Der neue Roman von S.T. Gibson ist bei Tom gelandet.
Inhalt (Klappentext)
Das altehrwürdige Saint Perpetua’s College liegt abgeschieden in den Bergen Massachusetts. An ihrem ersten Schultag trifft die ehrgeizige Laura Sheridan auf die schöne und mysteriöse Carmilla, die sie umgehend in ihren Bann zieht. Als ihre Lehrerin De Lafontaine, die von Carmilla ebenfalls bezaubert, ja fast besessen zu sein scheint, beide Schülerinnen unter ihre Fittiche nimmt, entbrennt daraus ein erbitterter Wettstreit um die Gunst der Lehrerin. Doch schon bald weicht die anfängliche Rivalität ganz anderen Gefühlen, und Laura verspürt ein dunkles Verlangen, das sie so noch nie zuvor gekannt hat. Immer weiter verstricken die beiden Mädchen sich in ein Netz aus Intrigen und dunkler Magie.
Kritik
Nach „A Dowry of Blood“ liegt nun der zweite (deutsche) Roman von S.T. Gibson vor. Dieser hier handelt auch von einer Liebesbeziehung, in diesem Fall sogar einer Dreiecksgeschichte zwischen Carmilla, Laura und De Lafontaine, der Professorin. Dabei macht es einem der Roman in der Bewertung gar nicht mal so leicht, denn eigentlich passiert jetzt nicht so viel, auf der anderen Seite will die Geschichte halt vielleicht nicht unbedingt mehr sein als eine kleine Liebesgeschichte.
Auf die Probleme des Romans, vor allem am Anfang und am Ende, kommen wir gleich noch. Der Mittelteil ist an und für sich nämlich recht solide. Klar, das ist jetzt vielleicht nichts überbordend Neues und plätschert recht seicht vor sich hin, aber es gibt ja auch Leute, die bei sowas genau das wollen. Die beiden Hauptcharaktere Laura und Carmilla jedenfalls nähern sich immer weiter an, bis es zu einer Liebesbeziehung kommt. Man hätte sich hier stellenweise noch mehr Szenen gewünscht, welche das Verhältnis der beiden noch vertiefen, aber auch wenn es das nicht gibt, so vergehen die Szenen irgendwie trotzdem wie im Fluge. Als Sahnehäubchen gibt es noch zwei leicht explizitere Sexszenen, die sich ebenso gut in den Gesamtkontext einfügen ohne störend zu wirken.
Als Komplikation kommt hinzu, dass De Lafontaine eine Vampirin und die Professorin der Mädchen ist. Das wird zu Beginn gleich mit einer Trigger-Warnung versehen, wobei das sicher subjektiv ist. Ja, die gute will Carmilla nicht gehen lassen, ist aber nicht wirklich dominant oder hält die anderen regelrecht hörig. Mit ein wenig Selbstbewusstsein wären die beiden Heldinnen hier auch ganz gut von ihr weggekommen. Wobei das aber eigentlich gar nicht nötig ist, denn Lafontaine hilft den beiden am Ende gegen den Bösewicht (man könnte fast sagen, sie macht die Drecksarbeit) und ist auch sonst eher entgegenkommend. Ja, das mag bei einem richtigen abhängigen Verhältnis auch so rüber kommen, es wird am Ende aber mehr als deutlich, dass auch die Professorin eigentlich zu den Guten gehört. Im Grunde ist also vieles redundant, was sich natürlich in den erwähnten Punkt einreiht, das man auch bei ihr durchaus mehr Tiefe hätte sehen wollen.
Und damit sind wir schon bei den Kritikpunkten, denn vor allem am Anfang und am Schluss hat der Roman so einige Mankos. So schmachtet Laura fast schon seit der ersten Begegnung der lieben Carmilla hinterher, was total überhastet und stellenweise unglaubwürdig ist – Jugendliche Unerfahrenheit hin oder her. Hier geht es einfach viel zu schnell, als das sich die Annäherung unserer Heldinnen organisch anfühlt – auch hier hätten ein paar Szenen mehr der Geschichte gut getan. Bestenfalls ist das einfach ein obligatorisches Klischee, im schlimmsten Fall hecheln sich die beiden einfach ohne Sinn und Verstand an. Immerhin, mit der Tatsache, dass Lafontaine eine Vampirin ist, wird nicht allzu lange hinter dem Berg gehalten und auch Laura schnell eingeweiht.
Dann macht die Professorin aber einen Fehler, denn sie ist eigentlich genauso geblendet wie die beiden Heldinnen und erweckt quasi das Monster zum Leben, dass dann später umgeht und vor allem bei Carmilla für die ein oder andere Entwicklung sorgt (hier mal kein Spoiler). Auch das wird aber zu oberflächlich behandelt und die böses Isis taucht, unabhängig der Mordserie, viel zu wenig auf, um als Bösewichtin Profil oder Glaubwürdigkeit zu haben. Das kulminiert dann auch am Ende in einem Plan, sie zu besiegen, der relativ schnell umgesetzt ist und nach ein paar Seiten ist die eher am Rande aufgefallene Bösewichtin auch schon wieder besiegt. Ja, das sie quasi im Hintergrund lauert hilft der Charakterentwicklung der drei Heldinnen, das wäre aber deutlich besser gegangen. Vor allem hätte Lafontaine ruhig etwas tiefer blicken lassen können, wenn sie schon an der ganzen Misere Schuld ist.
Auch besprechen Laura und Lafontaine den Plan, dann switcht die Perspektive zu Carmilla (die Geschichte wird in Ich-Form aus abwechselnder Sicht der beiden erzählt), die von alldem nichts weiß. Sie zweifelt daher daran, ob Lafontaine sie verraten wird. Da man als Leser aber weiß, dass die mit Laura etwas ausgeheckt hat, zündet der Gedankengang von Carmilla hier leider nicht. Besser wäre es hier gewesen, aus Lauras Perspektive zu schreiben, denn wenn diese zweifelt, kann das auch der Leser nachvollziehen und so hätte man wirklich die Frage aufwerfen können, wie wankelmütig die Professorin ist. So verpufft der Spannungselement des Finales leider fast komplett, vor allem, da Laura dann auch noch etwas planlos angelaufen kommt. Nunja….
Schön ist dafür aber wieder die Schlusssequenz, die offen lässt, ob Laura die „Gabe“ nun annimmt. Dies wird dem Leser überlassen, und das ist auch ganz gut so.





