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Kurzrezension: Star Trek: Picard 3×04 – “No Win Scenario”

Die Titan fällt in die Gravitationsanomalie in "No Win Scenario" (Szenenphoto: Paramount)

Die Titan treibt antriebslos ihrer sicheren Zerstörung entgegen. Lest hier unsere spoilerfreie Rezension zu Episode 3×04 “No Win Scenario”.


Was meinen wir mit “spoilerfrei”?

Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was “spoilerfrei” bedeutet. Damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr die Rezension vorab lesen möchtet, machen wir hier transparent, was wir darunter verstehen:

  • Wir verraten keine wichtigen und unerwarteten Wendungen der Handlung bzw. Informationen über die fiktiven Welt und ihre Figuren.
  • Was im Vorfeld durch Vorschauclips und Trailer gezeigt wird, ist kein Spoiler.
  • Was im Cold Open (vor dem Vorspann) bzw. im ersten Akt (bei Episoden ohne Cold Open) passiert, ist kein Spoiler.
  • Handwerkliche Aspekte (Schauspiel, Drehbuch, Bühnenbild, Soundtrack, Spezialeffekte) sind keine Spoiler, sofern sie nichts Wichtiges über die Handlung verraten.

No Win Scenario

Nach den Geschehnissen von “Seventeen Seconds” ist die Titan schwer beschädigt und fällt steuerlos in die Gravitationssenke. Dem Schiff bleiben nur wenige Stunden, bevor es zerquetscht wird und die Lebenserhaltung ausfällt.

Neben den Beschädigungen des Schiffs muss die Crew in “No Win Scenario” aber auch mit allerlei internen Querelen fertig werden, die es schwierig machen, einen Ausweg zu finden. Riker und Picard stecken in einer Vertrauenskrise, Picard und Jack Crusher finden keinen Draht zueinander, und schließlich läuft ein sabotierender Formwandler frei auf dem Schiff herum.

Handlung

“Die Episode”No Win Scenario” spielt fast exklusiv auf der Titan. Raffi und Worf haben eine wohlverdiente Pause, in der sie wahrscheinlich wie angekündigt zum überfallenen Außenposten des Daystrom-Instituts reisen.

Dafür gibt es auf der Titan einiges an Problemen zu lösen. Zuvorderst natürlich die unmittelbar bevorstehende Vernichtung des Schiffs durch die Gravitationskräfte im Zentrum des Nebels. Dies erweist sich in bester “The Next Generation”-Tradition als interdisziplinäre Herausforderung die nur mit Naturwissenschaft und Ingenieurskönnen zu bewältigen ist. Aber gerade zu dieser Form der Zusammenarbeit ist die Crew nach den Ereignissen von “Seventeen Seconds” unfähig, weil es am grundlegendsten Vertrauen zwischen Riker und Picard mangelt.

Riker und Picard: Mangelt es an Vertrauen?
© Trae Patton/Paramount+. © 2021 Viacom, International Inc. All Rights Reserved.

Derweil macht sich Seven daran, dem Saboteur und Formwandler auf der Titan das Handwerk zu legen. Mangels eigener Erfahrung mit dem Dominion (die Voyager kehrte erst zwei Jahre nach Kriegsende heim), benötigt sie Unterstützung von Shaw, was aber ebenfalls auf Grund deren gemeinsamen Historie keine einfache Sache ist.

Mit der Abarbeitung dieser Konflikte ist der Großteil von “No Win Scenario” befasst. Ähnliche Probleme tun sich auch zwischen Picard und Shaw und zuletzt zwischen Picard und Jack Crusher auf. Erst nachdem die Befindlichkeiten der Protagonist:innen adressiert wurden, wird eine Auseinandersetzung mit der eigentlichen Notlage der Titan möglich.

Die Auflösung der Folge ist sehr befriedigend und absolut sehenswert. Nachdem “Picard” in “Disengage” sich sachte an einem moralischen Dilemma versucht hat, beschwört “No Win Scenario” den Sense of Wonder solcher Episoden wie “Mission Farpoint”, “Galaxy’s Child” oder “Tin Man”. Frustrierend dürfte nur für viele Zuschauer:innen sein, wie lange die Crew braucht, die bereits in der vorangegangenen Folge angelegten Hinweise zu untersuchen, um sich eine lebensrettende Lösung zu erarbeiten.

Mit “No Win Scenario” erreicht die übergreifende Handlung eine logische Zwischenstation. Man kann die ersten vier Folgen durchaus als den fünften “The Next Generation”-Film betrachten, der nach einer Fortsetzung verlangt. Erfreulicherweise müssen wir dafür nur eine Woche und nicht wieder 20 Jahre warten. Man darf nach vier Episoden festhalten, dass diese dritte Staffel “Picard” mehr mit der Dramaturgie der sehr gut strukturierten ersten Staffel “Prodigy” als den kaugummizähen Live-Action-Erzählungen vergangener “Discovery”- und “Picard”-Jahrgängen gemeinsam hat.

Charaktere und Dialoge

Das Drehbuch zu “No Win Scenario” stammt von Terry Matalas und Sean Tretta und fokussiert sich auf die Familie Crusher/Picard, Familie Riker und das Verhältnis zwischen Seven und Shaw.

“No Win Scenario” versucht direkt am Anfang zu erklären, wieso es zum Zerwürfnis zwischen Riker und Picard kommen konnte, und gewährt Einblick in Will Rikers akute Eheprobleme. Der Retcon, dass Thaddeus’ Tod zu einer Art nihilistischem Existentialismus und Depressionen bei William geführt hätten, deckt sich nicht mit dem Auftreten der Rikers in “Nepenthe”. Sicherlich kann man fantasieren, dass Will Riker damals einfach nur einen guten Tag hatte oder die Familie Picard und Soji zu liebe “heile Welt” gespielt hätte, aber organisch fügt sich diese Volte nicht in die Serie ein.

Betrachtet man “No Win Scenario” isoliert, dann schafft es Jonathan Frakes grandios, William Rikers Leid glaubhaft zu machen. Ein erstes Highlight ist noch vor dem Vorspann zu erleben, als er sich Picard gegenüber erklärt (ein toller Monolog, der auch in Teilen im Trailer verwendet wurde). Eine weitere Solo-Szene in der Beobachtungslounge kurz darauf entfaltet noch mehr Wucht. Frakes stellt unter Beweis, dass er als Schauspieler regelmäßig unterschätzt wird.

Das ändert aber alles nichts daran, dass die Vertrauenskrise zwischen Picard und Riker arg konstruiert wirkt und wenig glaubwürdig erscheint. Dagegen sind die anderen Reibungserscheinungen verständlicher. Shaw erhält endlich Gelegenheit, seine leidenschaftliche Ablehnung gegenüber Picard und Seven zu erklären (aufmerksamen Beobachter:innen des Abspanns werden schon geahnt haben, worum es geht). Todd Stashwick schafft meisterhaft eine Balance zwischen “Arschloch” (Selbstbezeichnung von Shaw) und Überlebenden-Syndrom bei Shaw zu zeigen.

Auch wenn er die Figur des von Fans verehrten Jean-Luc Picard in die verbale Zange nimmt, kann man schlecht umhin, auch Sympathie für Shaw zu empfinden. Wenn es etwas an der Aussprache zwischen den beiden Sternenflottenoffizieren auszusetzen gibt, dann dass Picard zu sehr über den Dingen zu stehen scheint. Es hätte dem Charakter gut zu Gesicht gestanden, hier Verletzlichkeit statt Abgeklärtheit zu demonstrieren, um Shaw auf Augenhöhe zu treffen.

Eine bessere Figur macht Patrick Stewarts Admiral bei der Vertiefung seiner Vater-Sohn-Beziehung mit Jack. Die Kernfrage für Picard in “No Win Scenario” ist, warum Jack sich dafür entschied, keinen Kontakt zu seinem Vater zu suchen, als er alt genug dafür war. Während Jack selbst im Angesicht des Todes in dieser Frage einen abgeklärten Eindruck macht, ist Picard in der Lage zuzugeben, dass er es ist, der eine stärkere Verbindung zu seinem Sohn sucht und braucht. Tatsächlich schafft es die Episode, die Antwort auf Picards Frage auf überraschende Weise zu geben, in dem sie unerwartet ein “Star Trek”-Klischee dekonstruiert. Starke Umsetzung eines altbekannten Motivs.

Neben Rikers Ringen mit der scheinbaren Ausweglosigkeit der Lage ist das andere Highlight von “No Win Scenario” für mich aber die Paarung Seven und Shaw, die sich wider Sympathie zusammenraufen, um das Schiff vor dem Saboteur und der Gravitationssenke zu retten. Ironischerweise gelingt es gerade diesen beiden Charakteren, die nicht aus der “Next Generation” stammen, als erste sich trotz erheblicher Differenzen genug Vertrauen zu schenken, um erfolgreich zu kooperieren. Der offene und selbstironische Schlagabtausch, den die beiden führen, ist zutiefst erfrischend, und gipfelt in einem bemerkenswerten Finale, das die Beziehung der beiden hoffentlich in Zukunft prägen wird.

Auch Captain Vadic erleben wir in einer kurzen Szene, die jedoch mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Amanda Plummer spielt ihre Vadic weiterhin als Psychopathin mit kindlichen Zügen, aber ihre Motivation und Herkunft bleiben ein Rätsel.

Inszenierung

“No Win Scenario” entwickelt die Spannung, Dramatik und klaustrophobische U-Boot-Atmosphäre, die man vielleicht eher in der letzten Woche erwartet hätte. Mit Setting und Inszenierung weckt Regisseur Jonathan Frakes Erinnerungen an “Booby Trap” und “Disaster” aus “The Next Generation”, und das ist großartig.

Zwischen tollen schauspielerischen Leistungen, der tickenden Uhr des drohenden Untergangs und fantastischen Spezialeffekten schafft es diese Folge als erste der Staffel mich ganz in ihre Welt zu holen und von vorne bis hinten mitfiebern zu lassen, auch wenn von Anfang an klar ist, dass es einen Ausweg geben muss, und wo er zu suchen ist.

Die Handlung in der Gegenwart der Episode und die vermeintlich unbedeutende, aber stetig wiederkehrende Rückblende, sind geschickter miteinander verwoben, als es den Anschein hat. Frakes lässt den Twist seine volle Wirkung entfalten. Ähnlich wie die finalen Momente von “Disengage” vermittelt “No Win Scenario” hier eine Folgenschwere Erkenntnis mit wenigen Worten und viel Schauspielleistung.

Die größte Schwäche offenbart “No Win Szenario” m.E. bei der Setgestaltung, bzw. dem offensichtlichen Mangel an notwendigen und der ständigen Umdekorierung existierender Sets. Am deutlichsten fehlt es der Titan an einem Maschinenraum, das war auch schon in der letzten Episode auffällig. Genauso schwer zu ignorieren ist, dass es nur eine einzelne und recht kleine Kulisse für die Quartiere der Titan gibt. Und die eine muss in dieser Folge für ganz drei unterschiedliche Räumlichkeiten herhalten.

Die visuellen Effekte waren für mich bisher ein Gemischtwarenladen aus tollen und fragwürdigen Eindrücken. Die neuen Formwandlereffekte sind für mich weiterhin gewöhnungsbedürftig. Dass die Gründer in ihrem “Naturzustand” weniger wie halb-transparente flüssige Bronze und eher nach amorphen Fleischklumpen aussehen, ist eine kreative Entscheidung, der ich leider nichts abgewinnen kann. Die Neugestaltung beraubt die Spezies einer gewissen Unergründlichkeit.

Der Rest von “No Win Scenario” ist dagegen ein absoluter Homerun für Jason Zimmermans VFX-Abteilung. Die Weltraumszenen dieser Episode sind absolut spektakulär, insbesondere im letzten Akt. Nicht nur die Brückencrew staunt, was sich dabei auf dem Hauptbildschirm abspielt.

