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Kurzrezension: Star Trek: Picard 3×05 – “Imposters”

Titan und Intrepid in "Imposters" (Szenenphoto: Paramount)
Titan und Intrepid in "Imposters" (Szenenphoto: Paramount)

Lest hier unsere spoilerfreie Rezension zu Episode 3×05 “Imposters” von “Star Trek: Picard”.


Was meinen wir mit “spoilerfrei”?

Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was “spoilerfrei” bedeutet. Damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr die Rezension vorab lesen möchtet, machen wir hier transparent, was wir darunter verstehen:

  • Wir verraten keine wichtigen und unerwarteten Wendungen der Handlung bzw. Informationen über die fiktiven Welt und ihre Figuren.
  • Was im Vorfeld durch Vorschauclips und Trailer gezeigt wird, ist kein Spoiler.
  • Was im Cold Open (vor dem Vorspann) bzw. im ersten Akt (bei Episoden ohne Cold Open) passiert, ist kein Spoiler.
  • Handwerkliche Aspekte (Schauspiel, Drehbuch, Bühnenbild, Soundtrack, Spezialeffekte) sind keine Spoiler, sofern sie nichts Wichtiges über die Handlung verraten.

Imposters

Zurück im Alpha-Quadranten, leckt die Titan ihre Wunden aus den Kämpfen gegen die Shrike und die Naturgewalten der Gravitationsanomalie. Picard und Riker beschließen, sich für ihre Taten gegenüber der Sternenflotte zu verantworten, einem Anliegen, bei dem sie Captain Shaw enthusiastisch unterstützt.

Derweil versuchen Raffi und Worf Zugang zu Daystrom Station zu erlangen, und müssen sich dafür erneut in die Unterwelt von M’Talas Prime begeben.

Handlung

“Imposters” ist eine Folge, die nahezu unmöglich spoilerfrei zu besprechen ist, denn Cindy Appel und Chris Derrick schließen mit ihrem Drehbuch nahtlos an eine wichtige Begebenheit aus “The Next Generation” an, was für die gesamte A-Handlung entscheidend ist.

Die Wiederkehr von formwandelden Antagonisten führt ein wichtiges Element von Paranoia in die Serie ein, wie es auch schon in wesentlichen Teilen von “Deep Space Nine” und praktisch der kompletten Serie “Battlestar Galactica” prägend war. “Imposters” verschärft damit die “Vertrauensfrage”, die schon so essentiell für die letzten beiden Episoden war.

Wer sich wie ich darüber gewundert hat, dass es deutliche Unterschiede in der Darstellung der Formwandler zu “Deep Space Nine” gibt, bekommt in dieser Episode erste Anhaltspunkte für eine plausible Erklärung. In jedem Fall verändert “Imposters” nochmals dramatisch den Rahmen für dieses letzte “Picard”-Abenteuer. Mehr soll über die A-Handlung an dieser Stelle nicht verraten werden.

Die B-Seite streckt die Handlung auf M’Talas Prime um eine weitere Episode. Worf und Raffi erhalten von der Sternenflotte keinen direkten Zugang zu Daystrom Station, weshalb sie sich in “Imposters” neuerlich in die Unterwelt stürzen. Damit setzt dieser Plotstrang endgültig die traurige “Picard”-Tradition künstlich in die Länge gezogener und letztendlich bedeutungsloser Nebenhandlungsstränge fort (ich meine euch, Borgwürfel der ersten und ICE-Knast der zweiten Staffel).

Charaktere und Dialoge

Wie bereits in der gesamten Staffel sind die Charakterinteraktionen das wahre Highlight der Folge. “Imposters” greift wie gesagt nahtlos ein wichtiges loses Ende von “The Next Generation” auf. Wie durch ein Wunder ist bisher nichts davon an die Öffentlichkeit gelangt oder durch Trailer angedeutet worden. Zuschauer:innen steht eine echte Überraschung ins Haus, die im ersten Akt sicherlich ein paar Kinnladen herunterklappen lässt.

Die Fortsetzung dieses Handlungsstrangs ist absolut bedeutsam für die Figuren, zuvorderst natürlich Jean-Luc Picard. Auch wenn man es beinahe jede Woche wiederholt, Patrick Stewart liefert erneut eine seiner besten Darbietungen ab, und er darf mit einen Gaststar spielen, der es ihm erstens leicht macht und zweitens in nichts nachsteht.

Die Performance ist aufwühlend, oft verletzlich und am Ende sehr bewegend. Allerdings hängt die emotionale Wucht, die die Folge entfaltet, stark an dem emotionalen Investment des Publikums. Wer eine wichtige Begebenheit aus “The Next Generation” nicht mehr deutlich erinnert, wird aus der Episode weniger mitnehmen, als Menschen, die TNG in den letzten 30 Jahren mehrmals komplett in Wiederholungen gesehen haben.

Es ist verflixt. Um “Imposters” vollständig wertschätzen zu können, müsste man dem Publikum dringend eine “TNG”-Folge als “Hausaufgabe” empfehlen, aber das kann man nicht tun, ohne die große Überraschung dieser “Picard”-Episode zu verderben. Wer es dennoch nicht sein lassen kann/will, darf hier klicken:

Spoiler

Für mich ist diese Folge das Musterbeispiel dafür, wie “Picard” von Anfang an durchgängig hätte angelegt werden müssen, um eine erfolgreiche Serie im Range von “The Next Generation” im Reigen zeitgenössischer Dramen zu werden. Auch wenn “Imposters” eine alte Story aufgreift, so tut sie das auf eine sehr moderne weise, die alles andere als nostalgisch ist. Stattdessen treibt sie eine gänzlich andere Handlung überraschend voran und zeigt an Jean-Luc Picard eine neue Facette auf (was in dem Kontext überfällig erscheint).

Wer die TNG-Referenz versteht, und am Ende von “Imposters” noch ein trockenes Auge hat, muss ziemlich abgebrüht sein. Hinter der Picard-zentrischen A-Handlung drohen die anderen Figuren leider ein wenig zu verschwinden. Insbesondere Riker hat in der Konstellation überraschend wenig zu tun und zu sagen.

