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Kurzrezension: Star Trek: Discovery 5×01 – “Red Directive” & 5×02 “Under The Twin Moons”

In unserer spoilerfreien Rezension erfahrt ihr in aller Kürze, ob sich das lange Warten auf den Staffelauftakt der letzten Staffel “Star Trek: Discovery” gelohnt hat.

Was meinen wir mit “spoilerfrei”?

Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was “spoilerfrei” bedeutet. Damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr die Rezension vorab lesen möchtet, machen wir hier transparent, was wir darunter verstehen:

  • Wir verraten keine wichtigen und unerwarteten Wendungen der Handlung bzw. Informationen über die fiktiven Welt und ihre Figuren.
  • Was im Vorfeld durch Vorschauclips und Trailer gezeigt wird, ist kein Spoiler.
  • Was im Cold Open (vor dem Vorspann) bzw. im ersten Akt (bei Episoden ohne Cold Open) passiert, ist kein Spoiler.
  • Handwerklichen Aspekte (Schauspiel, Drehbuch, Bühnenbild, Soundtrack, Spezialeffekte) sind keine Spoiler, sofern sie nichts Wichtiges über die Handlung verraten.

Über zwei Jahre ist die letzte Episode “Star Trek: Discovery” alt. Eine lange Wartezeit, in der die Fans dann noch relativ unerwartet und unvorbereitet die Nachricht ereilte, dass die fünfte auch die letzte Staffel sein wird.

Burnham auf einem Sand Runner in "Red Directive" (Photo: Paramount+/CBS Studios)
Burnham auf einem Sand Runner in “Red Directive” (Photo: Paramount+/CBS Studios)

Nun also bricht die Discovery zu ihrem letzten Abenteuer auf, und die Zeichen stehen auf Abenteuer-Popcorn-Fernsehen.

Red Directive

Am Rande des Beta-Quadranten taucht ein 800 Jahre altes romulanisches Forschungsschiff auf. Dr. Kovich ruft Burnham & Co. zur Bergung eines wertvollen Artefakts auf und beruft sich auf die “Rote Direktive” der Sternenflotte: Die wertvolle Fracht dürfe unter keinen Umständen einer anderen Macht in die Hände fallen. Das tut sie jedoch, weil Burnham Captain Rayner, Kommandant der U.S.S. Antares, in die Quere kommt. Damit beginnt eine galaktische Schnitzeljagd nach einem nahezu mythischen Artefakt.

Under The Twin Moons

Die Discovery ist zwei Kurieren auf den Fersen, um den nächsten Hinweis auf der Suche nach dem Artefakt zu finden. Die Spur führt Burnham und Saru auf einen verlassenen Friedhofsplaneten, den die lange untergegangene Erbauerzivilisation gut gegen unerwünschte Besucher geschützt hat.

Indiana Burnham

Falls es die wenigen Zeilen Inhaltsbeschreibung noch nicht zu vermitteln vermocht haben: Die letzte Staffel “Discovery” präsentiert sich bei ihrer zweistündigen Premiere als actionlastiges, gut gelauntes Sci-Fi-Abenteuer mit starken “Indiana Jones” (oder “Uncharted”)-Vibes. In der ersten Folge besuchen wir Tatooine Q’Mau, einen Wüstenplaneten mit klischeehaften Basaren und Verfolgungsjagden auf Speedern Sand Runners. In der zweiten Episode geht es auf einen gefährlichen Dschungelplaneten mit verfallenen Ruinen und tödlichen Fallen.

Parallel zum Abenteuertrip entwickeln sich die Figuren und deren Beziehungen weiter, wenn auch selten originell. Burnham und Booker sehen sich erstmals nach langer Pause wieder und müssen ihren Beziehungsstatus klären. Saru versucht, den Dienst in der Sternenflotte mit seiner Zuneigung für T’Rina zu vereinbaren. Und Tilly blüht in ihrer Rolle als Lehrerin an der Akademie auf, springt aber auf die erste Gelegenheit, sich wieder für Burnham in Gefahr zu begeben. Auch Neuzugang Rayner wird von Callum Rennie so charismatisch verkörpert, dass man damit leben kann, dass die Figur zunächst ein wandelndes Klischee ist.