Beobachtungen

  • “Star Trek” hat gerade einen Narren an Titeln mit Anspielung auf die “Kobayashi Maru”-Simulation gefressen. Die vierte Staffel “Discovery” zeigte uns “Kobayashi Maru”, in “Prodigiys erster Staffel gab es “Kobayashi”, nun also in “Picard” das “No Win Scenario”. Wir haben’s verstanden, “The Wrath of Khan” ist cool. Jetzt bitte weitergehen.
  • Ähnlich wie Staffel 1 von “Picard” scheinen die meisten regulären Episoden der dritten Staffel mit einem Rückblick zu beginnen. Im Falle dieser Episode wird sogar über den Verlauf der gesamten Episode wiederholt dieser Rückblick aufgegriffen.
  • Nicht nur die Voyager hatte Kontakt mit den Hirogen. Offenbar sind die Jägernomaden auch der Enterprise-E begegnet und Picard konnte mit Hilfe von Worf einen Alpha bezwingen.
  • Wie auf der U.S.S. Voyager ist auch auf der Titan die Energieversorgung der Holodecks separat von den übrigen Schiffsystemen, was die Benutzung auch während der sich entwickelnden Krise erlaubt.
  • Shaw freut sich darüber, dass Dr. Crusher Schmerzmittel “sehr liberal” verabreicht. Der Captain scheint ein entspanntes Verhältnis zum Konsum von bewusstseinsverändernden Substanzen zu haben. Mit Seven macht er im Zusammenhang mit dem Formwandler ein Wortspiel zu “Pot”, das gleichzeitig “Gefäß” und umgangssprachlich Canabis bedeutet.
  • In derselben Szene sehen wir für einen Augenblick das Photo von Constable Odo auf einem PADD.
  • Die Szene von Vadic verwendet Ikonographie und Symbolismen, die man eher in einem B-Movie über Satanistenkulte erwarten würde. Ich hoffe auf eine rasche und befriedigende Auflösung.
  • Vadic besitzt einen remanischen Dolch, wie wir ihn von Shinzon aus “Nemesis” kennen.
  • Wer genau hinsieht, kann kurz den Schriftzug “Daystrom Institute” auf der Portalwaffe der Shrike erkennen.
  • So charmant die Szene zwischen Shaw und Picard auch gespielt und inszeniert ist, sie erinnert doch sehr stark an einen Konflikt, den wir schon mal genau so gesehen haben (und damals wurde das mit “show, don’t tell” mitreißender vermittelt).
  • Wie häufig lässt sich die Energie aus den Lebenserhaltungssystemen eigentlich umleiten? Da scheint ja auch nach mehrmaligem Abschalten immer noch Saft drauf zu sein.
  • Rikers neuestes Manöver ist eine spaßige Idee, aber die Effektivität überrascht doch sehr (ähnlich wie die “Druckwelle” des in der letzten Episode gesprengten Photonentorpedos)
  • Mich würde jetzt noch wahnsinnig interessieren, ob das Ende nur eine visuelle Hommage an eine berühmte Mission der Enterprise-D ist, oder ob da auch In-Universe eine Verbindung besteht.
  • Wir hören in dieser Folge den ersten Logbucheintrag mit Sternzeit: 78183.10. Das ist 37 Jahre nach “Mission Farpoint” also ungefähr Februar/März 2401. Der “Frontier Day” ist mutmaßlich der 16. April, wenn man den Jahrestag des Starts der Enterprise NX-01 feiert.
  • Jacks Halluzinationen, die bereits in “Seventeen Seconds” gezeigt wurden, laden einerseits zu viel Spekulation ein, weil sie die Frage nach der Identität des jungen Mannes erneut aufmachen. Andererseits sieht mir das visuell alles zu stark nach dem “Red Forest” aus “12 Monkeys” aus, und ich habe die schiere Menge der Easter Eggs und Gaststars langsam über. Auch in “Battlestar Galactica” wurde die ein oder andere Anspielung an “Star Trek” eingebaut, aber Terry Matalas & andere “12 Monkeys”-Alumni treiben es mir langsam ein bisschen bunt.
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Mit Rücksicht auf die Leser:innen, die die Episoden noch nicht gesehen haben, bitten wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag auf Spoiler zu verzichten. Danke!

Zweitrezension: Star Trek: Picard 3×03 – “17 Sekunden”

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Actionreich und emotional geht es in Folge 3 der aktuellen Staffel weiter. Lest hier unsere zweite SPOILER-Rezension.

Zweitrezension: Star Trek: Picard 3x03 - "17 Sekunden" 3
“Star Trek: Picard” © Paramount

Transparenzhinweis: Der Autor dieser Rezension hat bisher noch keine Screener der verbleibenden sieben Staffel-Episoden gesehen und verfügt demnach über keine zusätzlichen Plot-Kenntnisse.

Handlung

Die Titan flüchtet in die Tiefen der unerforschten Anomalie, doch sie kann der Shrike nicht entkommen. Immer wieder gelingt es Captain Vadic (Amanda Plummer) und ihrer Crew, die Titan zu lokalisieren.

Derweil sprechen sich Picard (Patrick Stewart) und Beverly (Gate McFadden) endlich aus. Jack ist das Resultat ihres letzten gemeinsamen Urlaubs, kurz bevor sie ihre Romanze vor rund 20 Jahren endgültig beendeten. Beverly entschied sich damals, Picard aus ihrem und Jacks Leben herauszuhalten, was Picard wiederum als Anmaßung betrachtet.

Als Captain Shaw (Todd Stashwick) bei einem der Angriffe der Shrike schwer verletzt wird, überträgt er Captain Riker (Jonathan Frakes) temporär das Kommando über die Titan. Während Picard in einem Kampf die einzige Chance auf Rettung sieht, befiehlt Riker stattdessen den Rückzug, der das Schiff noch tiefer in die Anomalie bringt.

Unterdessen sind Seven of Nine (Jeri Ryan) und Jack Crusher (Ed Speleers) einem Saboteur auf der Spur, der an Bord des Schiffes sein Unwesen treibt. Es stellt sich heraus, dass es sich hierbei um einen Wechselbalg handelt.

Als es zu einem weiteren Gefecht mit der Shrike kommt, setzt diese eine unbekannte Portal-Waffe ein, die der Titan jeden Fluchtweg abschneidet. Angesichts dieser Lage drängt Picard noch vehementer auf eine direkte Konfrontation. Nur widerwillig befiehlt Captain Riker daraufhin, die Shrike zu beschießen. Doch der Plan geht nach hinten los: Die Titan wird von den eigenen Photonentorpedos kampf- und manövrierunfähig gemacht und trudelt nun ihrem Verderben entgegen.

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Die Titan auf der Flucht (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×03 © Paramount).

Raffi (Michelle Hurd) und Worf (Michael Dorn) führen derweil ihre Ermittlungen auf M’talas Prime fort. Als sie den vermuteten Drahtzieher Titus Rikka (Thomas Decker) gefangen nehmen und verhören, erweist sich auch dieser als Mitglied einer Gruppe von Wechselbälgern, welche die “Große Verbindung” einst verließen, um sich für die Niederlage im Dominion-Krieg zu rächen.

Drehbuch & Dramaturgie

Jane Maggs und Cindy Appel haben – so viel sei an dieser Stelle schon vorweggenommen – das bisher beste Drehbuch der aktuellen dritten “Picard”-Staffel verfasst. Sowohl A- als auch B-Handlung überzeugen über weite Strecken mit einem gelungenen Mix aus starkem Pacing, fesselnder Spannung, cooler Action und starken Charaktermomenten. Neben emotionalem Drama setzt die Folge zudem die ein oder andere humoristische Pointe, was die grundsätzlich eher düstere Atmosphäre zwischendurch in angenehmer Weise auflockert. Außerdem werden sowohl die beiden Staffel-Arcs als auch die Entwicklung der alten und neuen Charaktere stringent vorangetrieben.

Ein Pluspunkt der Episode ist deren kluge Struktur mit klar erkennbarem Spannungsbogen und einem Erzählmotiv, das zu Beginn in einer Rückblende (2381) eingeführt und im weiteren Verlauf immer wieder latent oder dezidiert aufgegriffen wird: Vaterfreuden und Vatersorgen.

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Picard (Patrick Stewart) und Riker (Jonathan Frakes) im Jahr 2381 (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×03 © Paramount).

Der Episodentitel “17 Sekunden” spielt auf Rikers Weg von der Brücke bis zur Krankenstation der damaligen U.S.S. Titan an. Und zwar an jenem Tag, an dem sein erstes Kind – sein Sohn Thaddeus – geboren wurde. Diese Geburt verlief damals nicht komplikationslos, sodass diese 17 Sekunden Riker wie eine halbe Ewigkeit vorkamen. Zwanzig Jahre später ergeht es Picard genauso, als er “plötzlich” Vater wird, wenig später seinen Sohn Jack aber beinahe an den Tod verliert, ohne ihn richtig kennengelernt zu haben.

Wenngleich viele der Dialoge gut geschrieben sind, kann sich auch das Skript zu “17 Sekunden” leider nicht vollumfänglich von gängigen Hollywood-Klischee und mittlerweile überstrapazierten Erzählmustern freimachen. Denn so spannend die Episode auch ist und so sehr ich mich auch über die Rückkehr der Wechselbälger aus “Deep Space Nine” freue: Ich bin solche Geschichten mit “Schläfern” an Bord langsam doch etwas überdrüssig. Was bei “Deep Space Nine” (Eddington) und “Voyager” (Seska, Jonas) noch ein spannendes Novum war, ist in “NuTrek” offenkundig zum Standard geworden. Leider haben “Picard” (Jurati, Commodore Oh, Narissa Rizzo) und auch “Discovery” (Tyler, Lorca) diese Art des Storytellings in den vergangenen fünf Jahren derart häufig praktiziert, dass zumindest bei mir der intendierte Thrill dieser Erzählweise allmählich etwas nachlässt. Man hat das Gefühl: business as usual.

Und auch das an manchen Stellen zutage tretende Lazy Writing, wie beispielsweise dümmliches Wachpersonal oder die Unart, gestandene Sternenflottenoffiziere unsympathisch oder inkompetent erscheinen zu lassen (Dr. Ohk), nur damit unsere Helden in gutem Licht dastehen können, trübt den grundsätzlich positiven Gesamteindruck des Drehbuchs ein wenig ein.

Zudem ist mir eine weitere Sache aufgefallen. Während sich “The Next Generation” oder “Voyager” in solchen “David gegen Goliath”-Gefechtssituationen die Zeit nahmen, das feindliche Schiff ausführlich zu untersuchen, um eventuell einen Schwachpunkt ausfindig zu machen (z.B. TNG 7×01 “Angriff der Borg, Teil 2”, VOY 3×26 “Skorpion, Teil 1”), zeigt uns “17 Sekunden” hier lieber, wie sich Picard und Riker gegenseitig ankeifen. Konflikt statt Kooperation. Drama statt wissenschaftliche Problemlösung.

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Picard und Riker auf der Brücke der Titan. (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×03 © Paramount).

Das führt dann leider auch dazu, dass beide Sternenflotten-Legenden hier ungewohnt unprofessionell wirken. Sie haben eben nicht viel in der Hand, um für ihre unterschiedlichen Ansätze zu werben. Rikers Flucht in das Ungewisse des (vermeintlichen?) Nebels erscheint mir ebenso naiv wie Picards nicht wirklich empirisch belegte These, ein Angriff von hinten sei die beste Chance auf Erfolg. Auf welcher konkreten Basis kommt er zu dieser Erkenntnis? Selbst wenn die Portal-Waffe nicht nach hinten abgefeuert werden kann, so stehen die Chancen der Titan nicht plötzlich bei 50:50.

Wäre “Seventeen Seconds” eine TNG-Folge, hätten sich sowohl Picard als auch Riker ein Täuschungsmanöver überlegt, um Zeit für eine anständige wissenschaftliche Analyse der Portal-Waffe zu gewinnen. Und erst dann hätte man sich eine entsprechenden Plan überlegt. Selbst beim ersten Aufeinandertreffen mit den Borg hat Picard ein Außenteam auf den Kubus geschickt, um zunächst Informationen zu sammeln – trotz der großen Gefahr (TNG 2×16 “Zeitsprung mit Q”). Aber an einem solchen Subplot zeigt das Drehbuch von “17 Sekunden” leider nur geringfügiges Interesse. Bestenfalls Jacks Spürnase (Verterium-Leck) geht in eine solche Richtung.

Es wäre schön, wenn Folge 4 das nachholen könnte. Teamwork und Wissenschaft war immerhin stets die größte Stärke der TNG-Crew gewesen.

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Worf (Michael Dorn) und Raffi (Michelle Hurd) verhören einen Wechselbalg (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×03 © Paramount).

Nichts zu meckern gibt’s derweil an der B-Story. Hört, hört! Ja, dieser Teil der Episode hat mir außerordentlich gut gefallen. Die Kombination Raffi und Worf passt wie die Faust aufs Auge. Dazu an anderer Stelle mehr. Hier aber noch ein Wort zur Handlung:

Wie ich bereits in meiner ersten Rezension schrieb, ist das Aufkommen einer neuerlichen galaktischen Verschwörung nicht gerade innovativ. Das sehe ich immer noch so. Aber als großer “Deep Space Nine”-Fan hat mich die Rückkehr der Wechselbälger natürlich voll abgeholt. Wie könnte es auch anders sein?! Endlich, fast 24 Jahre (!) nach “Das, was du zurücklässt” (DS9 7×25/26), erfahren wir, wie es mit Odo und den Gründern in der “Großen Verbindung” weiterging.

Man kann nur hoffen, dass diese Konspiration, die allerdings mehr zu sein scheint als einfache Rachegelüste der Formwandler, am Ende besser durchdacht ist als die ziemlich lahme Zhat Vash-Story in der ersten Staffel. Mal sehen. 

Was Captain Vadic und deren Motivation betrifft, führt die Episode leider keine weiteren Erkenntnisse zutage. Bis jetzt hat mich dieser Big Bad noch nicht überzeugen können. Ich hoffe, dass man uns hier nicht allzu lange im Unklaren lässt. Auf eine neuerliche Hängepartie, wie etwa in der zweiten Staffel von “Discovery” (Control), kann ich gut und gerne verzichten.

