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Julian Wangler (jw), Martin Weinrich (wc), Thomas Götz (tg)12.07.13

"Am Scheideweg"

Christopher L. Bennett

Vorbemerkung

Vorbemerkung und Kritik spoilern sowohl die Handlung des bisherigen "Enterprise"-Relaunch als auch die Handlung dieses Romans.

"Enterprise", bislang letzter Serienspross der "Star Trek"-Familie, unterschied sich in gleich zweifacher Hinsicht von den vier Vorgängerserien. Zum einen war sie wechselhafter als alle anderen "Star Trek"-Shows: In nur vier Staffeln erlebten Jonathan Archer und seine Crew einschneidende Veränderungen in der Mission ihres Schiffes. Zum anderen war "Enterprise" durch die frühzeitige Einstellung viele wichtige Antworten schuldig geblieben – allem voran auf die Fragen, wie es denn ganz konkret zur Entwicklung der Föderation kam und wie die Jahre des oft zitierten Irdisch-Romulanischen Kriegs aussahen, welcher untrennbar mit der Geburt der ruhmreichen Multispeziesallianz verknüpft ist.

Umso zufriedener war ich, als Pocket Books relativ rasch grünes Licht für einen eigenen "Enterprise"-Relaunch gab, der die Geschichte der NX-01 fortsetzen sollte. Damals wurden die gestandenen "Star Trek"-Autoren Andy Mangels und Michael A. Martin damit betraut, den Ball der Serie wieder aufzunehmen. Leider ging – im Gegensatz zu anderen Serien-Relaunches – bei der von vielen Fans sehnsüchtig erwarteten "Enterprise"-Fortsetzung allzu vieles schief: Zuerst wurde der Kanon auf eine Weise zurechtgebogen, dass man als Leser unweigerlich das Gefühl bekam, hier ignoriere jemand geflissentlich die Vorgaben des Originals, nur um Trip Tucker aufwändig wiederzubeleben und ihn zu einem Geheimagenten zu machen (vgl. "Das höchste Maß an Hingabe" und "Was Menschen Gutes tun").

Abgesehen von der Authentizitätsfalle, in die man sich begab, richtete das mehr Schaden als Nutzen an: Während Trips weitere Geschichte als Agent der Sektion 31 weit weniger spektakulär war als erhofft, wurde das soziale Gefüge auf der Enterprise auseinandergerissen – mit Folgen für die Figuren. Hinzu kam noch, dass uns mit der Darstellung des Irdisch-Romulanischen Kriegs ein weitgehend uninspirierter und blutleerer Neuaufguss des Dominion-Kriegs präsentiert wurde, der wenig Überraschendes bot (vgl. "Beneath the Raptor's Wing") und bereits nach wenigen Bänden vor lauter Einfallslosigkeit durch den Zeitraffer gejagt wurde (vgl. "To Brave the Storm").

Dann war es eine Weile still um die Frage, ob oder wie es mit "Enterprise" weitergehen sollte. Immerhin war am Ende von "To Brave the Storm" der Krieg beendet, und die Gründung der Föderation zeichnete sich ab. War alles Potenzial der Serie damit nicht schon ausgeschöpft worden? Es schien fast so. Erst nach einer kreativen Pause erfuhren wir davon, dass der eher unglückliche "Enterprise"-Relaunch seinerseits einen Relaunch erfahren sollte: Der Epos rund um Archer und seine Mitstreiter sollte fortgesetzt werden. Der Autorenstab wanderte von Michael A. Martin an Christopher L. Bennett, der fortan die Aufgabe hat, neue Abenteuer im 22. Jahrhundert aus dem Hut zu zaubern.

Die Idee ist schnell erzählt: Unmittelbar nach ihrer Gründung gibt es zwar formal eine Föderation, doch sie ist noch längst nicht jene interstellare Institution, die wir aus späteren Jahrhunderten so selbstverständlich kennen. Sie muss sich erst finden, muss mit Leben gefüllt werden, ihre Aufgaben und Zwecke definieren - und gegen Befürchtungen und Ängste vorgehen, die in ihren Mitgliedswelten trotz gemeinsamer Erfolge nach wie vor vorhanden sind. Und dann gibt es natürlich noch jene Mächte und subversiven Elemente, denen das Zustandekommen dieser neuen Großmacht im All ein Dorn im Auge ist, die sie belauern und am liebsten wieder zu Fall bringen wollen.