Den größten Auftritt neben dem Admiral haben wieder Worf und Raffi, die sich erneut einem Element von M’Talas Primes Unterwelt stellen (wieder von einem “12 Monkeys”-Alumni gespielt). Das ist ob der schlagfertigen Dialoge gelegentlich unterhaltsam, trägt aber sehr wenig bis nichts zur äußeren oder inneren Handlung bei.

Inszenierung

“Imposters” ist eine echte Bottle-Show. “Picard” beschränkt sich ohnehin schon auf auffällig wenige Sets, die sehr viel Wiederverwendung finden, aber “Imposters” dürfe diesbezüglich die bisher sparsamste Episode sein. Dass sie dennoch die wahrscheinlich beste Folge der ohnehin sehr guten dritten Staffel ist, beweist wieder einmal, dass “Star Trek” von gut geschriebenen Figuren und Drehbüchern lebt.

Für die Action sind diese Woche Raffi und Worf mit zwei sehenswert choreographierten Prügelsequenzen zuständig. Auf der Titan wird die längste Zeit eine ruhigere Gangart eingelegt, bis in den letzten Minuten Regisseur Dan Liu noch einmal richtig Gas gibt und Jack Crusher in einer sehenswerten Actionsequenz auftrumpfen lässt.

Beobachtungen

  • Die Eröffnungsszene erinnert stark an “The Wrath of Khan“, “Cause and Effect” und “Such Sweet Sorrow, Part 1
  • Jack Crusher hat einen modifizierten Typ-2-Handphaser, wie er in “The Original Series” üblich war
  • Auch wenn die Episode viele Fragen beantwortet, wie Formwandler:innen unerkannt die Titan infiltrieren konnten und einen neuen visuellen Effekt für ihre Fähigkeiten verwenden, ist mir nicht klar, warum Crusher genetische Modifikation ausschließt und stattdessen Evolution als Ursache benennt. In sieben Jahren “Deep Space Nine” haben wir keinerlei Anzeichen dafür gesehen, dass die Spezies sich so stark verändert, dass sie binnen weniger Jahrzehnte gravierende Änderungen durchmachen könnte. Im Gegenteil, Odo und Laas sind Jahrhunderte durch den interstellaren Raum gereist und unterschieden sich biologisch nicht augenfällig von der großen Verbindung.
  • Offenbar wurden die portablen Holoemitter aus dem 29. Jahrhundert (“Future’s End”) erfolgreich von der Sternenflotte zurückentwickelt und nachgebaut und sind nun relativ weit verbreitet.
  • Die U.S.S. Intrepid hat einen zusätzlichen, rückwärts-gerichteten Deflektor und kann so vermutlich auch mit hoher Impulsgeschwindigkeit oder Warp rückwärts fliegen. Die Warpgondeln scheinen identisch zur Titan
  • Shaw referenziert während der Turboliftfahrt mit Riker und Picard Geschehnisse aus “Generations”, “Insurrection” und “All Good Things…”
  • Krinn wird gespielt von Kirk Acevedo, José Ramsey aus “12 Monkeys”. Dort ist er der beste Freund von James Cole (Aaron Stanford, Sneed aus der vorletzten Episode). Dass Krinn Sneed als seinen “Bruder” bezeichnet ist sicherlich auch ein Verweis auf das innige Verhältnis der “12 Monkeys”-Alter Egos
  • Picard und seine Begleitung laden auf dem Holodeck kein Programm. Heißt das, dass die “Zehn Vorne”-Simulation dort seit der Flucht aus dem Ryton-System ununterbrochen läuft, obwohl sie niemand benutzt?
  • Die Computerkonsole weist “Zehn Vorne” als Simulation anno 2024 aus, aber statt der damals in der Bar versteckten Schrotflinte befindet sich hinter dem Tresen ein Phaser, der zeitgenössisch für das 25. Jahrhundert ist.
  • Krinn gibt Worf und Raffi remanische Dolchmesser (“Nemesis”). In der letzten Folge verwendete Vadic eine größere remanische Klinge. Ist das ein Hinweis darauf, dass die Remaner eine größere Rolle in dieser Staffel spielen werden?
  • Die Formwandler:innen in dieser Folge kommunizieren mit den gleichen Klicklauten, die auch Vadics Crew verwenden. Ist dies die bisher ungehörte Sprache der Spezies oder eine Verbindung zu den Subraumwesen aus “Schisms”?
  • Daystrom Station ist ein Kitbash aus Jupiter Station und dem Pathfinder Array aus “Voyager”
  • Woher haben die Formwandler:innen auf dem Shuttle plötzlich ihre Nicht-Sternenflotten-Ausrüstung her?
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Mit Rücksicht auf die Leser:innen, die die Episoden noch nicht gesehen haben, bitten wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag auf Spoiler zu verzichten. Danke!

“Star Trek: Raumschiff Enterprise”: Von Nacherzählungen und verlorenen Szenen Teil 2

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Inzwischen sind wir beim dritten “Raumschiff Enterprise”-Band der Goldmann-Ära.

Mit “Quarks Bücherclub” präsentieren wir euch ein neues Podcast-Format, in dem wir über unterschiedliche Bücher sprechen wollen. Den Beginn macht dabei natürlich unser Lieblingsfranchise “Star Trek” und hier haben wir uns für eine chronologische Herangehensweise entschieden. Es werden also die (deutschen) Star Trek-Bücher der Reihe nach besprochen, von der Goldmann, zur Heyne zur Cross Cult-Ära.

Auch der dritte “Raumschiff Enterprise”-Band enthält wieder die Serienabenteuer in Buchform. Welche Abweichungen erwarten uns diesmal? Und was ist mit dem ominösen Sammelbandcover? Hört rein!

