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Jörn Podehl (jp)23.06.08

"Star Trek: Titan"

Forscher auf dem Weg zum Rand des Unerforschten

Seit April 2005 beziehungsweise Dezember 2379 geht Captain Riker mit der U.S.S. Titan seine eigenen Wege und lässt den Krieg und sämtliche Konflikte hinter sich. Denn es ist an der Zeit, wieder Forscher zu sein und den Kampfanzug im Schrank hängen zu lassen. Doch worum genau geht es in "Star Trek: Titan" und wer sind die Protagonisten? Na, zwei von den Hauptdarstellern kennen Sie bereits...

Nichts Leichtfertiges, sondern zurück zur Basis

"...und während Sie es sich mit Ihrer Frau auf der Titan gemütlich machen, arbeite ich meinen neuen Ersten Offizier ein..." Bei diesem Zitat war jedem Fan klar, dass Riker das Kommando über ein eigenes Raumschiff angenommen hat und die Enterprise verlassen würde - es wurde auch Zeit. Mit "Star Trek: Titan" wurde nach "Nemesis" ein Kapitel eingeläutet, das es leider nicht auf die Leinwand oder auf die Mattscheibe geschafft hat. Aber dafür kann man zwischen den Zeilen auf Papier mehr erfahren, als Drehbücher hergeben.

Der erste "Titan"-Roman "Taking Wing"
"Ein neues 'Star Trek'-Serienkonzept zu entwickeln, ist nichts, was wir leichtfertig machen", erklärte Marco Palmieri, Editor beim "Star Trek"-Buchverlag Pocket Books gegenüber dem Trek-Book-Experten Jeff Ayers. "Die Serie ist sorgsam durchdacht, wir haben viel diskutiert und debattiert - und viel Aspirin verbraucht." Es ist klar, was Marco Palmieri damit ausdrücken will: "Titan" ist keine Serie, die auf Krampf geboren wurde, um die Zukunftstradition fortzusetzen, also nicht das, was sich viele Fans vielleicht von "Star Trek: Enterprise" versprochen haben.

Es wurde auch nie gefragt, ob Geschichten über "Titan" veröffentlicht werden würden; "Nemesis" hat uns diese Möglichkeit geradezu auf der Silberplatte serviert. Die richtige Frage lautet: Worum soll es gehen und wie würde es sich von den anderen "Star Trek"-Konzepten unterscheiden, die im TV zu sehen und in Buchform zu lesen sind? Was ist das Einzigartige daran?

Dabei würde die "Titan"-Serie ihre Kreativität aus den uns bekannten Charakteren des Captains und seiner Ehefrau und ihrer Ehe beziehen, besonders weil beide Figuren besondere Vergangenheiten haben. Dabei hatte auch der Zeitpunkt, ab dem die Serie spielen soll, einen großen Einfluss auf die Qualität der Serie: "Titan" spielt unmittelbar nach "Nemesis", was das Ende einer großen kriegsreichen Epoche darstellt: Die Borg wurden besiegt (jedenfalls dachte man das, was sich mit den Post-"Nemesis"-TNG-Büchern aber als falsch herausstellte), Konflikte mit den Klingonen machten das Leben in der Föderation nicht einfacher, das Dominion war eine der größten Bedrohungen für den Alpha- und Beta-Quadranten überhaupt, das Cardassianer-Maquis-Problem sorgte für großen Ärger. Marco Palmieri definiert es so: "Das 'Titan'-Konzept ist ein Wendepunkt in der Föderationsgeschichte, um zurück zu den Ursprüngen zu gehen. Nicht nur im TV, sondern auch in den Büchern ging es fast immer nur um Kampf und Krieg. Die Post-'Nemesis'-Ära bot uns diese Gelegenheit."

Somit war es klar: weg vom ständigen Leben in Angst vor Kriegen und hin zu den Zeiten, als alle noch Forscher waren. Ein besonderer Aspekt, der "Star Trek: Titan" einzigartig machen soll, ist, dass nur knapp 15 Prozent der 350-köpfigen Besatzung Humanoide sind und man somit eine große Palette an einzigartigen Charakteren hat. Palmieri sagte dazu: "Wir wollen verschiedenen Autoren die Möglichkeit geben, den Fokus auf viele verschiedene Charaktere oder auch nur auf einige Wenige zu legen, was von der Story abhängt. Fakt ist, dass die Crew die kulturell und biologisch verschiedenste der ganzen Flotte ist."

