Spoiler-Review zum neuen Game-Roman.
Inhalt (Klappentext)
Nach Malthaels blutiger Ernte liegt Sanktuario in Trümmern. Lorath, Donan und Tyrael kämpfen verzweifelt darum, den Orden am Leben zu erhalten. Als sich herausstellt, dass eine Horadrim-Expedition, die vor einigen Jahren nach Skovos aufbrach, spurlos verschwunden ist, bleibt ihnen keine Wahl: Sie müssen das Geheimnis lüften – und sich Zugang zur verborgenen Archivkammer tief im Innern der Inseln verschaffen. Doch Skovos ist kein sicherer Hafen. Die Amazonen unter Hauptfrau Adreona kämpfen gegen die Ertrunkenen ums nackte Überleben – und misstrauen jedem Fremden. Doch um gegen die Übermacht des Bösen zu bestehen, das ihr Volk – von außen und von innen – bedroht, sind sie gezwungen, mit Lorath und seinen Gefährten eine Allianz zu schmieden, ob es ihnen gefällt oder nicht. Denn nicht nur Skovos’ Schicksal steht auf dem Spiel – sondern das von ganz Sanktuario.
Kritik
Wie eigentlich bei fast allen Blizzard-Spielen so darf auch bei Diablo IV (bzw. dem neuen Addon) die Vorgeschichte in Romanform nicht fehlen. Vorb sollte ich hinwegschicken, dass ich Diablo IV (noch) nicht gespielt habe, ich kann also nicht sagen, welche Rolle die beiden Helden (mit Ausnahme von Tyrael, denn den kennt man ja) im weiteren Verlauf der Spielhandlung spielen werden und ob ihre Vorgeschichte hier in irgendeiner Form relevant ist. Dem vorliegenden Roman tut das allerdings keinen Abbruch, man kann die Geschichte auch ohne Vorkenntnisse (oder ohne Kenntnis der weiteren Story) genießen. Bezug genommen wird hier lediglich auf Diablo III und dessen Addon, also ist das Ganze wirklich völlig unbelastet.
Die Geschichte handelt von einem Dreier-Heldengespann, namentlich Donan, Lorath und Tyrael, den letzten der Horadrim. Und die verschlägt es hier nach Skovos, um Ermittlungen über eine verschollene Expedition nachzugehen. Skovos wird allerdings von ein paar Untoten belagert und hat auch sonst noch so ein paar Probleme. Soviel kurz zum Ausgangspunkt der Lage. Natürlich werden unsere Freunde noch die ein oder anderen zusätzlichen Personen treffen, die sich quasi ihrer klassischen Quest anschließen. Das funktioniert im Verlauf der Geschichte auch ziemlich gut.
Nun war Diablo natürlich noch nie ein sehr tiefgängiges Spiel… Rumrennen, Monster plätten – ein Prinzip, das man halt schwer in Romanform umsetzen kann, wie schon anderer Reihen wie etwa Doom feststellen mussten. Trotzdem haben auch diese Spiele ihre Stories erweitert (und auch Diablo IV soll hier Maßstäbe setzen) und das ganze Drumherum aufgepeppt. Ähnlich ist es auch in diesem Buch. Es gibt hier keine großen Schlachtorgien oder überbordende Action. Ja, es wird gekämpft, aber die Kämpfe sind eher kurz und, vor allem im Bezug auf das Finale, dann doch eher unspektakulär, aber dazu kommen wir später noch.
Es geht also vornehmlich um die Charaktere, und das eben nicht mal schlecht. Es muss ja nicht immer Action sein und so dürfen Helden auch mal eine Charakterreise antreten. Vor allem zu Beginn klappt das auch alles noch ganz gut. Man lernt schnell, was die Helden umtreibt und was sie suchen und wie sie an ihren Aufgaben wachsen müssen. Dabei werden sie nicht übertrieben besserwisserisch dargestellt sondern zeigen in der Tat eine natürlich Entwicklung, die zu gefallen weiß. Vor allem Donan und Lorath müssen sich zunächst unterordnen, bevor sie aktivere Rollen spielen dürfen, denn die herrschenden Amazonen sind etwas rigoros in ihren Ansichten.
Man kann an dieser Stelle bemängeln, dass Tyrael wohl etwas zu kurz kommt, aber der begleitet uns ja prominent in den Diablo-Spielen, so dass das verschmerzbar ist. Etwa 60-70% des Buches werden s eigentlich ganz gut abgehandelt. Gelegentliche Kämpfe, Charaktere lernen sich kennen und die Geschichte entwickelt sich. Dann fällt die Handlung aber plötzlich massiv ab, fast so, als hätte jemand die Luft rausgelassen (oder man müsse übereilt zu einem Ende gelangen).
An der Stelle soll jetzt hier nicht zuviel gespoilert werden, daher versuche ich, etwas allgemein zu bleiben. Trotzdem müssen ein paar Punkte erwähnt werden. So wird immer wieder ein Leuchtfeuer erwähnt, dass vor den Untoten schützt – findige Leser wissen sofort, das wird später noch ausgehen und für Probleme sorgen. Auch erwähnt wird, dass tyrannische Herrscher durch ein altes Kampfritual abgesägt werden können – auch hier weiß man sofort, das auch dies in der Geschichte eine Rolle spielen bzw. das Finale sein wird. Der Bösewicht ist dann auch der, von dem man es erwartet hat (wobei zumindest hier anfangs noch ein paar falsche Fährten gelegt werden) und vor allem fühlt sich eine Romanze zwischen zwei Helden einfach völlig aus der Luft gegriffen und zu ad hoc an, um von einer natürlichen, mitreißenden Erzählung sprechen zu können. Zumal sie am Ende dann halt erwartungsgemäß auch wieder verpufft und man die Beziehung gar nicht auf diese Ebene hätte heben müssen. Ähnliches gilt auch für den Bösewicht, der die Helden am Leben lässt, obwohl es dafür später keinen Grund mehr gibt. Selbst das große Monster taucht nur kurz auf und verpufft daher etwas wirkungslos.
An diesen Stellen fällt das sorgsam charakterlich konstruierte Kartenhaus zum Ende hin halt leider etwas in sich zusammen, da können auch die schön ausgearbeiteten Charaktere nicht mehr helfen. Hinzu kommt ein recht unspektakuläres Finale, das nach zwei Seiten beendet ist und daher spannungsarm bleibt, denn es zweifelt niemand am Ausgang desselben. Klar, dass ein Buch ein Happy End hat weiß man (zumeist), aber der Weg dahin sollte halt auch spannend erzählt sein.





