Die erste Staffel endet mit der vorliegenden Folge. Neben der obligatorishcne Rezi müssen an der Stelle im Nachgang aber auch noch ein paar Worte darüber verloren werden, was derzeit im Fandom so los ist….
Von Kröten und so
Nun ist es also soweit, Folge 10 stellt das Staffelfinale der ersten Academy-Staffel dar. Und wie wir anhand der Sternzeiten wissen, ist im Laufe der 10 Folgen wirklich die Zeitspanne von einem Jahr vergangen, wir haben also sicher nicht alles von unseren Helden erlebt, was genau genommen Grundlage für eine Buchreihe sein könnte. Ob sich Paramount das aber nach den Shitstorms antut… nun, aber dazu kommen wir später. Wer nur das Staffelfinale und die Sachen zum Fandom lesen will, der scrolle an der Stelle bis zum Ende.
Hier widmen wir uns zunächst mal Folge 10, die natürlich dort weitermacht, wo sie aufgehört hat. Und ja, räumen wir die großen Elefanten aus dem Weg: ein paar Kröten muss man schlucken, wenn man mit der Folge auch nur ansatzweise Spaß haben will.
- Das bereits erwähnte Verminen des Föderationsraumes ist halt einfach unlogisch und logistisch selbst im 32.Jahrhundert von niemandem zu stemmen. Vance erwähnt gleich zu Beginn eine Zahl von X Kubik-Lichtjahren, die das Gebiet umfasst, dass hochgehen würde. Die genaue Zahl hab ich jetzt nicht mehr im Kopf, und ja, selbst wenn man einrechnet, dass eine Mine ein System umfasst, das ist halt einfach unglaubwürdig, vor allem, dass es unentdeckt vonstatten ging.
- Bei derartig hohen Einsätzen bzw. Sachen, die auf dem Spiel stehen (also wieder mal die Föderation retten) ist ein Scheitern der Helden natürlich ausgeschlossen, man wird ja kaum die ganze Galaxie zerstören. Demzufolge wissen wir also, dass unsere Kadetten alles reißen werden. Es kommt in dem Fall aber, wie so oft, auf das WIE an, das durchaus noch punkten kann. Trotzdem muss man sich dem halt vorab im Klaren sein.
- Ein paar der Charakterszenen hapern auch, aber dazu kommen wir später im Detail.
Kann man über diese Punkte hinwegsehen, macht die Folge durchaus Spaß. Ja, das sind natürlich ein paar entscheidende Punkte und ich verstehe jeden, der sagt, dass man bei Kurtzman immer wieder die selben aufgewärmten Tropes vorgesetzt bekommt. Immerhin geht es quasi seit den Kelvin-Filmen immer um die Rettung der Föderation oder gar der Galaxis (Picard, Discovery, und das in fast jeder Staffel).
Davon abgesehen punktet die Folge aber an anderen Stellen, die wir uns jetzt gleich näher anschauen werden. Wobei wir es hier übrigens mit einer 70-minütigen Folge zu tun bekommen, also fast schon Pilotfilm-Länge bzw. die Länge von zwei Episoden. Überraschenderweise habe ich gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vorbeigeht, was durchaus ein gutes Zeichen dafür ist, dass die Folge eben gut zu unterhalten vermag.
Sie beginnt dabei mit der obligatorischen Raumschlacht, die man nach dem Ende der Vorwoche erwarten konnte. Die ist recht kurz und endet mit einem Sieg für Braka, was aber zu erwarten war, immerhin ist die Athena ja angeschlagen. Er entführt Anisha und Nahla, um ihnen den Prozess zu machen, während es den Kadetten gelingt, sich zu verstecken. Dabei ist die Holoablenkung bzw. Zerstörung der Athena ebenso gut umgesetzt, inklusive des mobilen Emitters des Doktors. Genau genommen wundert es mich schon lange, dass solche Manöver nicht öfter eingesetzt wurden. Aber dann hätte die Überraschung hier nicht so gewirkt, wobei es natürlich nur für die Venari Ral eine ist, nicht für den Zuschauer, der an der Stelle schon ahnt, das nicht die echte Athena zerstört wurde.
Die Schrift erfolgt diesmal vor dem Hintergrund der zerstörten Athena-Trümmer ohne Introsequenz und geht gleich weiter, in dem sie ganz klassisch eingeblendet wird, während die Action weiterläuft. Das gefällt, zieht den Zuschauer noch schneller und dichter hinein und gibt das Tempo der Folge vor.
Okay, wir verlieren später ein klein wenig an Pacing, weil es eben um die Verhandlung geht, aber das ändert nichts an dem fulminanten Einstieg.
