TZN

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"Für einige wenige Minuten der Liebe zahlt man mit Stunden des Hasses. Anscheinend der übliche Weg menschlicher Emotionen."

 − Spock
 − in "TAS: Der Liebeskristall"

September 2010

 

ISSN 1684-7385

Volume VI

Ausgabe 95 (#148)

 features

 

60 Jahre in Hollywood

Syd Mead

Interview mit der 77-jährigen Designer-Legende, die V'Ger entwarf

Holografische Herrscher

"Terra"

Faszinierender Stoff für Trek-Bücherwürmer

DiCaprio auf Mystery-Tour

Die neuen Kinofilme

"Shutter Island" und "Inception" im Vergleich

 

Vorwort

Engel, Feen und "Star Trek"


Liebe Leserinnen und Leser,

kennen Sie das auch? Sie sitzen in einer gemütlichen Runde, der Abend neigt sich dem Ende, man hat das eine oder andere Bier getrunken, irgendjemand fängt an mit "Könnt ihr euch noch an ... erinnern?" − und prompt landet man auch bei "Star Trek" und den Glühbirnenwitzen. "Wie viele Mitglieder der TOS-Außenteams braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? Nur eines, aber einer der Sicherheitsleute in roter Uniform wird dabei getötet." Ja, lang, lang ists her. Wobei mir immer noch niemand sagen konnte, wie diese Witze entstanden sind.

Wissen Sie, was der neuste "Star Trek"-Film und die Neuverfilmung vom "A-Team" gemeinsam haben? Beide Filme versuchen mit einer umgeschriebenen Grundstory an vergangene Erfolge anzuschließen. Ja, ich fühlte mich von Liam Neeson und Co. nett unterhalten − aber mehr auch nicht. Realistisch war die Serie noch nie, aber das Ganze hat irgendwie ziemlich an Charme eingebüßt. Und Sharlto Copley als Murdock halte ich für eine absolute Fehlbesetzung.

Ganz besonders stolz bin ich hingegen auf diese Ausgabe. Sie bietet Ihnen vier Artikel zum Thema "Star Trek" und jede Menge anderen Lesestoff.

Viel Spaß beim Lesen!

Melanie Brosowski
Chefredakteurin

 
   

Inhalt

Die ganze Ausgabe auf einen Blick

"Die Aufgabe? Die V'Ger-Entität zu entwerfen"

Kurzinterview mit Design-Legende Syd Mead

Die stillen Stars

Pflanzen in "Star Trek"

Für wen hat "Star Trek" den Durchbruch gebracht ...

... und wer ist an "Star Trek" gescheitert? − Teil 4: "Voyager"

Ein "Toter", der einen Planeten regiert

"Captain Perrys Planet"

Die Ereignisse des Monats

Geburtstage und ein Buch

"Bedenke stets des Wortes Macht, nutze es nie unbedacht!"

Brigitte Endres über Jamben, Feen und sich selbst

Es heißt, dass nichts ohne Grund geschieht ...

"Apocalypsia"

"Shutter Island" vs. "Inception"

Oder: Leonardo DiCaprio wird psychologisch

Menschenjagd, Runde 3

Kinokritik: "Predators"

"Doghouse"

Ein ungewöhnlicher Zombieslasher

Zauberer, Exorzismen und (unechte) Vampire

Kino-Guide September

Nicolas Cage auf Parodien-Rachetour

DVD-Guide September

Größer als groß

Riesensterne verschieben bisher angenommene Grenzen

Impressum

Redaktion, Abonnement und Copyrights.

Wussten Sie, dass ...

... aufgrund der Bemerkung, der Terrorismus in Irland sei schließlich erfolgreich gewesen und habe zur Wiedervereinigung von Irland geführt, die TNG-Folge "Terror auf Rutia IV" in Großbritannien nie von der BBC ausgestrahlt wurde, da man ihr vorwirft, sie biete Rechtfertigung und Anstiftung für den irischen Terrorismus?

... die TAS-Folge "Das Geheimnis der Stasis-Box" auf der von Larry Niven veröffentlichten Science-Fiction-Kurzgeschichte "The Soft Weapon" basiert? Die ursprünglichen Charaktere wurden für TAS auf Spock, Sulu und Uhura umgeschrieben.

... die TNG-Folge "Der Überläufer" auf einer Folge basiert, die für "Star Trek − Phase II" geschrieben wurde? Im Original war der Überläufer allerdings ein Klingone.


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"Die Aufgabe? Die V'Ger-Entität zu entwerfen"

Kurzinterview mit Design-Legende Syd Mead

Der heute 77-jährige Syd Mead arbeitete für John Dykstra an "Star Trek: Der Film" und war in großen Teilen für das Aussehen von V'Ger verantwortlich. Bevor er im Alter von 20 Jahren ins Filmbusiness einstieg, war er als Designer für Ford tätig. Nach dem ersten Trek-Kinofilm arbeitete er unter anderem für Ridley Scotts "Blade Runner", James Camerons "Aliens" oder Brian de Palmas "Mission to Mars". Auch den Regisseur des neusten Trek-Films, J.J. Abrams, lernte er kennen; durch seine Arbeit als Maskendesigner für "Mission: Impossible III".


Frage: Bitte erzählen Sie uns über Ihre Beteiligung bei "Star Trek: Der Film".

Syd Mead: Ich erhielt einen Anruf von John Dykstra. Er fragte: "Syd, würdest du gerne an einem Science-Fiction-Film arbeiten?" Ich antwortete: "Klar doch." Ich erklärte mich dazu bereit, ihn und seinen Partner bei Apogee, Bob Shepherd, im Century Plaza Hotel zum Mittagessen zu treffen. Zu dieser Zeit lebte ich in Capistrano Beach, in einem 4-Schlafzimmer-, 3-Garagen-Stadthaus. [...] Am ausgemachten Tag fuhr ich also hin, fand ein bisschen etwas heraus über den Film und nahm eine frühe Version des Drehbuchs mit nach Hause. Die Aufgabe? Die V'Ger-Entität zu entwerfen.

Zu dieser Zeit wusste ich nicht, dass sich bereits ein anderes Studio unter der Leitung von Bob Abel an der V'Ger-Entität zu schaffen gemacht hatte. Der Regisseur, Robert Wise, hat nichts von diesem Computerzeugs verstanden, also wurde Abels Studio rausgeworfen und ich begann zu arbeiten. Die Produktionsfirma hatte schon jemanden von der Ostküste dafür bezahlt, eine sechsseitige freibewegliche Blende zu kreieren und zu bauen. Wenn man sie drehte, öffnete und schloss sie sich. Es war wirklich klasse. Mir wurde gesagt, ich sollte dieses Ding in meinen Entwurf einarbeiten, da Paramount bereits dafür bezahlt hatte. Das war also die Grundlage für meinen Entwurf.

 
 

"Ich war von der Aura Hollywoods nicht überwältigt."


Bei einem Treffen bei Apogee mit John, Bob Shepherd, Robert Wise und Katzenburg (er sollte der Produzent des Films sein ... das war bevor er und Eisner die Führung von Disney übernommen haben), wurde ich gefragt, "Was ist das, Syd?". Ich antwortete (Bezug nehmend auf meinen Entwurf): "V'Ger ist eine sechsachsige, längsgerichtete Ausdrucksweise der eigenen geometrischen Dynamik." John schaute mich an und antwortete: "Was auch immer, Syd."

Ich reiste oft nach Europa zu dieser Zeit für einen Auftrag von Raymond Loewys Pariser Studio und zu Philips in Eindhoven. Der Film war "nur eine weitere Design-Aufgabe" für mich, es gab keinen Anfall von "mystischer Verehrung", kindischer Erregung oder sonst irgendetwas, was die Arbeit an "Star Trek" von meinen anderen Aufträgen unterschieden hätte. In die Filmindustrie eingeladen geworden zu sein, war für mich nur eine andere "Art" von Design-Herausforderung. Ich war nicht von der Aura Hollywoods überwältigt.

Bei einem der Treffen drehte sich Robert Wise zu mir und sagte "Syd, wann können wir den nächsten Stapel Entwürfe erwarten?". Ich antwortete: "Nun, ich fliege am Montag nach Holland für zwei Wochen. Ich denke, ich könnte sie dort machen." Wise drehte sich zu Katzenburg und fragte "Jeff, wir haben ein Büro in Amsterdam, richtig?". Katzenburg bestätigte dies. Wise fuhr fort: "Ein Bote soll alle zwei Tage die Entwürfe von Mead abholen und wir schicken sie mit unserem Kurierflug."

Und so geschah es dann. Ich entwarf tagsüber Toaster, Videorekorder, Rasierer und Stereoanlagen, ging dann ins Hotel, holte einen Zeichenblock heraus und arbeitete an V'Ger bis elf Uhr abends. Dann, an jedem zweiten Tag, hinterlegte ich meine Zeichnungen beim Portier und nach 36 Stunden waren sie in Hollywood.

Die Abschlussparty war raffiniert. Es gab einen riesigen Kuchen in Form der Enterprise, außerdem Alkohol, Essen und gesellige "Filmfreunde" − alles in allem eine klasse Sache. Roger und ich wurden vor einigen Jahren in das digitale Paramount-Kino eingeladen für eine Aufführung der digital überarbeiteten Version von "Star Trek: Der Film". Robert Wise, dieser großartige ältere Herr des Films, war auch da.

Frage: Welche Elemente des ursprünglichen Entwurfs von Robert Abel & Partner von V'Ger haben Sie in Ihren Entwurf integriert − oder haben Sie ihn als Inspiration genutzt?

Syd Mead: Ich habe nie etwas von den Arbeiten der Abel Studios gesehen. Ich wurde an Bord geholt, nachdem Paramount den V-Ger-Entwurf von Abel bekommen hatte. Mir war außerdem nicht bewusst, dass irgendetwas von Abel in den V-Ger-Entwurf einfließen sollte. Ich habe das alles selber gemacht, und nur die bereits bezahlte sechsseitige Blende benutzt. Ich erstellte auch den Entwurf für das Innenleben von V-Ger, welches zu einem Modell von zwei oder drei Metern Durchmesser und fast zwei Metern Tiefe wurde. Dieses Set wurde benutzt, als Spock in die "innere" Kammer von V-Ger verschwand und die Enterprise in den Schlund flog.