Dafür bietet uns die Schlacht in der Anomalie endlich mal was Neues. Die Portal-Waffe ist eine coole Idee und erinnert mich irgendwie an die Subraum-Tore der Solanogen-Aliens in “In den Subraum entführt” (TNG 6×05).

Charaktere

Picard, Beverly und Jack Crusher

In einem ausführlichen Vier-Augen-Gespräch zwischen Picard und Beverly erfahren wir, was sich nach (und vor?) “Star Trek: Nemesis” zugetragen hat. Picard und Beverly waren ein Paar – und dann doch wieder nicht mehr. Hier wird also eine On-Off-Romanze angedeutet, von der wir nach dem TNG-Finale aber leider nichts mehr zu sehen bekamen. Denn in den Kinofilmen zeigte Picard kein großes Interesse mehr an Beverly, in “Star Trek: Der Aufstand” hatte er vielmehr eine kurze Liebelei mit Anij vom Volk der Ba’ku.

Die Episode beschränkt sich hier leider nur auf das Erzählen dieser Entwicklung, ohne uns eine entsprechende Rückblende zu zeigen. Folglich hat mich diese Szene auch emotional nicht so abgeholt, wie das bei vielen anderen der Fall war. Die Lücke von 29 Jahren seit “Gestern, heute, morgen” (TNG 7×25/26) ist mir dann doch etwas zu groß.

Inwiefern Beverlys Begründung nachvollziehbar ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aufgrund der Tatsache, dass sie selbst einen Großteil ihres Lebens in der Sternenflotte verbracht hat und sie auch ihren Teenager-Sohn Wesley damals auf der Enterprise-D ständigen Gefahren aussetzte, überzeugt mich ihre Einlassung nur bedingt. Ich habe hier fast den Eindruck, dass man ihr eine geringfügig modifizierte Begründung von Dr. Carol Marcus (“Star Trek II: Der Zorn des Khan”) in den Mund gelegt hat. Natürlich hat sie der Tod ihres Mannes und der “Verlust” von Wesley mitgenommen. Aber als langjährige Sternenflotten-Ärztin sollte sie eigentlich damit umgehen können – so wie in den 30 Jahren davor ja auch.

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Picard und Beverly (Gates McFadden) haben 20 Jahre und einen verheimlichten gemeinsamen Sohn aufzuarbeiten (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×03 © Paramount).

Und auch den Verweis auf Picards Probleme mit Kindern finde ich nicht (mehr) so schlüssig, wie die Episode mir als Zuschauer wohl suggerieren möchte. Picard hat in TNG zweifelsohne eine Entwicklung durchlaufen, die seine Beziehung zu Kindern weitestgehend normalisiert hat. Diese Entwicklungslinie lässt sich nach meinem Dafürhalten anhand der Episoden “Die Sorge der Aldeaner“ (TNG 1×17), “Das Herz eines Captains” (TNG 2×17), “Familienbegegnung” (TNG 4×02), “Endars Sohn” (TNG 4×04), “Katastrophe auf der Enterprise” (TNG 5×05) und “Boks Vergeltung” (TNG 7×22) recht gut nachzeichnen. Kurzum: Picard konnte besser mit Kindern (und jungen Erwachsenen) umgehen, als er anfangs selbst von sich glaubte. Und seine herzliche Beziehung zu seinem Neffen René weckte in ihm wohl auch den Wunsch nach einem eigenen Kind (“Star Trek: Treffen der Generationen”). Denn im ersten TNG-Kinofilm hatte ich nicht den Eindruck, dass Picard keine Kinder möchte oder dass er sich die Vaterrolle nicht zutraut. Vielmehr war er deprimiert, weil er (fälschlicherweise) glaubte, dass dieser Zug für ihn bereits abgefahren sei. Daher tue ich mich auch etwas schwer damit, Beverlys Begründung in den Kanon einzuordnen.

Aber sei’s drum. Hier gehen die Meinungen nun einmal auseinander und das ist auch völlig in Ordnung. Ich fand’s okay, aber auch nicht überragend.

Schauspielerisch trumpfen Gates McFadden und Patrick Stewart hier aber voll auf. Nach all den Jahren erkennt man sofort die alte Picard-Crusher-Chemie, auch wenn sie sich im Deutschen nun endlich duzen (was sie von TNG-Folge 1 hätte tun sollen).

Picard & Jack

Die Picard-Jack-Beziehung orientiert sich doch recht auffällig an der Kirk-David-Beziehung in “Star Trek II: Der Zorn des Khan”. Auch hier fehlt mir ein bisschen das Innovative. Ich hätte es viel interessanter gefunden, wenn Beverly Jack verschwiegen (oder angelogen) hätte, wer sein Vater ist. Oder wenn sie ihn davon abgehalten hätte, Picard aufzusuchen. Das wäre mal eine neue Vater-Mutter-Sohn-Dynamik gewesen.

Ich verstehe durchaus die Intention, die hinter diesem Charakter-Arc steht. Vater und Sohn sind sich zunächst fremd, bei Jack besteht sogar eine Antipathie. Im Laufe der Staffel werden sie dann aber sicherlich eine emotionale Bindung aufbauen. Hoffentlich eine, die glaubwürdiger ist als die 180 Grad-Wende von David Marcus im zweiten Kinofilm.

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Jack Crusher (Ed Speleers) ringt zeitweise mit dem Tod (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×03 © Paramount).

Mein Problem: “Star Trek II” hat das eben schonmal erzählt. Ich bin (wie mein Redaktionskollege Christopher Kurtz) einfach der Meinung, dass es keine gute Idee ist (und darüber hinaus auch keine besonders große Autorenleistung), bereits erzählten Stoff in leicht abgewandelter Form einfach zu adaptieren.

Auf den Punkt gebracht: Auch bei diesem Charakter-Arc fehlt mir der Mut, mal völlig neue Wege zu gehen.

Picard & Riker

Neue Wege geht man aber zweifelsohne mit dem Picard-Riker-Charakterbogen. Das gilt es zunächst einmal zu honorieren. Dieser Charakter-Arc fühlt sich indes sowohl richtig also auch irgendwie seltsam an.

Einerseits bin ich einfach nur begeistert davon, wie toll Jonathan Frakes seine Rolle spielt: Seine aufrichtige Freude über Jack als Resultat einer Picard-Crusher-Romanze. Sein anhaltender Schmerz über den Verlust seines eigenen Sohnes, der jetzt ungefähr so alte wäre wie Jack. Und die Art, wie er für Picard den “Counselor” spielt. Die Ehe mit Deanna hat hier also einen spannenden Nebeneffekt. Mich hat diese Riker-Picard-Dynamik an Kirk und Bones erinnert, wobei Riker deutlich mehr Taktgefühl an den Tag legt als der gnadenlos direkte McCoy.

Im Verlauf der Episode kommt es dann allerdings zum Bruch zwischen Riker und Picard, weil man sich uneins darüber ist, wie man bestmöglich aus der Gefahrenlage kommt. Die Intention dieses Konflikts liegt auf der Hand. Die beiden Autorinnen wollen verdeutlichen, dass sich Riker seit seiner Zeit als Picards “Nummer Eins” weiterentwickelt hat. So deutet “17 Sekunden” an, dass Riker nach einem persönlichen Schicksalsschlag – nämlich der bereits erwähnte frühe Tod seines Sohnes – nicht mehr der (risikofreudige) Kommando-Offizier ist, der er früher einmal war. Gleichwohl könnte Rikers nun deutlich defensiverer Kommandostil auch das Resultat eines “normalen” Emanzipations- und Reifeprozesses sein. Denn 2379 übernahm Riker nach 15 Jahren als Picards rechte Hand sein eigenes Kommando, das er zirka zehn Jahre innehatte.

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Captain Riker ist wütend auf Picard (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×03 © Paramount).

Seit einer Woche wird nun im Netz heiß diskutiert, ob Riker hier “out of character” agiert oder nicht. Spekulationen kamen auf, dass es sich hier gar nicht um Will Riker handeln könnte, sondern um dessen Transporter-Double Thomas Riker (von Terry Matalas auf Twitter bereits dementiert). Oder auch um einen Wechselbalg.

Ich habe mir dazu noch keine abschließende Meinung gebildet. Außer, dass ich sowohl Rikers als auch Picards Plan nicht wirklich überzeugend finde. Und dass mir Wills Vorwurf an Picard auch ziemlich unfair und für Riker eher untypisch erscheint. Aber auch Picards offensivere Strategie passt in meinen Augen nicht so ganz zu dem Picard, den wir aus TNG kennen. Captain Picard hat sich im Zweifelsfall (fast) immer für einen Rückzug denn für eine direkte Konfrontation entschieden.

Ich vermute hinter diesen “Charakteranomalien” eine Intention der Autorinnen, die in dieser Folge allerdings noch nicht aufgelöst werden. Deshalb muss auch die Bewertung dieses Konflikts auf die nächste Rezension vertagt werden.

Seven of Nine

Seven ist von Shaw nun doch auf ihr Quartier verbannt worden. Da der Captain wegen einer schweren Verwundung aus dem Spiel genommen wird, ruht vorerst auch diese konfliktträchtige Beziehung. Dafür wird immer deutlicher, dass es Seven in nur kurzer Zeit gelungen zu sein scheint, das Vertrauen und die Sympathie eines großen Teils der Titan-Crew zu gewinnen. Insbesondere Ensign La Forge hat einen netten Dialog mit Seven, der dies unterstreicht.

Sevens Charakterentwicklung ist sicherlich ein großer Pluspunkt der Serie. Auch wenn mir manche Aspekte in Staffel 1 missfielen, so hat sie seit dem Ende von “Voyager” insgesamt doch eine interessante und nachvollziehbare Entwicklung durchlaufen.

Raffi & Worf

Die Paarung Worf und Raffi ist für mich das Highlight der Episode. Diese Kombination passt einfach – und hat den positiven Nebeneffekt, dass Raffis nervige Attitüden deutlich weniger ins Gewicht fallen als in den ersten beiden Staffeln.

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Michael Dorn als Worf (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×03 © Paramount)

Worf hat indes eine interessante Entwicklung durchlaufen, die ich momentan noch nicht vollständig zu erfassen vermag. Also Pazifist ist er definitiv nicht. Aber dafür hat er an seinem Temperament gearbeitet und die Macht der Psychologie für sich entdeckt. Gänzlich humorlos war Worf zwar noch nie, aber seine Pointen sind mittlerweile so treffsicher wie seine Hiebe mit dem neuen Kur’leth-Schwert. Mir gefällt’s! 

Zudem merkt man, dass Michael Dorn seine Rolle über die Jahre wirklich verinnerlicht hat, der Figur aber dennoch auch noch neue Impulse geben kann. In den nächsten Folgen bitte noch mehr von diesem neuen, ultracoolen Worf!

Inszenierung

Jonathan Frakes hat diese Episode inszeniert und das merkt man wirklich von der ersten bis zur letzten Sekunde. Dieser Mann kann sowohl Actionsequenzen als auch Charakterszenen hervorragend umsetzen. Pacing, Schnitte, Montagen – das alles wirkt wie aus einem Guss. In Kombination mit den starken Spezialeffekten und der abermals stimmungsvollen Musik ist “17 Sekunden” formal betrachtet nahezu perfekt.

Das einzige visuelle Ärgernis ist und bleibt die (für mich unverständlich) schwache Belichtung der Szenerie. Früher war mehr Lametta.

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Episoden-Infos

SerieStar Trek: Picard
Episoden-Nummer23 (Staffel 3, Folge 3)
OriginaltitelSeventeen Seconds
Deutscher Titel17 Sekunden
Story & DrehbuchJane Maggs & Cindy Appel
RegieJonathan Frakes
US-Erstausstrahlung2. März 2023
DE-Erstausstrahlung3. März 2023
Laufzeit56 Minuten
Datum (In-Universe)2401

SPOILER: Fotos und Videos zu “Star Trek: Picard” – Folge 3×04

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Wissenschaftsoffizierin T'Veen
Wissenschaftsoffizierin T'Veen

Der offizielle Trailer zur “Picard”-Episode 3×04 “No Win Scenario” wurde kürzlich auf StarTrek.com veröffentlicht. Die Kollegen von TEASER TRAILER auf Dailymotion durften eine HD-Kopie des Trailers auf YouTube veröffentlichten, den wir hier an dieser Stellen einbetten wollen:

Sneak Peak

Auch ein sogenanntes Sneak-Peak-Video, also die Vorschau einer ganzen Szene, ist online.

Achtung, Spoiler! Sie zeigt einige Momente, die vermutlich die ersten in “No Win Scenario” sein werden. Die Brückencrew kommuniziert über die Lage, Riker gibt Befehle, die Situation verbessert sich nicht unbedingt.

Promobilder

Auf StarTrek.com gingen wie immer im Vorfeld Promobilder zur kommenden Episode online. Hier eine Auswahl:

© Trae Patton/Paramount+. ©2021 Viacom, International Inc. All Rights Reserved.