Allerdings soll "Titan" keine perfekt eingespielte, zusammenhaltende Crew zeigen, na ja jedenfalls nicht zu Beginn, also so wie es bei "The Next Generation" der Fall ist. Die Mannschaft muss sich anstrengen, um zusammen zu arbeiten und zu leben.

Gleichzeitig sorgte die Tatsache, dass Riker nach den Ereignissen aus "Nemesis" als Captain auf ein Raumschiff namens Titan gehen würde, für Neugierde unter den Fans; was für ein Schiff wird die Titan sein? Diese Spekulationen waren für viele bestimmt mitreißender als der Kinofilm. Garantiert wird die Titan ein mächtiges Schiff, das die Enterprise in den Schatten stellen würde. Pocket Books wusste, dass nach dem mäßigen Erfolg von "Nemesis" das "Star Trek", wie wir es kennen, nicht auf die Leinwand zurückkehren wird und der Verlag somit jede Menge Spielraum für neue Ideen und Buchserien haben würde. Aber wie sollte das Schiff aussehen?

Da "Titan" für ein Publikum von Bücherfans sein sollte, gab man diesen die Möglichkeit, über das Design des Schiffes zu entscheiden und rief unter anderem im ersten "Titan"-Roman "Taking Wing" einen Wettbewerb aus, an dem (leider nur) US-Amerikaner und Kanadier teilnehmen durften: Sie sollten nach gewissen Vorgaben ein Raumschiff aus mehreren Sichtweisen entwerfen und bis zum 15. August 2005, 23.59 Uhr an den Verlag Simon & Schuster abschicken. Unter einigen Fans herrschte eine gewisse Art von Unmut, da in den Grundangaben stand, die Schiffsgröße sei zwischen der Größe der Voyager und der Enterprise-D angesiedelt; also doch kein Megaschlachtschiff... Gewinner ist der Amerikaner Sean Tourangeau, und "seine" Titan können Sie hier sehen. Im Übrigen wurde das Design von Herrn Tourangeau auf dem Cover des vierten "Titan"-Buchs "Sword of Damocles" abgebildet, und als Beilage gibt es in "Vanguard"-Manier ein ausklappbares Faltblatt der Titan in der Mitte des Romans.

Die Mission

Als im Jahr 2369 das Wurmloch zum Gamma-Quadranten entdeckt wird, geht ein regelrechter Ruck durch die Forschungsabteilung der Föderation - man initiiert das Luna-Forschungsprogramm, um den Gamma-Quadranten auf lange Sicht in Etappen mit mehreren Schiffen zu erforschen. Nach den erfolgreichen Feldtests des Prototyps U.S.S. Luna im Jahr 2372 kann der Bau weiterer Schiffe erfolgen: Raumer der neuesten Generation von Langreichweiten-Forschungsschiffen.

Will Riker bekommt mit der U.S.S. Titan sein eigenes Kommando
Unglücklicherweise kommt es im Jahr 2373 zum großen Krieg mit dem Dominion, sodass Forschungsmissionen der Föderation zurückgestellt werden müssen. Ende 2375, als der Krieg mit einem Friedensvertrag beendet wird, drängt einer der führenden Köpfe des Luna-Projekts, Dr. Commander Xin Ra-Havreii (ein Ingenieur der Raumwerft Utopia Planitia), darauf, die Forschungsmissionen und die Konstruktion der Forschungsschiffe fortzuführen. Bis Ende 2379 werden zwölf Schiffe der Flotte fertig gestellt. Sie sind alle nach den Monden im Sol-System benannt: Amalthea, Callisto, Charon, Europa, Galatea, Ganymede, Io, Luna, Oberon, Rhea, Titan und Triton.

Das Raumschiff U.S.S. Titan NCC-80102 ist somit kein Prototyp oder großes Experiment wie einst die U.S.S. Excelsior, sondern Teil der Luna-Flotte. Es gibt gleich zwölf der neuen Raumer: In der Länge messen die Schiffe der Luna-Flotte ungefähr 450 Meter, in der Breite knapp 200 Meter und sind damit etwas größer als die Voyager und kleiner als die Enterprise-D.