Das Hauptmodell für die Aufnahmen mit V'Ger war über fünf Meter lang, aber nur ein Sechstel des theoretischen Umfangs wurde gebaut. Die Dreharbeiten fanden in einem abgedunkelten Lagerhaus in der Nähe der Apogee Studios in Van Nuys, Kalifornien, statt. Eine spezielle Linse in Form eines Periskops wurde entwickelt, um über die Oberfläche des Modells zu fliegen, in der Höhe von etwa vier Zentimetern. Und die Überflüge wurden dann alle auf dem gleichen Film übereinander geschossen. Das war mutig, denn wenn der sechste Überflug schief gegangen wäre, hätte man wieder ganz von vorne anfangen müssen. Der Film wurde innerhalb eines engen Terminplans gedreht... Ganz "frische" Kopien wurden mit eigens angemieteten Flugzeugen durch das ganze Land geflogen.

Weiterführende Links

  • SydMead.com
    Die offizielle Website von Syd Mead mit zahlreichen Bildern seiner langjährigen Arbeit.

  • Trek-Interview

    Vor über 30 Jahren, am 7. Dezember 1979, flimmerte "Star Trek: Der Film" über die Kinoleinwände. Sebastian Kowald liefert die deutsche Version eines Gesprächs von Forgotten Trek mit Syd Mead, der damals als Designer für das erste Trek-Kinoabenteuer arbeitete.


     

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    Die stillen Stars

    Pflanzen in "Star Trek"

    Sie befinden sich zumeist im Hintergrund, bescheiden, sind mit wenig zufrieden und doch allgegenwärtig: die Pflanzen in "Star Trek". Sie stellen eine wichtige Grundlage für das gesamte "Star Trek"-Universum dar, denn durch sie wird Leben geschaffen und erhalten − in vielerlei Hinsicht. Doch sie sind auch entscheidend für einige der vielen Folgen aus dem "Star Trek"-Universum − sowohl in den Serien, den Filmen als auch den Büchern.

    Ihre Auftritte können bescheiden sein, wie die der Muktok-Pflanze, die auf dem Planeten Betazed wächst und die, wenn man sie schüttelt, ein angenehmes Geräusch vermittelt. Wirklich beachtet wird dieser borstenartige Strauch nur in einem Nebensatz, und doch ist seine Bedeutung tiefergehend, ist er doch ausschlaggebend dafür, dass der Zuschauer in "Die Damen Troi" eine Information aus der gemeinsamen Vergangenheit von William Riker und Deanna Troi erfährt. Eine andere Pflanze jedoch ist dafür verantwortlich, dass Commander Riker in "Kraft der Träume" erkrankt und noch einmal schöne und dramatische Ereignisse der letzten beiden Jahre an Bord der Enterprise im Traum durchleben muss, um geheilt zu werden. Zwar wird sie nur erwähnt und nie gezeigt, aber dennoch bestimmt sie letztlich das Geschick der Folge, denn wäre Riker nicht mit ihr in Berührung gekommen, hätte es die verzweifelten Rettungsversuche von Dr. Pulaski und Counselor Troi nicht gegeben.

     
     

    In "Euphorie" begegnet die Crew der Voyager einer unangenehmen Art der Gattung Pflanze...


    Auf der Voyager spielt hin und wieder die Favinit-Pflanze eine Rolle, die Commander Tuvok einst auf Vulkan züchtete. In "Allianzen" sogar eine sehr tragende, erklärt Tuvok doch mit ihrer Hilfe Captain Janeway in Form einer Allegorie seine Meinung zu den anstehenden Allianzen, die diese einzugehen gezwungen scheint. Einst hatte er die reine vulkanische Favinit-Pflanze mit einer südamerikanischen Orchidee gekreuzt und musste zunächst davon ausgehen, dass dieser Kreuzung kein Überleben beschert sei, weil die Pflanze krank wurde, doch − und mit dieser Erklärung macht er Janeway den Sinn und Zweck der Allianzen klar − am Ende wurde die Pflanze trotz aller Probleme und Ressentiments stärker als die ursprünglichen Mutterpflanzen. In "Euphorie" begegnet die Crew der Voyager einer unangenehmen Art der Gattung Pflanze, nämlich der telepathischen Werferpflanze, die wie eine Venus-Fliegenfalle Raumschiffe anzieht und verschlingt, dabei aber den Besatzungen ihre schönsten Träume als Realität vorgaukelt. Der Mensch − und andere Wesen − sind in diesem Fall die Fliege, die dem betörenden Duft der Pflanze nicht widerstehen können.

    Es gibt sogar Pflanzen, die eigenständig gehen können und sich, wo es ihnen beliebt, niederlassen. Wie die Retlaw-Pflanze auf dem Planeten Phylos, die zugleich tödlich für Humanoide sein kann und Sulu in der TAS-Folge "Das Superhirn" beinahe tötet. Sulu ist es auch, der aus der Crew der alten Enterprise den meisten Kontakt mit Pflanzen hat, denn er ist ein leidenschaftlicher Hobby-Botaniker. Er gibt seinen eigenen Züchtungen sogar einen Namen, wie dies bei Gertrude der Fall ist − die laut Yeoman Rand aber eher Beauregard heißen sollte. In "Die Reise nach Eden" und "Das Letzte seiner Art" erhält der Zuschauer Einblick in das scheinbar ungewöhnliche Hobby für einen Mann wie Sulu. In "Das Letzte seiner Art", "Falsche Paradiese" und "Die Stunde der Erkenntnis" begegnet die Crew der Enterprise auch − einmal mehr − gefährlichen Pflanzen, die nicht selten zum Tod eines Redshirts führen und die Brückenbesatzung in die ein oder andere Bedrängnis bringen.

    Doch auch in den alten TOS-Folgen gibt es Momente, in denen Pflanzen eher die ruhigen, faszinierenden Erscheinungen sind, die Crew und Zuschauer einen Moment innehalten und genießen lassen. Solches gilt sicherlich für die Gesang-Pflanze auf Talos IV, deren Blätter alle einzeln einen sanften Ton erzeugen und somit für eine besondere Harmonie sorgen, die einen Moment inne halten lassen, ehe das Abenteuer wieder weiter geht.

    Pflanzen begegnen uns also im "Star Trek"-Universum immer wieder: im Arboretum der Enterprise oder den Hydroponischen Gärten der Voyager, auf den vielen Planeten als natürliche Statisten und Bühnenbilder, die die Crews der Schiffe und Raumstation besuchen und in den Katalogisierungsdatenbanken der Wissenschaftler. Sogar in Neelix' Kochtopf und immer wieder gerne zitiert in seinen Rezepten. Sie können nützlich sein oder einfach nur etwas für das Auge darstellen, aber in einigen Fällen sind sie gefährlich und für manches Mitglied der Crews gar tödlich. Ja sogar für ganze Schiffe. Ihnen wird im "Star Trek"-Universum denselben Tribut gezollt wie in der Realität, nur dass ihre Art − wie bei vielen Dingen in der Science-Fiction − ein wenig Kreativität dazu bekommt und sie zu etwas noch Einzigartigerem − vielleicht auch noch Gefährlicherem − werden, als dies bereits im Hier und Jetzt der Fall ist.

    Trek-Background

    Nur Deko und Gemüse oder mehr? Welche Rolle spielen Pflanzen in "Star Trek"? Dieser Frage geht Ute Kreibaum auf den Grund.


     

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    Für wen hat "Star Trek" den Durchbruch gebracht...

    ... und wer ist an "Star Trek" gescheitert? − Teil 4: "Voyager"

    Innerhalb von über 700 Episoden und mittlerweile elf Kinofilmen sind Hunderte von Darstellern aufgetreten, die durch "Star Trek" zu Ruhm und Ehren, aber auch nur bis zum Äquivalent der Sozialhilfe gekommen sind. An dieser Stelle werden aus Platz- (und Zeit-)gründen nur die Hauptdarsteller und der ein oder andere "Ausreißer" beleuchtet.

    Geneviève Bujold: Ja, ja, richtig gelesen. Auch die Bujold sei hier mal vertreten. Captain Janeway mit fast 70 Jahren hätte es hiermit gegeben. Nun gut, die heute 68-jährige Diva aus "Coma" hat ein paar Tage die Uniform der Janeway getragen. Danach hatte Madame einfach keinen Bock mehr. Mit "Star Trek" bringt sie heute nur der Fan in Verbindung, der sie aus den Szenen auf der DVD-Box kennt.

    Kate Mulgrew: Und noch eine Diva? Wie oft hatte während der Serie das Gerücht kursiert, dass auch Frau Mulgrew keinen Bock mehr hätte und aussteigen wollte. Zwei bis drei Mal habe ich das bestimmt gelesen und mich immer wieder gefragt, ob sie jetzt tatsächlich aussteigt. Mittlerweile weiß man ja, dass sie "Voyager" treu geblieben ist und nicht nur sieben Staffeln der Serie den Charakter gespielt hat, sondern auch in "Star Trek Nemesis" die beförderte Version als Crossover zum Besten gab. Zu Anfang war sie aber nur die zweite Wahl. Ihr bester Freund John de Lancie (Q) hat ihr geraten, sich auf die Rolle zu bewerben. Doch konnte sie sich gegen die bekannte Bujold natürlich nicht durchsetzen, die zu dieser Zeit bereits auf eine längere und bekannte Film- und Fernsehkarriere zurückblicken konnte. Mulgrew hatte einen einzigartigen Charakter gespielt: die ansonsten nie sichtbare Mrs. Columbo. Nach ihrer Zeit als bekanntester weiblicher Captain in "Star Trek" hat sie sich größtenteils aus der Fernsehlandschaft zurückgezogen. Das heißt aber nicht, dass sie inaktiv ist. Ganz im Gegenteil. Dem deutschen Zuschauer bleibt leider bislang ihre wohl bekannteste Ein-Frau-Bühnenschau "Tea at Five" verwehrt. In Buchform wird der deutsche Leser vielleicht auch irgendwann einmal im Cross Cult Verlag von ihrer weiteren Zukunft nach "Nemesis" erfahren − Mulgrew hat sich während der FedCon in Bonn vor wenigen Jahren negativ über die Bush-Regierung geäußert. Das hat ihr natürlich viel Zuspruch von den deutschen Fans eingebracht, war aber auch gute Publicity für ihren Mann, den Politiker Tim Hagan.