Rezensionen und Podcast

Das TrekZone Network veröffentlicht für jede Episode drei Reviews:

Unser On-Screen-Podcast erscheint wöchentlich und versteht sich als Audiokommentar-Spur zur jeweils aktuellen “Picard”-Episode. Darin bespricht unsere Redaktion eine “Star Trek”-Folge, während sie sie schaut. Alle On-Screen-Podcasts haben eine Vor- und Nachbesprechung. Der Hauptteil jedoch ist immer die “Kommentartonspur”, also das On-Screen-Erlebnis: Hörer:innen und Sprecher:innen schauen die ganze Episode gemeinsam, drücken zusammen auf den PLAY-Button: “Drei, zwei, eins, PLAY!” Unser On-Screen-Format eignet sich besonders für Trekkies, die neue Episoden gerne mehr als einmal schauen.

Eine Übersicht aller Podcasts des TrekZone Networks findet ihr hier.

Rezension: “Descent – Die Tore von Thelgrim”

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Ein neuer Roman aus der Fantasy-Welt.

Inhalt (Klappentext)

Ein widerwilliges Trio muss eine geheimnisvolle Stadt zu untersuchen und dabei gegen ein dämonisches Unwesen kämpfen – ein atemberaubender Roman aus dem Descent-Universum.   Als drei verschiedene Abenteurer angeheuert werden, um die Versiegelung von Thelgrim, der großen Zwergenstadt, zu untersuchen, haben alle drei Bedenken. Einer von ihnen ist ein gesuchter Verbrecher und die beiden anderen wollen nicht zusammenarbeiten – aber bei so einer Bezahlung kann man schlecht ablehnen. Als sich die drei auf einem geheimen Weg nach Thelgrim begeben, ahnen sie nicht, was sie dort erwartet. Terrinoth befindet sich im Umbruch und neue Bedrohungen lauern in der Dunkelheit.

Kritik

Robbie MacNiven hatte ja bereits das Erste Buch zu Descent (Die Verdammung von Falbhain) geschrieben und damit einen sehr soliden Start in die Reihe hingelegt. Auch wenn die Bücher nichts miteinander zu tun haben, konnte man eigentlich durchaus der Vorfreude sein. Leider hat sich diese im vorliegenden Fall in das dramatische Gegenteil verkehrt.

Rezension: "Descent - Die Tore von Thelgrim" 16

In der folgenden Rezension wird es, anders als in meinen anderen Rezensionen, zu vermehrten Spoilern kommen. Die sind an dieser Stelle nötig, um zu erklären, warum der Roman nichts Besonderes ist. Solltet ihr also vorhaben, das Buch noch zu lesen, solltet ihr erwägen, an dieser Stelle aufzuhören zu lesen.

Noch da? Gut, dann möchte ich an dieser Stelle auf eine Serie verweisen. Das hat jetzt zwar nichts mit dem Buch an sich zu tun, aber wer “The Walking Dead – World beyond” geschaut hat, der weiß, das sich die Handlung der Serie in einem Satz zusammenfassen lässt: Jugendliche gehen durch die Landschaft und reden. So in etwa kann man nämlich auch die Story des Romans zusammenfassen: Die Helden laufen durch Tunnel und reden.

Um das Ganze mal etwas aufzudröseln, will ich an der Stelle mal versuchen, die Handlung nachzuerzählen. Die Helden treffen sich ein einer Taverne, gehen dann zur Zwergenstadt, gehen durch Tunnel, reden mit Zwergen, fliehen durch Tunne, kämpfen etwas, gehen durch Tunnel, Endkampf. Das wäre vielleicht noch nicht so schlimm, wenn die Gespräche, die dabei geführt werden würden, wenigstens etwas Tiefgang hätten. Zwar erfährt man von dem ein oder anderen Charakter noch etwas über seine Vergangenheit, aber bis kurz vor Ende misstraut man sich eigentlich noch, so das die Gespräche kaum was gebracht haben, während man am Ende dann quasi Friede, Freude, Eierkuchen ist. Ihr merkt schon, die Story plätschert leider über weite Teile nur so vor sich hin. Gleiches gilt auch für die Charaktere, die zwar schöne Hintergründe haben, aus denen aber zuwenig gemacht wird. Shiver und Astarra etwa hatten eine schwere Vergangenheit, aber das ist am Ende eigentlich egal, weil es weder den Charakteren noch der Handlung hilft – und sie uns als Leser auch nicht näher bringt.

Na schön, zugegeben, zwischen den einzelnen “Tunnelgängen” passiert auch noch das ein oder andere. Eben die Kämpfe. Oder eine Gerichtsverhandlung. Die ist aber leider irgendwie genauso sinnlos. Doch dazu kommen wir gleich. Unsere Helden werden also in die Titelgebende Stadt Thelgrim geschickt, um ein Artefakt zu holen. Die Stadt ist aber abgeriegelt, weil eben jenes Artefakt gestohlen wurde. Und unsere drei Helden bekommen sogleich die Schuld daran. Und das ist halt mehr als dämlich, denn unsere Helden sind einen Monat unterwegs, als sie in die Stadt kommen. Also warum sollten sie nach der langen Zeit zurückkommen, wenn sie wirklich die Schuldigen wären? Selbst wenn ich an der Stelle einberechne, das man sagen könnte, sie waren halt im Tunnellabyrinth verloren oder das es nur eine Ablenkung durch die Bösewichte sein sollte, ist das doch etwas schwer zu schlucken.

Apropos Bösewicht. Die Helden sind ja unschuldig, wie der Leser weiß. Es muss also einer der anderen sein. Und da gibt es drei Zwerge, die sich hervortun: Der König, die Stadtwache Bradha und die beiden Zwillinge (genau genommen sind es also vier). Da es der König kaum sein wird, bleiben nicht mehr soviele Hintermänner übrig. Da besagte Charaktere auch immer nur kurze Auftritte haben, kann man eigentlich nicht wirklich “mitraten” und weiß schon nach kurzer Zeit, das hier ein Bösewicht “aus dem Hut gezogen” werden wird. Und wer ist am Ende der Bösewicht? besagte zwei Zwillinge, die unseren Helden von Beginn an feindlich gegenüberstehen und sie bei jeder Gelegenheit angehen. Mehr Klischee geht halt an der Stelle nicht.

Aber zunächst ist da ja noch der Diebstahl des Artefakts. Die Helden werden etwa ab der Hälfte getrennt und Zwergensohn Raythen wird der Prozess gemacht. Der ist zu der Zeit mit einem Erfinder zusammen in Haft, der eigentlich der Auftraggeber der Helden ist. Und Raythen beruft sich auf ein altes Ritual, bei dem einem so lange Steine auf den Bauch gelegt werden, bis man tot ist oder gesteht. Das Gegenüber ist dann unschuldig. An der Stelle muss halt auch die Frage erlaubt sein, was eigentlich Raythens Plan ist? Den Erfinder töten um davon zu kommen? Zu jenem Zeitpunkt weiß Raythen noch gar nicht, das der mitschuldig ist. Also ja, große Überraschung – der Erfinder ist tatsächlich mitschuldig am Diebstahl (zusammen mit den Zwillingen). Deren einziger Plan ist es, Chaos zu verbreiten, viele Leute zu töten und Thelgrim zu zerstören. Dazu wollen sie das unterirdische Reservoir anbohren und die Stadt überfluten…. na steigt ihr noch durch?

Dafür hätten sie aber das Artefakt eigentlich nicht gebraucht, die neue Bohrmaschine hätte gereicht. Insofern war ihr Plan, die Helden herzulocken um sie als Ablenkung zu nutzen genauso dämlich. Da hätte es voll gereicht, die Tiefenelfen, die da auch noch rumschleichen, zu bemühen. Aber auf die musste man die Zwerge ja mit der Nase stoßen. So oder so, eigentlich hätten sie das Artefakt nicht gebraucht, denn ohne die Helden hätten sie ihren Plan einfach umsetzen können. Aber macht nix, Raythen entkommt am Ende mit dem Artefakt und alles ist gut. Oder nicht? Tja, anscheinend hatte er doch einen Plan und war irgendwie doch der Dieb (obwohl ers zuerst nicht war). Geheimer Plan oder Gaunerei? Diese Frage stellen sich am Ende auch die Helden… und entfleuchen in eine etwaige Fortsetzung.

Und den (kurzen) unspektakulären Endkampf erwähne ich an der Stelle gar nicht. Ihr merkt schon, die Story hat derart viele Löcher, das es wirklich kein Spaß ist, sich durch diesen Roman hindurch zu quälen.

Kostümdesign: Drei CAFTCAD-Awards für “Strange New Worlds”

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CAFTCAD 2023: Auszeichnungen für das Kostümdesign von "Strange New Worlds"
CAFTCAD 2023: Das Designteam von "Strange New Worlds" erhielt drei Preise: für das beste Textilhandwerk, das beste Bauhandwerk und das beste Kostümdesign.

Man mag von NuTrek halten was man möchte, doch vor dem Kostümhandwerk der neuesten Serien gilt es den Hut zu ziehen. So sieht das auch die Kanadische Allianz für Film- und Fernsehkostümkunst und -design (Canadian Alliance of Film and Television Costume Arts and Design: CAFTCAD). Am Sonntagabend feierte sie bei einer Gala in Toronto herausragende einheimische Künstler aus den Bereichen Film, Fernsehen und Digitalproduktion. Sie würdigte das Designteam von “Strange New Worlds” mit drei Preisen: für das beste Textilhandwerk, das beste Bauhandwerk und das beste Kostümdesign.

On Screen! Unsere Echtzeitbesprechung zu Star Trek: Picard 3×03 “Seventeen Seconds”

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Raffi in "Seventeen Seconds" (Szenenphoto: Paramount)
Raffi in "Seventeen Seconds" (Szenenphoto: Paramount)

Lasst uns gemeinsam “Seventeen Seconds” schauen! Holt euch Matthias, Michael und Janik ins Haus, um nochmal mit viel unnützem Wissen im Gepäck die dritte Folge der dritten Staffel “Star Trek: Picard” zu gucken. Wir schwärmen und lästern über Lieblingsszenen, analysieren Themen, Anspielungen und Easter Eggs und geben euch auch bemerkenswerte Infos und Triva über die Geschehnisse hinter der Kamera.

Erstrezension: “Star Trek: Picard” 3×03 – “17 Sekunden”

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Shrike und Titan in "Seventeen Seconds" (Szenenphoto: Paramount)
Shrike und Titan in "Seventeen Seconds" (Szenenphoto: Paramount)

In der dritten Folge der aktuellen Staffel kommt es zum Showdown zwischen der Titan und der Shrike. Außerdem ermitteln Worf und Raffi weiterhin in der Unterwelt von M’talas Prime. Lest hier die SPOILER-Rezension von Tom Götz.

“Discovery”: Das Ende naht

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Callum Keith Rennie in "Star Trek: Discovery"
Callum Keith Rennie in "Star Trek: Discovery"

Die Dreharbeiten der fünften und letzten Staffel sind größtenteils abgeschlossen. Sie soll Anfang 2024 ausgestrahlt werden und wird ein neues Castmitglied haben: TV-Veteran Callum Keith Rennie.

“Discovery” startete 2017 als Versuch einer neuen Ära: die Serie sollte dem Franchise Antrieb verleihen und den Streaming-Dienst “CBS All Access” auf den Weg bringen. Im Fahrwasser von “Discovery” entstand eine Vielfalt weiterer Trek-Projekte: “Lower Decks”, “Prodigy”, “Strange New Worlds” und “Picard”. Die Nachricht, dass die fünfte die finale Staffel werden wird, folgt der Bestätigung von Paramount+, dass auch “Star Trek: Picard” mit der dritten die letzte Staffel erlebt.

Statements der Produzenten

Das “Discovery”-Team gab Erklärungen ab. Die ausführenden Produzenten und Co-Showrunner Alex Kurtzman und Michelle Paradise z.B. schrieben: “Wir sind lebenslange Fans von ‘Star Trek’. Es war uns eine große Ehre und ein Privileg, ‘Discovery’ mit in die Welt zu bringen. Wir könnten nicht stolzer darüber sein, was ‘Discovery’ zum Trek-Vermächtnis beigetragen hat, insbesondere was Repräsentation betrifft: Wenn auch nur ein einziger Mensch sich selbst oder die eigene Zukunft auf eine neue Art sehen kann, so denken wir, dass wir Gene Roddenberry sehr stolz gemacht haben.”

Produzentin und Hauptrolle Sonequa Martin-Green schrieb: “Ich bin gesegnet, Captain Michael Burnham gespielt haben zu dürfen — und an einem Vermächtnis beteiligt gewesen zu sein mit einer außergewöhnlichen Besetzung, einer phänomenalen Crew und einem bemerkenswerten Autorenteam. Unseren Partnern im CBS Studios und bei Paramount+, die darauf bestanden, Fernsehgeschichte zu schreiben, bin ich zutiefst dankbar.”

Der Twitter-Avatar von Anson Mount ("Strange New Worlds")

Auch Anson Mount von “Strange New Worlds” meldete sich zu Wort: “Meine liebste Discovery-Familie, ihr habt die Sterne weit jenseits der Grenzen unserer Vorstellungskraft erkundet. Damit habt ihr eure Aufgabe erfüllt: Ihr habt viele Leben verändert, auch meines. Ich liebe euch, für immer.”

