Natürlich halten auch wir uns an Traditionen – deswegen gibt es auch dieses Jahr einen Fedcon-Bericht. Im ersten Teil des Berichts gehts über die Eindrücke über die Con.
“It’s this time of the year” – Solche Gedanken gehen einen rund um Pfingsten wohl durch den Kopf, wenn man, wie unsereins, in Bonn und Umgebung unterwegs ist, und Leute mit einem verräterischen Armband (oder gar einer Fedcon-Tüte) auf den Straßen flanieren sieht – nicht nur Haribo ist da ein Anlaufpunkt.
Und ja, es ist wieder diese Zeit, denn am Pfingstwochenende stand wieder die große deutsche Science-Fiction-Convention, aka. FedCon, an. Und was hat sich seit der Con letztes Jahr so getan? Nun, Tagestickets dürfen nun überhaupt nicht mehr in den Hauptsaal (letztes Jahr immerhin noch mit ggf. freien Plätzen), aber das ist wohl leider der Entwicklung durch einigen Pöblern geschuldet. Im Hotel gibt es zu allen auf den Zimmern das obligatorische Essen (war wieder in Ordnung) sowie, für alle, die eben nicht im Hotel waren, Food Trucks mit reichlich Auswahl draußen am Brunnen.
Soweit so gut, könnte man meinen, oder?
Starfleet Academy – Cast für die neue Generation
Fast, denn wie man anhand der Gästeliste sehen konnte, war die diesjährige Con sehr “Starfleet Academy”-lastig. Dagegen ist ja grundsätzlich erstmal nichts einzuwenden, man hatte allerdings im Vorfeld an einigen Fronten schon den Eindruck, dass man auch im Conbetrieb vom Shitstorm, der um die neue Serie grassierte, nicht verschont geblieben ist.
So verkündeten einige Fans vorab lautstark, ihre Tickets wieder zu verkaufen. Nun mag man von der Serie ja halten, was man will und vielleicht ist die Cast-Zusammensetzung ja wirklich nichts für einen persönlich. Die FedCon ist, für langjährige Besucher, aber längst mehr, als nur die Stars zu sehen. Es ist eine Zusammenkunft von Freunden und Gleichgesinnten, die man vielleicht ein Jahr lang nicht gesehen hat und die man hier wiedertrifft. In gewisser Weise sind die Stars hier nur die Zugabe.
Ein derartiges Con-Feeling bekommt man aber in der Tat zumeist nur richtig mit, wenn man wirklich länger bleibt bzw. im Maritim-Hotel selbst ist und das ganze Drumherum mitbekommt. Umso erfreulicher, dass dies auf der diesjährigen Con wieder teilweise zu spüren war, aber dazu kommen wir später noch. Würde man die Con dieses Jahr unter einem Stichwort zusammenfassen, so wäre es wohl “Die entspannte Con”.
Übrigens: es waren auch 9 Gastdarsteller aus Strange New Worlds anwesend, die damit zahlreicher vertreten waren als der Cast von Starfleet Academy. Hier kam lediglich Kerrice Brooks (Sam) zunächst zu spät, musste aber aus gesundheitlichen Gründen (verlorene Medikamente) gleich wieder abreisen. Gekaufte Gutscheine wurden selbstredend erstattet.
Wenn man also nicht wirklich ein “Old Trek”-Purist ist, war also wirklich noch genug Abwechslung da (um fair zu sein: wenn man mit Kurtzman-Trek überhaupt nichts anfangen kann und auch keinen Wert auf Con-Gemeinschaften legt, dann okay).
Die Shows aka. das Drumherum
Ja, natürlich gab es wieder die obligatorischen Vorträge zu einem Sammelsurium verschiedenster Themen, auf die wollen wir jetzt gar nicht im Detail eingehen. Von Kostümen, über Lesestunden bis hin zu Klingonisch war alles wieder vertreten. Das kennt man, und da sollte für jeden was dabei sein.
Was man aber wieder sagen musst, ist, dass der besondere Wow-Effekt diesmal ausblieb. Ja, es gab bei der Opening eine kleine Lightshow (die nicht mehr so “aggressiv” war, dass sie in den Augen blendete), darüber hinaus auch Gesangseinlagen von Tim Russ (besser als die letzten Male) oder Liven Litaer (auch angenehmer als letztes Jahr), aber das war es dann auch schon. Wie bei der Closing ist das zwar stellenweise sicher auch einer gewissen Routine geschuldet, die sich inzwischen eingebürgert hat, so richtiges Con-Feeling kam da aber noch nicht auf.
Das mag mitunter auch daran liegen, dass die Stars diesmal nur kurze Worte verloren, während erfahrenere Recken (ja, aus “Old Trek”) da durchaus besser verstanden, die Stimmung anzuheizen. Aber, wie wurde auf der Bühne so schön gesagt: Sie sind jung, sie werden es noch lernen. Das hielt aber keinen vor allem der jungen Darsteller davon ab, die Bühne zu rocken, aber dazu kommen wir später noch.