Anders als in den Kriegsbänden, so die Ankündigung, soll es diesmal deutlich stärker um Diplomatie gehen, innerhalb wie außerhalb der Föderationsgrenzen. Der Leser soll dicht mitverfolgen können, wie diese kritischen Jahre gestaltet werden; wie der blutjunge Völkerbund seine ersten Bewährungsproben besteht und sich ins Zeitalter von Supranationalität und Multilateralität aufmacht. Da dies weiß Gott kein leichter Weg ist, werden Archer und seine Leute wieder einmal dringend gebraucht. Vorhang auf für die zweite Phase des "Enterprise"-Relaunch: "Rise of the Federation". Der erste Roman unter diesem Label ist "A Choice of Futues".

Inhalt

Oktober 2162, ein Jahr nach Föderationsgründung. Die Enterprise ist Geschichte. Bei der letzten großen Auseinandersetzung im Irdisch-Romulanischen Krieg, der legendären Schlacht von Cheron, wurde ihr Hüllengerüst derart stark beschädigt, dass sie stillgelegt werden musste und fortan als Museumsschiff im Smithsonian zu besichtigen ist.

Das macht aber nichts: In der U.S.S. Endeavour hat Admiral Jonathan Archer, frisch zum Oberkommandierenden der Sternenflotte befördert, sein neues Flaggschiff gefunden. Besonders praktisch: Die Endeavour, ein funkelnagelneues Schiff der NX-Refit-Klasse (die jetzt auch über eine Sekundärhülle mit dem charakteristischen Hauptdeflektor verfügt), wird von seinem ehemaligen Ersten Offizier, Captain T'Pol, befehligt, und noch so einige andere seiner früheren Kollegen von der Enterprise befinden sich an Bord. Dieser Tage erhält Malcolm Reed das Kommando über sein eigenes Raumschiff, die U.S.S. Pioneer, und nimmt Travis Mayweather zu seinem neuen Stellvertreter. Ein Hauch von "Nemesis" (Riker und Troi wechseln auf die Titan) und "Voyager"-Relauch (Admiral Janeway hat ab jetzt mit hoher Sternenflotten-Politik zu tun, kommt aber ab und zu noch auf ihr altes Schiff) wird spürbar.

Bereits auf den ersten Seiten von "A Choice of Futures" wird klar: Wer glaubte, dass Archer nach der Etablierung der Föderation mehr oder minder die Hände in den Schoß legen und dem Anbruch der Zukunft zuschauen kann, der irrt gewaltig. Stattdessen muss hart um die positive Weiterentwicklung der Planetenallianz gerungen und neuen äußeren Gefahren begegnet werden. Letztere gehen vor allem von interstellaren Verbrecherkartellen wie den Malurianern aus, die im Zustandekommen der Föderation eine Gefahr sehen und sich das Ziel gesetzt haben, mithilfe von Intrigen den intergalaktischen Ruf des jungen Weltenbündnisses zu beschädigen. Archer hat gewissermaßen von Beginn an als diplomatische Feuerwehr alle Hände voll zu tun.

Innerhalb der neu gegründeten Föderation sorgt ausgerechnet der unerwartet große Erfolg des Planetenbündnisses für Diskussionen. Mehrere Welten haben bereits Anträge gestellt, in absehbarer Zeit dem Völkerbund beitreten zu wollen. Doch genau das ist Anlass für Sorgen: Man erinnert sich daran, dass auch die Perzeption einer bevorstehenden Allianz für die Romulaner ein triftiger Grund war, anno dazumal einen Krieg vom Zaun zu brechen. Jetzt keimt die Befürchtung, Mächte wie die Klingonen oder Tandaraner könnten die Föderation als Bedrohung wahrnehmen, wenn sie zu schnell expandiert. Archer kontert dagegen, ein Anwachsen der Föderation sei in Ordnung – wenn sie eine positive Vorstellung davon habe, wofür sie stehe und bereit sei, diese Vorstellung, diese Botschaft auch in alle Richtungen des Weltraums zu kommunizieren, damit jeder wisse, wo er mit ihr dran sei.