My Dearest Discovery Family,

You have charted the stars far beyond where our imaginations had ever taken us. In so doing, you have accomplished the mission: you have changed many lives, including mine. I love you, always.

– Captain Christopher Pike
USS Enterprise, NCC-1701 https://t.co/zLUj7eYGZk

— Anson Mount (@ansonmount) March 3, 2023

    Hintergründe zur Absetzung

    Ende Februar 2023 hatte Naveen Chopra, Paramount Global CFO, auf einer Investorenkonferenz mitgeteilt, dass das Unternehmen aufgrund der Fusion der Produktionsfirmen bzw. Streamingdienste Paramount+ und Showtime im Jahr 2024 weniger für Inhalte ausgeben könnte als zuvor prognostiziert. Es ist davon auszugehen, dass die Entscheidungen, “Picard” und “Discovery” nicht weiter zu finanzieren, davon beeinflusst wurden.

    “Strange New Worlds” bleibt?

    Wir erlauben uns zu erwarten, dass die Absetzung von “Discovery” und “Picard” dem Spin-Off “Strange New Worlds” eine Zukunft sichert. Laut Paramount+ war “Strange New Worlds” in den ersten 90 Tagen die meistgesehene neue Trek-Serie auf dem Dienst und ist damit wohl ein Hoffnungsträger. Es ist zudem noch nicht allzu lange her, dass Paramount einen eigens für den US-amerikanischen Super Bowl produzierten Werbespot finanzierte, in dem Captain Pike vorkommt. Die Vorproduktion der dritten Staffel von “Strange New Worlds” läuft bereits, die Dreharbeiten beginnen im Mai 2023. Wann Staffel 2 bei Paramount+ veröffentlicht wird, verbleibt unklar.

    Weitere Spin-Offs?

    Patrick Stewart und Jonathan Frakes ließen erst kürzlich im Gespräch mit emmy magazine durchblicken, dass sie weiteren “Star Trek”-Produktionen nicht abgeneigt sind; die dritte Staffel von “Picard” sei zwar anstrengend gewesen, habe sich aber gelohnt. Showrunner Alex Kurtzman deutete darüber hinaus bereits vor einem Jahr die Entwicklung eines weiteren Spin-Offs an, “Star Trek: Academy”, das sich auf eine abermals neue Generation junger Kadetten konzentrieren werde. Kurtzman ist einer der antreibenden Kräfte bei Paramount Global und hat durch seinen Vertrag mit CBS Studios auch außerhalb des Franchises diverse Produktionen für Paramount geliefert. Er unterzeichnete 2021 seinen zweiten neunstelligen Gesamtvertrag mit CBS Studios.

    “Discovery”: Season 5

    Die Rahmenhandlung der Anfang 2024 auf Sendung gehenden finalen Episoden ist bekannt: In Staffel 5 kommt die Crew der Discovery einem ‘Geheimnis’ auf die Spur, das sie auf eine recht weite Reise schicken wird. Es gilt eine uralte Macht zu finden, deren Existenz jahrhundertelang verborgen worden war.

    Zur Besetzung von “Discovery” gehören ein letztes Mal Sonequa Martin-Green (Captain Michael Burnham), Doug Jones (Saru), Anthony Rapp (Paul Stamets), Mary Wiseman (Sylvia Tilly), Wilson Cruz (Dr. Hugh Culber), David Ajala (Cleveland “Book” Booker) und Blu del Barrio (Adira). Neu an Bord ist Callum Keith Rennie (Rayner).

    Der Trailer

    Kurzrezension: Star Trek: Picard 3×03 – “Seventeen Seconds”

    "Star Trek: Picard" © Paramount

    Die dramatische Konfrontation mit der Shrike geht in die nächste Runde. Lest hier unsere spoilerfreie Rezension zu Episode 3×03 “Seventeen Seconds”.


    Was meinen wir mit “spoilerfrei”?

    Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was “spoilerfrei” bedeutet. Damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr die Rezension vorab lesen möchtet, machen wir hier transparent, was wir darunter verstehen:

    • Wir verraten keine wichtigen und unerwarteten Wendungen der Handlung bzw. Informationen über die fiktiven Welt und ihre Figuren.
    • Was im Vorfeld durch Vorschauclips und Trailer gezeigt wird, ist kein Spoiler.
    • Was im Cold Open (vor dem Vorspann) bzw. im ersten Akt (bei Episoden ohne Cold Open) passiert, ist kein Spoiler.
    • Handwerklichen Aspekte (Schauspiel, Drehbuch, Bühnenbild, Soundtrack, Spezialeffekte) sind keine Spoiler, sofern sie nichts Wichtiges über die Handlung verraten.

    Seventeen Seconds

    Nachdem Jack Crusher nicht an Captain Vadic ausgeliefert wurde, beginnt Letztere eine Hatz auf die U.S.S. Titan, die sich in jeder Hinsicht unterlegen immer tiefer in einen unerforschten Nebel zurückziehen muss. Picard und Crusher haben 20 Jahre Geschichte aufzuarbeiten, während Raffi und Worf weiter nach den Drahtzieher:innen des M’talas-Anschlags fahnden.

    Handlung

    Das Ende von “Disengage” liefert die Ausgangsbedingungen für eine klassische U-Boot-Jagd im Stile von “Balance of Terror”, “The Wrath of Khan”, “Insurrection” oder “Memento Mori”. Glücklicherweise ist “Seventeen Seconds” kein Remake dieser bekannten Vorlage und somit auch keineswegs vorhersehbar.

    Der Kampf gegen die Shrike ist zwar ein wichtiger, aber nicht der entscheidende Aspekt der Story. Captain Vadics Angriffe auf die Titan sind vielmehr der Katalysator für die Handlung auf der Titan.

    Picard und Chrusher in "Seventeen Seconds" (Szenenphoto: Paramount)
    Picard und Dr. Crusher in “Seventeen Seconds” (Szenenfoto: “Star Trek: Picard” 3×03 © Paramount)

    Zunächst der Elefant im Raum: Jack ist Picards Sohn. Sicherlich haben viele Zuschauer:innen berechtigte Sorge, wie dieser Teil des Plots erklärt und gehandhabt wird. Und ganz offensichtlich wussten das auch die Autorinnen Jane Maggs und Cindy Appel. Es freut mich, zumindest für den Moment festzuhalten, dass “Seventeen Seconds” diese Herausforderung meistert. Jack Crusher wird für mich plausibel in die Kontinuität der Serie eingeführt, ohne dass wir einen unglaubwürdigen Retcon schlucken müssen.

    In einem zweiten Handlungsstrang der Folge werden Picard und Riker in eine sehr ungewohnte Lage gebracht. Die wachsende Bedrohung durch die Shrike und die schwindenden Ressourcen der Titan setzen die beiden und ihre Beziehung unter Druck. Auch wenn sich die Episode vordergründig am Kampf zwischen zwei Raumschiffen abarbeitet, geht es doch in Wirklichkeit um den wachsenden Konflikt auf der Brücke.

    Picard und Riker in "Seventeen Seconds" (Szenenphoto: Paramount)
    Picard und Riker in “Seventeen Seconds” (Szenenfoto: “Star Trek: Picard” 3×03 © Paramount)

    Im dritten Handlungsstrang auf der Titan bilden Jack Crusher und Seven of Nine ein Team der Außernseiter:innen, über deren Mission ich aus Spoilergründen keine Details verraten kann. Nur so viel: In dieser Episode wird erstmals in Ansätzen erkennbar, dass der Terroranschlag auf M’talas Prime und Captain Vadics Shrike in Verbindung zueinander stehen. Was besonders schön ist: Regisseur Jonathan Frakes hält sich an das Prinzip “show, don’t tell”. Eingefleischte Trekkies haben eine Chance, zu erkennen, was vor sich geht, bevor es ein paar Szenen später ausgesprochen wird. So belohnt man jahrzehntelange Treue.

    Und damit wird auch die B-Handlung (abermals in der Unterwelt von M’talas Prime) gegen Ende interessant. Das hat nicht nur (aber auch) damit zu tun, dass Michael Dorn als Worf in Fleisch und Blut auf der Bildfläche erscheint. Auch die Ermittlungsarbeit wird endlich spannend. Nämlich als klar wird, dass “Seventeen Seconds” eine bedeutsame Verbindung zum etablierten “Star Trek”-Kanon hat. Die Enthüllung ist extrem wirkungsvoll und ein bisher gut gehütetes Geheimnis, auf das uns Trailer erfreulicherweise nicht vorbereitet haben. Die Kanonverbindung ist sinnvoll, glaubwürdig und schraubt ordentlich an der Fallhöhe dieser dritten Staffel. Gleichwohl bin ich froh, dass wir offenbar mit dieser Episode endlich M’talas Prime verlassen können.

    Charaktere und Dialoge

    “Seventeen Seconds” ist für mich das bisherige Highlight dieser Staffel. Und das hat ganz wesentlich mit der ersten größeren Szene zwischen Stewart und McFadden zu tun, in der beide mit unglaublicher Intensität aufspielen. Das fühlt sich alles wahrhaftig, aufrichtig und angemessen an. Was in diesen fünf Minuten an Emotionen vom Bildschirm ins Wohnzimmer schwappt, ist einfach großartig.

    Picard und Chrusher in "Seventeen Seconds" (Szenenphoto: Paramount)
    Picard und Crusher in “Seventeen Seconds” (Szenenfoto: “Star Trek: Picard” 3×03 © Paramount)

    Selbst wenn “Picard” es wieder einmal nicht schaffen sollte, die Staffel zu einem befriedigenden Abschluss zu bringen, so muss ich ehrlich sagen: Allein für diese Szene hat sich der Aufwand dieser drei Staffeln mit all ihren Problemen und Tiefpunkten gelohnt. Ich hatte mit wohligen Nostalgiemomenten gerechnet. Aber nicht damit, dass mich McFadden mit ihrer ersten große Dialogszene bewegt und sprachlos zurücklässt.

    Nicht nur Picard und Crusher müssen ihre Beziehung in dieser Episode auf neue Füße stellen, auch Picard und Riker werden durch die Umstände in eine ungewohnte Dynamik geworfen. Eine Dynamik, die die Grenzen ihres gegenseitigen Vertrauens und ihrer langen Freundschaft auslotet. Im Gegensatz zur Crusher-/Picard-Paarung finde ich diesen Konflikt, der sich im Laufe der Folge zuspitzt, unglaubwürdig, schlecht motiviert und unnötig. Zwischen Picard und Riker sollte eigentlich kein Blatt passen – gerade in einer Stresssituation, in der es um Leben und Tod geht. Leider ist die unglaubwürdige Entwicklung zwischen den beiden die große Enttäuschung dieser Episode.

    Ein überraschend gutes Doppel geben indes Raffi Musiker und Worf ab. Beide stellen einen schönen Persönlichkeitskontrast dar und haben zudem eine tolle Chemie. Diese Figuren verbindet mehr, als es auf den ersten Blick erscheint. Die Good Cop/Bad Cop-Dynamik in einem Verhör, bei dem der Klingone das freundlichere Gesicht verkörpert, ist Gold wert. Ebenso wie Worfs trockene One-Liner, mit denen er Raffis Sarkasmus ins Leere laufen lässt.

    Raffi in "Seventeen Seconds" (Szenenphoto: Paramount)
    Raffi in “Seventeen Seconds” (Szenenphoto: Paramount)

    Positiv aufgefallen sind mir zudem verschiedene kleinere Szenen. Ashlei Sharpe Chestnut als Sidney La Forge besucht die vom Dienst suspendierte Seven of Nine und entwickelt sich mit nur wenigen Dialogzeilen zu einer echten Sympathieträgerin. Auch eine kleine Szene zwischen Jonathan Frakes’ Will Riker und Ed Speleers’ Jack Crusher gehört zu den kleinen Highlights der Folge.

    Todd Stashwick hat wegen einer Drehbuchvolte diese Episode nicht so viel zu tun, wie man annehmen könnte. Aber nach einer schwächeren Vorwoche darf sein Captain Shaw dennoch kurz auftrumpfen und zeigen, dass er nicht umsonst auf dem Stuhl in der Mitte sitzt.

    Durch den starken Fokus auf die Geschehnisse auf der Titan müssen wir aber leider auf eine signifikante Szene mit Amanda Plummers Captain Vadic verzichten. Diese beschränkt sich aufs Rauchen und das gelegentliche Erteilen von Feuerbefehlen.

    Inszenierung

    Jonathan Frakes steht sowohl für “Seventeen Seconds” als auch für die vierte Episode (“No Win Scenario”) als Regisseur am Ruder. Und in dieser Folge nimmt er das Drehbuch mit vielen starken Szenen auch dankend an, was sich in einer tadellosen und mitreißenden Umsetzung widerspiegelt.

    Das einzige, was gegen die Wirksamkeit der Episode arbeitet, ist wohl die Erwartungshaltung, es mit einem dichten U-Boot-Thriller im Stile von “Memento Mori” zu tun zu bekommen. Ja, “Seventeen Seconds” hat entsprechende Elemente, und die Weltraumhatz spielt auch eine wichtige Rolle. Entscheidend und spektakulärer ist aber, was zwischen den Charakteren passiert. Und da kitzelt Frakes aus seinen alten und neuen Co-Stars wirklich sehenswerte Leistungen heraus.