Die Closing selbst war diesesmal eine Stunde früher. Wegen unserer langen Anfahrt begrüße ich das zwar grundsätzlich, es ist aber in gewisser Weise eine weitere “Kürzung”, nachdem ja vor einigen Jahren bereits der Montag als Contag gestrichen worden war. Auch bei der Closing gab es wieder einige Gesangseinlagen der Anwesenden Darsteller, die grundsätzlich ganz nett waren, mehr aber auch nicht. Aber ja, da ist man ja generell dann eher schon in Aufbruchstimmung. Trotzdem, auch mit Hinblick auf die Panels, wäre ein späterer Slot auch nicht das verkehrteste gewesen.
Da wie erwähnt mehrere Sänger anwesend waren (neben Tim Russ und Missy Pile auch noch Christina Rose, Celia-Rose Gooding oder Zoe Steiner) wäre doch ein gemeinsamer Auftritt eines der Highlights gewesen. Aber gut, da braucht es wohl hinter den Kulissen einen Jonathan Frakes, der das organisiert ;).
Zum weiteren Drumherum gehören natürlich auch die Artshows und Cosplay, auch das diesesmal wieder vertreten, wenn auch vor allem bei ersterem nicht mehr ganz so opulent wie in den Vorjahren. Wer erinnert sich noch an teils raumfüllende Raumschiffmodelle, die eine wahre Augenweide waren? Von diesem Rückgang war schon seit einiger Zeit etwas zu spüren, diesesmal war man fast schon komplett bei klein aber oho angekommen. Hat sicher auch seine Vorteile, die erwähnten größeren Modelle lassen aber einen gewissen WOW-Effekt nicht verhehlen.
Aber nicht nur die Modelle sind rückläufig, sondern spürbar auch die Besucherzahlen. Nicht falsch verstehen, die FedCon ist immer noch gut bescuht, vor allem Samstag, die ganz großen Gedränge sind aber ein Stück weit zurückgegangen – und das liegt nicht nur am Gastaufgebot. Auch insgesamt merkt man, dass der Geldbeutel bei allen nicht mehr ganz so locker sitzt und eher zweimal hingeschaut wird. Bei der MagicCon ist der Rückgang wohl noch deutlicher zu spüren. Hier werden wir sehen müssen, was die nächsten Jahre bringen.
Immerhin, die anmeldeschlange für nächstes Jahr war so lang wie immer – man muss also noch nicht das Ende der (Fed)Cons in deutschen Landen propagieren, sondern eher seinen Blick auf die Weltlage insgesamt richten.
Panels und Stargäste
Die anwesenden Stargäste hatte ich ja schon erwähnt, von den Panelzeiten ist man leider etwas auf den Rückschritt der Vorjahre gegangen (bzw. stehen geblieben). Denn die meisten Panels haben nur noch 30 Minuten. Früher waren dies mal 60 gewesen, und ich weiß, ich meckere da seit 3 oder mehr Jahren darüber, aber es ist nunmal immer noch so, dass die Panelzeit hier schnell vorbei istund viele gar keine Chancen mehr haben, ihre Fragen zu stellen.
Okay, diesmal mag es zumindest teilweise der Tatsache geschuldet sein, dass es für viele die erste Con überhaupt war, vor allem dem Starfleet Academy-Cast. Bei einigen (wie Zoe) hat man das zwar zu Beginn gemerkt, sie tauten aber alle schnell auf und waren im “Flow”, sprich: sie wurden schnell warm und begannen teilweise Gespräche mit den Fans in den Panels. Und hier kam dann auch die familiäre Atmosphäre zum Tragen, denn es waren ganz oft Interaktionen denn Star Trek (oder andere) Fragen im Vordergrund (darüber werdet ihr Morgen im zweiten Teil auch noch einiges lesen).
Dabei überrascht natürlich auch, dass alle der neuen Stars souverän ihre Aufgabe auf der Bühne meisterten. Klar, Leute wie Christina Chong oder Celia-Rose Gooding, die von der Bühne kommen, rockten die Bude ganz natürlich. Stars wie Karim Diane (Jay’den), von denen man vielleicht das Gegenteil erwartet hätte aufgrund ihrer Rollen, erwiesen sich als sehr Fannah und waren auch sonst oft mitten im Geschehen. Das betont natürlich den erwähnten familiären Charakter der Con, der positiv in Erinnerung bleibt.
Übrigens: Tim Russ (als Mitglied von “Old Trek”) bekam eine Stunde Panelzeit.
Fazit
Insgesamt kann man mit der 34.FedCon zufrieden sein. Klar, Sachen wie die kleiner werdenden Art- bzw. Modellshows und die (immer noch) verkürzten Panels sind ärgerlich, und auch bei einigen der Showeinlagen ist Luft nach oben, dafür konnte man, auch dank der sympathischen Schauspieler, die familiäre Atmosphäre diesmal wieder deutlicher spüren. Nächstes Jahr ist auf jeden Fall wieder gesetzt.
Morgen geht es weiter mit unserem zweiten Teil, der die Panels der Schauspieler behandelt. Und wenn ihr von den FedCon-Berichten nicht genug kriegen könnt, haben wir auch im Archiv noch ein paar:
FedCon 33 (2025) – Die fluffige Con
FedCon 32 (2024) – Die ruhige Con
FedCon 31 (2023) – Die überladene Con
FedCon 30 (2022) – Die Anniversary-Con