Neben dem Gamma-Quadranten wird laut den Missionsparametern jetzt auch der Beta-Quadrant erforscht. Ende 2379 brechen die U.S.S. Titan, U.S.S. Charon und andere Schiffe auf und fliegen in den Orion-Arm der Milchstraße.

Die Crew

Wie Marco Palmieri bereits weiter oben sagte, ist die Crew ein buntgemischter Haufen aus ungefähr 350 Lebewesen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Nur knapp ein Sechstel der Mannschaft sollte humanoid sein, das sind ganz andere Verhältnisse als zum Beispiel auf der Enterprise (A bis E und ohne Buchstaben), Excalibur, da Vinci und allen anderen Raumschiffen. (Gleichzeitig wird es den Kritikern schwerer gemacht werden, denn jetzt sehen die Außerirdischen nicht mehr so aus wie Menschen...)

Der Captain

Das Kommando hat William T. Riker, der uns bekannte stämmige, bärtige Mann, welcher Captain Picard über 15 Jahre als Erster Offizier diente. Er hat es endlich gewagt und ist aus Picards Schatten hervorgetreten und geht dorthin, wo noch nie ein Mensch zuvor gewesen ist. Wirklich? Abwarten, womöglich ist Riker auch erst der zweite Mensch, der fernab des Beta-Quadranten heimisch wurde. Aber dazu später mehr.

Wieso hat Riker seine Meinung geändert und will jetzt die U.S.S. Titan? Riker ist im Laufe der Jahre unter Picard gereift und zu einem erstklassigen Captain geworden - im Gegensatz zu den Captains der Flotte, die ihren Rang dem Krieg zu verdanken haben: kein Kriegsaufstieg, sondern durch Forscherleistung. Ewig so weitermachen kann er nicht.

Als die Sternenflotte Ende 2378 Captain Picards Kommandokompetenz nach der Vernichtung der U.S.S. Juno im Rashanar-Sektor in Frage stellt, übernimmt Commander Riker das Kommando der Enterprise und bringt Picard zur Erde - wieder einmal kann Riker so die Qualitäten des Kommandos beweisen ("A Time to be Born"/"A Time to Die").

Admiral Janeway weiß um Rikers Qualitäten und bietet ihm Mitte/Ende 2379 ein eigenes Kommando an. Dieses Mal setzt sie ihm die Pistole auf die Brust: Womöglich sei dies die letzte Gelegenheit, dass ihm ein eigenes Kommando angeboten werden würde ("A Time to Kill, A Time To Heal"). Erschwerend kommt dazu, dass Monate zuvor Rikers Vater Admiral Kyle Riker sein Leben auf Delta Sigma IV gelassen hat, ohne dass er und sein Sohn miteinander im positiven Sinne abschließen konnten. Das hat im Endeffekt dazu geführt, dass William Riker seine jahrelange Geliebte Deanna Troi heiraten will - und vielleicht ist das eine große Motivation für Captain Riker, eine neue Existenz auf einem neuen Schiff zu beginnen.

Erster Offizier - eine Kämpferin

Captain Riker hat lange gesucht, um seine "eigene" Nummer Eins zu finden. Die erste Wahl ist Lieutenant Commander Christine Vale, ehemalige Sicherheitschefin der Enterprise-E während der Zeit, als Commander Worf zum diplomatischen Stab auf Qo'nos gegangen ist. Riker war dreimal bei ihr, um sie davon zu überzeugen, ihn auf die Titan zu begleiten. Zwischenzeitlich hat Riker auch Worf und Geordi gefragt, die aber die Enterprise nicht verlassen möchten.

Nach der besagten dritten Frage und der zweiten Beförderung in einem Jahr (nämlich einmal zum Lieutenant Commander nach der Schlacht von Tezwa und später während der Promotion zum Commander) übernimmt sie den Posten der Stellvertreterin. Zu Beginn befürchtet Vale, dass sie als Erster Offizier an Bord nicht viel zu sagen haben wird, wenn Riker und Troi als Ehepaar sie quasi überstimmen können. Riker gibt ihr die Zusicherung, dass dies nicht der Fall sein wird.

Counselor und diplomatischer Offizier

Als Ehefrau von Captain Riker ist Deanna Troi mehr als nur Schiffsberaterin und diplomatischer Offizier. Gemeinsam könnte sie Entscheidungen mit ihrem Mann fällen und Commander Vale so übergehen. Aber so weit kommt es nicht, weil Troi selbst sieht, wie wichtig die Kommandohierarchie ist.

