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Stefan Hildebrand (sh)15.07.02

Jean-Luc Picard als Vorbild

Patrick Stewart über den Einfluss seiner Rolle auf andere

Im Gespräch mit Metro sprach der Captain-Picard-Darsteller über die zweite Trek-Serie, den kommenden Kinofilm, über George W. Bush und Donald Rumsfeld, Sport und "Star Trek"-Conventions.

Patrick Stewart gehört zur großen Zahl der britischen Schauspieler, die in den USA berühmt wurden. Als Sohn eines Soldaten aus Yorkshire verließ Stewart die Schule im Alter von 15 Jahren und begann für kurze Zeit eine Karriere als Journalist, bevor er Schauspieler wurde. Zunächst kam er in den Genuss einer Karriere bei der Royal Shakespeare Company und nahm sich später der Rolle an, die ihm weltweiten Ruhm einbrachte: Jean-Luc Picard in "Star Trek: The Next Generation".

Frage: Waren die Allround-Anzüge, die Sie während den Anfängen von "The Next Generation" trugen, eine Qual für Sie? Man sieht ständig Leute, die versuchen, sie geradezurücken.

Die Kostüme zu Beginn der Serie waren für den Schauspieler eine Qual
Patrick Stewart: Nach den ersten zwei Jahren wurden sie geändert. Sie waren in einem Stück hergestellt und aus Stretch-Stoff gefertigt. Daher lagen sie sehr eng am Körper an und ich habe mit der Zeit Rücken- und Schulterschmerzen bekommen. Ich bin dann zu einem Spezialisten gegangen, und als ich ihm erzählt hatte, was ich zwölf Stunden am Tag trage, wusste er, dass es von den Anzügen kam. Deshalb haben wir sie abgeschafft und Zweiteiler aus Wolle eingeführt - sehr zum Leidwesen der Frauen, die den Stretch-Stoff sehr mochten.

Frage: Er hält ja schließlich alles da, wo es hingehört, oder?

Stewart: Ganz genau, und wir hatten einige sehr attraktive Frauen in der Serie.

Frage: Wenn die Enterprise angegriffen wird, wird die Crew scheinbar auf der ganzen Brücke hin und her geschleudert - hat denn niemand daran gedacht, Sicherheitsgurte einzubauen?

Stewart: Ende März haben wir den nächsten "Star Trek"-Film fertig gedreht. Sehen Sie ihn sich an und Ihre Frage wird beantwortet.

Frage: Wird es nach 15 Jahren nicht langweilig, Picard zu spielen?

Stewart: Gegen Ende der Fernsehserie wurde es langweilig, weil wir sieben Jahre am Stück gedreht hatten. Was mir den Spaß erhalten hat, war, dass ich später immer mal wieder bei einer Episode Regie führen durfte, wodurch mein Leben alle paar Monate eine nie gekannte Fülle annahm.

Frage: Besuchen Sie Conventions?

Stewart: Ich war schon bei vielen mit dabei. Meine erste war gegen Ende der ersten Staffel und ich war überhaupt nicht auf die Belastung und den Ansturm gefasst. Ich war nicht gerade scharf darauf, doch man hatte mich überredet und so ging ich zu einer Convention in Denver. Als ich im Backstage-Bereich angekommen war, habe ich gefragt, wie viele Leute dort draußen seien. Ich hatte mit ungefähr 400 gerechnet, doch in Wirklichkeit waren es 3500 in einer Halle von der Größe eines Flugzeug-Hangars. Da konnte ich mir in etwa vorstellen, wie es für die Beatles im Shea-Stadion gewesen sein muss - höllisch!

Frage: Was war das für ein Gefühl?

Stewart: Zuerst war es beunruhigend. Während der nächsten sechs Jahre habe ich jedes Jahr vier bis sechs Conventions besucht und mich daran gewöhnt. Es war ein guter Weg, um mich wieder an ein Live-Publikum zu gewöhnen.

Frage: Wie denken Sie über die Menschen, die auf Conventions gehen?