An eben diesem Punkt beginnen erneute Debatten. Zwar gab es gerade auf der militärischen Ebene bemerkenswerte Vergemeinschaftungsprozesse – wie sich allem voran an der neuen Multispezies-Sternenflotte ablesen lässt –, doch darüber hinaus halten sich die Völker noch zurück. Die Föderation ist zu diesem Zeitpunkt also noch ein zwecknützig orientiertes, hauptsächlich intergouvernementales Bündnis, das sich in Sachen Supranationalität jenseits der Verteidigungspolitik schwertut. Genau das aber möchte Archer ändern. Er möchte den Blick weiten, nun da der Krieg vorbei ist, und die Potenziale der Föderation als Wirtschafts-, Wissenschafts- und Friedensmacht entfalten, damit sie eine Art Leuchtfeuer im All wird und zugleich die Sorgen anderer Völker zerstreut, die die Föderation seit dem Krieg gegen die Romulaner primär mit Kampf und militärischer Macht assoziieren.

Zum Prüfstein, ob sich dieser Anspruch wirklich umsetzen lässt, wird bald schon ein Hilfeersuch umliegender, blockfreier Völker, deren Schiffe seit kurzem von einer neuen, unbekannten Spezies attackiert werden. Die Föderation willigt ein, militärische Unterstützung zu gewähren. Und doch muss sie ihre weiteren Schritte genau wägen, denn die Augen aller sind auf sie gerichtet. Dass die Föderation diesmal jedoch Opfer einer gegen sie gerichteten Verschwörung werden könnte, die hinter den Kulissen im Gange ist und sie gezielt in Misskredit bringen möchte, ahnen Archer und seine Leute noch nicht ...

Kritik

1. Julian Wangler

Nach dem Romulanischen Krieg stand der Gründung der Föderation zwar nichts im Weg, doch Admiral Archer muss neues Unheil von dem jungen Völkerverband abwenden.
Ich mache keinen Hehl daraus: Angesichts meiner Enttäuschung über den bisherigen "Enterprise"-Relaunch (und vor allem dessen Ausgang) bin ich sehr skeptisch an diese neue Miniserie herangegangen. Ich habe mich gefragt, warum so etwas wie "Rise of the Federation" jetzt noch nötig ist - zumal, wenn es das namensgebende Schiff der Serie ja im Grunde nicht mehr gibt und wir wissen, dass die Föderation ein Erfolgsprojekt werden wird.

Zunächst die gute Nachricht: Ich kann mit einiger Erleichterung feststellen, dass der Wechsel von Michael A. Martin zu Christopher L. Bennett zumindest keinen Schaden angerichtet hat. Bennett hat einen kompakten und unkomplizierten Schreibstil und steigt relativ schnell ins Geschehen ein. Eine Stärke von "A Choice of Futures" ist, dass es mit vielen Gastfiguren aus der Serie, aber auch mit starken Rückbezügen auf die Entwicklungen aus den vorangegangenen Relaunch-Bänden jongliert, ohne in langweilige Rekapitulationen auszuarten.

Die Ära, in die "Enterprise" geschickt wurde, ist eine der wenigen verbliebenen weißen Flecken auf der polithistorischen Landkarte des "Star Trek"-Kosmos. Die Gründungsära der Föderation ist an sich mit Sicherheit kein unspannendes Thema, und Bennett gibt sich alle Mühe, hier den Fokus auf die ersten großen Schritte zu lenken und deutlich zu machen, wie weit die Föderation noch von einer gemeinsamen Wertevorstellung entfernt ist. Man bekommt als Leser einen Eindruck davon, dass verschiedene Kräfte innerhalb wie außerhalb versuchen, die Entwicklung der Föderation in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Interessant sind auch Bennetts Schilderungen, wie die neue Sternenflotte ihre eigene Multispezies-Flotte aufzubauen beginnt – erst mal am Reißbrett. Wir bekommen eine durchaus schlüssige Erklärung mitgeliefert, warum letztlich das irdische Design Pate steht für eine neue Ära von Schiffsklassen. Es ist einfach das vielseitigste, und eine erfolgreiche Sternenflotte wird früher oder später leistungsfähige Multizweck-Einheiten brauchen.