Hier noch das Sammelbandcover:

“Star Trek: Raumschiff Enterprise”: Von Nacherzählungen und verlorenen Szenen Teil 2 1

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Trailer: “Picard”, 3×05, “The Imposters”

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"Picard", 3x05, "The Imposters": Jean-Luc ist arg besorgt
"Picard", 3x05, "The Imposters": Jean-Luc ist arg besorgt

Der Trailer zur (für uns noch) kommenden “Picard”-Episode ist auf den offiziellen Webseiten online, aber nicht auf den offiziellen Video- und Social-Media-Kanälen, kann also nicht eingebettet und nur als Link geteilt werden. Wer ihn schauen möchte, findet ihn unter https://intl.startrek.com/videos/episode-preview-star-trek-picard-imposters.

Kommentar: Hoffnungen auf “Star Trek: Discovery”

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Die fünfte Staffel von “Star Trek: Discovery” beendet die Serie. Die Entscheidung zur Absetzung fiel kürzlich, nachdem der Hauptdreh der Season längst abgeschlossen war. Nun soll es Nachdrehs geben, um ein würdiges Finale zu ermöglichen. Wird es ein solches geben? – Ein Kommentar.

Michelle Yeoh gewinnt Oscar

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"Everything Everywhere All at Once": Oscar für Michelle Yeoh

“Everything Everywhere All at Once” hat die 2023er Oscar-Verleihung dominiert und sieben Preise gewonnen, darunter den für den besten Film.

Zweitrezension: Star Trek: Picard 3×04 – “Die Pattsituation”

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(Szenenbild: "Star Trek: Picard" 3x04 © Paramount)

Mit Folge 4 nähert sich die 3. Staffel der Halbzeit. Wir sehen uns an, was drinsteckt. Aber Achtung: SPOILER!

Zweitrezension: Star Trek: Picard 3x04 - "Die Pattsituation" 2
“Star Trek: Picard” © Paramount

Zeit der Titanen

Die Nebenhandlung um Worf und Raffi macht diese Woche Pause. Stattdessen spielt sich die Handlung komplett auf der Titan ab. Und das tut sie mit einigen schönen Szenen, welche die Schwächen der Vorwoche schon fast vergessen machen. Und trotzdem ist auch diese Folge nicht ganz fehlerfrei. Doch der Reihe nach.

Zunächst wohnen wir einem Gespräch zwischen Jean-Luc und Will bei, das die Reibereien der letzten Folge zumindest teilweise wieder ausbügelt. Zwar ist Rikers Charakterisierung noch nicht zu 100 Prozent wieder auf Kurs, aber er schlägt zumindest wieder die richtige Richtung ein. Auch wenn er gegen Ende dann doch zunächst wieder zu skeptisch ist, was den Rettungsplan betrifft.

Zweitrezension: Star Trek: Picard 3x04 - "Die Pattsituation" 3
Jonathan Frakes als Captain William T. Riker (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×04 © Paramount)

Und auch die übrigen Figuren bekommen viel Aufmerksamkeit, denn die Folge lebt von starken Charakterszenen.

Nachdem Jean-Luc den Rat erhalten hat, die verbleibende Zeit mit seinem Sohn zu verbringen, geht es aufs Holodeck. Dass dieses eine separate Energiequelle hat, gab es übrigens schon zu “Voyager”-Zeiten. Und auch, dass dann später Crewmitglieder dazu stoßen, hat man hier nicht vergessen einzubauen. Ein Lob an dieser Stelle dafür.

Auch das Gespräch zwischen Jack und Picard funktioniert wunderbar. Man kauft beiden ab, dass sie sich näherkommen. Garniert wird das Ganze immer wieder mit Rückblenden. Picard sitzt in der ‘Zehn Vorne’-Bar und erzählt jungen Offizieren der Sternenflotte von seinen Abenteuern. Plötzlich taucht hier dann auch Jack auf. Er hatte Picard also doch schonmal aufgesucht. Picards Antwort auf Jacks Frage erklärt dann auch, warum dieser sich nie mehr bei seinem Vater gemeldet hat. Sehr gut! Eine solche Rückblende hätte ich mir allerdings auch für die Szene mit Beverly letzte Woche gewünscht!

Die Chroniken von “Picard”

Womit wir aber zugleich beim ersten Problem des Drehbuchs sind, das aber wohl eher nur für Chronisten interessant ist.

Picard fragt Jack nämlich: “Wie alt bist du? 23 oder 24?“ Und Jack nickt daraufhin zustimmen. Später wird aber eine Sternzeit genannt, welche die Folge ganz eindeutig im Jahr 2401 platziert. Wäre Jack also 23 oder 24 Jahre alt, dann wäre er schon 2377 oder 2378 geboren, also in der Prä-“Nemesis” (2379) Zeit. Und das kann natürlich nicht stimmen, da Beverly in “Nemesis” noch an Bord war. Der gute Jack kann also maximal 22,5 Jahre alt sein.

Zweitrezension: Star Trek: Picard 3x04 - "Die Pattsituation" 4
Picard (Patrick Stewart) und Jack (Ed Speleers) erforschen ihre Vater-Sohn-Beziehung (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×04 © Paramount)

Die später erwähnte Sternzeit (78183) terminiert die Folge übrigens auf den 8. März 2401 – also gar nicht mal so weit weg vom tatsächlichen Erscheinungstag“ (9. März). Wenn allerdings Staffel 2 “im selben Jahr, einige Monate früher” (laut Showrunner) spielt, dann wird es allerdings knapp. Denn das kann ja dann höchstens Anfang Januar gewesen sein. Dann war Sevens Trainingsprogramm aber echt schnell…

Platzhirsche in Position

Aber nicht nur Jack, Picard und Riker machen eine gute Figur, sondern auch die übrigen Platzhirsche bringen sich in Position.

Denn Seven darf bei der Jagd auf den Wechselbalg wieder einmal glänzen. Und sich dabei sogar der Hilfe von Captain Shaw bedienen. Vor allem Letzterer macht in dieser Folge eine Menge Boden gut. Klar, er ist immer noch etwas ruppig, aber so langsam kann man etwas hinter die Fassade blicken. Das wird besonders in der Bar-Szene deutlich, als er Picard des Mordes beschuldigt. Da hat man fast schon wieder Arschloch-Tendenzen spüren können.

