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Julian Wangler (jw)09.12.07

20 Jahre "The Next Generation"

Die Serie wird in Romanform fortgesetzt

"The Next Generation" wird 20 Jahre alt. Bücher über Bücher zu TNG wurden geschrieben. Was liegt da näher, als die Serie von Ende der TV-Serie bis jetzt einmal zu beleuchten?

Quo vadis, Idealism?

"Herr, kläre die Begriffe!", soll nach Konfuzius die klärende Antwort eines Philosophen an einen jungen Herrscher gewesen sein, als dieser seine Regentschaft antrat und fragte, was er als erstes tun sollte.

Eigenartig, für "Star Trek: The Next Generation", Ausgangspunkt des modernen "Star Trek"-Diskurses, hat kein Geringerer als Q persönlich diese Klärung vorgenommen: "Verlegen Sie sich auf das Erkunden unbekannter Möglichkeiten der Existenz", hatte er Picard bei seinem letzten Auftritt in "Gestern, Heute, Morgen" geraten. Da war der schnipssüchtige Störenfried wohl zu abgelenkt gewesen mit intergalaktischem Unfug. Denn eigentlich umrissen seine Worte geradezu musterhaft jenes Kredo, dem sich "The Next Generation" von Anfang an verschrieben hatte: Mit Verträumtheit und einer gewissen gesunden Naivität zu neuen Welten aufzubrechen und sich als Mensch in diesen Aufbrüchen zu spiegeln. So weit, so gut.

Die Geschichte der "Next Generation"-Crew geht weiter...
Doch was geschah, nachdem die Serie eingestellt wurde? Der Wind drehte - der Wind des Zeitgeistes wohlgemerkt: Das bei "The Next Generation" gepflegte und von Jean-Luc Picard verkörperte Idealistentum geriet langsam aber sicher außer Mode. Und das war vielleicht die größte Herausforderung für die Zukunft der Enterprise-Crew aus dem 24. Jahrhundert: Wie sollten ihre Abenteuer weitergehen? Ein Glück, kann man fast sagen, dass die Leinwand es dem Franchise traditionell verschmerzt, wenn es etwas actionlastiger zugeht. Ohne dass das Kontinuitätsdilemma gelöst wurde, konnten Picard & Co. für sich dreieinhalb Kinoauftritte reklamieren, bevor alle guten Dinge denn wirklich zu einem Ende kommen mussten. Wirklich? Manch einen Zuschauer ließen die immerzu sprunghafteren Entwicklungen von Crew und Schiff, angefangen mit "Der erste Kontakt" bis hin zu "Nemesis", stutzen.

Und so glaubte man bei Pocket Books, auf eine blendende Idee gekommen zu sein: Warum nicht eine große Geschichte kreieren, die den Fan besser an das Gesehene heranführte? Eine Geschichte, angesiedelt zwischen "Der Aufstand" und "Nemesis", die Vergangenheit und Zukunft organisch miteinander zu verbinden vermochte. Die "A Time To..."-Reihe ward geboren.

Die Fragen, die man an sie herantrug, waren auch nicht gerade von Pappe: Wie kam Geordi eigentlich an seine neuen Augen? Warum hat Data in "Nemesis" plötzlich keine Emotionen mehr? Wie fand Worf zurück auf die Enterprise? Was sucht Wesley auf Rikers und Trois Hochzeit? Warum wollen die letzten beiden samt Doktor Crusher plötzlich von Bord gehen und die Karriereleiter hochklettern? Und überhaupt: Warum ist Picard plötzlich humorvoll? Fragen über Fragen, teils über liebenswürdige Details, ließen ein Projekt mit insgesamt neun Bänden entstehen, an denen sich ausgewählte Autoren aus dem Franchise probierten. Umfang und Sinnhaftigkeit des Unterfangens sind bis heute kritisiert: Für die einen Leser zog es sich wie Kaugummi, die anderen fanden es aufklärend und erbauend, Dritte wollten kaum mehr als gewürzte TNG-Doppelfolgen in der Post-Dominion-Krieg-Zeit darin sehen.