    Diese Episode ist für mich, wie bereits gesagt, die Rechtfertigung dafür, die alte Garde noch einmal so spät in ihrer Karriere für “Star Trek: Picard” vor die Kamera gestellt zu haben. Auch wenn der Funke in den ersten beiden Staffeln nie so richtig zünden wollte: Hier gelingt es. Denn Frakes animiert sein Ensemble zu einem echten Feuerwerk.

    Shrike und Titan in "Seventeen Seconds" (Szenenphoto: Paramount)
    Shrike und Titan in “Seventeen Seconds” (Szenenphoto: Paramount)

    Ein Feuerwerk gibt es aber nicht nur zwischen den Figuren, sondern natürlich auch im Weltraum. Auch wenn sich schon einige “Star Trek”-Raumschiffe durch wabernde Nebel verfolgt haben, sah das noch nie so gut aus wie in “Seventeen Seconds”. Die diffusen Lichtverhältnisse sind für die hochglänzenden Raumschiffmodelle vorteilhaft, sodass der “Blechbüchsen-Look” der letzten Episode dieses Mal weniger prominent heraussticht. Stattdessen gibt es schicke Lichteffekte in den farbigen Wolkenfeldern sowie dynamische Flugakrobatik.

    Neben der rein optisch tadellosen Präsentation fährt die Episode, wie bereits “Disengage” vor ihr, ein paar coole Ideen auf, um die üblichen Muster dieses “Star Trek”-Untergenres aufzulockern und frisch zu halten.

    Beobachtungen

    Jack und Beverly Chrusher in "Seventeen Seconds" (Szenenphoto: Paramount)
    Jack und Beverly Crusher in “Seventeen Seconds” (Szenenfoto: “Star Trek: Picard” 3×03 © Paramount)
    • Zeitdauern (ohne Zusätze) als Episoden- und Filmtitel sind allgemein recht weit verbreitet. Beispielsweise hieß die erste reguläre Episode von “Battlestar Galactica” (2003) “31 Minutes”, ein Kennedy-Drama heißt “Thirteen Days” und “36 Hours” ein Kriegsthriller von 1965. Für “Star Trek” ist es nach “Thirty Days” in “Voyager” erst das zweite Mal, dass die Episode nur mit einer Zeitdauer betitelt ist.
    • De-Aging ist ein visueller Effekt, der nicht zu den Stärken von “Picard” gehört. Ich freue mich schon auf die Fan-Remakes der Flashback-Sequenz.
    • Wir sehen im Flashback schon wieder eine neue Uniform-Variante, diesmal vom in “First Contact” eingeführten Schnitt. Die wörtliche Bedeutung von “Uniform” scheint bei der Sternenflotte langsam in Vergessenheit zu geraten…
    • Ich finde es sehr seltsam, dass die Crew keinerlei Initiative zeigt, die ungewöhnlichen Eigenschaften des Nebels genauer zu untersuchen, obwohl die Titan doch angeblich ein “Exploratory Vessel” ist. Seltsam, dass man einen potentiellen taktischen Vorteil links liegen lässt. Stattdessen Shaw: “Das ist lustig. Will sonst noch wer merkwürdigen Scheiß nach mir werfen?” (frei übersetzt basierend auf Englischen Sprachfassung)
    • Wie häufig haben wir es schon in “Star Trek” gehört (oder gedacht), dass einfach mal jemand aus dem Fenster gucken sollte? Wie erfrischend, dass Shaw dazu tatsächlich mal die Order erteilt!
    • Es wundert mich, dass weder Riker noch Picard auf die Idee kommen, die Hilfe von Seven of Nine in der sich eskalierenden Krisensituation zu suchen. Schließlich hat die Staffelpremiere klar gezeigt, dass zumindest Picard das Wissen um aktuelle Protokolle und Schiffsspezifikationen gut gebrauchten könnte.
    • Worf spielt zum Mok’bara-Training den “Chanson d’Hylas” aus der Oper “Les Troyens” von Hector Berlios. Das Stück war bereits schon einmal in “Star Trek” zu hören. Picard starrt zu den selben Takten in “First Contact” aus dem Fenster seines Bereitschaftsraumes.
    • Worf stellt sich nicht nur als “Sohn des Mogh” vor, sondern auch als Sohn seiner Adoptivfamilie (und noch ein paar netten weiteren “Referenzen”).
    • Köpfungen finden Mittwochs statt. Worf war schon immer der heimliche Klassenclown.
    • Worf besitzt noch seinen alten “Cobrahead”-Phaser vom Typ 2, wie er auf der Enterprise-E in “Nemesis” verwendet wurde.
    • Titus Rikka wird von Thomas Dekker gespielt, am besten bekannt als John Connor aus “The Sarah Connor Chronicles”, aber auch schon mit mehreren Nebenrollen in “Star Trek”
    • Der große Twist über die Hinterleute des M’talas-Anschlages und die Verbindung zu den Geschehnissen im Ryton-System kann immer noch nicht die komplette Story sein. Captain Vadic und ihre Crew scheinen einer anderen Fraktion anzugehören und eigenen Motiven zu folgen.
    • Die Episode reinterpretiert in diesem Kontext einen bekannten visuellen Effekt. Wobei ich mir wie häufig unschlüssig bin, ob diese neue und mutmaßlich teurere Umsetzung wirklich eine Verbesserung zur Originalversion darstellt.
    • Riker befiehlt “alles, was wir haben”, abzufeuern. Warum sind das nur vier Torpedos und keine Phaser?
    • Zwei Photonentorpedo-Merkwürdigkeiten: Erstens konnte Tasha Yar in “Encounter at Farpoint” sie noch so programmieren, dass sie in bestimmter Entfernung zum Schiff/Ziel detonieren, das scheint nicht mehr möglich. Zweitens konnte Malcom Reed in “Fight or Flight” Torpedos nach dem Abfeuern ebenfalls noch den Befehl für eine vorzeitige Sprengung übermitteln, auch das scheint man im 25. Jahrhundert verlernt zu haben.
    Cover für "On Screen!", dem Podcast mit Echtzeit-Folgenbesprechungen

    On Screen: Serien-Podcast

    Schaut mit uns gemeinsam, holt euch die Redaktion des TrekZone Networks auf die Fernsehcouch! Zu jeder Folge “Picard” gibt es bei uns einen Live-Kommentar. Wir klicken zur selben Zeit auf PLAY, und los geht’s!

    Wartet nicht auf DVDs oder Blu-rays, bei uns werdet ihr direkt mit unnützem Wissen, Hintergrundinformationen und wilden Fantheorien versorgt.

    Hier entlang zum Hören!

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    Mit Rücksicht auf die Leser:innen, die die Episoden noch nicht gesehen haben, bitten wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag auf Spoiler zu verzichten. Danke!

    Zweitrezension: Star Trek: Picard 3×02 – “Abgezogen”

    "Star Trek: Picard" © Paramount

    Dr. Crusher ist zurück! Worf ist zurück! Und auch der “alte” Captain Picard ist endlich wieder zurück! Lest hier unsere zweite SPOILER-Kritik zu “Disengage”.

    Zweitrezension: Star Trek: Picard 3x02 - "Abgezogen" 17
    “Star Trek: Picard” © Paramount

    Transparenzhinweis: Der Autor dieser Rezension hat bisher noch keine Screener der übrigen acht Staffel-Episoden gesehen und verfügt demnach über keine zusätzlichen Plot-Kenntnisse.

    Handlung

    Picard (Patrick Stewart), Riker (Jonathan Frakes), Beverly (Gate McFadden) und Jack Crusher (Ed Speleers) werden von der im Nebel eintreffenden Titan gerettet und an Bord gebeamt. Doch die sadistische Kopfgeldjägerin Captain Vadic (Amanda Plummer), Kommandantin der “Shrike”, fordert die Auslieferung von Jack. Ansonsten droht sie der waffentechnisch unterlegenen Titan mit vollständiger Vernichtung.

    Während sich Picard und Riker für Jack einsetzen, beharrt Captain Shaw (Todd Stashwick) weiterhin auf seinem Standpunkt: Er ist nicht bereit, Schiff und Besatzung für einen Mann in Gefahr zu bringen – schon gar nicht für einen gesuchten Kriminellen. Kurz vor Ablauf des Ultimatums kommt eine aus dem Koma erwachte Beverly Crusher auf die Brücke und bestätigt Picard, was er und Riker insgeheim schon vermutet hatten: Jack ist Picards Sohn!

    Von dieser Nachricht emotional übermannt, nutzt Picard seine Autorität als Admiral, um Captain Shaws Befehle zu widerrufen. Anstatt Jack auszuliefern, eröffnet die Titan nun das Feuer auf die Shrike und flüchtet anschließend in die Tiefen des Nebels.

    Zweitrezension: Star Trek: Picard 3x02 - "Abgezogen" 18
    Shrike vs. Titan (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×02 © Paramount)

    Währenddessen sucht Raffi (Michelle Hurd) auf M’talas Prime entgegen den Anweisungen des Sternenflottengeheimdienstes weiterhin nach den Drahtziehern des Terroranschlags auf das dortige Rekrutierungszentrum der Sternenflotte. Die offizielle Version, dass der romulanische Dissident Lurak T’Luco hinter der Aktion steckt, hält sie für eine fatale Fehleinschätzung.

    Über ihren Ex-Mann Jae Hwang (Randy J. Goodwin) kommt sie in Kontakt mit dem ebenso einflussreichen wie skrupellosen Ferengi-Gangsterboss Sneed (Aaron Stanford), von dem sie sich eine neue Spur zu den Drahtziehern der Terrorattacke erhofft. Als sie Sneed einen Deal vorschlägt, enttarnt er sie als Spionin der Sternenflotte.

    Kurz bevor dessen Handlanger Raffi ermorden können, schreitet ein Klingone ein und tötet Sneed und seine persönlichen Leibwächter. Und dieser Klingone ist kein Geringerer als Worf, Sohn von Mogh (Michael Dorn)!

    Drehbuch & Dramaturgie

    Das Drehbuch zu “Disengage” wurde von Christopher Monfette und Sean Tretta verfasst. Die Autoren führen die zweigliedrige Story der Auftaktepisode nahtlos fort. Im Gegensatz zu “The Next Generation” verfügt Folge 2 allerdings über ein klares erzählerisches Motiv, an dem sich die Dramaturgie beider Story-Arcs entlanghageln kann. Das tut der Episode sichtlich gut. “Disengage” ist spannender als die letztwöchige Folge und wirkt als Einzelepisode insgesamt auch deutlich runder.

    Fixpunkt der Episode sind diverse Figuren, die sich sprichwörtlich aus ihrem alten Leben (bzw. aus gewohnten Verhaltensweisen) “ausklinken” (engl. “to disengage”) oder dies bereits zu einem früheren Zeitpunkt getan haben:

    Beverly und Jack haben sich vor Jahren aus ihrem geordneten Leben ausgeklinkt, um in humanitärer Mission für die Mariposas tätig zu werden. Die teils schwierigen Verhältnisse außerhalb des Föderationsgebietes haben dazu geführt, dass beide mitunter gegen planetare und interstellare Gesetze verstoßen mussten, wie Jack berichtet.

    Ausgeklinkt hat sich vor rund 20 Jahren auch Picard, als er sich wütend, enttäuscht und resignierend auf sein Weingut zurückzog. Daran erinnert ihn Jack in einem Vier-Augen-Gespräch in der Arrestzelle. An dieser Stelle greifen die beiden Autoren sehr effektiv auf die Geschehnisse in Staffel 1 zurück. Der Dialog, in welchem Jack fragt, ob Picard seine alten Freunde überhaupt noch kennt, ist einer der stärksten in der gesamten Episode.

    Wenig überraschend klinkt sich auch (mal wieder) Raffi aus, um in der Unterwelt von M’talas Prime nach den Drahtziehern des Terroranschlags zu suchen. Auch das Ausklinken aus ihrem alten Familienleben (Season 1) wird hier wieder aufgegriffen. Einiges deutet zudem darauf hin, dass sich auch Worf einst aus seinem früheren Leben bei der Sternenflotte ausgeklinkt hat.

    Für kurze Zeit klinkt sich sogar Captain Shaw aus seiner Play-Safe-Haltung aus, nämlich als er sich von Seven davon überzeugen lässt, dass ein guter Captain eben auch mal Risiken eingehen muss. Vor allem dann, wenn das Leben von Kameraden auf dem Spiel steht.

    Diese einzelnen “disengage”-Puzzleteile ergeben unter dem Strich ein Ganzes, das durchaus erzählerische Stringenz erkennen lässt. Der deutsche Titel “Abgezogen” ist nach meinem Dafürhalten jedoch nicht optimal gewählt, weil er sich nur auf Raffi zu beziehen scheint, die übrigen “Auskopplungen” aber hinten runterfallen. “Ausgeklinkt” (oder “Abgekapselt”) wäre meiner Meinung nach der bessere Episodentitel gewesen.