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Jeri Ryan als Seven of Nine (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×04 © Paramount)

Stark ist dann Jacks Einschreiten und Picards Antwort, dass Shaw eigentlich Recht hat. Super gespielt an dieser Stelle. Und Shaw macht spätestens am Ende, als er auf “Commander Seven” mit “Find ich gut” reagiert, das wieder vergessen.

Fehlzündungen

Leider muss ich zugeben, dass Cliffhanger und die Gefahrensituation bei mir überhaupt nicht ziehen. Es dürfte wohl jedem klar sein, dass die Helden der Serie nicht schon in Folge 4 das Zeitliche segnen werden. Deswegen funktionieren manche Szenen, wie etwa Rikers Abschiedsnachricht für Deanna, bei mir persönlich nicht so wie angedacht. Aber immerhin, auch hier ist am Ende eine Versöhnung in Sicht.

Zweitrezension: Star Trek: Picard 3x04 - "Die Pattsituation" 6
Vadic (Amanda Plummer) bleibt in dieser Folge eher blass. (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×04 © Paramount)

Verlierer sind in dieser Episode für mich Vadic und ihre Crew. Okay, sie ist anscheinend ein Formwandler, da sie sich was aus dem Arm schneidet. Aber sonst bleibt sie weiter recht blass. Hoffentlich wird das Mysterium um Jack, zu dem es am Ende noch einen Tipp gibt, im weiteren Verlauf der Staffel zufriedenstellend aufgelöst.

Gelungen ist dagegen, dass man sie mit ihren eigenen Waffen schlägt. Denn wie zuvor die Eleos wird auch der Würger hier “beworfen”. Das ist nett gemacht.

Space-Quallen und Frozen Yogurt

Der Rest ist dann auch solide Handwerkskunst mit ein paar Mankos.

Dass der Nebel ein Lebewesen ist, vermuten Fans schon mindestens seit letzter Woche. Daher war halt auch diese Enthüllung leider keine echte Überraschung mehr. Zumindest sind die Space-Quallen aber eine ganz süße Nummer geworden. Im Litverse würde man diese Lebewesen als Kosmozoane bezeichnen.

Und dann ist da noch die Wechselbalg-Verschwörung. Sicher, Seven macht hier zwar einen guten Job beim Aufspüren. Aber Dinge wie “Wechselbalg-Siff” sind halt neu und man muss sich an dieser Stelle schon fragen, ob es das nicht auch schon zu DS9-Zeiten gegeben hat. Das hätte den Krieg für die Föderationsallianz sicherlich viel einfacher gemacht.

Zudem ist mir der Wechselbalg hier noch immer etwas zu “brav”. Klar, er mordet hier rücksichtslos. In DS9 hätte er aber ganz schnell Tentakel ausgebildet und Seven damit angegriffen, statt sich von ihr betäuben (?) zu lassen (geht betäuben eines Wechselbalgs überhaupt?).

Zudem wage ich an der Stelle eine Prophezeiung: Die Wechselbalg-Verschwörung wird am Ende der Staffel aufgelöst. Und das ist halt extrem schade. Die planen seit 20 Jahren, wie es sich für gute Wechselbälger auch gehört…und werden in den letzten Folgen dann wohl abgefrühstückt. So eine Story hätte aber – wie damals in DS9 – mehrere Staffeln verdient gehabt. Das ist in meinen Augen eigentlich zu episch, um “unter ferner liefen” abgestempelt zu werden.

Zudem kann ich mich mit dem neuen Aussehen des Wechselbalgschleims nicht so recht anfreunden. Mag ja sein, dass das damals in “Deep Space Nine” etwas primitiver aussah. Aber jetzt sieht es irgendwie wie verschimmelter Frozen Yogurt aus.

Zweitrezension: Star Trek: Picard 3x04 - "Die Pattsituation" 7
Wechselbalg oder verschimmelter Frozen Yogurt? (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×04 © Paramount)

Manchmal muss man Sachen halt einfach so lassen, wie sie waren. Aber dafür punkten die Warpgondel-Effekte wieder.

Cover für "On Screen!", dem Podcast mit Echtzeit-Folgenbesprechungen

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“Picard”: Episodentitel 3×06 bis 3×10

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"Star Trek: Picard", Staffel 3, Episode 4
"Star Trek: Picard", Staffel 3, Episode 4

Vorsicht, Spoiler! Im Fandom kursiert eine Liste mit Titeln der kommenden “Picard”-Episoden. Sie wurde von StarTrek.com noch nicht bestätigt, erscheint uns aber plausibel. Die Titel an sich enthalten Spoiler, was erklärt, warum sie in bisherigen Pressemitteilungen nicht aufgeführt wurden.

On Screen! Unsere Echtzeitbesprechung zu Star Trek: Picard 3×04 “Die Pattsituation”

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Die Titan fällt in die Gravitationsanomalie in "No Win Scenario" (Szenenphoto: Paramount)

Lasst uns gemeinsam “Die Pattsituation” schauen! Holt euch Michael und Peters ins Haus, um nochmal mit viel unnützem Wissen im Gepäck die vierte Folge der dritten Staffel “Star Trek: Picard” zu gucken. Wir schwärmen und lästern über Lieblingsszenen, analysieren Themen, Anspielungen und Easter Eggs und geben euch auch bemerkenswerte Infos und Triva über die Geschehnisse hinter der Kamera.

Außerdem möchten wir von euch wissen, wie euch unser neues Podcastformat gefällt. Stimmt gerne direkt hier im Beitrab ab!

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Erstrezension: Star Trek: Picard 3×04 – “Die Pattsituation”

"Star Trek: Picard" © Paramount

In Folge 4 der dritten Staffel kehrt die Serie wie keine Episode zuvor zu den Wurzeln von “Star Trek: The Next Generation” zurück. Lest hier unsere ausführliche SPOILER-Rezension.