Wie auch immer: "A Time To...", wenn auch immer noch nicht die Lösung für das Kontinuitätsproblem, gab der Serie Gelegenheit, sich an etwas zu kurieren, das in der Zeit ihrer Entstehung noch nicht so im Vordergrund gestanden hatte: den Charakteren. Daraus ging sie prinzipiell gestärkt hervor, weil sie ein dramaturgisches Tiefenelement erhielt, das sich für Weiterentwicklungen lohnen mochte.

So kam es auch nicht anders, als dass die Frage nach der Fortführung von "The Next Generation" Pocket Books weiter juckte. Die Relaunches von "Deep Space Nine" und "Voyager" waren zumal bereits lanciert und machten bei Medien und Markt eine überwiegend gute Figur. Zudem war auch Captain Rikers neuer Kahn, die Titan, zu seinem Jungfernflug aufgebrochen. Was man da versucht, ist die Reinkarnation des alten, gelegentlich etwas verschütteten Forschergeistes, insbesondere nach der harten Zeit des im Alpha-Quadrant wütenden Dominion-Kriegs.

Was nun mit dem im Trockendock regenerierenden Flaggschiff der Sternenflotte machen? Anders als bei "Deep Space Nine" und auch "Voyager", deren TV-Finale zahlreiche Fragen offen ließen, hingen bei "The Next Generation" die Früchte zum Ernten nicht so niedrig. Und das auch und vor allem aus einem Grund: Egal, wie gut "A Time To..." der TNG-Seele getan haben mag: Im Gefolge von "Nemesis" ist nicht mehr viel davon übrig. Nur noch ein paar Charaktere sind verblieben, denn das Imzadi-Tandem gibt jetzt eigene Befehle, und pro forma sind auch Beverly und Data weg von der Bühne. Letzterer hat ja eigentlich in einem mehr oder minder heroischen Akt sein Ableben gefristet, doch mit seinem Epiloggeträller hat ein aus der Wüste aufgetauchter Androidenklon namens B-4 die Frage nach Datas Rückkehr schlagartig offen gelassen. Allerdings dürfte diese eigentlich nicht zur Debatte stehen, will man nicht den Fan ins Boxhorn jagen: Wer sieht schon einen Haupthelden gerne sterben, auf dass er ein paar Minuten später wieder unspektakulär aufersteht? So etwas funktioniert vielleicht bei den Zylonen; in "Star Trek"-Stellargraden ist es eher ungeliebt. Wir merken: Wir sind dem Problem auf der Spur - und ihm doch kein Bisschen näher gekommen.

Stehen in "Death in Winter" im Mittelpunkt: Jean-Luc Picard und Beverly Crusher
Vermutlich erging es dem Pocket-Books-Thinktank um Marco Palmieri da ausnahmsweise mal nicht anders. "The Next Generation" wiederzubeleben, ohne es im Hinblick auf die traditionellen Inhalte zu entkernen, das mutet wie die Quadratur des Kreises an. "Let's see...", wird man vielleicht gesagt haben, und schon war das alte Problem um ein neuerliches Mal vertagt.

In der Hoffnung, etwas irgendwie altbacken Neues zu präsentieren, läuft die Enterprise-E anno 2379 (beziehungsweise 2005) also wieder aus - erneut in Romulanischen Raum. Und das nur, um Beverly zurückzuholen, wie "Death in Winter" aus der Feder von Michael Jan Friedman uns eröffnen wird. "Picard ohne Beverly, das geht doch nicht", lautet Friedmans rechtfertigende E-Mail-Antwort auf eine Frage der Literatur-Letter-Redaktion.

So, so, Picard ohne Beverly. Und was ist mit: Picard ohne Borg? Picard ohne Q? Die Vermutung kündigt sich an, dass "The Next Generation" nach den haarsträubenden Kinoabenteuern erst einmal einen literarischen Rollback wird hinlegen müssen - womöglich nicht zum Schlechten. Aber gut' Ding will offenbar Weile haben, um Picards Stand im unruhig gewordenen "Star Trek"-Universum zu verorten. Dass selbst dieses Vorhaben gelingen kann, beweist die Logiklegende Spock mit einem Evergreen-Quote, auf das hier jedoch nicht weiter eingegangen sei.