Die Charaktere
Gleich zu Beginn gibt es die lang erwartete Szene zwischen Anisha und Nahla, wobei die beiden sich schnell annähern und Anisha sogar auf der Brücke eine Station bekommt. Hier merkt man, das sie durchaus anerkennt, das Nahla versucht hat, sich um Caleb zu kümmern. Vor allem können Maslany und Hunter das durch wenige Momente zeigen bzw. gerade biegen, was für die Stärke der Szene spricht. Die Verbundenheit wird später noch gefestigt, als Nahla ihr gesteht, das Caleb am Leben ist.
Einen kleinen Kratzer erhält der Charaktermoment, als Anisha dann bei der Verhandlung gegen Nahla argumentiert. Okay, man hat vorher gesagt, dass Anisha das Spiel mitspielen wird, man könnte aber meinen, sie wäre wirklich wieder dem Hass verfallen, auch wenn sich später zeigt, das sie eben doch nur eine Finte gelegt hat. Hier wäre mir eine Andeutung, dass sie eben doch alles nur spielt, lieber gewesen. Allerdings kann das auch so beabsichtigt gewesen sein, da man als Zuschauer an der Stelle eben wirklich nicht sicher ist.
Auch Paul Giamatti spielt als Braka wieder ordentlich auf. So blöd es klingt, aber er punktet vor allem durch seine lustigen Sprüche. Wenne r etwa gleich zu Beginn im Captains Chair erscheint und kommentiert, er sagte ja er würde eines Tages da drin sitzen, dann ja, dann ist das schon ein Brüller. Es ist nicht der einzige Kalauer, den er in dieser Folge bringt. Man mag meckern sein Plan ist doof und hat seine Schwächen (siehe auch oben), aber durch die durchaus als überspitzt anzusehende Figurenzeichnung, die Giamatti hier abliefert, kann er das ganz gut kaschieren. Manchmal muss man alles auch mit einem etwas augenzwinkerndem Humor sehen, auch wenn das Thema der Folge durchaus Ernst ist.
Auch Tarima und Caleb sprechen sich aus, wobei Caleb deutlich macht, dass er weiter zu ihr steht. Das hätte den beiden eigentlich schon ein oder zwei Folgen eher klar sein müssen (bzw. dachte ich, das wäre es auch) und das ist einer der Fälle, wo die Charakterzeichnung hier eher weniger funktioniert. Ob man Braka nicht auch ohne die telepathische Intervention gefunden hätte? – Geschenkt.
Auch Reno darf Caleb dann noch die Augen öffnen und ihm klar machen, dass er sein neues Zuhause schon gefunden hat. Auch hier dachte ich, das wäre Caleb schon vorher klar gewesen, statt dass er hier mit dem Holzhammer darauf hingewiesen wird. Immerhin: Reno geht immer, denn sie punktet hier mit ihrer Art wie schon zuvor und die Szenen mit ihr bleiben weiterhin kleine Highlights, insofern wird das Empfinden hier etwas abgeschwächt.
Auch Sam rauscht leicht mit Genesis aneinander. Wie sie betont, ist sie jetzt eine andere und nicht mehr die nervige von früher. Ja, an der Stelle möchte man als Zuschauer schreien „Endlich“, leider fällt sie am Ende dann stellenweise wieder in ihr nerviges Gehabe aus früheren Folgen zurück. Immerhin scheint auch sie hier nur um sich zu schlagen, ob der Verzweiflung wegen des Doktors, was in der folgenden Aussprache mit Genesis dann auch wieder rüberkommt und bei dem sich die beiden wieder annähern. Das ist erneut durchaus stark. Genesis darf zudem im Kommandostuhl ihre Fähigkeiten beweisen.
Stark ist auch, dass man das Gespräch zwischen Caleb und seinen Freunden ausspart. Caleb will sich zwar entschuldigen, aber Genesis antwortet nur mit einem „Lass es“ (oder „Basst scho“ wie es in Bayern heißt). Hier könnte man meinen, sie wäre noch sauer, aber wie sich am Ende zeigt, hat auch sie den Grund von Calebs Handeln verstanden und die Truppe hält am Ende zusammen. So muss das sein und so funktioniert auch der Zusammenhalt untereinander.
Lediglich Jay-Den und Darem bleiben hier etwas auf der Strecke, obwohl auch sie ein paar kleinere Szenen haben, in denen sie etwas zur Action beitragen dürfen.