    Robert Beltran: Der einzige erste Offizier, der weniger zu tun hatte als Uhura in Glanzzeiten − dies ließ er natürlich auch die Fans wissen. Er ließ an "Voyager" kein gutes Haar. Das überwiegende Frauenensemble und insbesondere die Beziehung zwischen Janeway und Seven ließen den Schauspieler recht farblos erscheinen. Er ist zwar weiterhin im Fernsehen zu sehen, aber angesichts seiner Äußerungen gegenüber "Star Trek" wird man ihn dort wohl das letzte Mal gesehen haben... An Beltran scheiden sich die Fan-Geister. Das kann man an einer fast schon hitzigen Diskussion anlässlich seines Verhaltens auf einer Con lesen (hier nachzulesen). Auf seiner offiziellen Website kann der gnädigere Fan dann eine CD mit Lesungen von ihm bestellen.

    Jeri Ryan: Die Borg-Sexbombe hat durch ihre Auftritte einen extremen Bekanntheitsgrad erlangt. Sex sells hatte sich für sie ausgezahlt. Mit ihren Auftritten wurde die Serie auch um einiges beliebter. Ryan hat immer noch diverse Fernsehauftritte zu verzeichnen. Unter anderem konnte sie auch mit Shatner in "Boston Legal" in zwei Episoden mitspielen.

    Roxann Dawson/Robert Duncan McNeill: Die Eigenschaft, auch hinter der Kamera zu stehen, hat sich für einige "Star Trek"-Darsteller ausbezahlt. Zwar ist die B'Elanna-Mimin auch noch vor der Kamera zu sehen, unter anderem war sie mit Bill Shatner bereits einige Jahre vor "Voyager" zu begutachten, aber seit dem Ende der Serie arbeitet sie eher als Regisseurin. Auch Dawsons Serienehemann fungiert hauptsächlich als Regisseur.

    Jennifer Lien: Definitiv vom "Star Trek"-Fluch verfolgt... Die Schauspielerin und Mutter ist vollständig von der öffentlichen Bühne verschwunden und fast nur noch auf Conventions anzutreffen.

    Robert Picardo ist jemand, der bereits vor "Star Trek" in vielen Rollen vertreten war: "Gremlins 2", "The Burbs" ("Meine teuflischen Nachbarn")... Bei "Star Trek" war er derart beliebt, dass er nicht nur in "Voyager" aufgetreten ist, sondern auch einige Auftritte bei DS9 und in "Star Trek VIII" hatte. Seine Website zeigt, dass er noch überaus aktiv ist. Sein "Hologram's Handbook" ist so gut wie nicht mehr erhältlich. Außerdem hat er das SF-Fach nicht unbedingt gewechselt. Er ist jetzt bei "Stargate" untergekommen.

    Tim Russ hat sich zwar gegen LeVar Burton für TNG nicht durchsetzen können, dafür hat er dann eine Nebenrolle in TNG, DS9 und einen der Hauptcharaktere in "Voyager" gespielt, nachdem er auch in "Star Trek VII" aufgetaucht ist. Eine CD geht genauso auf sein Konto wie auch die Teilnahme an dem Fanprojekt "Of Gods and Men".

    Garrett Wang spielte nicht nur in "Of Gods and Men" mit, sondern war 2009 mit Mayweather-Darsteller Montgomery auch in "Why Am I Doing This? " zu sehen.

    Trek-Cast

    Für viele Schauspieler brachte "Star Trek" Ruhm und Ehre und eine steile Karriere, für manche kam nach "Star Trek" jedoch nichts mehr. Lesen Sie hier, wer weiterkam und wer scheiterte, in einem Beitrag von Christian Freitag.


     

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    Ein "Toter", der einen Planeten regiert

    "Captain Perrys Planet"

    Das Internet ist etwas Wunderbares. Man kann Neues entdecken und auf fast Vergessenes stoßen, so auch auf die "Terra"-Reihe aus dem Pabel Verlag.

    Die "Terra-'Star Trek'"-Reihe umfasst folgende elf in sich abgeschlossene Romane:

    1. "Der falsche Prophet" von Charles A. Spano & Theodore R. Cogswell
    2. "Die Enterprise im Orbit" von J. A. Lawrence & James Blish
    3. "Mission auf Arachnae" von Kathleen Sky
    4. "Welt ohne Sterne" von Joe Haldeman
    5. "Duell der Mächtigen" von Joe Haldeman
    6. "Das private Universum" von Stephen Goldwin
    7. "Der Preis der Unsterblichkeit" von Myrna Culbreath & Sandra Marshak
    8. "Der Fluch des Phönix" von Myrna Culbreath & Sandra Marshak
    9. "Der galaktische Mahlstrom" von David Gerrold
    10. "Captain Perrys Planet" von Jack Carroll Haldeman
    11. "Im Kern der Galaxis" von Gordon Eklund

    An dieser Stelle lesen Sie eine Kritik zu Band 10.


    Deutscher Titel "Captain Perrys Planet"

    Originaltitel "Perry's Planet"

    Autor Jack C. Haldemann II

    Verlag Pabel-Moewig-Verlag

    Reihe Terra Science Fiction 366

    Erscheinungsjahr 1980

    Buchrücken
    Nach einem Gefecht mit den Klingonen, den alten Gegnern der Völker des Sternenbunds, muss Captain Kirk mit der beschädigten Enterprise eine diplomatische Mission übernehmen, die keinen Aufschub duldet. Das Ziel des Sternenkreuzers ist eine äußerst merkwürdige Welt mit ebenso merkwürdigen Bewohnern − und mit einem Regenten, der eigentlich seit vielen Jahrzehnten tot sein müsste.

    Inhalt
    Sternzeit 6827.3

    Die Enterprise soll ein Ärzteteam zum Planeten Waycross bringen und anschließend das Schiff auf der Starbase 6 überholen lassen. Doch ein Schaden zwingt sie, sich in die Umlaufbahn eines toten Planeten zu begeben, wo sie von den Klingonen angegriffen werden. Der Captain des Klingonenschiffes ist Korol, der Bruder Khalls, den Kirk vor Jahren in einem Kampf Mann gegen Mann getötet hatte. Korol schwört, dass Kirk dafür bezahlen wird. Kurz darauf explodiert auf der Enterprise ein Sprengsatz und ein Mitglied des Ärzteteams, Kelly Davis, wird verletzt.

    Dann erhält Kirk von Vizekommodore Larry Propp den Auftrag, statt zu Starbase 6 zu fliegen den Planeten Perry anzusteuern. Die Bewohner jenes Planeten, Nachkommen von irdischen Siedlern unter der Führung des Philanthropen Wayne Perry, hatten nämlich mit der Föderation Kontakt aufgenommen, um über einen eventuellen Beitritt zu sprechen.

    Auf Perry muss Kirk jedoch feststellen, dass das auf den ersten Blick paradiesische Leben doch gar nicht so schön ist, wie es zuerst erschien. Zwar gibt es keine Gewalttätigkeit auf Perry, dafür einen Virus, der die Menschen zusammenbrechen lässt, sobald sie Anzeichen von Gewalt zeigen. Und auch der Wayne Perry, der ihnen vorgestellt wird, ist nicht das, was er vorgibt zu sein. Weder ist er über 300 Jahre alt − noch ist er überhaupt ein Mensch. Vielmehr begrüßt sie ein hochentwickeltes Hologramm. Doch der echte Perry ist noch am Leben und ist unwissentlich dabei, die Zivilisation des Planeten zu vernichten ...

    Kritik
    Mit seinen 160 Seiten ist dieses Buch nicht wirklich dick. Die Story ist mäßig interessant, und wie in fast jeder Geschichte darf auch in dieser Kirk seiner Leidenschaft für Frauen nachkommen. Lediglich der Schluss erscheint mir etwas albern − aber lesen Sie selber und schwelgen Sie dabei ein wenig in längst vergangenen "Star Trek"-Zeiten ...

    Trek-Bücher

    Eine Buchkritik von Melanie Brosowski.


     

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    Die Ereignisse des Monats

    September 2010

    Die Trek-Highlights der nächsten vier Wochen im Überblick, zusammengestellt von Peter Schipfmann.

    Trek-Kalender

     
     

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    Buch
    David Mack:
    "Star Trek − Destiny 03: Verlorene Seelen"
    Bestellen

             
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    Geburtstag
    Jeffrey Combs
    (Weyon, Brunt)

       

    Geburtstag
    Roxann Dawson
    (B'Elanna Torres)

       
       13.September    14.September    15.September    16.September    17.September    18.September    19.September  
       

    Geburtstag
    Walter Koenig
    (Pavel Chekov)

     

    Geburtstag
    Tom Hardy
    (Shinzon)

             
       20.September    21.September    22.September    23.September    24.September    25.September    26.September  
           

    Geburtstag
    Rosalind Chao
    (Keiko O'Brien)

           
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    "Bedenke stets des Wortes Macht, nutze es nie unbedacht!"

    Brigitte Endres über Jamben, Feen und sich selbst

    Wieder einmal hatte das TZN Gelegenheit, eine Autorin zu interviewen. Diesmal: Brigitte Endres.

    TrekZone Network: Wer ist Brigitte Endres?