Es gibt Stimmen, die sagen, der heutige Zeitgeist - also der im 21. Jahrhundert - tendiere mehr denn je zum guten Alten. Das Schlagwort vom modernen Konservatismus macht die Runde, vom Securitasmus, vom "Sehnsuchtsessel der Gewissheiten" (oder zumindest einstiger Gewissheiten). Vielleicht ist die sogenannte "Second Decade" von "Star Trek: The Next Generation" ein Beispiel dafür. Vielleicht aber auch nicht. "Das Schöne an der Zukunft ist, dass wir nicht wissen, was passiert" (Zitat: Benjamin Sisko). Andererseits: "The more things change the more they stay the same" (Quark)...

Alte Ufer = Neue Ufer? Warten wir's ab...

A Time To... - enlight

Um einen Abriss der literarischen Entwicklung seit "Star Trek: Nemesis" zu gewährleisten, wollen wir die "A Time To..."-Reihe noch einmal en passent Revue passieren lassen. Es sind die Jahre 2376 bis 2379. Worum ging es da, worauf liefen sie hinaus?

Band 1 und 2: "A Time To Be Born" & "A Time To To Die" von John Vornholt

Ein mysteriöser Schiffsfriedhof im Rashanar-Sektor - verbliebener Zeuge des Dominion-Kriegs - wird der Enterprise zum Verhängnis: Vom Ärger mit Raumpiraten, über Konflikte mit einer lokalen Spezies, bis hin zur Zerstörung eines anderen Sternenflotten-Schiffes schwillt die Problemlage an. Als allem Anschein nach Picard die Schuld dieser verheerenden Zwischenfälle zufällt, steht urplötzlich seine Zukunft in der Sternenflotte zur Disposition. Die ihn entlastende Wahrheit aufdecken, vermag nur ein amtierender Captain Riker - und jemand, der kurz davor steht, ein "Reisender" zu werden...

Der Auftaktzweiteiler von John Vornholt thematisiert schwerpunktmäßig Jean-Luc Picards Selbstlegitimation als Sternenflotten-Offizier, aber auch Rikers sich vollziehende Entwicklung, aus dem Schatten seines kommandierenden Offiziers herauszutreten. Demgegenüber führt Data sein charakterlicher Pfad zu einem Punkt, wo er seine Handlungsweisen als autonomes Wesen infrage zu stellen beginnt.

Band 3 und 4: "A Time To Sow" & "A Time To Harvest" von Dayton Ward & Kevin Dilmore

Nachdem sie einem 200 Jahre alten Notsignal nachgegangen und auf eine dokaalanische Siedlung inmitten eines Asteroidenfelds gestoßen ist, muss sich die Enterprise mit einer dort vorherrschenden terroristischen Gefahr auseinandersetzen. Diese erreicht ihren Zenit, als das Schiff geentert und Crewmitglieder - darunter Geordi LaForge - entführt werden. Picard, immer noch nicht vollständig rehabilitiert, sieht sich gezwungen, in der Angelegenheit der Dokaalaner zu intervenieren...

Gedacht als Anknüpfungspunkt und Übergangscliffhanger, führen Dayton Ward und Kevin Dilmore Picards Wandlungsprozess als Sternenflotten-Offizier weiter; auch gibt es Reflexionsbereiche für Geordi und Beverly ob ihrer Vergangenheit.

