Wir werfen einen Blick auf die neueste Folge von “Discovery”, die tatsächlich dort hingegangen ist, wo noch niemand zuvor gewesen ist. Achtung, Spoiler!
Zurück zur Forschung
In der letzten Woche hatte ich schon kritisch angemerkt, ob es wirklich sinnvoll ist, gerade jetzt einen Abstecher zu einem Planeten zu machen, wo doch die Zeit derart drängt. Allerdings wird hier eine Erklärung geliefert. Denn die Sonne besagter Welt hat Ringe, die wie die des Controllers aussehen. Also müssen die 10-C hier gelebt haben. Unter dieser Prämisse ist der Besuch des Planeten vielleicht sogar vertretbar.
Und tatsächlich hat man sogar daran gedacht, dass auch einige der Charaktere Einwände anbringen. So fragt nicht nur die Föderationspräsidentin Rillak, ob es Sinn macht, dass sowohl der Captain als auch der XO gemeinsam auf diese Mission gehen. Auch General Ndoye und der neue Wissenschaftler Dr. Hirai dürfen ähnliche Bedenken vortragen. Das steht hier natürlich durchaus in guter Trek-Tradition, aber es gibt an dieser Stelle trotzdem wieder ein paar “Discovery”-typische Momente. Etwa als Burnham verspricht, sie werde schon etwas finden. Dann weiß der geneigte Zuschauer bereits, dass eben dies auch so passieren wird. Immerhin ist es Burnham!
Im Vergleich zu früheren Staffeln oder Episoden ist es diesmal aber erträglich und man nimmt sich im weiteren Verlauf auch viel Zeit für Charaktermomente, was durchaus schön ist. Doch der Reihe nach.
Das Außenteam fliegt also mit einem Shuttle zum Planeten, der optisch wieder einiges hermacht, auch wenn er recht trostlos ist. Dennoch hat man hier durchaus wieder den Erforschungs-Sense-of-Wonder. Zugegeben, die riesigen Knochen erinnern irgendwie an die riesigen Kreaturen aus “Star Wars”. Die Tentakel, welche die Crewmitglieder in ihren Missionen sehen, könnten aus dem Overmind von “StarCraft” herrühren und die fliegenden “Gehirne”… nun, die meisten von uns kennen ja sicher “Halo” (Ingenieure) oder “Mass Effect”.
Trotzdem sind die Ereignisse auf der Planetenoberfläche interessant und nachvollziehbar gehalten. Versierten Zuschauern wird aber schnell klar, dass es eigentlich nur der blaue Staub sein kann, der diese – nennen wir sie mal emotionale Imprints – der früheren Bewohner als Visionen bei unseren Helden auslöst.

Von Saru kannte man das schon von früher, aber vor allem Detmer darf hier von ihrer Vergangenheit erzählen. Im Vergleich zu den Episoden vorher, bei denen die Crewmitglieder einfach mitten in der Krise drauf los plapperten (“Ach, das erinnert mich ans Surfen von früher, als ich…”), ist es hier endlich passend eingefügt worden. Nicht nur, dass es die anderen auch alle trifft – und Sonequa Martin-Green trotz dieser emotionalen Ausraster auf Cryham verzichtet (!) – Detmers Erzählung fügt sich nahtlos in das Gesamtgefüge ein und wirkt nicht störend. So hätte es bitte auch für die anderen Charaktere vorher gehört.
Dass man am Ende erfährt, dass die 10-C wohl durchaus einfühlsam sind, ist da nur ein Bonus, der die Grundsteine für die nächste Folge legt.
Auch die anderen beiden mischen wieder mit
Auch Book und Tarka sind inzwischen auf der anderen Seite der Barriere angekommen und verfolgen die Discovery. Eigentlich hätte ich die beiden jetzt nicht unbedingt gebraucht, sie sind aber ebenfalls nicht ganz so störend, wie es sich noch in der Vorwoche angefühlt hat. Schön ist an der Stelle auch, dass man darauf verzichtet hat, einen weiteren “Bubble-Flug” zu zeigen. Das hätte man jetzt wirklich nicht nochmal gebraucht.
Auch die Interaktion zwischen Tarka und Book ist auf einem neuen Level angekommen. Die beiden verstehen sich inzwischen anscheinend etwas besser, was man auch bemerkt. So ist Book zwar teilweise immer noch skeptisch, aber Tarka scheint dahingehend auch Book etwas entgegenkommen zu wollen. Vor allem später, als Book um Hilfe bitten will, gibt er ihm auch die Chance dazu. Irgendwie wäre es schade, wenn man dies durch eine Kehrtwende von Tarka wieder zunichte machen würde.

