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Martin Weinrich (wc)06.12.13

"A Ceremony of Losses"

David Mack

Inhalt

Die Bevölkerungskrise der Andorianer spitzt sich zu. Der Punkt, an dem die Erhaltung der Spezies nicht mehr zu gewährleisten ist, rückt immer näher. Doch das Forschungsteam um Shar erhält nicht den Zugang zu allen Daten des Shedai-Metagenoms, das eine Behebung des Fortpflanzungsproblems ermöglichen könnte. Denn den derzeitigen andorianischen Machthabern, die den Planeten aus der Föderation gelöst haben, käme eine Heilung ungelegen. Ihre Anhänger lehnen genetische Experimente nämlich ab. So müssen sie erst ihre politische Position festigen, bevor sie die Existenz ihrer Bevölkerung sichern können.

Doch auch in der Föderation wählt die Politik einen eigenartigen Weg. Nach der Ermordung der Präsidentin fährt der bajoranische Übergangspräsident Ishan einen ungewöhnlich harten Kurs. Dieser hatte in "The Crimson Shadow" beinahe dazu geführt, dass die Allianz mit Cardassia aufgelöst wurde. Nun verhängt er ein umfangreiches Embargo um Andoria, in der Hoffnung, die Andorianer dadurch zu zwingen, in die Föderation zurückzukehren. Umgesetzt wird das Embargo unter anderem von Captain Dax und der U.S.S. Aventine.

In dieser Situation wendet sich Shar an Dr. Bashir und bittet ihn um Hilfe. Die Föderation besitzt alle Daten des Metagenoms, hält sie jedoch aufgrund möglichen militärischen Missbrauchs durch andere unter strengem Verschluss. Um das andorianische Volk zu retten, muss Bashir also seine Karriere und seine Freiheit riskieren.

Kritik

Dr. Bashir möchte das Überleben der Andorianer sichern. Dazu muss er nicht nur mit der Sektion 31 zusammenarbeiten, sondern auch die Sternenflotte verraten.
"A Ceremony of Losses", so könnte man kritisieren, zeichnet ein völlig unrealistisches Bild der Föderation und führt den Leser sowohl mit dem Romantitel als auch dem Reihentitel "The Fall" völlig in die Irre. Dabei ist der Roman nicht nur die spannendste, sondern in weiten Teilen auch die facettenreichste "Star Trek"-Geschichte der letzten Jahre.

Welch tragische Ausgangssituation: Die Andorianer sterben, die Föderation könnte mithilfe des Metagenoms helfen. Doch man hat sich dagegen entschieden, da das Metagenom nicht nur für die genetische Heilung der Andorianer, sondern auch für allerlei genetische Waffen benutzt werden könnte. Für Föderation und Tholianer (die ebenfalls im Besitz des Genoms sind) hat es daher oberste Priorität, dass das Genom unter Verschluss gehalten wird. Aus diesem Grund hält die Föderation seit vielen Jahrzehnten an der moralisch äußerst schwierigen, aber sehr logischen Entscheidung fest, das Metagenom nicht zur Krankheitsbekämpfung einzusetzen.

Bashir kann das nicht akzeptieren. Das ist bereits der erste Geniestreich des Romans: Bashir handelt nicht nur aus altruistischen Motiven. Er setzt seine Karriere, seine Freiheit, sprich: sein ganzes Leben aufs Spiel, um die Andorianer zu retten. Er rechtfertigt das, moralisch einwandfrei, mit seinem hippokratischen Eid. Der Leser weiß aber, dass das nicht die ganze Motivation ist. Seit seinem Spionageeinsatz kann Bashir nicht mehr mit sich selbst leben, sein Gewissen ist belastet. Der fanatische Einsatz für die Sache der Andorianer entspringt somit also zu einem großen Teil auch des Bedürfnisses wieder mit sich selbst im Reinen sein zu können. Bashir handelt genauso für sich selbst wie für die Andorianer, obwohl er dabei seine (wahrnehmbare) Existenz zerstört. Er ist daher sogar dazu bereit, mit der Sektion 31 zusammenzuarbeiten. Dabei ist ihm klar, dass eine moralische Erklärung in Zusammenarbeit mit der Sektion sich kaum aufrechterhalten lässt. So gelungen wurde schon lange keine Hauptperson in einem "Star Trek"-Roman mehr charakterisiert.

"A Ceremony of Losses" bringt zudem endlich wieder etwas Logik in die Haupthandlung um die Zukunft der Föderation, die mit der fragwürdigen (und dramaturgisch schwachen) Sezession Andorias verloren gegangen ist. In diesem Roman wird stärker denn je betont, wie gefährlich das Metagenom sein kann und dass es daher tatsächlich unter strengem Verschluss gehalten werden sollte. Beispielhaft wird es an Bashirs Arbeit gezeigt. Da er alleine nicht zügig genug arbeiten kann, überzeugt er andere namhafte Wissenschaftler, ihm zu helfen. Bereits nach wenigen Minuten sehen sie die Lösungen für alle möglichen Krankheiten - mithilfe genetischer Manipulation. Wohin das führen kann, haben die eugenischen Kriege gezeigt.