    Brigitte Endres: Du lieber Himmel, wenn ich das wüsste! Das ist ja eigentlich DIE große philosophische Frage: WER BIN ICH? Aber ich denke, ein bisschen von mir steckt in dem, was ich schreibe, denn es kommt ja aus der Quelle dessen, was mich ausmacht.

    TZN: Wie bist du zum Lesen beziehungsweise anschließend zum Schreiben gekommen?

    Endres: Ich bin sehr früh mit Literatur in Berührung gekommen. Mein Großvater, ein Oberschulrat vom alten Schlag, las mir, kaum dass ich sprechen konnte, immer wieder die Kinderverse aus "Des Knaben Wunderhorn" vor. Auch wenn ich bestimmt nur die Hälfte davon verstand, wurde wahrscheinlich damals schon die Liebe zum Klang der Worte geweckt. Und dann war da noch eine kugelrunde warme, weiche Oma, die mir auf Sächsisch Märchen erzählte. Von Gänselieseln und Königstöchtern, vom bösen Wolf und guten Feen. Als ich endlich selbst lesen konnte, habe ich alles gelesen, was mir in die Finger kam. Geschrieben habe ich schon als Kind, vor allem selbst erdachte Märchen, mit 15 eine kafkaeske Kurzgeschichte von einem Mann, der morgens aufwacht und alle Leute sind gut gelaunt − sogar sein misanthropischer Chef. (Mit 15 hat man eben noch Träume ..."lach") Aber ich studierte dann der Familientradition entsprechend − es wimmelt bei uns von Lehrern − doch für das Lehramt an Grundschulen. Erst in einem Zweitstudium kamen Germanistik und Geschichte dazu. Noch viel später, da hatte ich meine Söhne schon und war in den Schuldienst eingetreten, begann ich zu schreiben. Und zwar für meine Schulkinder.

     
     

    "Gleich zu Beginn meines Autorenlebens habe ich einen historischen Jugendroman über das Dritte Reich geschrieben."


    TZN: Dein neues Buch heißt "Das Vermächtnis der Feen". Magst du unseren Leserinnen und Lesern kurz erzählen, worum es darin geht?

    Endres: Das ist in ein paar Sätzen kaum möglich, da die Geschichte sehr verflochten ist. Es geht zunächst um ein Mädchen, Josie, das in Chicago seinen Vater besucht, der an einem Genforschungsprojekt arbeitet. Dort begegnet Josie einer seltsamen Amsel, die sich plötzlich in einen kleinen Mann in einem Federmantel verwandelt und ihr eine Brosche mit zwei Drachenköpfen überbringt. Josie zweifelt an ihrem Verstand, bis sie auf Amy trifft, die auch so eine Drachenfibel besitzt. Die beiden stellen fest, dass sie noch sehr viel mehr Gemeinsamkeiten haben. Sogar bei ihren Großmüttern gibt es Parallelen, denn die eine ist Schriftstellerin, die andere Drehbuchautorin. Tatsächlich deutet ein altes Foto darauf hin, dass die Mädchen ein und denselben Urgroßvater haben. Durch einen Gentest lässt sich ihre Verwandtschaft eindeutig festmachen.

    Edna, Amys Großmutter, war, das muss erwähnt werden, im Vorfeld des Geschehens von einem Tornado auf höchst mysteriöse Weise weggerissen worden. Der Bote aus der Anderwelt, denn das ist die Amsel, bittet Josie nach Eirinn zu kommen, um Narranda, das Goldene Land von den zerstörerischen Nebeln des finsteren Dorchadons zu befreien. Josie und Amy fliegen also nach Irland, wo Amy, kaum angekommen, während eines Gewitters von schrecklichen Schattengestalten entführt wird. In Irland wird Josie von ihrer Großmutter erwartet, die sich bei einem Professor eingemietet hat, der sich den alten Mythen verschrieben hat und eine riesige Bibliothek unterhält. Der Grund: Sie recherchiert für ein neues Fantasy-Buch.

    Nun beginnt das eigentliche Abenteuer, in dem Josie nicht nur Amy und Edna retten muss, sondern auch von einem uralten Fluch erfährt, der auf den weiblichen Nachfahren ihrer Familie lastet. Doch stehen ihr Gefährten zur Seite. Gefährten aus der Welt am Rand der Träume, als auch aus der Welt der Dinge. Arthur, ein Junge, der aus einer alten Bardenfamilie stammt, wird ihr wichtigster Begleiter. Und sie gewinnt noch einen Freund, einen von dem sie es nicht für möglich gehalten hätte − ich will hier nicht zu viel verraten.

    Alle Gefährten sind durch uralte Familienbande miteinander verbunden, doch das stellt sich erst nach und nach heraus. Nur gemeinsam können sie den Abstieg in das finstere Reich des bösen Dykeron wagen und die Aufgaben lösen. Und schließlich machen sie noch eine verstörende Entdeckung: Die Fantasien der schreibenden Großmütter, ja, die Imagination aller Beteiligten erwachen zum Leben ...

    TZN: Ein Teil der Figuren in diesem Fantasy-Roman spricht in Jamben. Wie bist du darauf gekommen?

    Endres: Das Problem ist ja, dass sich Anderwelt-Wesen einer eigenen Ausdrucksweise bedienen müssen, um sich auch sprachlich von den weltlichen Protagonisten zu unterscheiden. Schließlich kam ich darauf, sie in jambischen Reimen sprechen zu lassen. Der Hintergrund: Die alten Mythen und Epen, die im Buch eine große Rolle spielen, waren zumeist in gereimten Versen abgefasst, da sie ja nur mündlich überliefert wurden, und man sie sich auf diese Weise besser merken konnte. Diese Entscheidung hat den Schreibprozess natürlich sehr verlangsamt. Doch bin ich froh, dass ich nicht aufgegeben habe. Denn es gibt dem Buch etwas Besonderes.

    TZN: Du hast geschrieben, dass die jambischen Verse dem Buch eine besondere und poetische Note geben. Hast du keine Angst, dass das die Leser eher abschreckt?

    Endres: Überhaupt nicht! Ich glaube sogar, dass die Reime den Reiz des Buches erhöhen − jedenfalls war das bei meinen Probelesern so, und meine Lektorin war richtig begeistert.

    TZN: Hat das Jamben-Schreiben dir auch Lust auf einen Gedichtband gemacht?

    Endres: Nein. Es liegt mir nicht sehr, mich elegisch auszudrücken. Lyrik ist ja auch etwas ganz anderes als Reime, wie ich sie verwendet habe.

    TZN: Warum hast du nach all deinen Kinderbüchern jetzt einen Jugend-Fantasy-Roman geschrieben?

    Endres: Gleich zu Beginn meines Autorenlebens habe ich einen historischen Jugendroman über das Dritte Reich geschrieben. Allerdings war der bei weitem nicht so umfangreich wie das "Vermächtnis der Feen". Ich schreibe für alle Altersgruppen, vom Bilderbuch bis zum Jugendbuch. Ich schätze es sehr, neben einem langen epischen Stoff auch kurze Texte für jüngere Kinder zu verfassen. Man muss viel mehr auf den Punkt schreiben. Da muss jedes Wort sitzen! Eine gute Stilübung. Außerdem haben viele große Kollegen alle Altersstufen bedient, Astrid Lindgren zum Beispiel.

    TZN: Ich habe auf deiner Website gesehen, dass du auch Kinderlieder geschrieben hast. Das ist ja nun eine ganz andere Richtung. Wie bist du darauf gekommen?

    Endres: Die Lieder sind damals für meine Schulkinder entstanden. Musikalität liegt bei uns ebenso in der Familie wie das Schreiben. Aber das Wort ist mir näher als die Musik, dennoch geistern oft Melodien durch meinen Kopf und wollen zu Gehör gebracht werden. Und so entstehen auch heute noch ab und zu kleine Musikstücke.

    TZN: Du hast gesagt, dass du auch heute noch aus der Struwwelliese zitieren kannst. Haben die Bücher deiner Kindheit deine schriftstellerische Tätigkeit sehr beeinflusst?

    Endres: Ganz bestimmt haben mich die Bücher meiner Kindheit beeinflusst, aber es fällt mir schwer zu sagen, wie genau. Es ist mehr eine Gefühlswolke, eine Atmosphäre der Geborgenheit, die ich mit meinen Kinderbüchern assoziiere − und davon möchte ich gerade meinen jüngeren Lesern etwas schenken. Deshalb achte ich darauf, auch bei schwierigen Themen Lösungen anzubieten. Es muss immer Hoffnung geben.

    TZN: Woher nimmst du die Ideen für deine Geschichten?

    Endres: Ideen fallen von den Bäumen. Ich weiß nicht, woher sie kommen. Ich glaube, dass Autoren stark assoziativ denken. Manchmal ist es ein Name, etwas, das ich höre oder sehe, etwas, das plötzlich ungeplant eine Gestalt annimmt, aus der eine Geschichte entsteht.

    TZN: Sind deine Kinder auch deine schärfsten Kritiker?

    Endres: Nein, mein schärfster Kritiker bin ich selbst.

    TZN: Du hast einen eigenen Verlag. Ist es schwer, sich in der Verlagswelt zu behaupten?

    Endres: Es ist schlichtweg unmöglich − da man kaum Mittel zur Vermarktung hat. Der Libelli-Verlag, in dem ich anfangs einige wenige Bücher veröffentlicht habe, ist ein Nonprofit-Unternehmen, das mein Mann, der Maler H.D. Tylle, unterhält. Hauptsächlich erscheinen bei uns Kunstkataloge on demand für befreundete Künstler.

    TZN: Eine Frage, die mich als Autorin interessiert: Woher nimmst du die Namen für deine Personen und Figuren?

    Endres: Dafür nehme ich mir SEHR viel Zeit. Manchmal höre ich einen Namen, der mir gefällt, und baue eine Geschichte darum herum. Aber meistens suche ich lange nach einem klingenden Namen, der zum Typ des Protagonisten passt. Es gibt blonde und brünette Namen, Namen für lange und für kurze Nasen ... Bisweilen schrecke ich auch vor bedeutungsvollen Namen nicht zurück. Herr "Plümo" ist so ein Beispiel, der kleine Mann mit dem großen Schnurrbart und dem karierten Mantel, den Luis eines Abends in seinem Bett vorfindet.