Während ihrer Zeit an Bord der Titan baut sie eine bestimmende Beziehung zu Christine Vale auf, und beide lernen sich schnell schätzen.

Commander Tuvok - der taktische Offizier

Jahrelang im Delta-Quadranten als verschollen gegolten, hat der Vulkanier Commander Tuvok den Posten als Taktischer Offizier an Bord der Titan angenommen, nicht ganz freiwillig anfangs. Denn die erste Mission der Titan führt Captain Riker nicht in den Orion-Arm der Milchstraße wie geplant, sondern nach Romulus, um den Raumsektor zu stabilisieren. Dort befreit ein Team der Titan einen Sternenflotten-Spion, der Botschafter Spock von Romulus bringen sollte. Just nach der damaligen Kontaktaufnahme mit Spock findet ein Anschlag auf den Romulanischen Senat statt, initiiert durch Shinzon und seine Helfer. Romulanische Sicherheitskräfte nehmen sämtliche Passanten in Gewahrsam - unter ihnen auch den Spion. Es ist Tuvok.

Nach seiner Befreiung aus dem Gefängnis verletzt sich der eigentliche taktische Offizier Ranul Keru, und Tuvok nimmt seinen Posten ein.

Der Sicherheitschef, ein unvereinigter Trill

Ranul Keru ist dem aufmerksamen Leser wohlbekannt aus dem "The Next Generation"-Roman "Sektion 31: Die Verschwörung" als Lebensgefährte des von den Borg assimilierten Sean Liam Hawk. Er nimmt den Posten des taktischen Offiziers und Sicherheitschefs der Titan an, wird aber während der ersten Mission lebensgefährlich verletzt. Ranul Keru ist ein unvereinigter Trill und hat keinen Dax-Symbionten.

Man sollte noch erwähnen, dass Ranul Keru eine Art Abbild des "Star Trek"-Autors Andy Mangels ist, der zusammen mit Michael A. Martin den ersten "Titan"-Band "Taking Wing" geschrieben hat. Keru hat einen kräftigen Bart so wie Andy Mangels und ist homosexuell - ebenso wie der Autor, der eine feste Größe der Homosexuellenszene ist.

Weitere Crewmitglieder

Ein weiteres wichtiges Crewmitglied ist der sehr eigensinnige Chefingenieur Dr. Commander Xin Ra-Havreii, Miterbauer der Luna-Schiffe, der nach dem Tod der eigentlichen Chefingenieurin Nidani Ledrah den Maschinenraum übernimmt und somit an Bord der Titan bleibt. Er ist sehr von sich selbst überzeugt und lässt - wie man so schön sagt - nichts anbrennen.

Ebenfalls mit an Bord: der Vulkanier Tuvok
Als Sympathieträger unter der Crew gilt Chefarzt Dr. Shenti Yisec Eres Ree, ein männlicher Pahkwa-thanh und somit ein echsenähnliches Lebewesen, das den humanoiden Crewmitgliedern zu Beginn der Mission einen Schauer über den Rücken laufen lässt. Dr. Ree isst gerne rohes Fleisch und wirkt vollkommen deplatziert zwischen den anderen Mitgliedern der Mannschaft. Gelegentlich fühlt er sich deswegen sehr unwohl in seiner Haut und ausgegrenzt. Nichtsdestotrotz ist er ein wichtiges Besatzungsmitglied und überrascht die Offiziere - und auch die Leserinnen und Leser - mit seiner freundlichen und besonnenen Art.

Weitere Mitglieder, die im Laufe der Geschichte wichtig werden, sind Melora Pazlar (Leiterin der stellaren Kartographie; bekannt aus der DS9-Folge "Das Melora-Problem" und den Romanen "Die Kristallwelt 1 und 2") und Chef-Schwester Alyssa Ogawa aus "The Next Generation". Piloten sind Ensign Aili Lavena (vom Planeten Pacifica) und Chief Petty Officer Axel Bolaji und seine Frau Ensign Olivia Bolaji und das käferähnliche Wesen K'chak'!'op, das als Computeroffizier an Bord dient. Für den Verlauf der "Titan"-Serie wird besonders der Charakter des Wissenschaftsoffizier Jaza Najem wichtig.