Auffällig ist, dass "Enterprise" nun deutlich dezentraler und reicher an Schauplätzen und Figuren daherkommt. Es gibt zwei Protagonistenschiffe - die Endeavour und die Pioneer -, Archer hat ein sehr vielfältiges Aufgaben- und Aktionsfeld zwischen Diplomatie und Nachrichtendiensten, und viele alte und neue Gesichter spielen nun eine prominentere Rolle (wobei der Pioneer-Plot in der Geschichte eher schmückendes Beiwerk ist und die Handlung kaum voranbringt). Das ist durchaus eine Chance für eine dynamische Handlung.

Freilich hat diese Ausrichtung auch ihre Schattenseiten: Es muss schlicht viel mehr an Figuren in das Buch hineingepresst werden. "Enterprise" verliert sein Zentrum und wirkt versprenkelter als früher. Das Innenleben vieler Charaktere kommt dabei deutlich zu kurz. Das merkt man allem voran bei der relativ schmalspurigen Behandlung von Archer, Trip und T'Pol. Für Charakterszenen ist insgesamt nur sehr begrenzt Platz. Man beobachtet die alten Serienhelden zwar, wie sie um den Erhalt und den Ausbau der neuen Föderation kämpfen, kann sich aber häufig nicht wirklich in sie hineinfühlen. Immer noch fremdelt man mit Tuckers Verwandlung zum Sektionsagenten und wie er alles, was ihn ausmachte, abwarf. (Hätte das nicht eher bei Reed gepasst?) Die Entscheidung, ihn weiter in den Schatten zu belassen, fand ich weniger gelungen und lastet weiter auf dem Personaltableau.

Noch etwas problematischer als die Figurensache: Ich frage mich, ob das neue Storykonzept rund um Bewährungsproben für die gerade ins Leben gerufene Föderation wirklich längerfristig trägt. Beim aktuellen Buch würde ich da schon ein Fragezeichen setzen: Immerhin ist klar, dass es nicht mehr um einen neuen Krieg gehen wird, denn das wäre ja auch nur eine Wiederholung des Bisherigen. Und die Gefahren, die der Föderation drohen, schienen auch in diesem Buch am Ende nicht so dramatisch groß wie im Klappentext angekündigt. Das Vorgehen der Malurianer (die natürlich irgendwie auch mit den Orionern zusammenhängen) erinnert stark an jenes der Romulaner vor und nach Entstehen der Koalition.

Insofern ist da die Bedrohungslage kaum eine andere: Jemand von außerhalb passt es nicht, dass so viele Völker kooperieren und will sie auseinanderdividieren, in diesem Fall eben Piraten, Freibeuter und anderes Gesocks, die um ihre Transaktionsrouten und Vorteile fürchten. Dass das jedoch nach Entstehen eines gefügten Blocks wie der Föderation deutlich schwerer geworden ist und ein Verbrechersyndikat, das erheblich weniger Macht hat als die Romulaner, hier eher geringe Erfolgschancen besitzt, liegt auch schnell auf der Hand. Insoweit ist die Handlung in diesem Punkt recht vorhersehbar und wenig mitreißend, umso mehr, weil die neuen Schurken wenig überzeugen.

Am interessantesten ist noch die Frage, wie es im Innern der Föderation weitergeht, wie der Völkerbund sich entwickelt und welche Wege alle Beteiligten finden, ihre technologischen, politischen und kulturellen Differenzen auszugleichen. Bennett sammelt hier einige Pluspunkte, indem es ihm tatsächlich gelingt, einen wesentlichen Schwerpunkt des Buches auf Diplomatie und Verhandlung zu legen. Vor allem erscheint mir nachvollziehbar, dass es Strömungen in der Föderation gibt, die vor dem Hintergrund des Überlebenskampfes gegen die Romulaner dafür plädieren, militärisch dominant aufzutreten. Andere Strömungen wollen sich eher auf Exploration, Wissenschaft und ökonomische Kooperation verlegen. Hier muss das innere Lot also erst noch gefunden werden, und davon hängt ganz gewiss auch ab, wie die Föderation von außen gesehen wird. Aber ob man das allein zum Kern einer neuen Buchreihe machen kann? Die Frage lässt sich nach nur einem Buch schwer beantworten.

