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Spiegelbilder, ST-Comic
VirtualSelf
Beitrag 26. Sep 2009, 11:22
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Spiegelbilder
Serie: Star Trek
OT: Star Trek: Mirror Images
Text: Scott & David Tipton
Zeichnungen: David Messina & Sara Pichelli
Farben: Ilara Traversi & Giovanna Niro
√ú: Christian Langhagen
Lettering: Rowan R√ľster
Ausstattung: US-Format, Softcover, vierfarbig, 128 Seiten
ISBN: 978-3-941248-42-7
Verlag: CrossCult, 2009



Innerhalb des Einerleis der „Star Trek“-TV-Shows erfreuen sich Folgen, die im sogenannten Spiegeluniversum – einer Paralleldimension, in der die Dinge rein physisch denen des regul√§ren ST-Canons entsprechen, in der aber ansonsten in Bezug auf die politischen Strukturen und die Charaktere die Luzi abgeht - angesiedelt sind, insbesondere bei gewaltaffinen Sp√§tpubertierenden auf Grund der martialischen und machiavellistischen Pr√§missen au√üerordentlicher Beliebtheit. Da wird intrigiert, gefoltert und gemordet, dass man den Wald vor lauter Gewalt nicht sieht.
Nachdem dieses d√ľstere Zerrbild von „Realit√§t“ vor gut zehn Jahre in einer Roman-Trilogie den belletristischen Teil des Franchises gleichsam deflorierte, geht man nun auch im Comic-Segment mit der Spiegeluniversum-Idee schwanger.

Die Gebr√ľder Tipton f√ľhren uns in ihrer Haupt-Story zur√ľck in gute alte TOS(The Original Series)-Zeiten, in denen Kirk als junge, skrupellose, ehrgeizige Nummer Eins – wie gesagt: Spiegelein, Spieglein ...! - mit aller Kraft am Stuhl seines Captains – Pike – nicht nur s√§gt, sondern auch gerne mal ein kleines B√∂mbchen legt. Pike seinerseits ist als Alpha-M√§nnchen in diesem sozialdarwinistisch organisierten Universum nicht mit dem Klammerbeutel gepudert und erwartet geradezu insubordinatives Verhalten seines Stellvertreters, scheut allerdings ebenso wie Kirk den offen Schlagabtausch. Da die Loyalit√§ten innerhalb der Mannschaft alles andere als in Stein gemei√üelt sind, entbrennt ein lustiges Intrigenspiel, in dem McCoy als Doppelagent beide Kontrahenten mit Informationen versorgt, Spock aus logischen Erw√§gungen ebenso wie Scotty f√ľr Kirks Seite Partei nimmt, w√§hrend Sulu und seine Sicherheitsmannen im Dienste Pikes stehen.

In einem kurzen Zwischenspiel zeigen uns die Tiptons einem jungen Picard, der nicht z√∂gert seinem feigen und taktisch schmalbr√ľstigen Captain ein Messer in den R√ľcken zu treiben, die F√ľhrung des Schiffes an sich zu rei√üen und quasi dem gesamten Universum den Krieg zu erkl√§ren.


Die beiden Geschichten selbst strotzen Рwie das Spiegeluniversum-Konzept generell Рzwar nicht vor kreativer Energie und Originalität, aber ein gewisser Charme ist ihn allein schon deshalb nicht abzusprechen, weil das perfide Spiel der und mit den Figuren die gehässigen Saiten in einem zum Klingen bringt. Aber das war es dann auch schon.
Plausibilit√§t oder eine Idee, wie sich unter den besonderen „dystopischen“ Pr√§missen auf Dauer stabile Gesellschaftsstrukturen und funktionierende Hierarchien entwickeln k√∂nnen, sind nicht zuletzt wegen der √§u√üerst sparsamen Dialoge nicht einmal andeutungsweise auszumachen, so dass die Geschichte grunds√§tzlich ein Hauch von L√§cherlichkeit umgibt. Zudem fehlt den Figuren in ihrem unerkl√§rten und unerkl√§rlichem Bestreben, B√∂ses zu tun, jegliche Tiefe und Ambivalenz, erscheinen sie wie die Karikaturen von Popanzen, vor denen so viel Bedrohlichkeit ausgeht, wie von Pittiplatsch und Schnatterinchen.

Das Artwork Messinas und seiner Co-K√ľnstler ist – um es kurz und schmerzvoll zu machen - visuell sterbenslangweilig. Zun√§chst sind physiognomische √Ąhnlichkeiten mit toten oder lebenden Personen in der Regel so vage, dass man sich ein ums andere Mal bewusst machen muss, wer dort gerade agiert. Allerdings ist der Grad der Beliebigkeit unterschiedlich: w√§hrend sich McCoy und Spock auf Grund markanter Merkmale – Tr√§nens√§cke und spitze Ohren – gelegentlicher Identifizierbarkeit erfreuen, wirken die Gesichter der beiden Hauptprotagonisten – Pike und Kirk – vollkommen nichtssagend. Tr√ľge der eine nicht permanent ein √§rmelloses „Dirty Dancing“-Shirt, w√ľrde man die beiden f√ľr ein anonymes, z√§nkisches Zwillingsp√§rchen halten.
Die visuelle Tristesse findet ihre Fortsetzung in statisch angeordneten statischen Bildern, in textur- und detailarmen Figuren bzw. Hintergr√ľnden – einige Ausnahmen lassen den Rest um so toter erscheinen – sowie einer dunklen, distanzierten, einschl√§fernd kalten Koloration, die keinerlei fesselnde Atmosph√§re generiert.


Fazit: Zwei leidlich unterhaltsame Geschichten und ein lebloses Artwork machen diesen Band lediglich f√ľr TOS-J√ľnger unter den Trekkies wirklich empfehlenswert, da sie durch den Blick in die Spiegel-H√∂lle ihren quasi-religi√∂sen Glauben an den heiligen Roddenberry untermauert sehen k√∂nnen.


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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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