Erstrezension: Star Trek: Picard 3x04 - "Die Pattsituation" 9
“Star Trek: Picard” © Paramount

Transparenzhinweis: Der Autor dieser Rezension hat bisher noch keine Screener der verbleibenden sechs Staffel-Episoden gesehen und verfügt demnach über keine zusätzlichen Plot-Kenntnisse.

Handlung

Die Titan treibt hilflos dem Gravitationszentrum des Nebels entgegen. Maximal vier Stunden bleiben der Crew noch, um sich auf den sicheren Tod vorzubereiten – oder das No-Win-Szenario doch noch abzuwenden.

Im Angesicht des drohenden Endes räumen Picard (Patrick Stewart) und Riker (Jonathan Frakes) in einem versöhnlichen Gespräch ihre Differenzen aus. Will leidet seit dem Tod seines Sohnes an depressiven Verstimmungen, die auf die Dauer auch seine Ehe belastet haben. Er empfiehlt Picard, die verbleibenden Stunden zu nutzen, um seinen Sohn Jack näher kennenzulernen.

Derweil versuchen Seven (Jeri Ryan) und Shaw (Todd Stashwick), den Wechselbalg auf dem Schiff aufzuspüren und unschädlich zu machen. Als Beverly (Gate McFadden) herausfindet, dass es sich bei dem vermeintlichen Nebel eigentlich um eine Art Weltraum-Uterus handelt, schöpft die Crew neuen Mut, der ausweglosen Situation doch noch entkommen zu können.

Mit jeder Menge Teamwork und technischem Knowhow gelingt es der Titan-Crew am Ende, sowohl die Gefahrenzone zu verlassen als auch die Shrike (zu deutsch: die Würger) manövrierunfähig zu machen…

Drehbuch & Dramaturgie

Das Drehbuch zur Folge ist eine Koproduktion von Showrunner Terry Matalas und Sean Tretta. Der deutsche Episodentitel “Die Pattsituation” eliminiert das wörtliche Kirk-Zitat aus “Star Trek II: Der Zorn des Khan” (“I don’t believe in no-win scenario.” / “Ich glaube nicht an ausweglose Situationen.”), was für mich nicht wirklich nachvollziehbar ist. Zumal hier auch keine “Pattsituation” im eigentlichen Sinne vorliegt, da der zweite “Schachspieler” (die Shrike) hier überhaupt keine zentrale Rolle mehr spielt.

Der Episodentitel mag vielleicht auf den zweiten Kinofilm der Originalserie rekurrieren, das Drehbuch von “No Win Scenario” steht aber zweifelsohne in der Tradition von “Star Trek: The Next Generation”. Jedenfalls enthält Folge 4 einiges von dem, was diese Serie einst so großartig gemacht hat. Zu nennen sind hier vor allem drei Aspekte: Teamwork, Wissenschaft/Technologie sowie der berühmtberüchtigte ‘Sense of Wonder’.

Und so gelingt es der Folge in durchaus mitreißender und emotionalisierender Weise, das grundsätzlich eher düstere Setting – die drohende Zerstörung des Schiffes samt Besatzung – peu à peu in eine optimistische Botschaft zu verwandeln: Gemeinsam sind wir stark! Wenn auch das Resultat von Anfang an klar ist (wie eigentlich bei etlichen “Star Trek”-Folgen), so ist der Weg zur Rettung des Schiffes hier abermals das Herzstück dieser Geschichte. Und genau das ist es, was auch in TNG oftmals der Fall war: Der Weg ist das eigentliche Ziel der Geschichte.

Auch wenn der Science/Technobabble-Anteil für meinen Geschmack gerne noch etwas größer hätte sein können, so bin ich doch mit der grundsätzlichen Tonalität und auch mit dem Spannungsbogen der Folge weitestgehend zufrieden. Vieles, was mir in Folge 3 noch fehlte, hat Folge 4 nachgeliefert.

Interessanterweise bricht “No Win Scenario” erstmals mit der dualen Struktur der ersten drei Episoden. Die B-Handlung um Raffi und Worf kommt dieses Mal nämlich gar nicht zum Zug, was aus zwei Gründen eine wirklich kluge Entscheidung der Autoren ist.

Da wäre erstens der zeitliche Aspekt: In der jüngeren Vergangenheit wurde von uns Fans oftmals der berechtigte Kritikpunkt vorgebracht, dass räumliche und zeitliche Distanzen nicht korrekt wiedergegeben werden. Und auch hier wäre es enorm unglaubwürdig gewesen, wären Worf und Raffi bereits an ihrem nächsten Zielort angekommen, während die Titan noch ihrem baldigen Ende entgegentrudelt.

Zweitens macht es aus dramaturgischer Sicht auch Sinn, sich hier voll und ganz auf die A-Handlung zu fokussieren. Ein Szenenwechsel hätte diesem No-Win-Szenario definitiv die Wucht genommen, weil wir als Zuschauer aus dieser angespannten, teils hektischen Lage zweitweise herausgenommen worden wären. Mittendrin statt nur dabei ist hier klar die bessere Devise. Daher auch ein großes Kompliment an Matalas und Tretta: Alles richtig gemacht! Und auch die Rückblenden fügen sich inhaltlich gut ins Gesamtgefüge der Gegenwartsnarration ein, auch wenn ich das ‘Ten Forward’-Setting mittlerweile für überstrapaziert halte.

Erstrezension: Star Trek: Picard 3x04 - "Die Pattsituation" 10
Mit Teamwork zum Erfolg: Riker, Picard, Beverly und Jack Crusher (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×04 © Paramount)

Während die Dramaturgie weitestgehend stimmt, sind auch dieses Mal leider wieder ein paar Logiklöcher, Kanon-Inkonsistenzen und merkwürdige Dialoge im Drehbuch enthalten.

In der Gegenwartshandlung fällt ein großes Plot Hole auf, das wir allerdings schon aus TNG- und “Voyager”-Zeiten kennen. Denn obwohl Riker befiehlt, alle nicht-essentiellen Schiffssysteme abzuschalten, um Energie für das Lebenserhaltungssystem zu sparen, lädt Picard seinen Sohn Jack ins Holodeck ein. Das ist ein sehr gängiges Plot Hole in “Star Trek”, daher kann man hier sicherlich ein Auge zudrücken. Zumal man hier auch um eine halbwegs plausible Erklärung bemüht ist (die ich allerdings fragwürdig finde).