Saru und Burnham in "Under the Twin Moons" (Photo: Paramount+/CBS Studios)
Saru und Burnham in “Under the Twin Moons” (Photo: Paramount+/CBS Studios)

All das ist süffig und ordentlich inszeniert. Insbesondere “Red Directive” geizt nicht mit bombastischen VFX. Gleichzeitig merkt man der Produktion auch an, wo gespart wurde. Das Innere des romulanischen Wissenschaftsschiffs ist ein offensichtliches Set-Redress, das so gar nicht zum etablierten Look aus TNG und DS9 passen mag.

Memberberries

Das wäre egal, wenn die Staffel nicht wieder einmal ihr Heil in Nostalgie suchte. Der Grund, warum es zur Pilotfolge keine Vorabrezensionen gab, war wohl die Angst, dass ein übereifriges Review die Natur des MacGuffin verraten würde, hinter dem Burnham und bald wohl die halbe Galaxie herjagen werden.

Es ist eine reichlich unkreative Neuauflage einer Mission, die vor Jahrzehnten schon einmal aufgelegt wurde. Und am Ende von “Red Directive” werden dann auch Standbilder aus dieser alten Episode zitiert. Tatsächlich hatte ich die Folge auf der Short-List der Kanon-Elemente, mit der man dem Pathos der Trailer gerecht werden könnte. Und die man meiner Meinung nach besser tunlichst in Ruhe lassen sollte. Showrunnerin Michelle Paradise konnte der Versuchung wohl nicht widerstehen, einen alten Fanfavoriten aufzuwärmen.

L'ak und Moll in "Red Directive" (Photo: Paramount+/CBS Studios)
Sollen wir glauben, dass diese beiden Clowns Data ausmanövrieren könnten? L’ak und Moll in “Red Directive” (Photo: Paramount+/CBS Studios)

Genauso kommen wir auch nicht ohne weitere teils sinnlose, teils absurde Referenzen aus:

  • Ein Soong-Type-Android, der es nicht schafft, sich im Handgemenge gegen zwei abgehalfterte Halunken zu behaupten.
  • Die tödliche Technik einer untergegangenen Zivilisation, die bereits der Enterprise-D einmal das Leben schwer machte (während das Setting auch noch frappierende Ähnlichkeit zu einer weiteren frühen Episode aus “The Next Generation” aufweist).
  • Und wenn mich nicht alles täuscht, dann zeigt uns die Staffelvorschau am Ende der ersten Episode auf YouTube auch noch ein echtes Kronjuwel aus der Asservatenkammer.

Das unablässige Herumreiten auf alten Kanongäulen ist genau das, was ich in einer “Star Trek”-Serie im 32. Jahrhundert nicht brauche. Aber hier sind wir, weil’s wohl wieder nicht ohne 600 Jahre alte Androiden, 800 Jahre alte Romulaner oder 1000 Jahre alte Aliens der Woche geht.

Es fällt mir zunehmend schwer, meine Frustration darüber in Worte zu fassen, insbesondere weil “Discovery” durchaus eigenständig funktionieren kann, wenn es sich nicht diesen Ablenkungen hingibt.

Hier ist die einzige Serie in Alex-Kurtzmans “Star Trek Universe”, die befreit von limitierender Kanon-Chronik im 32. Jahrhundert tun und lassen könnte, was sie will. Doch klammert man sich an jahrzehntealte Erzählstränge und Zitate, statt mutig dorthin zu gehen, wo das Franchise noch nicht gewesen ist.

Vielversprechender Auftakt, niedrige Erwartungen

Nach vier Staffeln “Discovery” seit 2017 hat sich bei mir ein gewisser Zynismus verfestigt, was gute Staffelauftakte anbelangt. Denn den haben wir zumindest in Unterhaltungshinsicht wieder einmal vorliegen. Insbesondere habe ich ein Déjà vu in Bezug auf Staffel 2. Wieder einmal haben wir es mit einer Schnitzeljagd zu tun (und einer buchstäblichen Puzzelbox). Wieder einmal rennen wir einem MacGuffin hinterher, das zumindest Teile der Crew auf Sinnsuche schickt. Und wieder macht der Auftakt Appetit auf mehr.