Die Abenteuer

Captain Riker sieht der Zukunft als Forscher sehnsüchtig entgegen und freut sich auf den Start mit der Titan, und so haben die beiden Trek-Autoren Andy Mangels und Michael A. Martin die Gelegenheit, der Titan und ihrer Crew im ersten "Titan"-Roman "Taking Wing" Leben einzuhauchen und sie in das erste interessante Abenteuer stürzen zu lassen. Der deutsche Leser wird sich freuen, dass Mangels' Widmung zu Anfang des Buches auf Deutsch ist, da ein Teil seiner Familie aus Deutschland stammt (und sein Adoptivsohn in der Schule Deutsch lernt - das sei aber nur am Rande erwähnt).

Ein Großteil des Buches befasst sich mit der Politik, diplomatischen Querelen und der Unzufriedenheit Rikers, dass sich plötzlich ein Admiral namens Akaar in seiner Stellaren Kartographie breit macht, um eine Geheimmission auf Romulus zu planen. Es geht also nicht in den Orion-Arm der Milchstraße, sondern in das Terrain des Feindes - oder das, was davon übrig ist.

Bemerkenswert ist, neben der Detailliebe und Komplexität der Geschichte, dass zum ersten Mal "Star Trek"-Romane zum Kanon gehören, also dass sich die beiden Autoren auch auf Bücher anderer Autoren beziehen. Es ist somit nicht verwunderlich, wenn Mangels und Martin plötzlich Ereignisse aus "Kristallwelt" 1 und 2 und der "A Time to..."-Reihe Revue passieren lassen und Handlungsstränge aus diesen Romanen angeschnitten werden. Für Leserinnen und Leser, die sich dieser Handlungselemente nicht bewusst sind, ist das natürlich auch kein Hindernis, den Roman weiterzulesen, da M&M (wie die beiden Autoren gerne genannt werden) die Ereignisse erklären und verständlich machen. Aber dennoch ist es ein Spaß, sich an solche Handlungen zu erinnern und Zusammenhänge genauer zu verstehen.

Gegen Ende des Romans geschieht etwas, das einen an "Voyager" erinnert: Nachdem auf Romulus etwas Frieden einkehrt, der Föderationsspion Tuvok gerettet und die Mission eigentlich abgeschlossen ist, passiert etwas Unvorhersehbares: Die aus "Nemesis" bekannte Romulanerin Donatra bittet Riker um Hilfe, verschollen geglaubte Romulanische Raumschiffe zu finden. Sie hätten sich in der Nähe des Ortes gesammelt, wo vor einiger Zeit Shinzons Kriegsschiff Scimitar explodiert ist. Dort hat sich eine Raumanomalie gebildet, die die Flotte und jetzt auch die Titan und Donatras Schiff "verschluckt". Plötzlich befindet sich die Titan knapp 200.000 Lichtjahre vom Föderationsraum entfernt in der Kleinen Magellan'schen Wolke...

Alte Bekannte

Es war natürlich kein Zufall, dass Admiral Akaar und Tuvok zusammen auf der Titan sein werden, denn beide haben eine gemeinsame Vergangenheit. Zusammen haben sie unter Captain Sulu auf der U.S.S. Excelsior gedient und sind damals auf ein Volk gestoßen, das mit einem speziellen Antrieb experimentiert hat und mit diesem unbeabsichtigt Lichtjahre weit gereist ist: in die Magellan'sche Wolke. Das Volk nennt sich Neyel und besteht aus Abkömmlingen der Menschheit, die sich mit dem Antrieb selbst wegkatapultiert haben. Kein Zufall also, dass Akaar und Tuvok da einbezogen werden, womit die Verbindung zu M&Ms Roman "The Sundered" gezogen wird, dem ersten Band der sogenannten "Lost Era"-Reihe.

In einer spektakulären, aber wenig sinnigen und eher durchwachsenden Story schicken M&M in dem Buch "The Red King" die Titan, Donatras Schiff und ein paar Überlebende der Neyel mitsamt eines ausgehöhlten und ausgebauten Kometen zurück in den Alpha-Quadranten. Im Grunde genommen hätte man sich den storymäßigen Abstecher in die Magellan'sche Wolke sparen können, weil jeder weiß, dass die Titan zurückkommen muss.

