gewinnt der Hauptcharakter hier keine Friedenspreise, dafür lebt die Geschichte in Zusammenspiel mit ihr aber von der wirklich faszinierenden Welt, welche die Autorin hier erschaffen hat. Und nein, auch nach diesem dritten Band habe ich noch immer nicht genug von der Welt, und das ist ja wohl eines der größten Komplimente, die man machen kann.

Bewertungsübersicht

Bewertung
Thomas Götz
Seitdem er 1985 zum Ersten Mal Episode IV sah und ausrief "Aber das heisst doch, Vader ist Lukes Vater" ist Tom der Science Fiction verfallen. Star Trek Fan wurde er, wie viele seiner Kollegen, 1990 mit "The Next Generation" in Deutschland. Seine ersten Buchrezensionen zu Star Trek Büchern erschienen schon 1995 im Alter von 16 Jahren im Star Trek Fanclub. Seit 2006 schreibt er auch Online Rezensionen (ab 2009 Trekzone-Exklusiv) und hat kürzlich seine 2000.Rezension veröffentlicht.

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Eine sehr gute Vorgeschichte, die sich zwar auf die Bösewichtin konzentriert und vornehmlich deren Entwicklung zeigt, aber in gewisser Weise macht es sogar ein bisschen den Reiz aus, mal nicht strahlende Helden vor sich zu haben. Die kleineren Schnitzer der Dilogie wurden dabei gekonnt ausgebessert und die Geschichte wirkt sogar noch wuchtiger als diese selbst. Natürlich gewinnt der Hauptcharakter hier keine Friedenspreise, dafür lebt die Geschichte in Zusammenspiel mit ihr aber von der wirklich faszinierenden Welt, welche die Autorin hier erschaffen hat. Und nein, auch nach diesem dritten Band habe ich noch immer nicht genug von der Welt, und das ist ja wohl eines der größten Komplimente, die man machen kann.Review: Schlammlerche
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