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    Kurzrezension: Picard 2×01 – “The Star Gazer”

    Picard und die Crew der La Sirena sind zurück, und endlich scheinen wir eine Story zu bekommen, die der Fortsetzung von "The Next Generation" würdig ist. Achtung geringfügige Spoiler!

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    Nach einer Covid-19-bedíngten langen Wartepause kehrt “Star Trek: Picard” zurück. Die erste Episode lässt (wieder einmal) auf eine tolle Geschichte im ausgehenden 25. Jahrhundert hoffen. Der Auftakt ist jedenfalls nahezu perfekt. Warnung vor (unwesentlichen) Spoilern!


    Der Teaser wurde bereits letzte Woche in Wil Wheaton’s After-Show “Ready Room” gezeigt: Wir folgen einem Sicherheitsteam durch die Korridore eines Föderationsschiffs. Roter Alarm, Funken fliegen, Personal wird durch die Gänge geschleudert. Eine kurze Verschnaufpause im Turbolift, bis sich die Türen zur Brücke öffnen, und die Hölle losbricht. Ein nicht näher identifizierter Eindringling durchbohrt mit Metalltentakeln die Brückenstationen, Phaserfeuer prallt an dessen Schilden ab. Die Brückenbesatzung und Sicherheitsteams werden niedergeschossen. Jurati, Rios, Seven of Nine und Picard sind auf der Brücke, das Schiff scheint verloren. Picard befiehlt die Selbstzerstörung, der Countdown läuft ab – und der Vorspann beginnt.

    Seven of Nine in "The Star Gazer"
    Seven of Nine in “The Star Gazer”

    Die rasanten ersten Sekunden von “The Star Gazer” sind der Auftakt eines Staffelpiloten, der nahezu alles richtig macht. Und zwar nicht nur innerhalb des Rahmens, den die ersten zehn Folgen “Picard” vor zwei Jahren gezogen haben. Diese 56 Minuten treffen den Ton, den wir von Anfang an von “Star Trek” erwartet hätten.

    Alte Freunde an neuer Stelle

    Die Figuren der ersten Staffel finden wir 2401 (mehr als anderthalb Jahre nach “Et in Arcadia Ego”) in neuen, sehr passenden Rollen: Picard ist Kanzler der Sternenflottenakademie, Raffi kommandiert die Excelsior, Rios eine neue Stargazer, Soji und Jurati bereisen als Botschafter der Synths die Föderation, Elnor hat sich in der Starnenflottenakademie eingeschrieben und Seven fliegt mit der La Sirena für die Fenris Ranger Hilfsgüter durch die Galaxie.

    Jurati & Soji in "The Star Gazer"
    Jurati & Soji in “The Star Gazer”

    Das neue Setup fühlt sich absolut stimmig an. Das kontroverse Ende der ersten Staffel wird kurz adressiert, dann aber auch schnell für einen Neustart beiseite geschoben. Das ist auch gut so. Denn so richtig überzeugend war die Auflösung der ersten Staffel nicht. Der neue Showrunner Terry Matalas (“12 Monkeys”) behält mit den Figuren das Beste, was Staffel 1 zu bieten hat, verwirft fast den ganzen Rest und verschafft ihnen und uns den notwendigen Neustart.

    The Star Gazer

    Die erste Episode ist sehr dicht und legt einige spannende Themen und Storystränge an. Die Beziehung zwischen Picard und seiner Mutter, sowie seine fehlende Familienbindung sind ein roter Faden durch dieses erste Kapitel, aber auch seine Vergangenheit als Sternenflottenkapitän, Begegnungen mit Q und den Borg legen den Grundstein für dieses neue Abenteuer. Wenn man “12 Monkeys” als Maßstab nimmt, ist es möglich, dass Matalas hier bewusst beginnt, sehr viele Anknüpfungspunkte für künftige Episoden auszulegen, deren Tragweite durch Raum, Zeit und alternative Realitäten noch kaum abzuschätzen sind.

    Aber selbst wenn nicht: Die erste Folge findet einen vergleichsweise glaubwürdigen Weg, Picard aus dem Unruhestand auf der Erde zurück auf die Brücke eines Sternenflottenraumschiffs zu bringen. Sie führt eine spannende Dekonstruktion von Picards Privatleben durch. Und sie zeigt ein (halbwegs originelles) Mysterium rund um eine Weltraumanamalie, das spektakulär aufgelöst wird. Wohlgemerkt: alles in einer Episode.

    Im Gegensatz zu praktisch allen Live-Action-“Trek”-Produktionen der letzten Jahre hängt meine Freude und Wertschätzung für “The Star Gazer” nicht an der Frage, wie offene Handlungsstränge über den Rest der Staffel aufgelöst werden. Denn die Episode funktioniert (bis auf ihren unvermeidlichen Cliffhanger) sowohl seitens Plot und Charakterentwicklung auch selbstständig.