     
     

    "Es gibt Leseratten und Leseverweigerer. Gestern wie heute."


    TZN: Hast du den Eindruck, dass in unserer heutigen Zeit Kinder und Jugendliche gerne respektive viel lesen oder doch lieber vor dem TV oder PC sitzen?

    Endres: Es gibt Leseratten und Leseverweigerer. Gestern wie heute. Ich glaube eher, dass der Medienüberfluss auf Kosten der Bewegung geht. Vielleicht lesen heutzutage sogar mehr Kinder als früher, weil Bücher verfügbarer sind und es dazugehört, bestimmte Stoffe gelesen zu haben, um die gerade ein Hype gemacht wird. Allerdings sagt uns die Statistik, dass Mädchen häufiger lesen als Jungen. Aber das ist auch nichts Neues. Kinderbuchverlage setzen deshalb immer mehr auf die Mädchen, und Pink-Reihen schießen wie Pilze aus dem Boden.

    Wäre es nach mir gegangen, wäre das "Vermächtnis der Feen" bei Thienemann direkt erschienen und nicht bei dem Thienemann-Imprint Planet Girl, denn es ist ebenso wenig ein reines Mädchenbuch wie "Tintenherz".

    TZN: Glaubst du, dass Feen, Elfen, sprechende Tiere und so weiter in der heutigen Zeit neben Wii und Action-Games noch einen (berechtigten) Platz haben?

    Endres: Die Sehnsucht nach dem über die Realität Hinausgehenden ist heute größer denn je. Viele Kinder wachsen ohne die alten Märchen auf, weil schon die Eltern sie nicht mehr kennen.

    Übrigens ist das ein wichtiges Thema des Romans, über den wir hier sprechen. Auch Sagen und Heiligenlegenden werden nicht mehr tradiert. Selbst die Geschichten aus der Bibel geraten zunehmend in Vergessenheit, da immer weniger Menschen religiöse Bindungen haben. Sicher kommt das auch daher, dass die Wissenschaft für viele Fragen Erklärungsmodelle liefert, auf die unsere Vorfahren nur mystische Antworten hatten. Trotzdem steckt in uns bis heute das tief verwurzelte Bedürfnis nach dem Okkulten. Daran ändert auch die fortschreitende Technisierung nichts, ganz im Gegenteil. Mit Esoterik und Fantasy schaffen wir uns neue mythische Räume.

    TZN: Woran arbeitest du gerade?

    Endres: Ich bereite − momentan vor allem gedanklich − meinen nächsten Roman vor, über den ich aber noch nicht sprechen möchte. Allerdings wird es wieder ein phantastischer Stoff sein. Daneben entstehen kürzere Texte für Bilder- und Vorlesebücher.

    TZN: Einige abschließende Worte?

    Endres: Ich möchte mit dem Motto des Romans schließen: "Bedenke stets des Wortes Macht und nutze es nie unbedacht!" Es ist die Magie des Wortes, die alles kreiert, das Sichtbare wie das Unsichtbare, das Gute wie das Böse. Das ist die wichtigste Botschaft des "Vermächtnis der Feen".

    TZN: Vielen Dank für das Interview!

    Weiterführende Links

  • Die Website der Autorin
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    "Das Vermächtnis der Feen" (gebundene Ausgabe)

  • Mellis Autorenecke

    Jeden Monat stellen wir Ihnen an dieser Stelle einen interessanten Autor oder Verlag vor. Dieses Mal im Interview: Brigitte Endres. Von Melanie Brosowski.


     

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    Es heißt, dass nichts ohne Grund geschieht ...

    "Apocalypsia"

    Buchrücken/Einband: Es heißt, sobald ein Kind zur Welt kommt, legt ihm ein Engel einen Finger auf den Mund; so vergisst es augenblicklich alle göttlichen Geheimnisse. Nur die kleine Furche zwischen Nase und Mund bleibt als Spur zurück. Doch als sich das letzte aller Geheimnisse offenbart, müssen die Engel erkennen, dass auch sie nicht alles wissen: Gott liegt im Sterben, und mit ihm die gesamte Schöpfung. Es sei denn, sein Platz wird neu besetzt ...

    Die Erkenntnis seiner Sterblichkeit ist ein Schock, das Versprechen vom ewigen Leben eine Lüge. Das Heer der Engel spaltet sich. Wer die Freiheit will, folgt Luzifer, dem schönsten und mächtigsten unter ihnen. Sein Plan ist so schlicht wie verführerisch: Sind erst die missratenen Menschen vernichtet, kann der paradiesische Urzustand wiederhergestellt werden. Die kleine Schar um den einfachen Engel Nathanael, die entschlossen die alte Ordnung verteidigt, ist ganz auf sich allein gestellt. Intrigen, Verrat und Mord führen schließlich in die Katastrophe, und die Erde erlebt schon bald ein Horrorszenario. Nur Esther und Judith sehen dort die Apokalypse kommen, denn sie allein wissen, dass alles seine Zeit hat, und wenn das eine stirbt, wird das andere geboren.

    Inhalt

    Das Unmögliche geschieht: Gott liegt im Sterben. Luzifer, der gefallene und verbannte Engel, beansprucht den Thron für sich. Eine Prophezeiung jedoch besagt, dass der einfache Engel Nathanael die unvermeidbare Schlacht entscheiden wird. Als er geboren wird, ist er anders als alle Engel − er ist verkrüppelt. Nur wenige, unter ihnen sein Lehrmeister Iax, glauben an ihn, der halb Mensch, halb Engel ist und es wagt, den Seraphim und Cherubim zu widersprechen.

    Die Engel versuchen alles, um den Krieg zu verhindern, doch Luzifer ist nicht daran interessiert, zu groß ist seine Schmach, dass er schon einmal von Michael besiegt und von seinem Vater verbannt wurde. Der Krieg beginnt − und zerstört nicht nur die Welt der Engel, sondern auch die der Menschen. Das Wasser färbt sich rot, Heuschrecken fallen über die Menschen her, Berge, Häuser, alles zerfällt zu Staub. Die Kontinente brechen auseinander ...

    Die Uneinigkeit und Perfektion der Engel wird zu ihrem Verhängnis, denn sie haben niemals gelernt, über sich hinauszuwachsen. Nathanael führt die wenigen, die an ihn glauben, in die Schlacht. Unzählige sterben, einfache Engel, Cherubime, Seraphime, ... Der Gegner ist übermächtig, denn Luzifer, gottgleich, schön, perfekt, mächtig, weiß auch die Entflammten hinter sich, Engel, die nur noch den blinden Gehorsam kennen. Als Nathanael ihm gegenübersteht, überkommt beide eine bittere Erkenntnis ...

    Kritik

    Das Buch ist ungewöhnlich schmal, aber daran gewöhnt man sich schnell. Mit seinen 624 Seiten ist es ziemlich dick und damit nicht wirklich für die kleine Handtasche geeignet. Das Cover in dunkelrot/schwarz ist passend zum blutigen Thema, lediglich den lang gezogenen Titel empfinde ich als schwer zu lesen. Unterhalb des Schutzumschlages kommt das Buch in Weiß mit ein paar "Blutstropfen" daher − alles in allem also recht stimmig; und natürlich fehlt auch das obligatorische Lesebändchen nicht.

    Der Schreibstil ist flüssig, ja fast möchte ich ihn schon als poetisch bezeichnen. Das ganze Buch ist bildgewaltig und reißt den Leser mit jeder einzelnen Zeile von Seite zu Seite mit. Izquierdos Vorstellung von der Welt der Engel wird greifbar − auch wenn man sich beim Lesen wünscht, dass all das eigentlich unvorstellbar ist.

    Da ich mich selber bereits ein wenig mit den Apokryphen befasst habe, fiel es mir relativ leicht, mich in der Hierarchie der Engel zurechtzufinden. Jemand, der allerdings keinen Bezug zur christlichen Religion hat, könnte sich hier schwer tun. Wenn man also schon "Vorkenntnisse" hat, ist das Lesevergnügen umso größer, zumal Izquierdo auch zuweilen ins Philosophische abdriftet, was er allerdings sehr gut mit in die Handlung einbaut.

    Wer auf einen Katastrophenthriller hofft und denkt, dass die Engel nur schmückendes Beiwerk sind, wird enttäuscht. Die Menschen spielen in diesem Werk nur eine Nebenrolle und die Schauplätze auf der Erde werden nur am Rande gestreift, was der Geschichte zwar keinen Abbruch tut, ich aber ab und zu ein wenig vermisst habe. Ich hatte den Wälzer in drei Tage durch, wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen und war hinterher wirklich mehr als beeindruckt. Wirklich ein monomentales, fast episches Werk, das jeden Euro wert ist!

    Über den Autor

    Andreas Izquierdo, geboren 1968, zog nach dem Abitur zum Studium nach Köln und volontierte in einem Sportverlag. Er arbeitet als freier Schriftsteller und Drehbuchautor und ist Mitglied der Krimiautorenvereinigung Syndikat. Zuletzt erschien bei Rotbuch sein preisgekrönter Roman "König von Albanien" (2007).


    Titel "Apocalypsia"

    Seiten 624 Seiten

    Verlag Rotbuch Verlag

    Erscheinungstermin 12. August 2010

    ISBN-10 3867891087

    ISBN-13 978-3867891080

    Preis 24,95 Euro

    Weiterführende Links

  • Die Website des Autors
    Infos, Lesungstermine und mehr.

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    Der "Apocalypsia"-Roman (gebundene Ausgabe)

  • SF-Zone

    Zwar treiben in den Bücherregalen immer noch hauptsächlich Vampire ihr Unwesen, wer aber ein wenig Abwechselung sucht, wird dennoch nicht enttäuscht. "Apocalypsia" − ein bildgewaltiges, blutiges Buch, über das Ende der Welt wie wir sie kennen − ein Buch über Engel, Vertrauen und Tod. Eine Kritik von Melanie Brosowski.


