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Julian Wangler (jw)23.12.08

Multikulti auf der Titan

Ein kritisches Wort zur Besatzung des Schiffes

In "Star Trek: Titan" bekommen wir einen nie da gewesenen Interspeziespark geboten. Das Surak'sche Kredo von der unendlichen Mannigfaltigkeit in unendlicher Kombination (UMUK) scheint in schillernder Pracht zu blühen. Doch ist es nicht vielleicht eine Scheinblüte?

Stolz war er wie ein Oskar, und er wäre es sicherlich noch gewesen, wäre nicht der Rotstift namens Rationalisierung über ihn hinweggegangen. Die Rede ist von Ex-Editor Marco Palmieri - bis Dezember 2008 insgesamt zwölf Jahre tätig für die "Star Trek"-Sparte von Pocket Books - und seine Überzeugung insbesondere von jener Romanreihe, welche die Abenteuer von Captain Rikers erstem Kommando erzählt. Palmieri hatte entscheidend an dem jungen Projekt mitgewirkt, Weichen gestellt, es gar als neues Flaggschiff der Trek-Books-Riege erklärt. "Star Trek: Titan" sollte, so betonte er ein ums andere Mal, ein literarischer Neustart für das von Krieg, Krisen und Katastrophen geschundene Franchise-Universum des späten 24. Jahrhunderts werden. Zurück wolle man gehen, zu den Wurzeln des Unterfangens: dem Forschen.

"Star Trek: Titan - Orion's Hounds": Interspeziespark
Aber damit "Titan" nicht da stehen bliebe, wo die Filme und Serien bereits hingeführt hatten, sollte es ganz im Sinne des "New Frontier"-Flairs ein neues Kaninchen aus dem Hut zaubern. "Das Titan-Konzept ist ein Wendepunkt in der Föderationsgeschichte, um zurück zu den Ursprüngen zu gehen. Fakt ist, dass die Besatzung [der Titan] die kulturell und biologisch verschiedenartigste der ganzen Flotte ist", verkündete Palmieri anlässlich der Veröffentlichung des ersten Bandes, damals im Jahr 2005. Die Sternenflotte nimmt damit nicht einfach ihre klassische Explorationsmission wieder auf. Tatsächlich ist sie an einen Punkt gelangt, an dem sie das Fremde nicht nur in den Weiten des Alls, sondern - metaphorisch gesprochen - in ihren eigenen Reihen gleich mit sucht. Das Markenzeichen der ganzen "Titan"-Serie ist der Umgang mit einer bunt gemischten Mannschaft, die, nebenbei bemerkt, mit einem durch die bisherigen Kino- und TV-Produktionen genährten Vorurteil aufräumt: Die Föderation ist kein Homo-Sapiens-Club. Setzen, Azetbur.

So weit, so gut. Die Entscheidung erscheint für das Thema als konsequente Weiterentwicklung. In der Tat gibt es eine Reihe von Gründen, die dafür sprechen, das Wiederaufgreifen der Geschichte von den unendlichen Weiten mit einer weithin "entmenschlichten" Besatzung zu verknüpfen (man erinnere sich: gerade einmal 15 Prozent der Crew stammen von der Erde). Das offensichtlichste Argument ist bestimmt, dass eine Erzählung in Buchform die Budgetgrenzen oder etwaige Kompromisse bei den Kulissen der Filmvorlagen völlig kalt lässt. Eine andere Begründung könnte lauten, dass gerade im Bereich der Trek-Romane in den vergangenen Jahren so viel Eigendynamik entstanden ist - übrigens unter beachtlicher Mithilfe von Palmieri selbst -, dass diese auch eine neue, verwegene Forschungsmission tragen kann. Und überhaupt: Was spricht schon dagegen, das Spiel ein wenig weiter zu treiben? Nach Lesart Palmieris jedenfalls ist der Weltraum eine letzte Grenze, und die gilt es nun, ein Stück weiter zu verschieben. Nicht zuletzt sei das im besten Sinne des Großen Vogels der Galaxis, Roddenberrys selbst. "Titan" präsentiert uns eine Crew, in der im Hinblick auf Farbe und Form, aber auch kulturelle, individuelle oder sexuelle Merkmale so gut wie nichts mehr unmöglich ist. Beinahe wirkt es wie der vervollkommnende Triumphzug der fruchtbaren Vielfalt, ein Feigenblatt für die Unübersichtlichkeit.