Aber schon nach zwei Folgen merke ich auch, dass es “Discovery” nicht darum geht, sich ernsthaft mit den existenziellen Fragen auseinanderzusetzen, die diese spezielle Mission nahelegt. Zwei ganze Nebensätze beschäftigen sich unsere Figuren mit den philosophischen Implikationen ihres Auftrags. Einer davon weckt unschöne Erinnerungen an Burnhams Eröffnungsmonolog aus “Point of Light“, der den Begriff der Rationalität völlig ad absurdum führte (wie dann auch der Rest der Staffel).

Ausgehend von “Discoverys” bisherigem Storytelling befürchte ich, dass wir am Ende der Staffel nicht über ein unverdientes und salbungsvolles “Kum ba yah” der Inklusion hinauskommen werden, ohne auch nur ein wirklich kontroverses, provokantes oder ambivalentes Thema in diesem Kontext ausdiskutiert zu haben.

Rayner in "Under the Twin Moons" (Photo: Paramount+/CBS Studios)
Rayner in “Under the Twin Moons” (Photo: Paramount+/CBS Studios)

Nach zwei Folgen vermisse ich jede Spur von Selbstironie, Dekonstruktion oder auch nur geistreichen Dialogen, die die übergreifende Handlung in jeder vorherigen Inkarnation von “Star Trek” inspiriert hätte. Und so erwarte ich, dass wir Woche für Woche nichtssagende Krümel in Richtung des achso wichtigen MacGuffins auflesen werden, ohne dass die übergreifende Handlung etwas Profundes zur Geschichte beizutragen hat.

Wenn die Serialisierung bis zwei Folgen vor Schluss nur schmückendes Beiwerk ist, warum lässt man es nicht ganz? “Prodigy” hat gezeigt, wie man Geschichten mit übergreifendem Handlungsbogen erzählen kann, ohne das Publikum zu narren oder zu langweilen. Ich weiß, es ist für die Staffel noch nicht aller Tage Abend. Aber warum greift man schon wieder zu den selben Zutaten, die die letzten drei “Discovery”-Staffeln in ihrem Mittelteil kaugummizäh dahinsiechen ließen (siehe auch Staffel 2 AKA “The Search for Spock”)?

Ich freue mich, wenn ich falsch liege und das MacGuffin schon nächste Woche gefunden wird. Und wir den Auftakt zu einer eskalierenden Reihe von herausragenden Episoden erleben, die uns hier und anderswo zu angeregten Diskussionen animieren – Episoden, die die Intelligenz und Integrität der Charaktere und des Publikums respektieren. Und Episoden, die neue Pfade beschreiten und eigene Ideen und Motive entwickeln. Ich wappne mich aber für anspruchslose Sci-Fi-Action, die sich darin gefällt, alle 10 Minuten eine Memory-Alpha-Referenz fallenzulassen.

Mit Rücksicht auf die Leser:innen, die die Episoden noch nicht gesehen haben, bitten wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag auf Spoiler zu verzichten. Danke!

Bewertungsübersicht

Gesamt
Handlung der Einzelepisode
Stringenz des staffel- und serienübergreifenden Handlungsstrangs
Stringenz des bekannten Kanons
Charakterentwicklung
Spannung
Action & Effekte
Humor
Intellektueller Anspruch

Fazit

Mehr "Uncharted" als "Star Trek" versucht "Discovery" in seiner letzten Staffel die Story einer jahrzehntealten Episode über 10 Stunden weiterzuerzählen. Sehenswerte Effekte und zahlreiche Kanon-Referenzen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Discovery" entgegen allen Versprechungen im Vorfeld wieder einmal die berüchtigte "Puzzelbox" als Struktur des übergreifenden Handlungsbogens gewählt hat. Und zumindest bisher wenig eigene originelle Ideen im Gepäck hat.
christopher.kurtz
Christopher Kurtz
Seit den frühen 2000ern ist Christopher Redakteur im TrekZone Network. Wenn er nicht in den unendlichen Weiten nach kritisch rationalem Humanismus Ausschau hält oder sich über die Plausibilität fiktiver Technologien und Gesellschaftsformen den Kopf zermartert, findet man ihn meistens in der Nähe von Spielen der geselligen Art, egal ob analog oder digital, ob als Mitspieler oder Gelegenheitsautor.

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Ich habe mir bislang noch keine einzige Discovery Folge angesehen, vermutlich wirds so bleiben.