Band 5 und 6: "A Time To Love" & "A Time To Hate" von Robert Greenberger

Eine ökologische Katastrophe auf Delta Sigma IV ruft die Enterprise auf den Plan: Sie soll einen Mord aufklären, der sich im Rahmen eines Sternenflotten-Heilverfahrens für die Bevölkerung auf dem Planeten ergab. Aber sie soll nicht nur den Mörder suchen, sondern auch den Sternenflotten-Verantwortlichen für das Projekt: Admiral Kyle Riker. Während William Riker sich also auf die Suche nach seinem Vater begibt, stellt die wieder aufflammende Seuche auf Delta Sigma IV Doktor Crusher vor eine medizinische Herausforderung - und Picard in eine Zwickmühle, anstehende Entscheidungen über moralische Vertretbarkeiten zu fällen...

Der fünfte und sechste Band sind vor allem für den Charakter William Rikers ausschlaggebend. Denn streng genommen ergibt sich hier - im Wechselspiel mit seinem Vater - die Entscheidung, ein eigenes Kommando zu übernehmen.

"A Time To Heal" von David Mack
Band 7 und 8: "A Time To Kill" & "A Time To Heal" von David Mack

Dass die Föderationsregierung in der stürmischen Zeit des Dominion-Kriegs die blockfreie Welt Tezwa unauffällig mit Metawaffen ausstattete, um einen Vorposten für das Worst-Case-Szenario zu haben, rächt sich urplötzlich: Der tezwanische Diktator Kinshawn beginnt sich mit dem ihm an die Hände gegebenen Kriegsspielzeug anno 2379 selbstständig zu machen. Als er in seinem Größenwahn eine klingonische Flotte vernichtet, beginnt für Picard und die Enterprise ein Wettlauf gegen die Zeit: Ihnen muss es gelingen, Tezwa zu entwaffnen, bevor Kanzler Martok und der Hohe Rat herausfinden, dass es eigentlich modifizierte Sternenflotten-Arsenale waren, welche seine Schiffe pulverisierten...

David Mack liefert uns den Höhepunkt der "A Time To..."-Miniserie, und das nicht nur, weil mit dem auf Qo'noS stationierten Föderationsbotschafter Worf sich ein verloren geglaubter Protagonist von "The Next Generation" mit neuem Möglichkeitsspektrum zurückmeldet. Auch Rikers und Trois Liebe füreinander wird hier mit unumgänglicher Konsequenz behandelt - jenseits einer politischen Gratwanderung für die ganze Föderation.

Band 9: "A Time for War, A Time for Peace" von Keith R.A. DeCandido

Nach dem Tezwa-Desaster beginnt ein überraschender Wahlkampf um die neue Führung der Föderation. Zur elektoralen Manövriermasse werden dabei erstaunlicherweise gleich grundsätzliche politische Positionen, wie die Khitomer-Verträge. Das bringt vor allem Botschafter Worf auf Qo'noS in die Bredouille, obwohl der ohnehin schon genug Probleme hat - nachdem herausgekommen ist, dass Kahless in Wirklichkeit ein Hologramm ist. Darum wird die Enterprise abgestellt, um den plötzlich verschwundenen Imperator wiederzufinden. Eigentlich zum falschen Zeitpunkt: Troi und Riker sind voll und ganz in Hochzeitsvorbereitungen verstrickt, und letzterer sieht sich bereits nach Offizieren für sein künftiges Kommando um. Da taucht eine schier unsterbliche Ingenieurslegende an Bord auf...

Als eine Art Epilogroman angesehen werden kann Keith R.A. DeCandidos Einzelwerk. Es leitet direkt zu "Nemesis" über, klärt aber auch einen politischen Neuanfang in der Föderation. Darüber hinaus Picards Entscheidung, dort zu bleiben, wo er ist, Beverlys Druck, dies eben nicht zu tun - und Worf schließlich findet bei seinen alten Freunden eine neue Heimat.

Second Decade - Second Revival?

Das Ende der "A Time To..."-Reihe mündete in einen regelrechten Strudel von Ereignissen, politisch und persönlich. Umso mehr stellt sich die Frage, wie "The Next Generation" darauf aufbaut und weitermacht, nach der Krise um Shinzon. Erfahren Sie es hier, im Abriss der drei bereits erschienenen Romane zur "Second Decade".