    Picard & Guinan in "The Star Gazer"
    Picard & Guinan in einer (leider) überflüssigen Fanservice-Szene

    Einzig das seit langem angekündigte Wiedersehen mit Guinan (Whoopi Goldberg) erscheint im Kontext der Einzelfolge wie überflüssiger Fanservice. Aber hier räume ich die Möglichkeit ein, dass mich der weitere Verlauf der Staffel eines besseren belehren mag. Auf die gegebene Erklärung für Guinans sichtlich gealtertes Erscheinungsbild würde ich aber gerne verzichten und dafür das augenfällige visuelle Kontinuitätsproblem zurück – das ist nämlich nicht halb so schlimm. Dankeschön.

    Willkommen daheim

    Abseits der Handlung dürfte insbesondere jenen Fans das Herz höher schlagen, die in der ersten Staffel viele vertraute Elemente des 24. Jahrhunderts schmerzlich vermisst haben. “Picards” neuer Produktionsdesigner Dave Blass setzt Herman Zimmermanns Vision für das 24. Jahrhundert konsequent fort. In “The Star Gazer” begegnen wir mehr altbekannten und neuen Sternenflottenschiffen als in der ganzen ersten Staffel zusammen. Und statt eines leicht umdekorierten “Discovery”-Sets ist die neue U.S.S. Stargazer ein authentischer Ort mit tollen Details und großartig großformatigen LCARS-Displays. Insbesondere im Kontrast zu vielen anderen Fantasy-Interfaces der letzten 35 Jahre besticht wieder einmal das zeitlose und funktionale Design von Michael Okuda durch Eleganz, Lesbarkeit und der richtigen Dosis Futurismus.

    Anders als viele Produktionen der letzten Jahre beschränkt sich Matalas’ und Goldsmans Skript aber keineswegs darauf, Nostalgie durch Namedropping und Easer Eggs zu bespielen. “The Star Gazer” führt selbstbewusst, aber auch sehr organisch und sorgsam einige Neuerungen in das Universum ein. Kein Sporenantrieb, kein Transwarp-Beamen, keine Androiden-Golems. Stattdessen gibt es tadellosen Technobabble, neue Flaggen für Föderationswelten und neuerlich überarbeitete Sternenflottenuniformen.

    La Sirena, Stargazer, Excelsior & andere Sternenflottenschiffe
    Warum nicht gleich so: La Sirena, Stargazer, Excelsior & andere Sternenflottenschiffe

    Einen echten Coup hat dabei “Star Trek Online” gelandet. Um eine Armada von Sternenflottenschiffen mit neuen und vielseitigeren Designs zu verstärken, wurden vier Schiffsklassen des Onlinerollenspiels für die Episode adaptiert. Hierdurch werden die Sutherland-Klasse (Refit der Nebula-Klasse), die Reliant-Klasse (moderner Nachfolger der Miranda-Klasse), die Gagarin-Klasse (moderner Nachfolger der Shepard-Klasse aus “Discovery”) und die Ross-Klasse (Hybrid aus Galaxy- und Sovereign-Klasse) Filmkanon. Das ist mehr als ein simples Cross-Promotion-Event. Maßgeblich hat der 2D- und 3D-Künstler Thomas “thomasthecat” Marrone hat dazu beigetragen, dass das Spiel in den letzten Jahren mehr und mehr hochkarätige und detailverliebte Designs für Sternenflottenschiffe für das frühe 25. Jahrhundert produziert. So wie die Luna-Klasse der “Titan”-Romane durch “Lower Decks” kanonisiert wurde, wird dies nun verdientermaßen ausgewählten Teilen jenes Rollenspiels zu Teil, das praktisch ein Jahrzehnt im Alleingang “Post-Nemesis-Star-Trek” am Leben erhalten hat. Der visuelle Unterschied zur “Klonschiff-Flotte” aus dem letzten Staffelfinale ist wie Tag und Nacht.

    Dave Blass hat auch sonst keine Gelegenheit ausgelassen, den erweiterten Kanon und auch das Fandom einzubeziehen. So darf sich der Modellbauer Bill Krause freuen, dass seine der TOS-Ära nachempfundene Radiant-Klasse im Besprechungsraum der neuen Stargazer als erstes Sternenflottenschiff dieses Namens auftaucht. Und zahllose Cosplayer finden Photos ihrer Auftritte als Gästephotos in Guinans neuer Bar in 10 Forward Avenue wieder (wohl gemerkt, jedes mit Erlaubnis der Urheber).