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    In der Falle? Picard und Riker auf der S.S. Eleos XII (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×02 © Paramount)

    Trotz klarer Steigerung hinsichtlich der Dramaturgie leidet auch diese Episode wieder an einigen kleineren und größeren Drehbuchschwächen. So greift “Disengage” mit dem einstündigen Ultimatum mal wieder sehr tief in die Klischee-Kiste Hollywoods. Allen voran mit der Auflösung in aller letzter Sekunde. Ich frage mich hier immer: Muss das wirklich so stereotyp sein oder ginge es nicht vielleicht doch etwas weniger vorhersehbar?

    Hinzu kommen einige Details, die dem Gelegenheitszuschauer eher nicht auffallen dürften, den Hardcore-Trekkies aber sofort ins Auge stechen: 

    • Warum befiehlt Shaw erst kurz vor dem Einschlag der Eleos das Aktivieren der Schilde? Die allgemeine Gefahrenlage (taktischer Scan der Shrike, Alarmstufe Rot [Schilde werden automatisch aktiviert], schädliche Nebelstrahlung) sollte hier eigentlich ausreichend verdeutlicht haben, dass das vielleicht keine so schlechte Idee wäre.
    • Ist Seven nun suspendiert oder nicht? In einer Szene enthebt Shaw sie noch von ihrem Posten, in der nächsten führt die gerade erst Suspendierte dann wieder ein Sicherheitsteam an. Überhaupt macht Shaw hier keine gute Figur.
    • Jack wird – ohne vorher “gefilzt” zu werden – einfach in die Arrestzelle gesteckt. Nur Captain Kirks Viridium-Pflaster in “Star Trek VI” war ein noch offensichtlicheres Drehbuchloch in dieser Kategorie. Und dann noch der klischeehafte Trick mit dem Provozieren des Wachoffiziers, der die Intelligenz und Reaktionsgeschwindigkeit eines Pakleds zu haben scheint. Die ganze Szene hat mich u.a. verdächtig an Jokers Zellenausbruch in “The Dark Knight” erinnert.

    Ein weiterer Schwachpunkt des Drehbuchs betrifft das in meinen Augen konstruierte Dilemma, ob man Jack ausliefern sollte oder nicht. Shaws Argumentation, Schiff und Besatzung hätten außerhalb des Föderationsraums Priorität, steht im krassen Widerspruch zum Asylrecht, das die Föderation Personen gewährt, die bei Strafverfolgung durch fremde Mächte um ihr Leben fürchten müssen. Shaws Haltung mag zwar zu dessen Charakter passen, nicht aber zum Wertekanon der Föderation. Der Umstand, dass Jack als Mensch wohl auch Föderationsbürger ist, macht Shaws Entscheidung noch abstruser.

    Die hier aufgemachte Unterscheidung “Die Sternenflotte lässt niemanden aus den eigenen Reihen zurück” – ein häufig angeführtes Mantra aus früheren Episoden – und “Er ist nur ein Krimineller” hat es in dieser Form so eigentlich nie gegeben. Es wäre mir neu, dass die Sternenflotte das Leben ihrer Angehörigen als wertvoller einschätzt als das von zivilen Föderationsbürgern (oder von anderen Humanoiden) – selbst wenn es sich dabei um Personen mit kriminellem Hintergrund handelt. Und schon gar nicht gegenüber dubiosen Kopfgeldjägern, die außerhalb einer legitimen territorialen Jurisdiktion stehen. Die Oberste Direktive greift hier also nicht (nur falls jemand “Das Gesetz der Edo” oder “Wer ist John?” usw. anführen möchten.) Man fragt sich demnach, wie Shaw einen charakterlichen Eignungstest für die Befähigung zum Kommando-Offizier bestanden haben soll, wenn er derart utilitaristisch argumentiert.

    Zudem ist dieses Dilemma in “Star Trek” weder neu, noch wird es hier in besonders tiefgründiger Weise entfaltet. “Wer ist John?” (TNG 3×25) erwähnte ich bereits, aber auch “Die Verfemten” (TNG 3×11), “Der Fall ‘Dax'” (DS9 1×08) oder “Reue” (VOY 7×13) greifen ein ähnliches Dilemma auf, arbeiten die ethisch-moralischen Implikationen allerdings dezidierter, kontroverser und somit auch wirkungsvoller heraus. “Disengage” bleibt diesbezüglich doch recht oberflächlich und lässt vor allem Picard, einst Vorkämpfer für die Rechte aller empfindungsfähigen Lebewesen, in einem fragwürdigen Licht erscheinen (siehe unten).

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    Die La Sirena auf M’talas Prime (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×02 © Paramount)

    Der Handlungsstrang auf M’talas Prime leidet bedauerlicherweise abermals an einer teils erwartbaren, teils konstruierten Dramaturgie. Eine gewisse Spannung ist aber trotzdem spürbar. Nur leider ist Raffis Plan einfach strunzdumm. Man muss es so deutlich sagen. Um es mal kurz runterzubrechen: Ich gehe in eine Bar zu einem gefährlichen Gangsterboss, der übrigens weiß, dass ich kürzlich noch bei der Sternenflotte war. Dann versuche ich ihn zu bestechen…und gehe wieder gesund und munter mit neuen Informationen einfach so weg? Ziemlich naiv!

    Worfs erster Auftritt in “Picard” ist zweifellos sehr gut geschrieben und in Szene gesetzt und passt auch zu diesem Charakter. So will ich keinesfalls bestreiten, dass Worf schon früher sehr gewalttätig und mitunter auch kaltblütig agiert hat. Das ist eine nachprüfbare Tatsache (vor allem bei Duras, Gowron und Weyoun 7).

    Und dennoch finde ich diese Art der Gewaltdarstellung mit viel Blut und geradezu “zelebrierten” Enthauptungen einfach nur abartig – gerade in heutigen Zeiten, in der solche Meldungen leider immer noch bittere Realität sind, sogar in Deutschland (einfach mal googlen). Man muss den Autoren von “Picard” also fast schon einen fragwürdigen “Fetisch” für abgetrennte Köpfe attestieren, siehe “Unbedingte Offenheit” (PIC 1×04). Ganz klar: Daumen runter für diese Form der Gewaltverherrlichung – vor allem in “Star Trek”! 👎🏻 👎🏻👎🏻 

    Über den Verschwörungs-Handlungsbogen kann man indes noch nicht wirklich urteilen. Die Story kommt hier kaum voran. Klar scheint aber, dass die Sternenflotte wohl in eine große Verschwörung verwickelt ist. Dafür präsentiert sie einfach zu schnell einen Schuldigen für den Terroranschlag. Mal sehen, wie es hier am Freitag weitergeht. Nur hoffentlich dann nicht mehr auf M’talas Prime. Ein Szenenwechsel würde der B-Story jetzt mal gut tun.

    Charaktere

    Jean-Luc Picard

    In meiner letztwöchigen Rezension hatte ich kritisiert, dass Picard in “Picard” viel zu oft passiv, unselbstständig und resignativ erscheint. Besonders aufgefallen war mir das in der Dinner-Szene, in der Picard sich ziemlich schnell in sein Schneckenhaus zurückzieht, Riker die Initiative überlässt und Captain Shaws unfaire und unsachliche Angriffe einfach wehrlos über sich ergehen lässt. Für mich war das ein wahres Ärgernis.

    Umso mehr hat es mich gefreut, dass wir in “Disengage” endlich wieder den alten Picard zu sehen bekommen – wenn auch nur kurz und unter fragwürdigen Rahmenbedingungen (dazu gleich mehr). Denn: Er ist erwacht! Picard nutzt seine Autorität als Admiral, um Captain Shaws Befehl, Jack Crusher an die Shrike auszuliefern, zu überstimmen. Mit lauter, kräftiger Stimme, einem entschlossenen Blick und mit der aus TNG gewohnten Picard-Brücken-Präsenz beansprucht er die “Richtlinienkompetenz”, ohne zugleich Captain Shaw den Platz in der Mitte streitig zu machen. Yeah, das ist Jean-Luc Picard! Ein Kommandant mit Augenmaß, der zwar sagt, wo es langgeht, dabei aber stets seine Crew mitnimmt. Primus inter pares.

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    Patrick Stewart als Jean-Luc Picard (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×02 © Paramount)

    Und nun kommt das Aber. Die Umstände, unter denen Picard sein altes TNG-Ich entdeckt, sind mitunter widersprüchlich – und auch moralisch fragwürdig.

    Zunächst stellt sich die Frage, warum Shaw Picards Befehlsgewalt plötzlich akzeptiert. In PIC 3×01 “The Next Generation” machte er Picard noch unmissverständlich deutlich, dass er lediglich ein Admiral im Ruhestand sei, demnach keine Befehlsgewalt besitze und die Titan folglich sein Schiff sei. Davon ist nun aber nichts mehr hören.

    Viel schwerer wiegt allerdings das Problem, dass Picard erst dann die Initiative ergreift, als er erfährt, dass Jack nicht nur Beverlys, sondern auch sein Sohn ist. Entschuldigung, aber das ist maximal blöd geschrieben, denn es widerspricht einerseits dem TNG-Picard und lässt den “Picard”-Picard auch in einem fragwürdigen Licht erscheinen. Jack ist immerhin ein Mensch, dem womöglich eine Lynchjustiz droht. Er ist Föderationsbürger. Er ist der Sohn seiner langjährigen Freundin (und Ex-Geliebten?) Beverly. Und trotz alledem bedarf es erst der persönlichen Involvierung, um zu tun, was seinem ureigensten Wertekanon entspricht?

    Für Wesley brach Picard die Oberste Direktive (TNG 1×08 “Das Gesetz der Edo”). Für Datas Tochter Lal verweigerte er den direkten Befehl eines ihm vorgesetzten Admirals. (“Datas Nachkomme” TNG 3×16). Für die Ba’ku zettelte er einen Aufstand gegen eine Anweisung des Föderationsrates an (“Star Trek: Der Aufstand”). Aber hier braucht er erst den emotionalen Tritt in den Hintern? Nein, für den Picard, den wir aus TNG kennen, sind Gene, Herkunft, Taten oder was auch immer in solchen Fragen wahrlich nicht entscheidend. Picard muss hier einfach früher dominanter auftreten.

    Leider hat man auch nach 22 Folgen “Picard” stellenweise immer noch das Gefühl, dass die Autoren der Serie Picard nicht so gut kennen, wie sie ihn eigentlich kennen sollten. Immer mal wieder agiert er “out of character”.

    Jedenfalls ist Jacks Existenz ein echter Game Changer für Picard. Seine Familienlinie wird nun womöglich doch nicht mit ihm enden. Es dürfte spannend werden, wie der 96-jährige Picard mit seiner unerwarteten Vaterschaft umgehen wird.

    Jack Crusher

    In einer kurzen Rückblende, aber auch im weiteren Verlauf der Episode erfahren wir Hintergründe zu Jack Crusher, der sich am Ende als Beverlys und Picards gemeinsamer Sohn herausstellt.

    Vieles deutet darauf hin, dass er (im Gegensatz zu Ed Speleers) erst Anfang 20 ist, was seine Zeugung auf die Zeit kurz vor oder kurz nach “Star Trek: Nemesis” (2379) datieren würde. Rikers Gespräch mit Picard im Turbolift sowie Picards Gespräch mit Laris in Folge 3×01 legen jedenfalls eine (kurze) Beziehung zwischen Jean-Luc und Beverly nahe. Dazu passt auch der abrupte Kontaktabbruch, der in die frühen 2380er-Jahre fallen dürfte.

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    Ed Speleers als Jack Crusher (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×02 © Paramount)

    Jack wird in “Disengage” eigentlich recht gut charakterisiert, wenngleich er natürlich noch einige Geheimnisse birgt, die auch am Ende der Episode noch nicht gelüftet werden. Aber so viel kann man schon mal sagen: Jack ist das Kind seiner Eltern! Er trägt den Gerechtigkeitssinn und das Helferherz seiner Mutter in sich, aber ebenso das Selbstbewusstsein, die Gerissenheit und die Entscheidungsfreudigkeit seines berühmten Vaters. Meinem Eindruck nach könnte er wie seine Mutter ein Arzt sein – oder zumindest fundierte medizinische Kenntnisse besitzen.

    Interessanterweise spiegelt er auch den kriminellen Background von Picards angeblichen Sohn Jason Vigo (TNG 7×22 “Boks Vergeltung”) wider. Eine nette Anspielung auf die besagte TNG-Folge.

    Jack hat die ein oder andere gute Dialogzeile (“Gibt es irgendeine Person, die Sie kennen, die immer noch die Person ist, die Sie kannten?” Oder haben Sie auf Ihrem Weingut Wurzeln geschlagen, während für den Rest das Leben weiterging?”). Er wirkt an der ein oder anderen Stelle aber noch etwas überzeichnet. Jedenfalls hatte ich den Eindruck, dass man ihn in dieser Episode besonders “cool” erscheinen lassen wollte. Im Netz werden schon Parallelen mit Han Solo ausgemacht – und das wohl nicht ganz zu Unrecht.

