Julian Wangler liefert diesmal ein Sachbuch zu Blade Runner – und wir die Review.
Inhalt (Klappentext)
35 Jahre hat es gedauert, bis der Science-Fiction-Klassiker Blade Runner einen Nachfolger erhielt. War Ridley Scotts Meisterwerk ein langer Lauf durch die Dunkelheit und den immerwährenden Regen der Megacity Los Angeles, erreicht Blade Runner 2049 den nächsten Level: Nun streift Officer K, Replikant im Dienst der LAPD, durch ein staubiges Niemandsland, um flüchtige ‘Hautjobs’ aufzuspüren und aus dem Verkehr zu ziehen. Eigentlich soll die Eliminierung des Nexus-8 Sapper Morton ein Routinejob für K sein, doch der zufällige Fund einer vergrabenen Kiste am Fuße eines toten Baums ändert alles. In K beginnt eine Erinnerung aufzusteigen, von der er immer mehr zu glauben beginnt, dass er sie wirklich erlebt hat. Von Hoffnung und Furcht beseelt, das geborene Kind einer Replikantin und eines Menschen zu sein, gerät sein Leben ins Wanken. K geht in der weiten, leer gewordenen Welt verloren, um sich dort selbst zu finden. Dieses Sachbuch analysiert die veränderte Wirklichkeit von Blade Runner 2049, die handlungstragenden Figuren und die mit ihnen verbundenen Motive.
Kritik
Mit einem Sachbuch zu Blade Runner bedient Julian Wangler sicher eine gewisse Nische. Nicht nur, dass das Franchise jetzt nicht sonderlich groß wäre, auch die Filme sind eher etwas speziell. Auch ich bin hier nicht der größte Blade Runner-Fan und die Filme erschlossen sich mir erst beim mehrmaligem Ansehen (wobei ich Teil 2 bisher erst einmal sah). Genau genommen ist es aber bereits das zweite Buch zu dem Thema, denn zum ersten Film hat der Autor auch schon eines verfasst. Aber kann nun ein komplettes Buch zu einem Film funktionieren?

Zunächst einmal müssen eher skeptische Leser (dazu zähle ich mich unter Umständen auch) an den neuen Film (wobei der inzwischen auch schon wieder fast 10 Jahre auf dem Buckel hat) herangeführt werden. Daher gibt es eine Entstehungsgeschichte zu lesen, die sowohl aus Sicht der realen Produktion (Villeneuve) als auch In-Universe geschildert ist. Das Ganze ist kurz und knackig gehalten und stimmt in der Tat auf das kommende ein. Dabei kann es Autor Wangler erneut nicht lassen, das Buch von kleinen Fan-Fiction-Kapiteln einleiten und beenden zu lassen. Aber gut, das kennt man ja und das kann man zur Not auch überspringen, wenn man damit wirklich nichts anfangen kann.
Was folgt, sind die Analysen, für die man Autor Wangler kennt. So wird tiefer eingetaucht in die Thematik der Replikanten und was es heißt, Mensch zu werden (oder besser gesagt: die Menschfindung). Und ja, man mag es nicht glauben, aber man kann mit der Thematik in der Tat ein ganzes Buch füllen. Hier werden Parallelen zu der Bibel oder anderen Werken gezogen, welche in den Film eingeflossen sind und von den Machern offenbar so beabsichtigt wurden. Ja, auch Villeneuve hat sich Gedanken zum Film gemacht, was nicht nur in der Symbolik begründet liegt, sondern auch in der künstlerischen Vision. Auch darauf wird hier eingegangen.
Natürlich steht aber im Mittelpunkt die Welt von Blade Runner, und auch diese wird beleuchtet, auch wenn ein Hauptaugenmerk sicherlich auf Held K liegt. Damit aber nicht genug werden auch die anderen Protagonisten herangezogen. So wird etwa der Messiaskomplex von Wallace (erneuter Bibelbezug) ebenso angesprochen, wie etwa Luvs Sklavendasein. Ja, diese Kapitel nehmen jetzt nicht soviel Raum ein, wie die über die Helden und die Welt, runden aber perfekt ab und schaffen eine nicht zu einseitige Betrachtungsweise. Man merkt nach Dutzenden von Büchern hier durchaus Wanglers Gespür für solche Sachen.
Wie bereits im Vorfeld (sprich: den anderen Büchern) kann das hier durchaus dazu führen, den Film mit anderen Augen zu sehen und über die einzelnen Aspekte in der Tiefe nachzudenken. Insofern ist der Zweck des Buches wohl erfüllt worden, in Hinblick auf das erwähnte “kleinere” Nischenfranchise Blade Runner also durchaus gelungen.
Ein paar kleinere Negativpunkte gibt es auch, denn so stellt sich, vor allem gegen Ende, eine gewisse Redundanz ein, wenn man etwa zum dritten Mal eben von den Bibelassoziationen liest. Das Buch hat nur knapp 250 Seiten, daher wird, bevor es zu sehr langweilen kann, sozusagen der Stecker gezogen (bzw. ist das Ende erreicht). In gewisser Weise hat man so aber auch eine durchaus gute Balance gefunden, denn der Ausklang passt dann an dieser Stelle wieder.