Und doch - so erging es mir zumindest - bleibt ein seltsamer Nachgeschmack, wenn der Leser mit sprechenden Dinosauriern, Nixen, Kängurus und dergleichen mehr zusammentrifft, die allesamt die Uniform (oder, wenn die nicht passt, zumindest das Patent) der Sternenflotte anhaben. Ich würde diesem ziemlich unterschwelligem Empfinden gerne nachgehen, versuchen, es ein Stück weit an die Oberfläche zu ziehen. Warum könnte es, gerade für "Star Trek", gar nicht einmal so gut sein, wenn es sich in einem regenbogenhaften Alienkosmos dieser neuen Sorte verliert?

Die erste Antwort auf diese Frage ist die simpelste. "Star Trek" beschäftigte sich stets hinlänglich mit Menschen oder zumindest menschenähnlichen Wesen. Das darf hier keinesfalls als verkappter Ethnozentrismus verstanden werden. Indes: Die anthropologische Konstante, die direkte Rückschlüsse auf die Erde erlaubte, blieb bis dato fast immer gewahrt. Bei "Titan" wird sie in einem experimentellen Knall durchbrochen; das Nicht-Humanoide, wirklich Outerspace-ige erhält dominierend Einzug. Was in "Voyager" mit Spezies 8472 als Kuriosum daherkam, wird hier normal. Dabei geht zunächst ein Stück weit Identifikation und Selbstreferenzialität verloren, zwangsläufig. "Star Trek" wird von den Menschen weggezogen. Das alleine muss noch nicht einmal etwas Schlechtes sein.

Leider muss es im Zusammenhang mit einem zweiten Punkt gesehen werden. Er tangiert das Thema des Multikulturellen, oder besser gesagt: des Multikultifiebers. Letzteres hat als gesellschaftlicher Trendwert vor allem in den 80er und 90er Jahren des 20. Jahrhunderts gewirkt - und sich soziokulturell auf halber Wegstrecke nicht selten in einem überschwänglichen, teils naiven Rausch der Farben verloren; etwas, worunter heute so manche Integrationspolitik noch zu leiden hat. Davor blieben zumal die Science-Fiction-Serien als über die Medien lancierte gesellschaftliche Produkte nicht verschont. Schon sehr bald begannen sie, ihre entsprechenden Protagonisten per Schlüssel auf die wesentlichen Regionen der Erde zu verteilen (manch einer verwandte das geflügelte Wort vom Quotenasiaten und -afrikaner). Je mehr die Zellteilung im Sci-Fi-Bereich fortschritt und neue Serien entstanden, desto größer wurde irgendwann auch der Abnutzungseffekt mit diesem Showelement.

"Star Trek: Titan - Eine neue Ära": Nur noch ein Sechstel der Crew ist menschlich
"Titan" treibt die Angelegenheit nun guten Mutes weiter - und mag dabei eine interessante Sache vergessen: Als TOS seinerzeit eine multikulturelle Crew, darin einen Russen und eine Schwarze, präsentierte, war das ein gewagtes Spiel mit einer Botschaft, die vor allem auf die Gegenwart Rückwirkungen entfaltete. TOS war damit eine Verwaltung des minimalnötigsten Unterschieds, um an einer gesellschaftlichen Schmerzgrenze zu kitzeln. Diese Schmerzgrenze existiert heute jedoch nicht mehr. Mit der fortschreitenden Liberalisierung der westlichen Gesellschaft wurden Unterschiede, Abweichungen von der Norm, immer größer, gleichzeitig aber auch immer trivialer. Niemanden kratzt es heute mehr, wie man auf der Straße herumläuft. Niemand mehr ordnet ein bestimmtes Aussehen, abgesehen von gewissen Ausnahmen, wie selbstverständlich einer konkreten Bezugsgruppe zu. Und deshalb darf die Fantasie gerne mal skurrile Formen annehmen, in immer kürzeren Intervallen. Es ist ein Ausdruck einer gewissen Freiheitlichkeit einerseits, aber auch einer Übersättigung andererseits. Das wäre mein dritter Einwand. Symbolpolitik funktioniert heute nicht mehr über die reine Formebene, wird nicht mehr ernst genommen. Eher wird sie dadurch zur Satire. Das ist eine Veränderung, an die sich auch "Star Trek" halten muss.