Am Ende von "The Red King" legen M&M den Grundstein für den Beginn der Forschungsmission, als Riker sich für eine Widmung auf der Schiffsplakette entscheidet: "Unendliche Mannigfaltigkeit in unendlichen Kombinationen" (kurz UMUK) und Tuvok gleichzeitig mit seiner Ehefrau T'Prel an Bord der Titan bleibt.

Mannigfaltigkeit der Handlungsstränge

"Titan"-Roman "The Red King" von Michael A. Martin und Andy Mangels
Bemerkenswert an dem "neuen" Trek-Buchuniversum ist die Mannigfaltigkeit von Handlungssträngen: Die Zukunft von "Star Trek" wird auf verschiedenen Ebenen fortgesetzt. Mit "Resistance" (zeitlich parallel zu "Taking Wing") beginnt der "The Next Generation"-Relaunch, der sich von "Titan" abkoppelt und in die kriegerische Richtung geht, als die Borg wieder um Gehör bitten. "Resistance" folgen die Bücher "Q&A" und "Before Dishonor", in dem Admiral Janeway ihr Leben lassen wird. Ach, übrigens geht es im Juli mit "Greater Than the Sum" mit dem TNG-Relaunch weiter.

Dann gibt es noch den allein stehenden Roman "Articles of the Federation", in dem bis in das Jahr 2380 hinein die Politik und Intrigen hinter der Föderation in den Vordergrund rücken. Leider wird es zu diesem von Keith R.A. DeCandido geschriebenen Buch keine Fortsetzung geben.

Und somit sind wir beim dritten Handlungsstrang der "Titan"-Serie, die sich vom Krieg und Kampf trennt und sich der Forschung widmet. Ist wohl auch besser so als ständig über explodierende Konsolen und listige Feinde zu lesen.

Endlich geht es richtig los

Während die Borg der Föderation auf ein Neues "Hallo" sagen, bekommen die zwölf Schiffe der Luna-Klasse davon kaum etwas mit. Captain Riker und die Titan stoßen im März 2380 auf einen unbekannten Raumbereich und auf ein Volk, das große Weltraumlebewesen jagt und sie tötet wie einst Walfänger die großen Riesen der Meere. Autor Christopher L. Bennett, der mit seinem ersten "Star Trek"-Roman "Ex Machina" einen guten Auftakt gemacht hat, forscht mit dem dritten "Titan"-Buch "Orion's Hounds" in unbekanntem Gewässer und lässt Riker schnell erkennen, dass nicht alles so ist wie es zu Beginn scheint. Es könnte doch einen Grund haben, warum diese großen Lebewesen gejagt werden, oder?

Konflikte mit der Obersten Direktive bleiben so natürlich nicht aus und es kommt zu Reibungen zwischen den Crewmitgliedern, besonders weil diese großen Weltraumwesen Hilfeschreie aussenden, die die Telepathen an Bord der Titan beinah wahnsinnig werden lassen. Die fremden großen Lebewesen sind Captain Riker nicht völlig unbekannt: Sie sind dieselben Lebewesen wie die großen Dinger im "The Next Generation"-Pilotfilm "Mission Farpoint".

Über die Qualität der Geschichte kann man sich streiten: Die einen lieben, die anderen hassen die Geschichten von Bennett. Die Leserinnen und Leser können den Selbstcheck machen: Mögen sie Szenen, Dialoge und Charakterbeschreibungen, die nicht im Entferntesten die Handlung und die Story vorantreiben, und überzogene Dramatik, dann ist "Orion's Hounds" genau das richtige für jene Lesergruppe. Alle anderen werden das Buch nicht vermissen, denn die Handlung ist irrelevant für das vierte und bisher letzte "Titan"-Buch.

Das Auge ist mit

Im Juni 2380 ist die Titan weiter unterwegs im Orion-Arm der Milchstraße und entdeckt plötzlich den Planeten Orisha, über den eine merkwürdige Anomalie schwebt. Die Orishaner nennen es "das Auge" und beten es verzweifelt an. Es ist für sie eine Art böses Omen.

Als die Titan sich dem Planeten nähert, wird es von einem orishanischen Raumschiff in Empfang genommen, das Rikers Schiff vertreiben will - aus Furcht, sie könnten das Auge erzürnen. So brechen Commander Vale, Ra-Havreii, Troi und Wissenschaftsoffizier Jaza in dem Shuttle Ellington auf, um sich das Auge einmal genauer anzuschauen. Gleichzeitig erhalten sie Notruf-Fragmente des Schwesterschiffs U.S.S. Charon.