    Eine Schwalbe…

    Es mag kleinlich anmuten, aber genau diese Art der behutsamen Modernisierung und Weiterentwicklung des bekannten Kanons war eine der klaren Erwartungen der eingefleischten “Next Generation”-Fans, die stattdessen in der ersten Staffel über recyclete “Discovery”-Sets, -Raumschiffe und -Requisiten hinwegsehen sollten. Weder die neuen Raumschiffe, noch Okudas LCARS-Displays, noch die Rückkehr von blasenförmigen Deflektorschilden haben Konsequenzen für die Story. Aber es verbindet “The Star Gazer” mit der Welt von “The Next Generation”. Das war in der ersten Staffel “Picard” so nie gegeben.

    Ob wir weiter derart “verwöhnt” werden, ist ob der zu erwartenden Zeitreisen und parallelen Realitäten natürlich nicht sicher. Genau so wenig (obgleich noch wichtiger) ist sichergestellt, dass diese Staffel “Picard” nicht das selbe schreckliche Schicksal aller vorangegangenen “Discovery”- und “Picard”-Jahrgänge ereilt, und die Story gegen Ende unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbricht. Terry Matalas ist zuzutrauen, die Landung zu schaffen, aber das war auch bei dem hochkarätigen Autorenteam der ersten Staffel der Fall.

    Für den Moment darf man sich als Science-Fiction-Fan aber einfach freuen. Denn dieser Staffelauftakt ist das Beste, was wir seit dem Ende von “Deep Space Nine” aus dem 24. – pardon, inzwischen 25. – Jahrhundert zu sehen bekommen haben.

    Bewertungsübersicht

    Gesamtwertung
    Handlung der Einzelepisode
    Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs
    Stringenz des bekannten Kanons
    Charakterentwicklung
    Spannung
    Action & Effekte
    Humor
    Intellektueller Anspruch

    Fazit

    Nach zwei Jahren Pause melden sich "Picard" und Picard in Bestform zurück. Showrunner Terry Matalas und Produktionsdesigner Dave Blass erschaffen endlich eine glaubwürdige Welt für eine "Next Generation"-Fortsetzung. Das Drehbuch arbeitet an der Figur Picard neue Facetten heraus, ohne den "Helden" Picard zu demontieren, und die anderen Charaktere werden glaubwürdig in für sie besser passende Rollen manövriert. Der Plot ist dicht, spannungsgeladen und hält mancherlei befriedigende Überraschung bereit. Jetzt heißt es Daumendrücken, dass der Staffel nicht (wie derzeit wieder bei "Discovery" zu beobachten) nach wenigen Episoden die Luft ausgeht.
    christopher.kurtz
    Christopher Kurtz
    Seit den frühen 2000ern ist Christopher Redakteur im TrekZone Network. Wenn er nicht in den unendlichen Weiten nach kritisch rationalem Humanismus Ausschau hält oder sich über die Plausibilität fiktiver Technologien und Gesellschaftsformen den Kopf zermartert, findet man ihn meistens in der Nähe von Spielen der geselligen Art, egal ob analog oder digital, ob als Mitspieler oder Gelegenheitsautor.

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    5 Kommentare

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    5 Kommentare
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    Also mir hat der Auftrag der zweiten Staffel durch ausgefallen.. der Auftritt von Q (zuerst sah er ja noch so aus wie wir ihn kannten) der sich dann picards Alter anglich war richtig witzig… Was mir sehr aufgefallen ist dass die Atmosphäre viel freundlicher war als in der ersten Staffel, was mir sehr gefallen hat, auch die Optik sah wieder aus wie man es von einer Fortsetzung von Star Trek the next generation erwarten würde. Zwar etwas modernisiert aber doch immer noch das klassische Lcars Design… Die optisch veränderte Borg Königin fand ich jetzt ein wenig irritierend, kann aber damit… Weiterlesen »

    Perfekt! Wow! Star Trek!

    So darf es ruhig weitergehen. Sehr gute Folge, ich gebe eine 8.5 von 10 Punkten. Genau so hätte Picard schon mit Staffel 1 starten sollen.

    Sehr gute Review! Freut mich, dass viele relevante Hintergrunddetails eingeflossen sind, und Leute die Dave Blass und Bill Krause Erwähnung finden. Die Einordnung von Terry Matalas ist auch cool. Auch das positive, abwägende Fazit gefällt.

    Wirklich guter Beitrag.

    Toller Einstieg, mit allen Figuren “den Bogen” geschlagen, Warum wurde Jurati nicht verurteilt, warum ist Guinan und Q “alt” usw…..alles kurz erklärt.
    Das Wiedersehen mit Guinan fand ich sehr passend und stimmig, da es zu JL “Seelenqualen” passt. Er hat sich meist Rat bei Guinan geholt, wie hier auch. Vor allem wird wieder eine sehr menschliche Seite von JL gezeigt.
    Weltraum, Technik usw. einfach Klasse und “Sonstige” (nichts verraten).
    So kann es weitergehen, ich freue mich darauf. So geht Star Trek!!!!

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