Aber wie ist es nun bei "Titan"? Da wird in immer kürzeren Abständen ein skurriler Crewman nach dem anderen vorgestellt, als liefe ein Naturgesetz des Unkonventionellen ab, und ein eigentümlicher Hunger entsteht nach mehr Buntheit, ohne dass man satt von dieser leichten Kost wird. Dieses Phänomen liegt darin begründet, dass sich die Darstellung der Mannschaftsmitglieder recht stark in Oberflächlichkeiten ergießt, zumeist in physisch bedingten Anomalitäten. Möglicherweise steckt auch begründete Absicht dahinter, denn wer genau hinsieht, wird bemerken, dass die Charaktere jenseits ihres bizarren Erscheinungsbildes ziemlich an den TV-Mustern orientiert sind. Wen erinnert Doktor Ree nicht an den wohlwollend-gönnerischen, aber sich insgeheim überlegen wähnenden Phlox? Wer hat bei Christine Vale nicht an die Generation starker Frauen gedacht, wie sie gerade in DS9 und "Voyager" vertreten wurden? Hinter der frappierenden Fassade ist die Revolution ausgeblieben. Und da bin ich bei meinem vierten Kritikpunkt angelangt: Mangels neuer Ideen wird ein Schmiermittel gesucht, das den Anschein von Neuem erweckt, aber in vielerlei Hinsicht altbacken ist.

Könnte man jetzt so weit gehen und behaupten, bei "Titan" handele es sich in Wahrheit um eine Mogelpackung? An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für die Sache brechen: Das muss nicht ausgemacht sein. In den bisher erschienenen vier Büchern belegten Multikultieinlagen bedeutsame Teile der Story. Derlei Reizüberflutungen lassen erahnen, was an dem Spruch Wahres dran ist, der besagt, weniger könne manchmal mehr sein. Nämlich dann, wenn verschiedene Showelemente gut miteinander verwoben werden. Ein bloß auffälliger Charakter ist wenig lebensecht ohne ein authentisches Leitmotiv - dazu zählen auch Schwächen und Widersprüche -, das ihn erdet und eine Weiterentwicklung möglich macht; das bewirkt, dass er imstande ist, sich stets aus sich selbst heraus neu zu reproduzieren wie ein Perpetuum Mobile, um langfristig interessant zu bleiben.

Star Trek: Vanguard", eine Reihe, die verglichen zum Trommelwirbel über "Titan" eher ein Stück abseits steht, sei hier als positives Beispiel genannt. Vielen der dort eingesetzten Protagonisten liest man sprichwörtlich ab, dass sie nicht um ihrer selbst Willen erfunden wurden, sondern um dramaturgisch etwas zu bewirken, in einem Konglomerat ganz vieler Einflüsse. "New Frontier"-Effekte können in dieser Kombination tatsächlich ein Sahnehäubchen obendrauf stellen. Alleine reichen sie heute nicht mehr aus. Diesen Vorrat - den Vorrat des wundersamen Staunens - haben "Star Trek" und das Sci-Fi-Genre mittlerweile aufgezehrt. Meine These deshalb: Die Titan wird bald schon ideell nachrüsten und ihre Personae Dramatis vertiefen.

Einen Ansatz davon können wir bereits in "Sword of Damocles", insbesondere aber in der "Destiny"-Trilogie erleben. Eine weitere Perspektive für die Serie bestünde darin, die Tragweite von überkultureller Zusammenarbeit aufzuzeigen, die Synergieeffekte, die daraus entstehen. Sozusagen als "Star Trek"-Erwiderung auf die Clash-of-Civilizations-These. Freilich bedarf es auch dazu erst einmal innovativen Protagonisten mit entsprechendem Format. Der intergalaktische Marathonläufer von heute ist gesunder Minimalist. Kleckern statt klotzen.

(jw - 29.12.09)

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