Noch eine kurze Anmerkung: Als hoch eigentümlich fand ich die Szenen, in denen Phlox herausfindet, dass der Transporter offenbar genetische Schäden bei Crewmitgliedern verursacht hat, die ihn häufig frequentiert haben. Da wurde jahrelange gebeamt, was das Zeug hält, und niemand hat negative Effekte bemerkt? Und plötzlich soll der Transporter gesundheitsschädigende Auswirkungen haben – bis hin zur Unfruchtbarkeit? Irgendwie erschien mir dieser ganze Hinweis nicht nur viel zu spät, sondern auch belanglos für die Geschichte. Und dieses Beispiel zeigt schon, dass die zweite Relaunch-Etappe aufpassen muss, dass sie sich nicht am Ende in Skurrilem bis Trivialem verliert.

Fazit: Für den Anfang ist "A Choice of Futures" - obwohl es manche Hypothek aus der ersten Phase des Relaunch weiterschleppt (wie zum Beispiel Trips eigenartiges Schicksal) – ein einigermaßen gelungenes Buch, das hier und da auch neue Akzente setzt, mich insgesamt aber nicht vom Hocker reißt. Ob sich "Rise of the Federation" noch steigern kann und gegenüber dem ersten Relaunch-Anlauf besser abschneidet, steht noch in den Sternen. Im Frühjahr 2014 erscheint der zweite Band.

2. Martin Weinrich

Die junge Föderation sieht sich einer Bedrohung ausgesetzt, von der sie erst einmal nichts ahnt. Ein wenig erinnert das an die erste Phase des Enterprise-Relaunchs. Während der Leser längst wusste, dass die Romulaner der Feind sind, mussten die zukünftigen Völker der Föderation dies erst herausfinden. Auch in "A Choice Of Futures" ist dem Leser von Anfang an bekannt, wo der Feind sitzt. Das ist ein wenig schade. Es wäre einmal spannend gewesen, mit den Protagonisten zu rätseln, woher die ganzen Intrigen kommen. Diesmal erlebt man jedoch alle Schritte des Verbrecherkartells, das die Föderation zu Fall bringen möchte, mit. Sogar die Versuche mithilfe von Prostituierten die Entscheidungsträger der Föderation zu beeinflussen, sind dem Leser bekannt.

Die Spannung muss daher an einer anderen Stelle aufgebaut werden. Das gelingt auch dadurch, dass der Leser die ganze Zeit über befürchten muss, das Verbrecherkartell könnte Erfolg haben. Gleichzeitig baut Bennett in seinen ersten Enterprise-Roman eine Reihe von Nebenhandlungen ein. Vor allem der jüngst zum Captain beförderte Reed auf der U.S.S. Pioneer sorgt für etwas Spannung und lockert die Geschichte etwas auf. Aber auch der immer noch als Agent tätige Trip Tucker sorgt für interessante Momente. Für den Leser ist es trotz aller Erfahrungen, die Trip gemacht hat, unverständlich, warum er seinen Job nicht aufgibt. In seiner derzeitigen Rolle als Mitglied der Sektion 31 gerät er immerhin regelmäßig in interessante Konflikte mit T'Pol und Admiral Archer. Obwohl das Fundament für den Trip-Handlungsstrang schwach ist, bieten sich hier viele Möglichkeiten für eine interessante Geschichte. Und Archers Warnungen, die Sektion könnte sich selbstständig machen, sind alles andere als unbegründet. Fraglich ist halt, wie der Sektion dies gelingen kann, obwohl einer der wichtigsten Admiräle der Sternenflotte (Archer!) von ihren Tätigkeiten weiß. Aber vielleicht ist die Bedeutung einer Geheimorganisation wie der Sektion 31 in einer friedlichen Sternenflotte eine der Kernaussage der "Rise Of The Federation"-Reihe.

Leider kann bei weitem nicht jede Nebenhandlung als gelungen betrachtet werden. Vor allem die Erkenntnis, die Transportertechnologie könnte eventuell bei regelmäßiger Benutzung zu ernsthaften gesundheitlichen Schäden führen, ist etwas ärgerlich. Noch trauriger ist der Umgang mit Reeds Verlust seiner Fortpflanzungsfähigkeit. Es ist verständlich, dass er darüber sehr frustriert ist und das auch unbewusst an seiner neuen Crew auslässt. Als er das endlich erkennt, hält er wohl eine der merkwürdigsten Reden eines "Star Trek"-Romans. Fans der Serien sind pathetische Reden am Ende einer Episode durchaus bekannt und meist sind sie so inszeniert, dass der Pathos erträglich ist. In diesem Fall wird dieser aber noch durch völlig unpassende Ausführungen Reeds über seine Fortpflanzungsfähigkeit und die Bedeutung von Nachwuchs in seiner Familie ergänzt. Seine Crew müsste danach eigentlich peinlich berührt und nicht – wie im Roman – begeistert sein.