Leider kommt diese positive Wendung mit einem anderen Logikproblem daher. Übergangspräsident Ishan erweist sich in diesem Roman endgültig als militärischer Hardliner, der gegen alle Prinzipien der Föderation handelt. Nicht nur sein Embargo gegenüber Andoria ist politisch schwachsinnig und moralisch verwerflich. Auch andere Pläne und Entscheidungen, wie zum Beispiel die Idee, dem Typhon-Pakt mit dem Genesis-Projekt zu drohen, sind wahnsinnig. Gleichzeitig verhält er sich aber wie ein absolutistischer Monarch. Was er sagt, was er befiehlt, das geschieht auch. Das hat "Star Trek" in "Die Gesetze der Föderation" bereits deutlich besser gezeigt: Der Präsident (oder die Präsidentin) der Föderation herrscht nicht absolut. Das Parlament scheint bei den Embargo- und Angriffsplänen aber gar keine Rolle zu spielen. Das ist schwach.

Dieser - eigentlich schwerwiegende Fehler - wird durch die großartigen Auswirkungen von Ishans Rolle wieder ausgeglichen. Erstens müssen sich alle bekannten Charaktere immer wieder in diesem Roman fragen, ob sie ihre Befehle mit ihrem Gewissen noch vertreten können. So viele gelungene Charakterszenen wie in "A Ceremony of Losses" sucht man in vielen anderen Romanen vergeblich. Zweitens zeigt sich, dass vor allem neue Sternenflottenkapitäne, die nach der Borg-Invasion rasch ausgebildet wurden, nicht nur extrem karriereorientiert sind, sondern vor allem auch befehlsblind agieren. Hier scheint eine Generation heranzuwachsen, der "Forschung" und "Völkerverständigung" kaum noch etwas bedeuten, sondern die das Blockieren medizinischer Hilfslieferungen für ein Gründungsmitglied der Föderation befürworten. Noch ist offen, ob dies in zukünftigen Romanen zu ernsthaften Problemen führen wird. Bereits jetzt - und das ist der dritte Punkt - sorgt es aber für eine bedrohliche (und somit spannende) Kulisse. Denn was ist die Föderation noch wert, wenn sie die Konfrontation mit dem Typon-Pakt zwar gewinnt, dabei aber ihre Identität verliert?

Weitere spannende Elemente würzen diesen Roman: Natürlich hat der Typon-Pakt kein Interesse daran, dass die Andorianer von der Föderation geheilt werden. Auf Andoria verstricken sich die Machthaber in politischen Intrigen und Bashir kommt an mehreren Stellen ohne die Hilfe von Sektion 31 nicht weiter. All das führt zu einer enormen Handlungsdichte, einer raschen Abfolge von Ereignissen, ohne dass der Roman aber episodisch wirkt. Gleichzeitig haben viele Charaktere, wie bereits erwähnt, äußerst starke Auftritte.

Es bleibt am Ende die Frage, warum dieser Titel gewählt wurde. Sicher, eine Reihe von Sternenflottenoffizieren sehen sich in diesem Roman dazu gezwungen, ihre Befehle zu ignorieren. Eine Verlustzeremonie kann man das dennoch nicht nennen. Das Ende ist zudem weit von einem "Fall" entfernt. Böse Zungen könnten hier also die bewusste Täuschung der Leser anführen. Dabei ist das ein weiterer Geniestreich, sorgt er doch für eine große Überraschung in Form einer gänzlich unerwarteten, ausgezeichneten Geschichte.

Fazit: "The Fall" ist schwach gestartet, präsentierte aber bereits im zweiten Band eine sehr gute Handlung. Nach "A Ceremony of Losses" ist es fraglich, wie die folgenden beiden Bände diese Leistung noch übertreffen sollen. Denn der Roman bietet eine kluge, spannende Handlung, tragische Charaktere und bringt die Haupthandlung der Serie überzeugend voran. Einzig die recht umfangreichen Kompetenzen des Übergangspräsidenten stören den Lesegenuss dieses ansonsten perfekten Romans.

"A Ceremony of Losses" ist unter anderem bei Amazon.de als Taschenbuch und als E-Book erhältlich.

Bewertung

Weitere Infos


Titel "A Ceremony of Losses"

Originaltitel "The Fall - A Ceremony of Losses"

Buchreihe Post-'Nemesis'

Autor David Mack

Preis 5,50 Euro

Umfang 352 Seiten

Verlag Simon & Schuster Pocket Books

ISBN 978-1-47672-2-245

(wc - 29.12.13)


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