Etwas irritiert hat mich zudem, wie schnell sich Picard und Riker in ihr Schicksal fügen. Riker hat zu Hause immerhin noch eine Frau und eine Tochter, die ihn lieben. Und Picard war schon immer eine Kämpfernatur, den auch ein durchstochenes Herz oder tagelange Folter nicht zur Resignation brachten. Hier geht er aber lieber aufs Holodeck, anstatt für die Crew – und vor allem für seinen Sohn – fieberhaft nach einem Überlebensweg zu suchen. Ob seine Positronen vielleicht doch nicht so viel Selbsterhaltungstrieb haben wie sein originaler biologischer Körper?

Und auch das Verhalten des Wechselbalgs wirkt auf mich etwas seltsam. Frühere Exemplare dieser Spezies agierten irgendwie cleverer. Demnach folgt auch Sevens Jagd auf den Formwandler nur dem Schema F. “Deep Space Nine” konnte eine solche Geschichte vielschichtiger und spannender erzählen.

Ansonsten führt “No Win Scenario” auch noch die ein oder andere Kanon-Ungereimtheit zutage. Da wäre erstens Jacks Alter, das hier mit 23 oder 24 Jahren angegeben wird. Das kann aber nicht stimmen, denn dann wäre Jack bereits vor “Star Trek: Nemesis” (2379) geboren worden. Oder Dr. Crusher hätte in diesem Film wenigstens hochschwanger sein müssen. Diese Altersangabe passt auch nicht zu Beverlys Aussage in der vorangegangenen Folge, die ihre Empfängnis in der Zeit verortet, in der Picard schon die Rettungsmission für Romulus koordinierte (zirka 2381-85).

Das zweite Kanon-Problem betrifft Jack R. Crusher, also Beverlys verstorbenen Ehemann. Picard behauptet hier, Jack und er seien schon auf der Akademie Freunde gewesen. Memory Alpha hat den entsprechenden Eintrag auch bereits mit “No Win Scenario” in Übereinstimmung gebracht. Meiner Erinnerung nach war Jack aber einige Jahre jünger als Picard. Laut Drehbuch (Deleted Scene) zu “Familienbegegnung” (TNG 4×02) wurde er wie Beverly im Jahr 2324 geboren. Zu dieser Zeit besuchte Picard gerade die Akademie.

Drittens lassen sich sowohl Picards Besuch im ‘Ten Forward’ (ca. 2396) als auch Rikers Depression nicht wirklich mit der ersten Staffel der Serie in Einklang bringen. Denn gleich in Folge 1 wurde uns vermittelt, dass sich ein wütender und frustrierter Picard 2385 für gut 14 Jahre schmollend auf sein Weingut zurückzog und dort Bücher “über Geschichte” schrieb, “an die niemand sich erinnern möchte“. Er habe damals nicht gelebt, sondern nur auf den Tod gewartet, so Picard in “Gedenken” (PIC 1×01). Hier wird uns nun aber gezeigt, wie Picard in lockerer Atmosphäre mit jungen (und überaus interessierten) Sternenflotten-Offizieren über seine größten Abenteuer plaudert. Sorry, aber wie passt das denn mit Picards Eremitendasein, mit seiner gekränkten Ehre und mit seiner Wut auf die Sternenflotte in Season 1 zusammen?

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Rückblende 2396: Picard erzählt jungen Sternenflotten-Offizieren von seinen größten Abenteuern (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×04 © Paramount).

Davon mal abgesehen hatte ich in Folge 2×01 “Die Stargazer” den Eindruck, dass Picard die ‘Ten Forward’-Bar zum allerersten Mal aufsucht (man beachte, wie er sich umsieht – als sei dies sein erster Besuch dort. Außerdem spricht ihn Guinan noch mit “Captain” statt mit “Admiral” an). Nimmt man die letzten beiden Episoden als Grundlage, dann ist Guinans Bar in L.A. aber schon seit vielen Jahren Picards Stammkneipe.

Zudem lässt sich auch Folge 1×07 “Nepenthe” nur schwer mit Rikers aktueller Depression vereinbaren. Darauf hat bereits Christopher in seiner Kurzrezension hingewiesen. Gleichwohl sind Depressionserkrankungen manchmal auch von wechselnden Stimmungslagen geprägt, was eventuell auch Rikers gute Laune in “Nepenthe” erklären könnte. Allerdings liegt Thads Tod wohl auch schon einige Jahre zurück, sodass es etwas konstruiert wirkt, dass Riker erst jetzt so dermaßen aus der Bahn geworfen wurde.

Diese Kanon-Ungereimtheiten sind allerdings kein Grund, die Folge deswegen schlecht zu bewerten. Ich frage mich nur manchmal, warum so etwas den Verantwortlichen – darunter auch zahlreiche Kanon-Experten – scheinbar nicht auffällt. Oder warum sie es nicht als störend empfinden.

Als enorm störend empfinde ich weiterhin die zeitgenössische und somit teils vulgäre Sprache, die den Menschen im 25. Jahrhundert hier in den Mund gelegt wird. Insbesondere Picards sprachlicher Duktus war in TNG ein gänzlich anderer. Hinzu kommen abwertende Bezeichnungen für Wechselbälger (“son of a bitch” bzw. “Mistvieh”), die ganz klar dem im klassischen “Star Trek” propagierten Ansatz widersprechen, allen empfindungsfähigen Lebewesen eine entsprechende Würde zuzuerkennen. Schade, dass “Picard” davon Abstand genommen hat.