Die Verhandlung
Bleibt unterm Strich noch die Verhandlung, die Braka inszeniert. Natürlich findet diese auf dem Atrium der Athena statt, dass hier „zerstört“ dekoriert ist. Es ist durchaus faszinierend zu sehen, dass man es geschafft hat, 10 Folgen fast ausschließlich in derselben Kulisse (nur immer leicht anders gestaltet) zu drehen. Ja, okay, sparen und so, vor allem gegen Ende der Staffel ist das aber doch auffällig und ja, es gibt ein paar Ausnahmen hiervon, aber trotzdem.
Der Prozess an sich ist jetzt nicht sonderlich spannend, vor allem, da das Urteil (und ebenso der finale Ausgang) von vornherein feststeht. Aufgezogen wird das ganze medienwirksam mit Kameras (und natürlich VNN, also dem Venari Ral News Network), auch wieder in gewisser Weise witzig, wobei ich es etwas unpassend fand. Zumal ein paar Sachen, die dort in den Untertiteln gezeigt werden, auch unfreiwillig (oder freiwillig?) zur unlogischen Situation beitragen. So wird etwa erwähnt, dass die Zivilisten versuchen, aus dem Föderationsraum zu fliehen. Da es, wie wir schon festgestellt haben, unmöglich sein dürfte, den ganzen verminten Bereich auch nur ansatzweise zu überwachen, dürfte hier sehr wahrscheinlich sein, dass ein panischer Zivilist in einem seiner Schiffe eine der Minen auslöst… puff, Föderation weg… hüstel.
Aber okay, das ist nur Meckern an der B-Note. Wobei auch in der A-Note einiges zu meckern ist. Denn dass die Föderation nicht Schuld war an der Zerstörung von Brakas Heimat und das selbstverschuldet war, dürfte selbst denjenigen Zuschauern, die nur vom Handy aus zuschauen, schnell klar sein. Und seit wann sind UFP-Waffen blau oder grün? Blau, wegen der Quantentorpedos, okay, aber grün sind ja eigentlich Romulaner und Borg. Wobei ich mich jetzt nicht erinnern kann, dass in Discovery oder Academy die Dinger eingesetzt wurden, aber da dürft ihr mich gerne korrigieren.
Aber gut, das sind nur Oberflächlichkeiten. Die Lösung des Problems kommt übrigens vom (beschädigten) Doc. Das wird einigen auch wieder nicht gefallen, in gewisser Weise ist es aber passend, war er bei der Entdeckung des Omega-Moleküls auf der Voyager ja dabei. Später (repariert) wird es nochmal einen kurzen Vater-Tochter-Moment geben und wie erwähnt freue ich mich darauf, dass hier vielleicht in der zweiten Staffel weiter vertieft wird. Sam ist es dann auch, die die Minen entschärft, wobei man auch hier wieder fragen kann: eine Flotte von Minen, äh 10 000 Sternenzerstörern, die von einem einzigen Beacon gesteuert werden, wir wissen ja, dass das eine gute Idee ist, nicht wahr? Schreit noch jemand Episode IX? Schön, das wir uns einig sind. Aber das zählt zu den oben erwähnten Kröten.
Das Ende bildet einen wunderschönen Übergang in die zweite Season bzw. ein Ende der ersten, und man hat es sich nicht nehmen lassen, Babybilder der Schauspieler zu zeigen (sowie die Erwähnung, dass sie 3196 ihren Abschluss machen werden, obwohl das noch gar nicht feststeht und noch nicht gesichert ist, dass es eine dritte Season gibt. Die Absetzungsgerüchte, die einige Fans verbreiten, sind aber an der Stelle zumindest übertrieben bzw. verfrüht). So oder so, die Babybilder sind witzig (vor allem z.B. bei Robert Picardo) und passen als Abschluss durchaus gut, da kann man nicht meckern. Und ist schonmal jemandem aufgefallen, was für ein Riese Sandro im Vergleich zu Holly Hunter ist?
Fazit
Ein paar fette Kröten an der Glaubwürdigkeit der Handlung muss man schlucken und an den Charakterszenen gibt es ein paar leichte Kratzer. Kann man darüber hinwegsehen, wird man aber 70 Minuten durchaus gut unterhalten, denn wenn man nicht merkt, wieviel Zeit verstreicht, spricht das eigentlich für die Folge. Es liegt, wie so oft, an jedem Selbst, ob er damit klarkommt bzw. klarkommen möchte und der Folge etwas abgewinnen kann.
Bewertung:
Staffelfazit
Schaut man sich die Gesamtübersicht der ersten Staffel an, so stellt man fest, das zwar einige „Stinker“ dabei waren – vor allem Folge 4 und 5 machen einen deutlichen Knick nach unten – die Staffel aber insgesamt bei „Okay bis gut“ rangiert.