Meckern kann man an der Stelle höchstens, warum die Discovery solch derart laschen Sicherheitsvorkehrungen hat, dass die beiden so einfach herüberbeamen können. Und auch ein leeres Deck wirkt ob einer Besatzungsstärke von mehreren Hundert Personen irgendwie unlogisch. Man könnte natürlich argumentieren, dass man in einem Bereich ist, wo eh niemand sonst sein kann und daher nicht so sehr auf sowas achtet. Im Gegensatz sollte man aber gerade in solchen Gebieten etwas vorsichtiger sein. Oder etwa nicht? Da hilft auch die Erklärung mit den Sensorstörern nur wenig.
Zumindest gehen die beiden aber durchaus kalkuliert vor. So werden ein paar Replikatoren sabotiert, damit Tarka in den Maschinenraum kann. Und Book sucht das Gespräch mit Ndoye. Allen Unkenrufen und Angst um ihre Heimatwelt zum Trotz einigt man sich auch hier darauf, zunächst der Diplomatie eine Chance zu geben, bevor Book und Tarka eingreifen. Gerade in Hinblick auf die aktuelle Weltlage sicher nicht verkehrt, auch wenn man das beim Drehen der Folge natürlich nicht vorhersehen konnte.
Bleibt nur zu hoffen, dass Tarka hier auch endlich einsieht, dass überstürztes Handeln nichts bringt. Aber ich hatte ja oben bereits erwähnt, dass ich nicht hoffe, dass er wieder in alte Muster zurückfällt.
Ein bisschen zu bemängeln gibt es aber auch hier. Denn wie schwer kann es für Jett Reno (Tig Notaro) bitte sein, einen Kerl, der gerade am Boden liegt, zu überwältigen? Natürlich ist es hier Tarka, der Reno gefangen nimmt. Das “Wie” bliebt man uns an dieser Stelle aber schuldig… das war schon etwas schwach.
Charaktermomente durch die Bank
Womit wir auch gleich bei Tig Notaro sind. Während Linus ja bereits in den letzten Folgen wieder von sich reden machte, ist nun auch endlich Jett Reno zurück und lockert mit ihrem trockenen Humor die Lage wieder auf. Warum sieht man diese Frau nicht öfter?
Nicht nur im Maschinenraum ist sie dieses Mal der Boss (Stamets taucht nur am Ende auf), auch mit Adira kann sie ein gutes Gespräch führen. Und da sind wir sogleich bei der nächsten Überraschung, denn Adira ist in dieser Folge gar nicht mehr so nervig wie zuvor. Wer meine Reviews verfolgt, der weiß, dass ich kein Fan der Figur bin. Aber diesmal scheint sie endlich etwas mehr Profil zu bekommen. So will sie etwa so sein wie Detmer (auch wenn das etwas aus heiterem Himmel kommt), was am Ende in einem schönen Gespräch mit eben dieser mündet. Hier hat man ganz natürlich eine Entwicklung aufgebaut, die – wie vieles andere in dieser Folge – einfach gut funktioniert.

Dann ist da eben auch Book, der Burnham nahe ist, ohne dass diese es weiß, was eine ebenso nette Referenz ist. Überhaupt darf Burnham am Ende auch ein Gespräch mit Culber führen, bei dem Culber auch endlich anderen gegenüber zugibt, dass es ihm nicht gut geht.
Des Weiteren gibt es auch noch ein Gespräch mit der Präsidentin und unserem Wissenschaftler, der wieder mal nur etwas isst und Scrabble spielt und zurecht den Kopf gewaschen bekommt. Und auch wenn es eher unter „nebenher liefen“ abgehandelt wird, geht es auch bei Saru und T’Rina weiter. Und auch das ist dynamisch in die Folge eingebaut.



