Ich habe die zwei Folgen gesehen und ich muss leider sagen meine Erwartungen sind so niedrig, dass ich die Episoden eher “positiv” sehe. Okay ich stimme der Kritik inhaltlich komplett zu. Jedoch muss ich sagen. Das Aufgießen an TNG Elementen stört mich nicht. Nein, ich muss sogar sagen ich finde das gut. Denn das ist alles, was das Moderne Star Trek noch schafft. Versuchen sich 1zu1 an TNG zu orientieren und auf das Beste hoffen. Star Trek Picard Staffel 3 hat doch gezeigt, das kann gut Funktionieren. Und immerhin führt man hier einer der besten Geschichten von TNG fort. Das… Weiterlesen »

Erste Kritik! Und was soll ich sagen außer “bashing at it’s best” von TrekZone. Fehlen nur noch die Kampfbegriffe wie “woke”, not my trek und Burnham soll endlich sterben.

Aber gut, TrekZone und DISCO werden keine Freunde mehr.

Anti-Woke-Fraktionen kommen vorbei und kommentieren mit dem Woke-Vorwurf. Heute kommst Du vorbei und erfühlst Anti-Woke-Absichten. Tja. Was soll man machen.

TrekZone ist eine Plattform für Trekkies, die rezensieren wollen. Rezensionen sind Gedankengänge. Je klarer, desto “Star Trek”-iger. Hype und Zustimmbarkeit sind niemals ein Ziel beim Schreiben, sondern subjektive Meinungen und das Aufarbeiten ihrer Gründe.

Wir sind alle verschieden. Hoffentlich.

Zuletzt bearbeitet 3 Monate zuvor von Maja T Mo

Dann sollte man auch wirklich eine Rezension zu den Folgen schreiben und nicht ständig seine Abneigung gegen diese Serie kundzutun. Dann soll man es gleich lassen. Außerdem diese ständige Gejammer um irgendwelche Kleinigkeiten finde absolut daneben. Aber gut das Logik, Schauspiel und Inszenierung in den “alten” Serien auch nicht immer gegeben waren, sollte man vielleicht als Kritiker auch nicht außer acht lassen. 😉 Fazit Serienjunkies zur ersten Folge (ohne das “Haar in der Suppe” zu suchen): “Ein äußerst gelungener Auftakt zur fünften und letzten Staffel, der nur wenige Angriffspunkte bietet. Gerade die relativ lockere Vorgehensweise und das Abenteuer an sich… Weiterlesen »

Dann sollte man auch wirklich eine Rezension zu den Folgen schreiben und nicht ständig seine Abneigung gegen diese Serie kundzutun. Aber ‘ne Rezension ist die kritische Auseinandersetzen mit der Folge. Wer sie mochte, erklärt analytisch, wieso. Und wer sie nicht mochte, tut das auch. Das ist die Aufgabe der Rezension. diese ständige Gejammer um irgendwelche Kleinigkeiten finde absolut daneben Naja, aber als Autorin geb ich mich doch nicht der Absicht hin, zu erahnen, was Du als Kleinigkeit empfindest, sondern thematisiere, was mir wichtig ist. Du fischst hier nach Zustimmbarkeit zur Rezension. Das wär dann ja ein maniplulativer Akt. Wer so… Weiterlesen »

Zuletzt bearbeitet 3 Monate zuvor von Maja T Mo

Ich erwarte auch keine Überraschen mehr…Das alles ist leider schon sehr Disco Typisch…

Dsc ist Murks. New Trek hat keine Ideen zu bieten. Immer die Wiederholung des gleichen hohlen Unsinns. Leider.

Mehr "Uncharted" als "Star Trek" versucht "Discovery" in seiner letzten Staffel die Story einer jahrzehntealten Episode über 10 Stunden weiterzuerzählen. Sehenswerte Effekte und zahlreiche Kanon-Referenzen können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass "Discovery" entgegen allen Versprechungen im Vorfeld wieder einmal die berüchtigte "Puzzelbox" als Struktur des übergreifenden Handlungsbogens gewählt hat. Und zumindest bisher wenig eigene originelle Ideen im Gepäck hat.Kurzrezension: Star Trek: Discovery 5x01 - "Red Directive" & 5x02 "Under The Twin Moons"
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