Charaktere

Picard & Jack

“No Win Scenario” gibt sich wirklich sehr viel Mühe, dieser Vater-Sohn-Beziehung mehr Tiefe zu verleihen. Das ist erfreulich, denn schon jetzt geht dieser Charakter-Arc über die Kirk-David-Beziehung in “Star Trek II“ hinaus. Wirklich geschickt eingebaut ist die Szene am Ende, als klar wird, dass Jack vor fünf Jahren tatsächlich versucht hatte, in Kontakt mit seinem Vater zu treten. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Diese Szene ist (trotz Kanon-Problem) verdammt gut geschrieben und ebenso toll gespielt. Man sieht Picard deutlich an, dass er hier lügt, als er behauptet, ein Sternenflottenoffizier bräuchte keine “echte” Familie. Ebenso grandios gespielt ist Jacks Reaktion darauf. Man fühlt als Zuschauer förmlich, wie tief sich Picards abfällige Aussage in dessen Herz und Seele bohrt. Die Kirsche auf der Torte ist dann allerdings Picards Gesichtsausdruck in der Gegenwartshandlung, als ihm bewusst wird, wie sehr er Jack damals verletzt haben muss.

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Picard (Patrick Stewart) und Jack (Ed Speleers) wollen sich besser kennenlernen (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×04 © Paramount).

Vater und Sohn sind sich indes sehr ähnlich. Beide versuchen, ihre Verletzlichkeit zu kaschieren. Und beide nehmen dabei in Kauf, zumindest unbewusst auch mal die Gefühle anderer zu verletzen. Es dürfte interessant sein zu sehen, wessen harte Schale zuerst bricht. Picard macht hier zwar einen ersten Schritt, flüchtet dann aber sogleich wieder aus einer für ihn unangenehmen emotionalen Lage. Fortsetzung folgt.

Spannend bleibt auch Jacks mysteriöse Herkunft und seine “Mission” (Flüstern: “Jack, finde mich!”). Ist er ein Doppelagent, ohne sich dem bewusst zu sein (so wie anfangs auch Ash Tyler)? Oder ist er vielleicht sogar ein Wechselbalg und der echte Jack befindet sich in Gefangenschaft – oder ist bereits tot? Mal sehen, aber so langsam nimmt dieser Charakterbogen Fahrt auf. Meine Skepsis gegenüber einer weiteren ‘Schläfer-Story’ ist mit dieser Episode etwas geringer geworden.   

Riker

Der Streit zwischen Picard und Riker wird bereits in den Anfangsminuten recht zügig (und unspektakulär) dekonstruiert. Und ich muss sagen, dass ich durchaus mit der hier gegebenen Erklärung leben kann. Riker hat überreagiert, weil er seit langer Zeit mit Depressionen zu kämpfen hat. Und Picard hatte mal wieder einen Anfall von unreflektierter Direktheit, ähnlich wie damals in “Star Trek: Der erste Kontakt” gegenüber Worf. Kann man durchaus so schreiben.

Darüber hinaus macht Will Riker in dieser Folge wieder unglaublich viel Freude. Seine Dialoge sind gut geschrieben und Jonathan Frakes ist – entgegen so manchen Behauptungen – nicht nur ein grandioser Regisseur und Moderator, sondern eben auch ein richtig guter Schauspieler.

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Captain William T. Riker (Jonathan Frakes, links) leidet unter Depressionen (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×04 © Paramount).

Und dennoch hätte ich nicht ansatzweise erwartet, dass das Riker-Comeback so bedeutsam, so authentisch und so emotional sein würde. Insbesondere sein Gespräch mit Deanna am Ende hat mich zutiefst bewegt, gerade weil hier so viel “Star Trek” drinsteckt.

Seven & Shaw

Seven und Captain Shaw sind angesichts der dramatischen Lage darum bemüht, ihre Differenzen auszuräumen und sich besser kennenzulernen. Dabei wird offenkundig, dass Shaw ganz viel von seiner Stellvertreterin hält, dies bisher aber nicht zeigen wollte (und wohl auch nicht konnte), eben weil Seven eine Ex-Borg ist.

Was Shaws Background angeht, muss ich gestehen, dass ich die Neuauflage von Commander Sisko vs. Captain Picard in “Der Abgesandte” (DS9 1×01) zunächst nicht unbedingt kreativ fand. Zumal Shaw auch wissen könnte, dass Picard gegen seinen Willen assimiliert und von den Borg in perfider Weise instrumentalisiert wurde. Dieses ‘Victim Blaming’ passt irgendwie nicht so ganz zu dem Menschenbild des Advanced Human, das “Star Trek” vor allem in den 90ern vermittelt hat.

Auf der anderen Seite manifestiert sich hier eine spannende anthropologische Fragestellung. Nämlich ob es de facto negative menschliche Eigenarten gibt, die wir niemals überwinden werden können – egal wie sehr wir uns auch anstrengen mögen. Eben weil sie Teil unserer Natur sind. Wie etwa die Unart, selbst erfahrenes Leid oder Unrecht bewusst oder unbewusst auf einen von uns auserkorenen Sündenbock zu übertragen, weil wir uns davon eine erlösende Katharsis erhoffen.

Shaw hadert seit nunmehr 34 Jahren mit seiner Überlebensschuld. Und weil er noch immer keine Antwort auf seine Frage “Warum ich?” gefunden hat (vielleicht weil es keine Antwort darauf gibt), hofft er, in seiner Wut auf Ex-Borg wie Seven und Picard Erlösung zu finden. Ein Trugschluss, aber eben auch ein uraltes und leider stets wiederkehrendes Motiv der Menschheitsgeschichte. Shaws andauernde Wut hat ihn schließlich gebrochen. Allerdings kommt er langsam zu der Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann.

Der Shaw-Charakterbogen hat also mehr philosophischen Tiefgang, als vielleicht auf den ersten Blick ersichtlich ist.

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Captain Shaw (Todd Stashwick) modifiziert die Triebwerksgondeln der Titan (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×04 © Paramount).