     

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    "Shutter Island" vs. "Inception"

    Oder: Leonardo DiCaprio wird psychologisch

    Eine kleine Einleitung: Ich hatte jetzt zweimal das Vergnügen, Leonardo DiCaprio wieder in ernsthaften Rollen zu sehen, siehe auch [1]. In dem ersten Film "Shutter Island" (siehe [2]) arbeitete er mit Martin Scorcese zusammen, in dem zweiten Film "Inception" (siehe [3]) mit Chris Nolan. Beide sind keine unbekannten Regisseure und beide Filme sind mit mehr oder weniger weiteren bekannten Stars besetzt. Weiterhin wird in beiden Filmen mit psychologischen Komponenten gespielt, und deswegen nun auch der Vergleich beider. Während der erste Film in der Zeit um 1950 spielt, ist der zweite Film sicherlich als Science-Fiction angelegt oder angedacht. Beide Filminhalte können ausführlich in den genannten Hyperlinks nachgelesen werden, deswegen in Folge nur die sicherlich spoilerhafte Kurzform.

    Die Storys

    In "Shutter Island" spielt DiCaprio einen psychisch kranken Menschen, der in der Rolle eines Kriminalinspektors das Verschwinden von Personen aus einer Irrenanstalt untersuchen und am Schluss seine eigene Erkrankung erkennen soll. Als Soldat entdeckt er im Zweiten Weltkrieg die Konzentrationslager und kommt als labile Persönlichkeit nach Hause. Dort bringt er seine Frau um und verdrängt diese Tatsache. Daraufhin wird er in eine Klinik eingewiesen, wo man nun versucht, ihn zu therapieren. Hierbei werden unterschiedliche Maßnahmen angewendet. Dieser duale Ansatz wird durch Ben Kingsley als Anstaltsleiter im positiven Sinne und durch Max von Sydow als weiterer Arzt im negativen Sinne sehr gut dargestellt. Zur Seite steht dem Protagonisten ein angeblicher Partner, welcher sich später als therapierender Arzt herausstellt.

     
     

    "Shutter Island" ist in der Retrospektive etwas spannender umgesetzt.


    In "Inception" versucht man durch das Teilen von Träumen in die Gedankenwelt seines Opfers einzudringen, um dort Informationen durch illegale "Extraction" zu stehlen. Die Träumenden werden hierzu durch speziell gemixte Chemikalien im Schlaf gehalten. Aus dem Traum kann man nur durch den Tod entkommen oder man führt einen so genannten Kick, zum Beispiel das Abtauchen des Körpers in eine Badewanne, an dem Träumenden aus. In Träumen kann man sehr viel experimentieren, es ist zum Beispiel möglich, mit der Physik zu spielen, da sich das Opfer danach nicht mehr richtig an den Inhalt erinnert. Aber macht der so genannte "Architekt" einen Fehler und das Opfer merkt dies, dann hat es die Möglichkeit, sich zu wehren. Genau dies passiert dem Hauptdarsteller und er soll nun einem Konkurrenten − gespielt von dem Schauspieler, welcher in "Batman Begins" einen Psychiater spielte − einen Gedanken, der sich fortpflanzen soll, einflößen.

    Hierbei arbeitet das Team mit psychologischen Tricks in verschiedenen Bewusstseinsebenen, die durch bestimmte Landschaften und darin zu erfüllende Aufgaben symbolisiert werden und in den jeweils ein unterschiedliches Zeitempfinden herrscht. Die Bevölkerung in diesen Ebenen, die so genannten Projektionen, sind Teile des Unterbewusstseins des Opfers und versuchen das Team an der Erfüllung des Auftrages zu hindern. Jedes Mitglied des Teams erfüllt eine Aufgabe und ist in den Traumstufen mehr oder weniger mit dabei. Das Problem in diesem Film stellt der Hauptdarsteller selbst dar, da sein Unterbewusstsein noch mit seiner toten Ehefrau kommuniziert.

    Subjektive Wahrnehmung

    Der Film "Shutter Island" ist in der Retrospektive etwas spannender umgesetzt. Während "Inception" mit den mehr als gut gemachten visuellen Effekten spielt, wurde es in dem vorherigen Film mehr mit dem Einsatz der Schauspieler, entsprechenden Dialogen und der allgemeinen Umgebung einer verfallenden psychiatrischen Klinik spannend gemacht. Der Trick der Retrospektive in "Inception" − am Anfang sieht man ein älteres Teammitglied (gespielt von Ken Watanabe) und DiCaprio in einem Haus am Meer in Japan − wird so ziemlich am Ende des Filmes als eine Szene des Unterbewusstseins aufgelöst und erinnerte mich ein wenig an "Matrix: Reloaded". Auch der Begriff "Architekt" löste bei mir gewisse Erinnerungen aus. "Shutter Island" erzeugt hier mehr die düstere Atmosphäre und man merkte aus meiner Sicht nicht ganz so offensichtlich, welche Wendungen auftauchen können, obwohl es auch in "Inception" manchmal schwer fällt zu überlegen, in welchem Traum man gerade ist.

    Allgemein habe ich in "Shutter Island" sicherlich mehr gerätselt, während es bei "Inception" etwas offensichtlicher war, welchen groben Handlungsbogen den Zuschauer erwarten würde. Ein Tribut an die jeweiligen Altersfreigaben der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK)? Es gibt in beiden Filmen spannende Momente, in denen man als Zuschauer mitfiebert − "Schafft der Darsteller die Szene oder nicht?". In "Inception" allerdings anders umgesetzt als in "Shutter Island".

    Die Motive des Hauptdarsteller könnten in beiden Filmen ähnlich sein. Während in "Shutter Island" DiCaprio seine Frau umbrachte, weil er selbst ein Problem hatte, wurde in "Inception" die Frau durch einen Selbstmord getötet, weil er die Folgen einer Gedankenmanipulation nicht bedacht hatte. Die Auflösung am Schluss ist in "Shutter Island" etwas klarer. Der Hauptdarsteller bemerkt seine Tat, aber er kehrt wieder in sein altes Muster des Kriminalinspektors zurück. Ein Lob an diese schauspielerische Leistung. In "Inception" ist er sich der Tat am Schluss ebenfalls bewusst, aber man lässt den Zuschauer über das weitere Schicksal des Protagonisten ein wenig im Unklaren.

    Fazit

    Wenn ich ehrlich bin und mir jetzt die DVD aussuchen dürfte, es würde und wird mir schwer fallen. Chris Nolan hat ein visuelles Meisterwerk abgeliefert und ich glaube, die Schauspieler werden alle ihren Weg gehen. Aber was in "Batman Begins" oder "The Dark Knight" hervorragend funktionierte, hat hier aus meiner Sicht nicht ganz so gezündet. Trotz der Bildsprache, wenn zum Beispiel das tiefste Unterbewusstsein des Hauptdarstellers als erodierende Großstadt symbolisiert wird, überzeugt der Film mich beim ersten Sehen nicht ganz. Persönlich würde ich "Shutter Island" trotz der nun bekannten Auflösung und aus meiner Sicht nicht gerechtfertigten schlechten Kritiken ein wenig stärker favorisieren.

    "Inception" hingegen wurde sehr gelobt und ich kann diese Meinung nicht ganz teilen. Vielleicht ist es aber die überspannte Erwartungshaltung [4] gewesen und man hat persönlich zu viel erwartet. Daher gebe ich beiden DVD-Veröffentlichungen wahrscheinlich eine Chance, da ich diese Art von Filmen mag und es bei "Inception" vielleicht eher beim zweiten Mal funkt.

    Weiterführende Links

  • Wikipedia.de
    [1] Kurze Bibliografie von Leonardo DiCaprio.

  • Wikipedia.de
    [2] "Shutter Island" (Filmstory und einige Hintergründe).

  • Wikipedia.de
    [3] "Inception" (Filmstory und einige Hintergründe).

  • TrekZone Network: "Incoming Message 146"
    [4] Vorschau von Sara Hoeft.

  • SF-Zone

    Seit "Titanic" ist DiCaprio ein Star. Seine neusten Filme heißen "Inception" und "Shutter Island" − und haben verblüffende Ähnlichkeiten. Auch in der Qualität? Ein Vergleich von Marco Langknecht.


     

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    Menschenjagd, Runde 3

    Kinokritik: "Predators"

    Lange hats gedauert, bis man sich an einen dritten, reinen "Predator"Film gewagt hat − und für den hat man sich gleich etwas Besonderes einfallen lassen. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern und den AvP-Filmen spielt "Predators" nicht auf der Erde, sondern auf einem fremden Planeten.

    Eine Gruppe aus Elitesoldaten, Verbrechern und Söldnern wacht mitten im freien Fall auf diese Dschungelwelt auf und rauft sich nach anfänglichem Misstrauen zusammen, um ihren außerirdischen Häschern zu entkommen. Auf der Flucht treffen sie auf einen Überlebenden (Laurence Fishburne), der sie mit in seinen Unterschlupf führt. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass der vermeintliche Retter durch die lange Isolation selbst schon heftig einen an der Waffel hat und daher nur eine weitere Bedrohung darstellt. Allerdings sind sich die Yautja (so heißen die Predators) untereinander ebenfalls nicht so ganz grün und so befreien die Überlebenden des Gemetzels einen der Außerirdischen, in der Hoffnung, dessen Gunst zu erwerben. Doch der Showdown lässt nicht lange auf sich warten.

    Kritik

    Bis es zum ersten Zusammentreffen mit den blutrünstigen Jägern kommt, lässt man sich erfreulicherweise genügend Zeit, die menschlichen Charaktere vorzustellen und das ungewöhnliche Team zusammenzuschweißen. Dabei schaffen es Royce (Adrien Brody), Isabelle (Alice Braga) und der Spetznaz Nikolai (Oleg Taktarov) sogar, die Sympathien des Publikums zu wecken. Letzterer vor allem, weil er sich für einen anderen Gejagten opfert, der sich letztendlich jedoch als wenig rettenswert entpuppt.