Stewart: Ich denke, sie werden ungerecht behandelt. Die allgemeine Einstellung der Medien ihnen gegenüber basiert auf einem kleinen, extrem ausgerichteten Teil der Fan-Gemeinschaft. Diejenigen, die sich die Haare abrasieren, um wie Captain Picard auszusehen. Die meisten Fans stammen aber aus den unterschiedlichsten Schichten.

Frage: Ist das gut oder schlecht?

Die mediale Vorstellung von Convention-Gängern ist ein Zerrbild, meint Stewart
Stewart: Es ist sehr schön. Wir haben unter den Polizisten viele Anhänger, was oft sehr nützlich ist. Einige Fans sind echte Stars: Frank Sinatra ist ein treuer "Star Trek"-Zuschauer, genau wie Bob Dylan und Tom Hanks. Als ich Tom das erste Mal getroffen habe, wollte er über die Serie sprechen. Mit Büchern über "The Next Generation" könnte man schon kleine Bibliotheken füllen. Allein zwei Bücher wurden nur über meine Rolle geschrieben. Eines davon handelt von Picards Vorgehen bei Geschäften.

Frage: Besitzen Sie es?

Stewart: Ja, ich habe sie alle.

Frage: Ist das nicht nur dummes Zeug?

Stewart: Nein, überhaupt nicht. Es gibt ein Übungshandbuch, das Picards Befehlsstil als Grundlage benutzt. Berufspiloten zeigt man Videos von Picard auf der Brücke als Beispiel für das Vorbild, nach dem sie sich richten sollen.

Frage: Wie ich höre, sind Sie recht begeistert von Politik und Macht...

Stewart: Ich hatte seit der ersten Wahl nach dem Zweiten Weltkrieg, als Churchill rausgeworfen wurde, mit Politik zu tun. Mein Vater war in die Gewerkschaftsbewegung verwickelt, daher war das unausweichlich. Ich glaube, man kann nicht auf diesem Planeten leben und gleichzeitig nicht politisch sein - zu leben heißt politisch sein.

Frage: Wie denken Sie über den jetzigen US-Präsidenten?

Stewart: Was da vor sich geht, ist erschreckend und ich bin besorgter über die Rolle der USA in der Welt als jemals zuvor. Ich dachte immer, ich würde nicht leben, um die Dinge zu sehen und hören, die sich da gerade abspielen. Rumsfeld & Co. haben Sachen wie "Wenn ihr nicht hundertprozentig für uns sein, dann seid ihr unser Feind!" gesagt. Das ist ja schon fast wie bei Orwell.

Frage: Man hat Sie einmal zu dem TV-Mann gewählt, bei dem die meisten Frauen schwach werden. Ist das der Beweis dafür, dass alte Männer eben doch die besseren Liebhaber sind?

Stewart: Ich habe erst vor kurzem einen Artikel über einige Zoologen gelesen, die eine Löwenart in Südostasien untersucht haben, die kahlköpfig sind. Ihre Forschungen haben ergeben, dass diese Löwen die brutalsten, dominantesten, am meisten Angst einflößenden Tiere mit dem weltweit höchsten Testosteron-Wert sind. Die Wissenschaftler glauben, dass es eine chemisch-biologische Verknüpfung zwischen Haarlosigkeit und erhöhter Potenz gibt.

Frage: Hat das Leben in Kalifornien aus Ihnen einen Sport-Fanatiker gemacht?

Stewart: Es ist eine Mischung aus kalifornischen Einflüssen und dem Schrecken vor dem Altwerden, aber ich versuche jeden Tag auf irgendeine Weise Sport zu treiben.

Frage: Werden Sie belästigt, wenn Sie joggen?

Stewart: Nein, ich weiß mittlerweile, wo ich sicher bin und wo nicht, und große Menschenmassen sind ideal. Bei Fußball- oder Baseball-Spielen und in Disneyland erkennt mich nie jemand. Und - diesen Rat hat mir einmal Paul McCartney gegeben - man kann überall hingehen, solange man schnell geht und man es nie zum Augenkontakt kommen lässt. Wenn das passiert, haben sie dich.

(sh - 19.04.09)


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