Die übergeordnete Staffelhandlung reißt dabei nicht so vom Hocker, das ist typisches übertriebenes Kurtzman-Trek, dass so keiner mehr braucht. Dafür punktet die Staffel aber mit ihren starken Charakteren. Klar, auch da ist es mal besser, mal schlechter, insgesamt überzeugt die Coming of Age-Story aber. Man darf eben nur nicht klassische Star Trek-Abenteuer mit einer Crew erwarten, die bereits alles kann und Probleme souverän löst. Das mag manchmal etwas klischeehaft daher kommen, überzeugt unterm Strich aber und macht Lust auf Season 2.
Toxic Fandom
Ende gut, alles gut? Könnte man meinen. Wie Kollege Christopher möchte ich aber auch noch ein wenig auf das Fandom eingehen und was da gerade los ist.
Beim Review zu Folge 1 hatte ich noch gesagt, dass einige Seiten mit ihren negativen Reviews wohl auf Clickbait aus waren. Eine Ansicht, die man im Nachgang wohl revidieren muss – oder doch nicht?
Betrachtet man sich die Kommentare, auch bei uns auf der Seite, so kann man genüsslich darüber streiten, ob die 4.5 Sterne, die ich für Folge 1 vergeben hatte, gerechtfertigt sind. Rangiert die Folge also auf dem gleichen Niveau wie Klassiker wie „The Inner Light“ (der bei mir, wie meine Leser wissen, gar nicht mal so gut wegkam)? An der Stelle sag ich übrigens ebenfalls klassisch „nein“, denn die Serien von heute sind anders als damals, das sieht man ja schon daran, wie stark sie polarisieren. Denn außer einem „gut“ oder „schlecht“ scheint es zumindest bei Starfleet Academy nichts dazwischen zu geben.
So ist also ein 4.5 aus den 80ern kein 4.5 von heute, denn nicht nur die Serien, auch das Setup (Sehgewohnheiten, Streamingdienste, nur noch 10 Folgen, die Machart etc.) hat sich geändert.
Und ja, wären die Diskussionen auf diesem Niveau geblieben hätte man sagen können: Ja, hier redet man untereinander, diskutiert über das Für und Wider im Sinne der Botschaft von Star Trek und alles ist gut.
Leider, wie ihr sicher auch bereits wisst, blieb es nicht dabei. Der Shitstorm vor Start der Serie ist nichts verglichen mit dem Shitstorm, der sich nach dem Start breit gemacht hat (und natürlich wieder die obligatorischen Trolle anzieht, die sogar Schauspieler beleidigen). Das geht sogar soweit, das man anderen vorschreibt, wie man sich als Fan zu verhalten bzw. zu sein hat. Dabei hat sich das Geschehen schon längst von einem reinen „es geht um die Serie“ wegbewegt hin zu teils heftigen persönlichen Anfeindungen.
Ich möchte an der Stelle keine Namen nennen, wer es verfolgt hat wird wissen, dass vor einer Woche gewisse Sachen zwischen verschiedenen Leuten… nennen wir es mal „eskaliert“ sind und eine neue… nun ja, „kontroverse“ welle ausgelöst haben. Und ja sicher, auch ich könnte an der Stelle das ein oder andere (negatives, aber auch positives!) beitragen, nur was würde es denn nützen?
Ein „normaler“ Beitrag bzw. Reden (oder untereinander) scheint kaum noch möglich zu sein, zumindest wenn es um die Causa „Starfleet Academy“ geht. Das geht soweit, dass Fedcon-Besucher ihre Karten wieder abgeben, weil dieses Jahr fast nur SFA-Castmitglieder dabei sind. Dabei sind doch, zumindest für mich, die Stars nur „schmückendes Beiwerk“, und die Fedcon eher das alljährliche Treffen mit Freunden, die man ein Jahr lang nicht gesehen hat. Aber darum solls es jetzt hier nicht auch noch gehen.
Bleibt mir am Ende nur auf etwas Besinnung zu hoffen, wobei ich mich den Worten unseres Chefredakteurs Christopher nur anschließen kann: Ich hoffe ihr fühlt euch durch unsere Begleitung bzw. Reviews der Serie gut unterhalten, auf der weiterhin von Fans für Fans geführten Seite trekzone.de 😉
(Einsendungen passender Werbeslogans bitte nur Werktags zwischen 15 und 16 Uhr 😉).







Wieder und wie immer eine sehr schöne Rezension – Vielen Dank. Ja ich habe mit Ankündigung der Serie auch das schlimmste befürchtet…Zum Glück ist es nicht ganz so schlimm gekommen. Wie seit dem Start von Discovery gab es halt immer Punkte mit denen ich nicht nicht zufrieden bin, aber das muss man als Zuschauer wohl hinnehmen.