    Weiterhin erwähnenswert ist das Duell zwischen einem der Yautja und dem Yakuza-Schwertkämpfer. Hatte der Predator aus dem ersten Teil seine Opfer mehr oder weniger nur mit überlegenen Waffen aus dem Hinterhalt gemeuchelt, zeigt diesmal zumindest einer etwas Fairness und Kampfgeist. Überhaupt können die Menschen in "Predators" mehr punkten.

    Die Schwächen des Films fallen indessen eher gering aus und, mal ehrlich, zu große Überraschungen erwartet man ja nun auch nicht. Über das Verhalten einiger Charaktere ließe sich vielleicht streiten, aber mit wenigen Ausnahmen gehören diese ohnehin zum Abschaum der Menschheit. Für die Yautja hätte man sich gewiss etwas mehr Zeit nehmen können, ansonsten stimmt jedoch alles − von der Action bis zum offenen Ende.

    Fazit

    "Predators" setzt die Reihe gekonnt fort und verleiht ihr einige neue Aspekte. Fans des Genres sollten sich den Streifen auf keinen Fall entgehen lassen. Die Comicadaption ist übrigens bereits im Cross Cult Verlag erschienen und lohnt ebenfalls einen Blick.

    Wie fanden Sie den Film? Schreiben Sie uns an leserbriefe@trekzone.de!

    SF-Zone

    Aller guten Dinge sind drei. Dachte man sich auch bei "Predator". Ob es wirklich so ist − hier die Meinung von Shinzon Darhel.


     

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    "Doghouse"

    Ein ungewöhnlicher Zombieslasher

    Ein Kurzurlaub, den sechs Männer aus London für ihren Freund Vince (Stephen Graham) organisieren, soll diesen von seinem Scheidungsdrama ablenken. Sie fahren mit Vince mitten in die Pampa Englands, wo angeblich ein Dorf existiert, in dem es viermal so viele Frauen wie Männer gibt. Perfekt, um auszuspannen, denken sie. Allerdings werden sie eiskalt erwischt, weil sich statt schöner Frauen nur blutgierige Zombiefrauen im Dorf herumtreiben. Irgendwann wagt einer der Freunde die Frage zu stellen: Warum nur Frauen, wo sind denn all die Männer? Die sieben Großstädter kommen einer bösartigen militärischen Operation auf die Schliche.

    Der Plot klingt reichlich beknackt. Ist er auch. Aber dieser Film lebt von und mit den Charakteren. Jeder der Freunde von Vince hat diverse Schrullen und Eigenheiten, die mit der Zeit die Lachmuskeln strapazieren. "Shaun of the Dead" ist ungefähr mit diesem Streifen vergleichbar, nur verhält es sich tatsächlich so, wie der Klappentext großspurig verlauten lässt: Wo "Shaun of the Dead" aufhört, fängt "Doghouse" an. Das kann ich in jeder Hinsicht bestätigen. Erwähnenswert ist auch das überraschende Ende.

    Regisseur Jake West kennt keine Tabus, was er schon mit seinem Streifen "Evil Aliens" von 2005 demonstriert hat. "Doghouse" glänzt mit ungewöhnlichen Splattereinlagen, witzigen Dialogen, Situationskomik und damit, sich selbst nicht ernst zu nehmen. Man sieht den Schauspielern an, dass sie gewiss viel Spaß bei den Dreharbeiten hatten.

    Die Bildauflösung liegt im soliden Mittelfeld. Wer hier auf die Bildgewalt eines Blockbusters hofft, wird enttäuscht. Auch ist die DVD mit lediglich zwei Tonspuren, Deutsch und Englisch, jeweils in DD5.1 eher mager ausgestattet.

    Im Vergleich zu vielen anderen Zombiefilmen, die einfach nur platt und ausgenudelt daherkommen, ist "Doghouse" ein echtes Highlight. Vorausgesetzt, man schätzt den britischen Humor, stört sich nicht dran, dass Frauen ein miserables Image haben, und hat Spaß an dem Genre. Beim Kauf unbedingt die Uncut-Fassung erwerben.

    Weiterführende Links

  • Jetzt bestellen bei Amazon.de
    "Doghouse − Uncut" (Blu-ray).

  • SF-Zone

    Filme, bei denen man nicht nachdenken muss, die einen aber trotzdem unterhalten − lassen Sie sich mit "Doghouse" ins Reich der Zombies entführen. Eine DVD-Kritik von Christiane Gref.


     

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    Zauberer, Exorzismen und (unechte) Vampire

    Kino-Guide September 2010

    "Das Duell der Magier"  (USA 2010)


     

    Regie

    Jon Turteltaub

    Drehbuch

    Matt Lopez, Lawrence Konner, Doug Miro, Mark Rosenthal, Carlo Bernhard

    Darsteller

    Nicolas Cage (Balthasar Blake), Jay Baruchel (Dave Shutler)

    Start

    2. September 2010


    Inhalt
    Dave Shutler ist ein völlig durchschnittlicher Physikstudent, bis er die Bekanntschaft des Magiers Balthasar Blake macht. Denn Blake weiß, wie magisch Manhattan tatsächlich ist. Schließlich schützt er es seit langer Zeit vor dem Zugriff des Bösen. Als Blakes Erzfeind Maxim Horvarth auftaucht, braucht Blake die Unterstützung von Shutler und nimmt ihn als Zauberlehrling auf. Shutler absolviert zunächst widerwillig einen harten Crashkurs der Zauberei. Soll er doch in das große Zaubererduell von Gut und Böse geschickt werden, bei dem das letzte Mal niemand Geringeres als Merlin persönlich sein Leben gelassen hatte.

    Erwartung
    Passabel: Wieder ein Film aus dem Hause Disney mit Nicolas Cage. Zu erwarten ist eine Mischung aus "Harry Potter", der "Artus"-Sage, Action und Klischees. Nach den Fantasy-Magie-Filmen der letzten Jahre ist hier nicht viel Neues zu erwarten: Ein Durchschnittsmensch erfährt, dass er magische Kräfte hat und muss gegen den Oberbösen antreten. Einige amüsante Stellen könnte der Familienfilm haben, etwa wenn tatsächlich die Magie mit Physik erklärt wird. Fazit: Mäßige Familienunterhaltung für Tage, an denen man nichts Besseres zu tun hat.


    "Beilight − Biss zum Abendbrot"  (USA 2010)


     

    Regie

    Jason Friedberg, Aaron Seltzer

    Drehbuch

    Jason Friedberg, Aaron Seltzer

    Darsteller

    Jenn Proske (Becca Crane), Matt Lanter (Edward Sullen), Chris Riggi (Jacob)

    Start

    9. September 2010 (Deutschland), 10. September 2010 (Österreich)


    Inhalt
    Das junge Mädchen Becca (welches an Bella in "Twilight" erinnert) steht zwischen zwei Jungen: dem bissigen Edward und Jacob (Typ kleiner Bruder). Wem wird ihr Herz gehören? Aber Vorsicht, denn Edwards Freunde, die den Black Eyed Peas zum verwechseln ähnlich sehen, könnten ihr diese Entscheidung abnehmen. Beim Abschlussball kommt es zum Showdown zwischen ihr und Lady Gaga.

    Erwartung
    Gut: Jede erfolgreiche Kinoreihe wird früher oder später von Friedberg und Seltzer parodiert. Diesmal ist es die "Twilight"-Saga. Nicht zu früh, denn der Film wird vielen aus der Seele sprechen, die von der Liebesgeschichte um Bella und Edward einfach nur noch genervt sind. Selbst humorvolle "Twilight"-Fans werden auf ihre Kosten kommen. Fazit: Für Antifans und Fans, die über ihre Lieblinge lachen können, ein Muss!




    "Der letzte Exorzismus"  (USA 2010)


     

    Regie

    Daniel Stamm

    Drehbuch

    Huck Botko, Andrew Gurland

    Darsteller

    Patrick Fabian (Cotton Marcus), Ashley Bell (Nell)

    Start

    30. September


    Inhalt
    Der evangelische Priester Cotton Marcus hat schon viele Exorzismen durchgeführt. Doch die Wahrheit liegt schwer auf seiner Brust: Die Teufelsaustreibungen sind reine Illusionen. Seine christlichen Anhänger zahlen jedoch gut dafür. Jetzt will er dem ein Ende setzen und lässt seinen letzten Exorzismus von einem Filmteam begleiten. Doch bald muss er merken, dass die Farmerstochter nicht so ist wie die anderen. Tatsächlich scheint eine dunkle Macht von dem Mädchen Besitz genommen zu haben. Doch wie soll Cotton Marcus das Mädchen, das Filmteam und sich selbst retten?

    Erwartung
    Gut: Ein Film über den Exorzismus, der ihn von einem völlig anderen Aspekt beleuchtet. Eine sehr gute Idee. Umgesetzt wirkt der Film wie eine Mischung aus "The Exorzist" und "Der Exorzismus der Emily Rose", aber auch mit "Blair Witch"-Eindrücken. Fans des Gruselgenres werden begeistert sein. Fazit: Gruselspaß für düstere Abende!



    Weitere Kino-Starts aus den Genres Science-Fiction, Fantasy und Horror:

    Tale 52, Start: 2. September 2010; Bewertung: Passabel; Horror/Thriller über einen Mann, dessen neue Freundin verschwindet und der selbst wahnsinnig wird.
    Rammbock, Start: 9. September 2010; Bewertung: passabel, ein in Berlin spielender Zombiefilm, von dem man nichts Neues erwarten sollte.
    Resident Evil: Afterlife, Start: 16. September 2010; Bewertung: gut, Actionfilm um mörderische Untote.
    Adele und das Geheimnis des Pharaos, Start: 30. September 2010; Bewertung: passabel, französische Comicverfilmung, die an die "Mumie"-Reihe erinnern könnte.