Band 1: "Death in Winter" von Michael Friedman

Ende 2379. Auf der romulanischen Grenzwelt Kevratas bricht eine unbekannte Seuche aus. Doktor Crusher, mittlerweile ein hohes Tier in der Sternenflotten-Medizin, erfährt davon und sieht keine andere Möglichkeit, als heimlich die Neutrale Zone zu überqueren - immerhin verweigern Prätor Tal'Aura und ihre rechte Hand Tomalak medizinische Unterstützung durch die Sternenflotte. Doch auf Kevratas angekommen, läuft Beverly glatt in eine Falle des Tal'Shiar. Als Picard von ihrer Gefangennahme hört, fackelt er nicht lange und organisiert ein Rettungsteam - das zu großen Teilen aus ehemaligen Kollegen von der Stargazer besteht. Mit ihnen reist er schnellstmöglich nach Kevratas, um die Frau, die er im Grunde seines Herzens liebt, zu befreien...

Und da wären wir bereits beim Stichwort. Abgesehen davon, dass Autor Friedman uns eine verkappte Fortsetzung der "Stargazer"-Reihe beschert, dreht sich in diesem Roman die Handlung hauptsächlich um Beverly und Picard. In Anbetracht der Gefahr, in der die Ärztin schwebt, wird er sich zusehends über seine starken Gefühle für sie im Klaren. Meisterhaft illustrieren dies auch zwei Flashbacks, die in der Geschichte gut platziert wurden. Zum Ende des Buches lässt sich nur soviel sagen: Nicht von ungefähr scheint es dem Leser schon beim Studieren des Klappentextes, dass ein in "Nemesis" eingeschlagener Trend scharf korrigiert wird.

Band 2: "Resistance" von J.M. Dillard

Eines Nachts wacht Picard schweißgebadet auf. Er hat Stimmen gehört; Stimmen aus dem finstersten Winkel seiner Vergangenheit. Und plötzlich weiß er: Die Borg sind zurück. Gegen eine gewisse Admiral Janeway muss er sich durchsetzen, um herauszufinden, dass ein Borgschiff im Alpha-Quadranten zurückgeblieben ist und sich am Bau einer neuen Königin probiert - um Rache an der Menschheit zu nehmen...

J.M. Dillard beginnt einen schnelllebigen Actionroman, der die Borg-Story wieder aufgreift und ihr neue Akzente zu verpassen versucht. Die Borg als Bestien sollen wieder salonfähig werden. Auch der andere Picard, den wir in "Der erste Kontakt" kennenlernen durften - ein gebrochener, von Rache und ob der Borg großer Selbstüberschätzung getriebener Mann -, begegnet hier uns erneut. Das ist vielleicht sogar das interessanteste Moment des Buches, denn es zeigt selbst für den Flaggschiff-Captain Entwicklungspotential auf.

Band 3: "Q & A" von Keith R.A. DeCandido

Wir haben es schon gehört - und auch gedacht: Was bitteschön ist "The Next Generation" ohne Q? Immerhin ist die Prüfung durch ihn ja der konstituierende Rahmen für die Serie gewesen. Nun kehrt er zurück - und treibt den nie endenden Prozess gegen die Menschheit weiter voran. Picard und seine Crew werden vor das Rätsel um einen mysteriösen Planeten gestellt. Mit der Aussicht, dass das Universum endet, sollten sie es nicht lösen...

"Q & A" wird sich dem Leser weniger in Form einer weiteren Q-Abenteuergeschichte erschließen denn als Abrechnung und Erklärung mit dem Charakter sowie seinen Handlungsweisen der zurückliegenden zwei Dekaden. Das ist das Neue. In der B-Handlung werden auch und vor allem die neuen Gesichter auf der Enterprise vorgestellt. Außerdem hat Geordi mit der Trauer um Datas Verlust zu kämpfen und geht somit tiefer in Geordis Charakter ein.

Second Decade - To New Worlds

Die Second Decade startet also mit einem eher gemächlichen Auftakt, vollzieht keine großen Sprünge. Umso mehr ein Grund, zu fragen, ob es eine Langzeitperspektive gibt und was noch auf uns zukommen mag?