    Die Figur hat aber zweifellos Potential und ich bin gespannt, was wir noch alles über ihn erfahren werden. Mindestens genauso gespannt bin ich allerdings darauf, welche Dynamik Beverlys und Jacks Mutter-Sohn-Beziehung kennzeichnen wird. Da Jack scheinbar ein völlig anderes Naturell als Wesley besitzt, unter ganz anderen Umständen aufgewachsen zu sein scheint und sich auch Beverly verändert hat, werden wir ganz sicher keine simple Neuauflage von “Shut up, Wesley!” erleben. 😉

    Beverly Crusher

    Gates McFadden hat nur einen kurzen Auftritt ohne jede Textzeile. Und dennoch ist ihr Auftritt das absolute Highlight der Folge. Grandios gespielt! Wortlos, einzig auf Blickkontakt basierend, teilt sie Picard mit, was ihm wohl schon irgendwie bewusst war: Jack ist der Sohn, den er nie aufwachsen sah. Die unverhoffte Erfüllung eines persönlichen Traums, spätestens seit “Star Trek: Treffen der Generationen” (2371).

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    Gates McFadden als Dr. Beverly Crusher (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×02 © Paramount)

    Alles das weiß Beverly. Und trotzdem entschied sie sich dafür, Jack aus Picards Leben herauszuhalten. Wir alle wissen, wie einfühlsam Dr. Crusher eigentlich ist. Es muss also einen triftigen Grund dafür geben und den werden wir wohl in Folge 3 erfahren. Ich bin gespannt auf diese neue Beverly, die die letzten Jahre scheinbar in einer Grauzone zwischen Humanität und Illegalität verbracht hat.

    Captain Shaw & Seven of Nine

    Etwas im Hintergrund der Geschehnisse um Jack Crusher verläuft der Konflikt zwischen Captain Shaw und seiner Nummer Eins, Commander Hansen aka Seven of Nine. Ich muss zugeben, dass ich aus dieser Konstellation nicht so ganz schlau werde. In TNG hatte ich den Eindruck, dass sich ein Captain seinen Ersten Offizier aus einer Liste aus Kandidaten aussuchen darf. Hier sieht es aber so aus, als habe man Seven einfach auf den Posten gesetzt, ohne zuvor Shaws Zustimmung einzuholen.

    Nun gut, die beiden sind sich scheinbar nicht grün und diese Antipathie beruht auch auf Gegenseitigkeit. Das ist auch der Unterschied zur Anfangsphase von “Deep Space Nine”, wo Kiras Antipathie gegenüber Sisko zunächst einseitig war – und auch nicht persönlich, sondern sich gegen die Sternenflotte insgesamt richtete.

    Ich habe aber durchaus den Eindruck, dass sich deren angespanntes Verhältnis im Verlauf der Staffel noch positiv verändern wird. Hoffnung macht mir hier vor allen Dingen der Umstand, dass Shaw weder fachlich inkompetent noch grundsätzlich unmenschlich rüberkommt. Vielmehr scheint er an einem persönlichen Trauma (“NuTrek” halt!) zu leiden, das ihn irgendwie zu hemmen scheint.

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    Captain Shaw (Todd Stashwick) und Commander Hansen (Jeri Ryan) im Clinch (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×02 © Paramount)

    Captain Vadic macht eine kurze Anspielung, die Shaw in diesem Moment auch sehr zu treffen scheint: “In Anbetracht Ihres offiziellen psychologischen Profils bei der Sternenflotte bin ich überaus froh, dass Sie trotz allem weiterhin…funktional sind.” Das geht im Eifer des Gefechts etwas unter. Die Wolf 359-Theorie könnte also stimmen. Shaw wird die Katze irgendwann aus dem Sack lassen – oder dazu genötigt werden.

    Wie gesagt, mein Gefühl sagt mir, dass wir Shaw am Ende der Staffel noch lieben werden. Wollen wir wetten?

    William T. Riker

    Captain Riker bleibt dieses Mal etwas mehr im Hintergrund, ohne jedoch zum Statisten degradiert zu werden. Jonathan Frakes spielt hier wieder sehr stark. Es macht Spaß, wie er Picard immer mal wieder in den Hintern tritt. Denn wie wir wissen, verdrängt der gute Admiral gerne mal Dinge, die seine Privatsphäre und sein Seelenleben betreffen. Riker ist hier Picards Gewissen; quasi das, was Pille stets für Kirk war. Wenngleich Riker sich etwas filigraner ausdrückt als McCoy damals.

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    Jonathan Frakes (rechts) als Captain William T. Riker (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×02 © Paramount)

    Erfreulich ist auch, dass Riker immer wieder auf Konfrontationskurs mit Shaw geht und ihm klarmacht, dass ein guter Sternenflotten-Captain mehr drauf haben muss als nur kühle Paragrafenreiterei. Dass es dabei auch um das Vertreten von Werten geht. An dieser Stelle hätte das Rededuell gerne noch etwas aggressiver und persönlicher werden dürfen, etwa indem Shaw Riker unterstellt, er könne nicht verkraften, dass die Titan nun sein Schiff ist. Aber unter dem Strich hat mir Rikers Rolle gut gefallen.

    Raffi & Worf

    In Bezug auf Raffi hat sich leider nicht viel geändert. Auch in “Disengage” hatte ich nicht den Eindruck, dass sich Raffi seit Staffel 1 als Person großartig weiterentwickelt hat, von ihrer Drogen-Abstinenz mal abgesehen. Sie ist immer noch genauso emotional kompromittiert, jähzornig und kopflos wie eh und je. Wäre sie in ihren 20ern, könnte ich wahrscheinlich besser damit leben. Aber sie ist fast 50 Jahre alt, hat es bis zum Rang eines Commanders gebracht, zeigt aber leider überhaupt keine Professionalität und auch keine Führungsqualitäten. Nach der zweiten Staffel wäre eine Weiterentwicklung einfach angebracht gewesen. Das heißt ja nicht, dass man den Charakter komplett umschreiben muss.

    Dass sie auf eigene Faust weiterermittelt, ist derweil nachvollziehbar und passt auch zum Charakter. Das hätten viele andere Trek-Charaktere sicherlich auch so gemacht. Aber ihr Plan ist einfach seltendämlich. Ebenso blöd finde ich es, dass man bei ihr ständig dieselbe Leier erzählt. Mal wieder muss sie sich zwischen Familie und Pflicht entscheiden, was grundsätzlich noch okay wäre, hätte man dieses Szenario nicht so dermaßen konstruiert. Es wirkt einfach unglaubwürdig.

    Ich würde gerne mal etwas Positives über Raffi schreiben, aber leider sehe aktuell noch keinen Anlass dazu. Mir ist sowohl der Charakter als auch das Setting auf M’talas schlicht viel zu zeitgenössisch.

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    Worf (Michael Dorn) und Raffi (Michelle Hurd) auf M’talas Prime (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×02 © Paramount)

    Zu Worfs Auftritt habe ich bereits einige Worte verloren. Mir ist das zwar zu viel krasse Gewalt; aber die Art, wie man Worf einführt, ist schon echt stark. Nicht besonders intelligent scheint es mir aber zu sein, einen möglichen Informanten sofort zu töten, ohne ihn vorher wenigstens einmal zu verhören. An dieser Stelle ist den Autoren leider die Unlogik von Worfs Agieren entgangen.

    Und was soll man zu Michael Dorn sagen? Der Mann war 69 Jahre alt, als diese Szenen gedreht wurden. Ich weiß nicht, wie viel er hier selbst choreografiert hat, aber es ist auch so offenkundig: Dorn ist verdammt fit geblieben und wirkt auch mindestens zehn Jahre jünger. Vielleicht habe ich auch deswegen ein kleines Problem mit Worfs weißen Haaren in “Picard”. Es passt einfach nicht so recht zu Dorns junggebliebenem Gesicht. Und natürlich hat Worf mit 61 Jahren im Normalfall auch noch gut die Hälfte seines Lebens (oder noch mehr) vor sich. Sicherlich kann man auch im mittleren Alter schon ergrauen, aber weißhaarige Klingonen waren bisher meistens über 100 Jahre alt. Nichtsdestotrotz sieht Worf hier schon verdammt cool aus.

    Als jemand, der TNG und DS9 geliebt hat, freue ich mich ganz besonders über Worfs Rückkehr. Es ist ein ganz besonderes Gefühl. Worf hat mich quasi meine gesamte Teenagerzeit begleitet, er gehört folglich zu meinen absoluten Lieblingscharakteren in “Star Trek”. Qapla’, Worf! Schön, dass du wieder da bist!” 💪🏿

    Sneed & Vadic

    Zum Abschluss der Charakter-Analyse noch ein Blick auf die beiden Bösewichte der Episode: Captain Vadic und der Ferengi Sneed.

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    Aaron Stanford als Ferengi-Gangsterboss Sneed (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×02 © Paramount)

    Oh ja, Sneed ist wirklich ein Ferengi der alten Schule: gierig, schmierig, skrupellos. Ein echter Widerling. So muss das sein! Aaron Stanford spielt Sneed wirklich exzellent. Die Drogen-Szene hat mich irgendwie an Scarecrow in “Batman Begins” (2005) erinnert.

    Ohne zu wissen, wie es auf Ferenginar unter Grand Nagus Rom weiterging, ist es gut zu wissen, dass es immer noch die “alten” Ferengi dort draußen gibt. Ich muss zugeben, dass ich nie ein Freund davon war, die Ferengi-Kultur mit den Werten der Föderation zu reformieren, so wie es am Ende von “Deep Space Nine” angedeutet wurde. Das “Wir sind allen anderen Kulturen moralisch überlegen”-Narrativ der Menschen war mir manchmal dann doch etwas zu viel. Daher freut es mich, dass die klassischen Ferengi wieder zurück sind. Gerne mehr davon (aber bitte ohne Enthauptungen!).

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    Amanda Plummer als Captain Vadic (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×02 © Paramount)

    Noch nicht so recht überzeugen konnte mich dagegen der Big Bad der Staffel: Captain Vadic. Sicherlich, Amanda Plummer kann gut schauspielern und auch die Referenzen an das Gebaren von General Chang aus “Star Trek VI: Das unentdeckte Land”, damals gespielt von ihrem Vater Christopher Plummer, sind absolut gelungen.

    Nichtsdestotrotz wirkt diese Figur zum aktuellen Zeitpunkt leider noch stark überzeichnet. Und von so etwas bin ich einfach kein Freund. Ich mag dann doch lieber Bösewichte, die zunächst einigermaßen “normal” beziehungsweise zugänglich wirken, dann aber nach und nach ihre dunkle Seite offenbaren. Khan, Gul Dukat, Weyoun oder auch Kai Winn sind hier die Referenzobjekte.

    Vadic geht stattdessen gleich in die Vollen, was angesichts von nur zehn Staffelepisoden vielleicht auch sinnvoll sein könnte. Mir war es aber einfach zu viel Zynismus, Madness und Sadismus. Aber auch hier gilt: Die Staffel ist noch jung und es kann sich noch vieles relativieren. Da man ihren Background noch nicht kennt – die Kopfgeldjäger-Story könnte ja auch erfunden sein – verbietet sich natürlich eine Vorverurteilung des Charakters. Den Start fand ich aber bestenfalls leidlich gelungen.

    Inszenierung

    Da bei “Picard” bezüglich des Regiestuhls das Doppelfolgen-Prinzip gilt, durfte bei “Disengage” erneut Doug Aarniokoski Regie führen.

    Das Action-Highlight der Folge ist gewiss die Sequenz, in der die Shrike (hier hätte die deutsche Version besser nicht übersetzen sollen! – “Würger”) die Eleos mit dem Traktorstrahl auf die Titan schleudert. Das ist wirklich eine coole Idee, endlich mal was Neues. Überhaupt können sich die Effekte wieder sehen lassen, wenngleich ich Christopher zustimmen würde, dass die Außenhülle der Titan stellenweise etwas künstlich wirkt. Das hatte man in den vergangenen Jahren schon deutlich authentischer hinbekommen.

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    Die Shrike wirft die Eleos mit einem Traktorstrahl auf die Titan (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×02 © Paramount)

    Abgesehen davon ist die Folge mal wieder eine sehr runde Sache. Ein besonderes Lob darf man erneut dem Komponisten Stephen Barton aussprechen, dessen Score insbesondere die Beverly-Picard-Szene musikalisch in absolut perfekter Weise begleitet.

    Meine einzigen Kritikpunkte sind, wie bereits erwähnt, die exzessive Gewaltdarstellung sowie die Tatsache, dass das Setting oftmals einfach zu dunkel und farblich monoton wirkt. Auch M’talas Prime erinnert zu stark an einige Locations von “Discovery”. Wobei ich das Etablissement, in dem Sneed residiert, aus dieser Kritik herausnehmen möchte. Das sah nämlich echt gut aus.

    Episoden-Infos

    SerieStar Trek: Picard
    Episoden-Nummer22 (Staffel 3, Folge 2)
    OriginaltitelDisengage
    Deutscher TitelAbgezogen
    Story & DrehbuchChristopher Monfette & Sean Tretta
    RegieDoug Aarniokoski
    US-Erstausstrahlung23. Februar 2023
    DE-Erstausstrahlung24. Februar 2023
    Laufzeit49 Minuten
    Datum (In-Universe)2401
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