    Was waren Ihre letzten Science-Fiction-, Fantasy- oder Mystery-Highlights im Kino? Und welche Streifen Enttäuschungen? Schreiben Sie uns an leserbriefe@trekzone.de!

    SF-Zone

    Alle wichtigen Infos und eine Vorabkritik zu den aktuellen Kinofilmen aus den Genres Science-Fiction, Fantasy, Mystery und Horror wie immer im Kino-Guide der SF-Zone − zusammengestellt von Sara Hoeft.


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    Nicolas Cage auf Parodien-Rachetour

    DVD-Guide September 2010

    2.9. − "Battlestar Galactica − Season 4 − Box 2"

    Der finale Kampf der Galactica ums Überleben der Menschheit. Die Serie hat sich vielseitig entwickelt, nach einigen Schwankungen ist zum Ende nun aber wieder Höchstform angesagt. Diverses Bonusmaterial wie Audiokommentare und Featurettes.

    2.9. − "Battlestar Galactica: The Plan"

    Wie haben die Zylonen den Angriff auf die Kolonien damals geplant? Nach Ende der Serie produzierter TV-Film (2007), der noch mal die Story des Pilotfilms vertieft. Regie führt Adama-Darsteller Olmos. Für treue Fans sehenswert.

    2.9. − "Das Bildnis des Dorian Gray"

    DVD DES MONATS: Schönling Dorian geht einen Pakt ein, um ewig junges Aussehen zu erhalten. Stimmungsvolle, eher brave, dafür recht werkgetreue Verfilmung (2009) des Klassikers mit Ben Barnes und Colin Firth. Diverses Bonusmaterial. Auch auf Blu-ray.

    10.9. − "Die Wächter des Hades"

    Kleitos will seine Geliebte aus der Unterwelt retten und muss gegen Hades' Höllenhunde antreten. Kümmerliche Low-Budget-Fantasy (2009), die vom Erfolg von "Kampf der Titanen" profitieren will. Aus dem Hause RHI, die schon wesentlich bessere TV-Filme produziert haben.

    10.9. − "Train"

    Studenten geraten in einem Zug an Organhändler. "Monster im Nacht-Express" trifft "Hostel" in diesem witzlosen, brutalen Slasher (2008) mit der sympathischen Thora Birch. Ebenso rabiat wie die Metzger an Bord waren die Zensoren am Werk: Es fehlen gegenüber der US/UK-Fassung rund 6 Minuten.

    16.9. − "Dr. Jekyll and Mr. Hyde"

    Der schizophrene Jekyll wird des Nachts zum mörderischen Hyde. Trashige, unnötige Variante (2006) der klassischen Erzählung, mit dabei sind Tony Todd (als Jekyl/Hide) und Tracy Scoggins ("Babylon 5").

    16.9. − "Kick-Ass"

    DVD DES MONATS: Dave wird zum maskierten Helden und trifft schräge andere Helden und Schurken. Toll inszenierte, witzige Action-Komödie (2010), die das Helden-Genre veräppelt als auch huldigt und dabei junge Nachwuchstalente (Aaron Johnson, Chloe Moretz) und alte Hasen (Nicolas Cage, Mark Strong) zu Höchstform auflassen lässt. Auch auf Blu-ray.

    23.9. − "Deadly Chucky Dolls − Puppen des Todes"

    Frau in Knast, Frau in Bedrängnis, Frau lässt Killerpuppen los. Charles Band, Fließbandproduzent von 250 Horror-Cheapies, führt hier selber Regie, das Niveau der C-Produktion (2008) bleibt aber gleich tief.

    24.9. − "Kampfstern Galactica − Superbox"

    Nach der Vernichtung der Kolonien macht sich die Galactica auf, die Erde zu finden. Die komplette Originalserie (1978/80) in einer Sammelbox in witziger Verpackung: Zylonen-Held mit einschaltbarem LED-Licht.

    24.9. − "Suck − Bis(s) zum Erfolg!"

    Band wird dank Vampirismus zum Hit, bringt aber auch einen Vampirjäger auf ihre Spur. Nach "Repo!" eine weitere Horror-Rock-Oper (2009): Die kanadische Produktion ist nicht sehr aufwändig, aber coole Songs und Gastauftritte aus Musik (Moby, Iggy Pop, Alice Cooper) und Film (Malcolm McDowell, Henry Rollins) machen Freude.

    24.9. − "True Blood − Season 2"

    Vampire bringen das Kleinstadt(liebes)leben durcheinander. Zweite Staffel der atmosphärischen, kongenialen Serie (2009) von Alan Ball mit Anna Paquin und Stephen Moyer.

    28.9. − "Under the Mountain − Vulkan der dunklen Mächte"

    Geschwister entdecken, dass finstere Kreaturen in einer Höhle unter einem Vulkan leben. Fantasy-Abenteuer (2009) aus Neuseeland, das sich an ein jüngeres Publikum richtet. Stimmige Atmosphäre (H.P.-Lovecraft-Style) und Sam Neill sind Pluspunkte des Streifens. Auch auf Blu-ray.

    30.9. − "Prince of Persia: Der Sand der Zeit"

    DVD DES MONATS: Prinz Dastan und Prinzessin Tamina müssen einen magischen Dolch in Sicherheit bringen. Trotz Produzent Michael Bay, flotter Inszenierung und gutem Cast blieb das Fantasy-Orient-Abenteuer (2010) in den USA finanziell hinter den Erwartungen. In Übersee war der Game-Verfilmung mehr Erfolg beschieden. Auch auf Blu-ray.

    SF-Zone

    DVD-Kauf-Neuerscheinungen des neuen Monats aus den Genres Science-Fiction, Fantasy, Mystery und Horror − zusammengestellt und kommentiert von Stephan Mark. Ein Klick auf den Titel bringt Sie direkt zur jeweiligen Produktseite beim Online-Shop Amazon.de (Ausnahmen: Titel ohne FSK-Freigabe und zu Redaktionsschluss noch nicht ins Sortiment aufgenommene DVDs).


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    Größer als groß

    Riesensterne verschieben bisher angenommene Grenzen

    Am 21. Juli 2010 veröffentlichte die Europäische Südsternwarte (ESO) in Chile den Fund eines gigantischen Sterns, dessen Existenz bis heute nicht für möglich gehalten wurde. 150 Sonnenmassen, das war bisher die magische Grenze. Der nun entdeckte Stern, der Teil einer Sternengeburtsstätte im Tarantelnebel ist, besitzt mehr als 260 Sonnenmassen und ist der massenreichste bekannte Stern überhaupt.

    Ein internationales Astronomenteam unter Leitung des Astrophysikers Prof. Paul Crowther von der Universität Sheffield beobachtete mit dem Very Large Telescope (VLT) zwei junge Sternhaufen und richtete dabei sein Augenmerk auf ihre Sonnen im Zentrum. Unter Zuhilfenahme von Archivdaten des Hubble-Weltraumtelekops (NASA/ESA) offenbarte eines dieser heißen, jungen Sternenentstehungsgebiete eine Sensation.

    Schon der Sternhaufen NGC 3603 im ausgedehnten Sternbild "Kiel des Schiffs" ist die Heimat von Sternen, die die Wissenschaftler staunen ließen. Gleich mehrere Sonnen präsentierten Oberflächentemperaturen über 40.000 °C. Die Oberflächentemperatur unseres Zentralgestirns liegt bei 5.500 °C bis 6.000 °C. Drei Sterne, A1, B und C, sind besonders bemerkenswert, denn ihre Massen reichten zur Entstehungszeit an 150 Sonnenmassen heran oder überschritten diese Grenze sogar knapp. Bis hierher entsprachen die Untersuchungsergebnisse aber noch den theoretischen Erwartungen.

    Nun war der zweite Sternhaufen mit dem Namen RMC 136a an der Reihe. Er befindet sich in der Magellanschen Wolke im Sternbild "Schwertfisch", genauer im Tarantelnebel, mit einer Entfernung von etwa 165.000 Lichtjahren. Auch hier spürte man mehrere schwergewichtige Sonnen auf, doch eine von ihnen sprengte die bis heute angenommene obere Grenze um Längen. Der Stern R136a1 bringt unglaubliche 265 Sonnenmassen auf die Waage, die zu seiner Entstehungszeit über 300 betragen haben dürfte. Die Leuchtkraft dieses Giganten ist schier unvorstellbar. Sie beträgt in etwa das Zehnmillionenfache der unserer Sonne. Verblüffend ist auch, dass von 100.000 Sternen allein vier für fast die Hälfte der abgestrahlten Energie und abströmenden Sonnenwinde verantwortlich sind.

    Bisher nahm man an, dass aufgrund folgender Instabilität kein Stern mit mehr als 150 Sonnenmassen existieren kann. Auch ist noch völlig unklar, wie solche "Riesen" überhaupt entstehen können. Prof. Paul Crowther: "Entweder sind sie tatsächlich in dieser Größe entstanden, oder aber sie haben sich aus mehreren kleinen Sternen gebildet!"

    Die Forschung muss nun weitergehen, denn die Existenz eines solchen "Massemonsters" kann uns die Frage beantworten, wie massereich Sterne werden können. Einfach wird dies allerdings nicht. Die sehr kurze Lebensdauer derartiger Riesen und ihre extrem starken Sonnenwinde erschweren das Ergründen ihres Ursprungs immens.

    "R136a1 ist gerade mal etwas über eine Million Jahre alt. Das ist bei einem Stern seiner Masse ein mittleres Alter. Es ist, als wäre er auf einer strengen Diät, bei der er schon ein Fünftel seiner ursprünglichen Masse eingebüßt hat; in seinem Fall sind das mehr als 50 Sonnenmassen!", erläutert Prof. Paul Crowther.

    Weiterführende Links

  • TZN Raumfahrer.net: VLT
    Das Very Large Telescope.

  • TZN Raumfahrer.net: Raumcon
    Diskussion zur Sternentstehung.

  • In Space

    Mandy Kobs berichtet über neue Maßstäbe in der Sternforschung.


     

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