Immerhin weiß die Haupthandlung auf der Pioneer ebenso zu überzeugen wie die Haupthandlung um die U.S.S. Endeavour, das neue Flaggschiff der Sternenflotte. Während sich die Sternenflotte erst noch finden muss, versucht das Verbrecherkartell die Föderation zu einem aggressiven, militärischen Vorgehen gegen die "Mutes", die Feinde aus der Episode "Lautloser Feind" zu bringen. Auf diese Weise hoffen sie, die neuerdings pazifistischen Vulkanier zum Austritt aus der Föderation zu bewegen, sowie die umliegenden politischen Mächte argwöhnisch zu machen. Ein netter Nebeneffekt ist, dass das Rätsel um den merkwürdigen Feind aus der Episode endlich aufgeklärt wird.

Die Aufklärung erfüllt dann wieder alle Kriterien einer gelungenen "Star Trek"-Geschichte. Natürlich kann die Föderation einen Krieg verhindern, durchschaut die List, die ihr gestellt wird und erreicht auf umständlichem und aufwändigem Weg eine Verständigung mit dem Gegner. Dies stärkt vor allem diejenigen Kräfte innerhalb der Sternenflotte, denen an Forschung und friedlicher Erkundung mehr gelegen ist als an einer aggressiven Sternenflotte, die vor allem die Grenzen der Föderation verteidigt.

Insofern sind die Ereignisse aus "A Choice Of Futures" tatsächlich ein erster, wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer friedlichen Sternenflotte. In vielen Nebenszenen erlebt man die Startschwierigkeiten der Zusammenarbeit innerhalb der Sternenflotte sowie Reaktionen auf die rasche Gründung der Föderation. Vor allem die Reaktionen der Politik und der Bevölkerung ähneln stark dem Verlauf der Europäischen Union, die zwar keineswegs so radikale Veränderungen wie die Gründung der Föderation auslöst, der von ihr ausgelöste Souveränitätsverlust der Nationalstaaten aber trotzdem alles andere als unumstritten in der Bevölkerung ist. All das fügt sich zu einem durchaus stimmigen Bild zusammen.

Fazit: "A Choice Of Futures" erzählt eine interessante Geschichte, die den Grundstein für die friedliche Ausrichtung der Sternenflotte legt. Das ist gut. Gleichzeitig weist der Roman aber erhebliche Mängel bei dem Spannungsaufbau auf. Dieser wird durch die Themendichte und den flüssigen Stil des Autors ausgeglichen. Auch wird bei den bemühten Charaktermomenten etwas zu dick aufgetragen. Die Nebenhandlung um die Auswirkungen des Transporters und Reeds Umgang damit wirken konstruiert und unpassend. Davon abgesehen zeigt die Haupthandlung von "A Choice Of Futures" aber, was die Stärke der Föderation sein wird: die friedliche Lösung von Konflikten.

"Rise of the Federation: A Choice of Futures" ist unter anderem bei Amazon.de als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.

3. Thomas Götz

Die folgende Rezension bezieht sich auf die deutsche Ausgabe des CrossCult-Verlages.

Nach dem Ende der Buchreihe um den romulanischen Krieg sollten weitere deutsche Enterprise-Romane eigentlich Geschichte sein, da die Verkaufszahlen wohl zu schlecht waren. Umso höher ist es CrossCult nun anzurechnen, das sie doch den nächsten Band (besser gesagt: die nächsten) bringen. Auffallend ist sogleich, das die Romane nicht mehr "Enterprise" im Titel tragen. Vor der Prämisse der Story würde das allerdings auch keinen Sinn machen, denn die Handlung springt zwei Jahre in die Zukunft ins Jahr 2163. Und auch wenn sie kurz auftaucht ist die Enterprise ein Museumsstück geworden und längst ausgemustert. Daher kann man eine Romanreihe, in der das Schiff keine Rolle mehr spielt, kaum so nennen (und darüberhinaus lockt es vielleicht auch weitere potentielle Käufer an).