Die Borg werden in der "Second Decade" wieder zum Gegenspieler
Nach Ansicht von Pocket-Books- und TNG-Relaunch-Lektorin Margaret Clark läuft erst einmal alles richtig: "In 'The Next Generation' ging es um die Familie und das Geschehen auf dem Schiff", sagt sie. "Und deswegen sagte ich ihnen [meint die zugewiesenen Autoren], dass sie drei Figuren nicht haben konnten: Geordi, Worf und Beverly. Was die anderen angeht, bedient euch". Weshalb gerade diese drei Personen um Picard? "Ganz einfach", meint Clark. "Geordi ist ein Markenzeichen, Worf und Beverly Picard-Bezugspersonen." Daher setzte sie sich durch, Beverly wieder auf die Enterprise zurückzuholen. "Ich hielt es für blöd, dass sich die Produzenten tatsächlich davor drückten, zu zeigen, wie man eine romantische Beziehung an Bord eines Raumschiffs am Leben erhält."

Und die Borg? Clark sieht in ihrem Wiedererscheinen mitnichten etwas Altbackenes. Bei Redaktionsschluss gerade erschienen, war "Before Dishonor" - eine Fortführung der Borg-Story "Resistance" -, und so gibt es offenbar einen Plan, wie Clark anklingen lässt: "Es ist der 20. Geburtstag, und mir schienen die Borg in 'Voyager' zahm gemacht worden zu sein. Ich wollte sie wieder so haben, wie wir sie zuerst sahen. Man muss den Tisch umstoßen und alle Regeln ändern, um die Borg wieder interessant zu machen."

Wie lässt sich das an? Mit einem Schlagwort: Die eine Revolution im Detail. Solche Revolutionen haben den Nachteil, dass sie streng genommen eher Evolutionen sind. Aber den Vorteil, dass sie sorgsam mit dem Altbewährten umgehen.

Dazu passt das Vorhaben, die Second Decade bis zu einem gewissen Grad dem Crossover- und Gastrollenprinzip zu öffnen. "Es ist toll, neue Leute an Bord zu nehmen - die finden nämlich nicht alles super, was der Captain sagt. Man braucht neue Offiziere, die noch nicht unter Picard gedient haben." Clark macht Andeutungen, die zu Spekulationen anregen: Wer hat Karten, auf das Flaggschiff zu kommen? Eine sicherlich befruchtende Diskussion, auch bei Pocket Books vor Ort. Der Einfall könnte kommenden Romanen einige gute Grundideen bescheren: die Verbindung mit dem restlichen "Star Trek"-Universum - etwas, worin TNG gegenüber den Nachfolgeserien naturgemäß im Rückstand ist.

Beim Studium des quartalsmäßig erscheinenden "Communicators" fiel mir auch ein interessanter Kommentar zu den "The Next Generation"-Kinofilmen auf, der unseren Bogenschlag vervollkommnet: "Die Filme von TNG setzten zwar die großen Handlungsbögen fort und führten die Entwicklungen der Charaktere weiter, doch waren sie letzten Endes nicht so weit von der TV-Serie entfernt. Den Filmen fehlte das Gefühl von Größe, wie es die TOS-Streifen hatten. Das lag vielleicht daran, dass es zwischen dem Ende von TOS und 'Star Trek: Der Film' eine Lücke von zehn Jahren gab, wohingegen TNG weniger als ein Jahr vor dem Kinostart von 'Treffen der Generationen' endete. Es war nicht genügend Zeit vergangen, um andere als die TV-Geschichten zu erzählen."

Dieses Problem sollte "The Next Generation" in literarischer Form jedenfalls nicht mehr begegnen. Vielleicht sollte man sich also einfach auf Lektoren wie Margaret Clark verlassen. Denn, wenn auch nach 20 Jahren eher ungewöhnlich: Manche Früchte reifen bekanntermaßen erst sehr erst ziemlich spät...

(jw - 29.12.09)

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