Nichtsdestotrotz wirft diese Figur natürlich Fragen auf. Dieser Mann ist offenkundig ein psychisches Wrack und das ist ihm auch bewusst. Es stellt sich somit die Frage, wie es Shaw nach seinem Wolf 359-Trauma 34 Jahre lang geschafft hat, im Dienst der Sternenflotte zu bleiben und sogar bis zum Captain aufzusteigen. Immerhin lag in dieser Zeit auch der Dominion-Krieg. Immer nur auf Nummer Sicher gehen, dürfte demnach auch für ihn nicht möglich gewesen sein. Und auch seine fehlende Ambition, nach erfolgter medizinischer Behandlung schnellstmöglich wieder das Kommando über sein Schiff zu übernehmen, hat mich ziemlich irritiert. Denn dienstfähig scheint er in dieser Folge ja wieder zu sein.

Shaw ist eine typische Kurtzman-Trek-Figur: zeitgenössische Sprache, persönliches Trauma, stets emotional statt rational – also irgendwie auch ungeeignet für den Dienst bei der Sternenflotte (wie Raffi). Ich lasse mich gerne überraschen, aber diesen Charakter noch auf glaubwürdige Bahnen umleiten zu können, dürfte sich nach diesem bizarren Auftritt auf dem Holodeck (vor versammelter Mannschaft!) als Herkulesaufgabe erweisen.

Beverly

Dr. Crusher bleibt in dieser Folge zwar etwas im Hintergrund, aber am Ende ist sie es, die durch ihre wissenschaftliche Hartnäckigkeit das Leben aller an Bord rettet.

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Dr. Beverly Crusher (Gates McFadden) erkennt, dass der Nebel eigentlich eine Brutstätte für Weltraum-Lebewesen ist (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×04 © Paramount).

Das ist eine schöne Kompensation für die bedeutungslose Statistenrolle, die Gates McFaddens Charakter in den vier TNG-Kinofilmen spielen musste. Auch in “Star Trek: The Next Generation” gehörte Dr. Crusher neben Data, La Forge und Wesley zu denjenigen Crewmitgliedern, die in Krisensituationen unnachgiebig forschten und deren Wissbegierde und Beharrlichkeit am Ende den Tag retteten.

Es ist erfreulich, dass dieses Motiv aus TNG hier ein Revival erfährt – noch dazu in Gestalt dieses oftmals sträflich vernachlässigten Charakters. Und trotzdem hätte Crusher auch hier noch etwas mehr Screen Time vertragen können.

Vadic

Die Szenen auf der Shrike sind selten und kurz, bieten aber dennoch einen spannenden Einblick sowohl in den Charakter von Captain Vadic (Amanda Plummer) als auch in die Organisationsstruktur, in die sie eingebettet ist.

Bisher haben wir Vadic als Antagonistin kennengelernt, die mich hinsichtlich ihres Habitus an eine Mischung aus General Chang, Skeletor und dem Joker erinnert. In “No Win Sceanrio” wird nun aber deutlich, dass sie keinesfalls an der Spitze ihrer Organisation steht. Sie ist auch scheinbar ein Wechselbalg oder hat zumindest eine Art Metamorphose in diese Richtung durchlaufen.

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Vadic (Amanda Plummer) spricht mit einem seltsamen Formwandler-Gesicht (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×04 © Paramount).

Enorm spannend ist zudem die Veränderung ihrer Wesenszüge, als sie mit ihrem Befehlsgeber, einem seltsamen Formwandler-Gesicht (angelehnt an Snoke aus “Star Wars”?), spricht. Aus der extrovertierten und verrückt wirkenden Person wird urplötzlich ein “eingeschüchtertes Kind”, das sich nicht wirklich traut zu widersprechen. Sobald jedoch der Kommunikationskanal geschlossen ist, kehren die ursprünglichen Charaktereigenschaften Vadics wieder zurück.

Was ist denn hier los? Was steckt hinter dieser Unterwürfigkeit? Und wer steckt hinter dem Gesicht? Vielleicht Professor Moriarty? Es hat vier Folgen gedauert, aber Captain Vadic wird langsam interessant.

Inszenierung

Jonathan Frakes führte auch bei Folge 4 wieder Regie und es ist erstaunlich, wie gut er seine Doppelfunktion als Regisseur und Schauspieler hier meistert. Was die Inszenierung betrifft, zitiert “No Win Scenario” in vielfältiger Weise echte “Star Trek”-Klassiker, wie etwa “Illusion oder Wirklichkeit” (TNG 2×02), “Rikers Vater” (TNG 2×14), “Die Energiefalle” (TNG 3×06), “Der Telepath” (TNG 3×20), “Die Begegnung im Weltraum” (TNG 4×16), “Katastrophe auf der Enterprise” (TNG 5×05), “Die Soliton-Welle” (TNG 5×10), “Der Abgesandte” (DS9 1×01), “Der Widersacher” (DS9 3×26) und am Ende wohl auch direkt “Mission Farpoint” (TNG 1×02).

Formal gibt es auch hier wieder nichts zu kritisieren, denn Kamerafahrten, Schnitte und Effekte sind einerseits auf der Höhe der Zeit, andererseits aber auch nicht darum bemüht, irgendwelche abstrusen neuen Trends zu begründen (ich sag‘ nur Lense Flares!). Auch der Score von Stephen Barton ist wieder überragend, allen voran die durchaus passenden musikalischen Zitate von Jerry Goldsmith und James Horner.

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Die Titan im Asteroidenfeld des Nebels (Szenenbild: “Star Trek: Picard” 3×04 © Paramount).

Allerdings teile ich Christophers Eindruck, dass die Szenerie etwas unter den spärlichen Sets der Titan leidet. In einer regulären TNG oder “Voyager”-Folge mit entsprechenden Bestandsets hätte “No Win Scenario” wohl noch besser funktioniert, insbesondere was die Suche nach dem Wechselbalg betrifft.

Episoden-Infos

SerieStar Trek: Picard
Episoden-Nummer23 (Staffel 3, Folge 3)
OriginaltitelNo Win Scenario
Deutscher TitelDie Pattsituation
Story & DrehbuchTerry Matalas & Sean Tretta
RegieJonathan Frakes
US-Erstausstrahlung09. März 2023
DE-Erstausstrahlung10. März 2023
Laufzeit59 Minuten
Datum (In-Universe)2401
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