Wie bestimmt erwartet, kommt es wieder einmal ganz anders, als das Shuttle von dem Auge erfasst und in eine Vergangenheit gerissen wird. Troi, Vale und Ra-Havreii können sich rechtzeitig von Bord beamen und bleiben zusammen, während Jaza und Ensign Modan in einem anderen Teil des Planeten auf das scheinbare Wrack der Titan stoßen.

Mit einer interessanten, und nicht atypischen Story schreibt Autorneuling Geoffrey Thorne den vierten "Titan"-Band, in dem der bajoranische Lieutenant Commander Jaza Najem als eine Art Prophet auf Orisha in der Vergangenheit bleibt und dem Titan-Außenteam mithilfe einer Vision den Weg nach Hause ermöglicht. Jaza und Commander Vale haben in "The Red King" und "Orion's Hounds" eine Liebesbeziehung aufgebaut, was Vale den Abschied von Jaza nicht gerade erleichtert.

Der dritte "Titan"-Roman
Das Auge wird letzten Endes von der Titan geschlossen, weil es den Planeten Orisha durch Neutrino-Emissionen mit sich selbst aus mehreren Zeitepochen kollidieren lässt und für Schäden sorgt, weshalb auf Orisha die Kultur in Angst lebt und sich nicht recht entwickeln kann.

Eine Besonderheit des Buches ist auf jeden Fall, dass es mit dem Epilog anfängt und dem Prolog aufhört, womit natürlich eine nicht gerade kleine Spannung aufgebaut wird. Der Abschied von Jaza Najem schafft einen tiefen Einschnitt in die "Titan"-Story und macht eindeutig klar: Wir sind nicht "The Next Generation", wo Friede, Freude, Haarausfall herrscht(e).

Allerdings sind's jetzt nur noch elf und nicht zwölf; die scheinbaren Überreste der Titan sind die Wrackteile der U.S.S. Charon, die in die Vergangenheit gerissen wurde und auf dem Planeten Orisha zerschellt ist.

Ein Blick in die Zukunft

Die Abenteuer der U.S.S. Titan gehen weiter - zu Recht und hoffentlich noch lange, weil "Titan" sich auf das besinnt, was "Star Trek" eigentlich verkörpert: Frieden und Forschung statt Krieg und Krisen. Womöglich ändert sich das aber im Oktober, wenn die Trilogie "Destiny" von Autor David Mack (auch gerne scherzhaft Mack "The Knife" genannt - niemand metzelt in Trek-Abenteuern so gerne so viele Leute ab) an die Leser geht. Im Alpha-Quadranten ist man auf der Suche nach des Borges Kern und versucht, den alten Feind endlich loszuwerden, während im Beta-Quadranten die U.S.S. Titan auf das Wrack der U.S.S. Columbia NX-02 stößt, die man aus der vierten "Enterprise"-Staffel kennt.

Autor Christopher L. Bennett wird März 2009 mit "Over a Torrent Sea" an die "Destiny"-Trilogie anschließen und "Titan" fortsetzen. Man kann also gespannt sein, wie es weitergeht.

Näher, näher und noch näher zu den Sternen...

Das Experiment "Titan" ist auf jeden Fall geglückt und eine sehr schöne Richtung, in die sich die "Star Trek"-Storys entwickeln werden. Pocket-Books-Editorin Margaret Clark sagte in einem Interview vor kurzem (Sie können Auszüge hier nachlesen): "Wir erreichen am Ende des vierten TNG-Bandes 'Before Dishonor' von Peter David das Ende des Jahres 2380 - und dann spannt sich ein neuer Handlungsbogen auf, der in das nächste Jahr übergeht. Diese Handlung wird 2008 weitergeführt. Wir haben uns für jenes Jahr vorgenommen, weg vom 23. Jahrhundert zu bleiben und Visionen und Ideen des 23. Jahrhunderts J.J. Abrams und 'Star Trek XI' zu überlassen."

In den Büchern liegt wahrlich die Zukunft von "Star Trek" - wenn das nicht eine tolle Epoche für Fans des 24. Jahrhunderts ist!

(jp - 29.12.09)

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