Am Anfang der Handlung muss man dann auch sogleich etwas die Nase rümpfen. Reed holt nämlich Travis als Ersten Offizier zu sich auf sein neues Schiff. Travis hadert kurz mit sich, nimmt dann aber an. Nun sind natürlich zwei Jahre vergangen, aber liest man sich die Enterprise-Romane der Reihe nach durch, so hat erst im letzten Band Travis mit seinem Weggang gehadert und konnte nur mit Mühe und Not zur Rückkehr bewegt werden. Jetzt plötzlich gibt es eine weitere Kehrtwende. Aber das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau und stört zugegebenermaßen den Rest des Bandes nicht wirklich.

Dort geht es auch eher um die Anfangszeit der Föderation, wobei viele neue Crewmitglieder eingeführt werden. Diese haben teils Probleme mit den diversen Aliens, was zu einigen Auseinandersetzungen führt. Derlei Szenen gibt es einige und sie sind vor allem deshalb gewöhnungsbedürftig, da man besagte Crewmitglieder eben noch nicht wirklich kennt, sie aber quasi schon behandelt werden, als würden sie alte Bekannte sein. Mit der atablierten Crew wären solche Szenen allerdings auch schwer umzusetzen gewesen, denn die kennt man eben aus der Serie und rassistisch waren sie nie.

Trotzdem punkten diese Szenen, in dem es ihnen gelingt, die Anfangstage der Föderation ambivalent darzustellen. Die "schöne" Föderation der Picard-Zeit ist eben noch weit weg und das wird hier auch deutlich. An dieser Stelle darf man also gespannt sein, wie sich die weiteren Bände der Reihe entwickeln.

Die B-Handlung um Reeds neues Kommando ist dabei dann aber die am wenigsten interessante. Hier wird der neue Warpantrieb getestet und obwohl in diese Handlung einige bekannte Sachen als Fanservice eingebaut wurden (Tobin Dax und ein Wurmloch anhand falschen Warpantriebs wie im ersten Film) kennt man das alles schon irgendwoher. Auch die Wiederholung der Szenen aus "Der Laufsteg" tragen hier nicht unbedingt dazu bei, in Jubelrufe auszubrechen. Allenfalls die Info, das Archer und Reed aufgrund exzessiven Transportergebrauchs unfruchtbar geworden sind, vermag hier noch witzig zu sein.

Die Geschichte um Angriffe auf die junge Föderation ist da schon interessanter, vor allem da wieder einmal Fremde eingeführt werden, die eine komplett Unbekannte Sprache haben und denen man sich annäheren muss. Auch hier wurde wieder konsequent die Serie weitergeführt und aufgezeigt, warum man eben noch Kommunikationsoffiziere braucht, diese aber in 200 Jahren verschwunden sein werden. Auch der Bogen zu bisher wenig beleuchteten Bösewichtern, in diesem Fall Orioner und Malurianer, wird geschlagen und diese weiter ausgebaut. Viel Neues gibt es hier aber leider nicht: Die Bösen sind Böse und handeln entsprechend, hier fehlt vielleicht etwas Tiefgang.

Dennoch macht vor allem das Ende, das auf einer weiteren kleinen Handlung aufbaut, Lust auf die Fortsetzung. Der Roman selbst liest sich insgesamt besser als die letzten Enterprise-Romane und es bleibt zu hoffen, das die Leser der Reihe nochmal eine Chance geben.

Fazit: Die Anfangstage der Föderation werden gut in Szene gesetzt, die Nebenhandlungen fallen dahingegen aber ab. Trotzdem bleibt ein nicht allzu schlechter Roman übrig, wenn auch mit Luft nach oben.

Bewertung

1. Julian Wangler
2. Martin Weinrich
3. Thomas Götz

Weitere Infos


Titel "Rise of the Federation: Am Scheideweg"

Originaltitel "Rise of the Federation: A Choice of Futures"

Buchreihe Enterprise-Relaunch

Autor Christopher L. Bennett

Übersetzer Bernd Perplies

Preis 15 Euro

Umfang 380 Seiten

Verlag CrossCult

ISBN 978-3-95981-188-0

(jw, wc, tg - 10.07.17)


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