Die USS Enterprise trifft im Weltraum auf ein Objekt, das allen physikalischen Gesetzen zuwider über Schwerkraft und Atmosphäre verfügt. Schon bald stellt das Außenteam fest, dass es sich um eine Manifestation des Elysianischen Königreichs handelt, bevölkert von Figuren, die der Crew zum Verwechseln ähnlich sehen. Dr. M’Benga spekuliert, dass ein Boltzmann-Gehirn diese Welt erschaffen habe, um La’an bei der Bewältigung ihrer psychologischen Probleme zu unterstützen. Daraufhin lässt sich das Außenteam darauf ein, die Rollen ihrer Alter Egos in der Fantasiewelt zu übernehmen.
Was meinen wir mit “spoilerfrei”?
Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was “spoilerfrei” bedeutet. Damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr die Rezension vorab lesen möchtet, machen wir hier transparent, was wir darunter verstehen:
- Wir verraten keine wichtigen und unerwarteten Wendungen der Handlung bzw. Informationen über die fiktiven Welt und ihre Figuren.
- Was im Vorfeld durch Vorschauclips und Trailer gezeigt wird, ist kein Spoiler.
- Was im Cold Open (vor dem Vorspann) bzw. im ersten Akt (bei Episoden ohne Cold Open) passiert, ist kein Spoiler.
- Handwerklichen Aspekte (Schauspiel, Drehbuch, Bühnenbild, Soundtrack, Spezialeffekte) sind keine Spoiler, sofern sie nichts Wichtiges über die Handlung verraten.
Once La’an a Time
Für diesen erneuten Fantasy-Ausflug zeichnen Onitra Johnson (Drehbuch) und Sydney Freeland (Regie) verantwortlich. Ein Sequel zu „The Elysian Kingdom“ darf als mutige Entscheidung gelten, schließlich zählt die märchenhafte Bottle Show nicht zu den beliebtesten Episoden der ersten Staffel. Tatsächlich kann sich auch in-universe niemand außer Dr. M’Benga daran erinnern, wie das Boltzmann-Gehirn sie als Avatare für die Kinderbuchmanifestation vereinnahmt hatte. Ein kurzer Blick auf das PADD bringt Pike und die Crew auf den aktuellen Stand.

Bei einigen Episoden dieser Staffel hatte ich angemerkt, dass die Inszenierung für eine Serie ungewöhnlich schwach wirkte. Mit „Once La’an a Time“ kehrt „Strange New Worlds“ jedoch zu alter Stärke zurück. Dazu tragen auch die zahlreichen neuen Kulissen bei, die eine willkommene Abwechslung zu den Standardsets bieten. Auch bei den visuellen Effekten zeigt die Serie, was sie kann – insgesamt ergibt das einen sehenswerten Genreausflug.
Anders als in den meisten „Gimmickfolgen“ dieser Staffel ist zudem klar erkennbar, dass La’ans Selbstzweifel den emotionalen Anker der Episode bilden. Der Rest der Handlung wurde konsequent aus dieser charakterbasierten Prämisse entwickelt. Über die Qualität des Ergebnisses lässt sich sicher streiten, doch im Gegensatz zu Episoden wie der Casablanca– oder Muppets-Hommage folgt das Drehbuch hier vorrangig den Anforderungen von Noonien-Singhs Charakterentwicklung. Die Anspielungen auf Filme wie „The Princess Bride“ und „Wicked“ spielen zwar eine große, aber klar untergeordnete Rolle.
Eine Parade der Tropen
Schon im Teaser wird deutlich, dass „Once La’an a Time“ das vorläufige Finale des lange schwelenden Handlungsbogens um Noonien-Singhs Sorgen bezüglich ihres genetischen Erbes darstellt. „Strange New Worlds“ muss zugutegehalten werden, dass die Staffel diesen Konflikt immer wieder aufgegriffen hat. Es fühlt sich richtig und verdient an, diesem inneren Kampf Raum für eine angemessene Auflösung zu geben.
Leider kann ich der Art und Weise, wie dieser Handlungsstrang immer wieder behandelt wurde – einschließlich der hier präsentierten Lösung –, wenig abgewinnen. La’ans innerer Konflikt stagniert seit „The Griffin Incident“. Weder für die Figur selbst noch für die äußere Handlung der Staffel ergaben sich daraus neue Facetten oder interessante Verwicklungen. Vielmehr entsteht der Eindruck, der innere Zwiespalt müsse durch ständige Wiederholungen „warmgehalten“ werden, bis endlich mal eine Episode zur Verfügung stünde um eine Auflösung anzubieten.

Die Auflösung selbst ist zwar im Ansatz sehr „Star-Trek“-typisch, da sie eine Pointe über Selbstakzeptanz setzt. Dennoch lässt sich die Folge auch als Abfolge mittelmäßig umgesetzter Tropen beschreiben, die von „Qpid“ über „Mirror, Mirror“ (und dessen „Deep Space Nine“-Fortsetzungen) bis hin zu „The Enemy Within“ bereits vielfach variiert wurden.
Darüber hinaus stolpert „Once La’an a Time“ unnötigerweise in eine eigenwillige Tonalität. Die Episode ist eindeutig als Komödie angelegt und teilt ihre Verspieltheit mit Werken wie „The Princess Bride“ oder – bleibt man im Franchise – „Qpid“ oder „The Emperor’s New Cloak“. Der B-Plot um die Doppelgängerverwechslungen funktioniert in diesem Rahmen recht gut, während es der eigentlichen Haupthandlung schwerfällt, emotionales Momentum aufzubauen.
So kommt es, dass die Auflösung von Noonien-Singhs innerem Konflikt bestenfalls zweckdienlich wirkt – obwohl die Staffel so viel Zeit in dessen Aufbau und eine ganze Episode in den Abschluss das Handlungsbogens investiert. Schade, denn in Grundzügen liefert „Once La’an a Time“ eine ordentliche „Star-Trek“-Geschichte ab.
Mit Rücksicht auf die Leser:innen, die die Episoden noch nicht gesehen haben, bitten wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag auf Spoiler zu verzichten. Danke!
