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MARVEL ZOMBIES COLLECTION
VirtualSelf
Beitrag 31. Jan 2010, 01:13
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Marvel Zombies Collection
Text: Robert Kirkman; e.a.
Zeichnungen: Sean Phillips; e.a.
Farben: June Chung
├ť: Reinhard Schweizer
Lettering: RAM & Walproject
Ausstattung: 404 Seiten; Softcover
ISBN: 978-3-86607-893-2
Verlag: Panini Comics 2010



Sp├Ątestens seit George A. Romeros Film „Night of the Living Dead“ (1968) torkeln Zombies unter unser aller Augen durch diverse mediale Landschaften. Im Comic-Genre allerdings sollte der gro├če Durchbruch erst im Jahre 2003 erfolgen, als der US-amerikanische Image-Verlag das erste Heft der grandiosen, ├╝beraus erfolgreichen Schwarzwei├č-Serie „The Walking Dead“, verfasst von einem Autor namens Robert Kirkman, ver├Âffentlichte.
Der vorliegende, 400 Seiten starke Sammelband enth├Ąlt die Comics „Marvel Zombies 1-5“, „Marvel Zombies vs. Army of Darkness 1-5“, „Marvel Zombies Dead Days“, „Marvel Zombies (Vol. 2) 1-5“, die - abgesehen vom „Army of Darkness“-Crossover, f├╝r welches John Layman als Verfasser verantwortlich zeichnet - aus der Feder eben jenes Robert Kirkman stammen und durch die der Verlag den „Walking Dead“-Hype bilanztechnisch f├╝r sich nutzbar zu machen gedachte.
Die Geschichten, die in Marvels alternativen „Ultimate-Universum“ angesiedelt sind, gestalten sich relativ einfach, denn – und da bei├čt die Maus keinen Faden ab – es geht nicht nur den Autoren um die kindliche Freude am pointierten, humorvollen Zerst├Âren, Verst├╝mmeln und Fressen.


Marvel Zombies (Dead Days, Vol. 1, Vol. 2)
Ein au├čerirdischer Virus, der Menschen wie Mutanten gleicherma├čen infiziert und der durch Biss oder Blutkontakt ├╝bertragen wird, breitet sich rasend schnell unter den Super-Wesen der Erde aus und verwandelt sie in fast unsterbliche Untote, ohne sie allerdings ihres Verstandes und ihrer Kr├Ąfte zu berauben. Getrieben von einem unb├Ąndigen Hunger nach frischem Fleisch ├╝berrennt das gr├Â├čer werden Heer der Untoten s├Ąmtliche Verteidiger der Menschlichkeit, sodass am Ende lediglich eine kleine Anzahl ├ťberlebender – darunter auch der verst├╝mmelte Black Panther, Forge sowie einige Acolytes – auf Magnetos Asteroiden M, welcher die Erde in einem sicheren Orbit umkreist, der Wesen harren, die da kommen: Galactus und sein Herold, der Silver Surfer.

Als die ├ťberlebenden nach f├╝nf Jahren des Exils auf die Erde zur├╝ckkehren, finden sie einen verlassenen Planeten vor und errichten ein Reich, Neu Wakanda. Weitere 40 Jahre sp├Ąter hadern die mittlerweile alt gewordenen Helden mit ihrem Schicksal: der Genpool der ├ťberlebenden ist zu klein, als dass die Menschheit dauerhaft gerettet werden kann; zudem k├Ąmpfen die Anh├Ąnger T'Challas und die Anh├Ąnger Fabian Cortez' um die F├╝hrung des Reiches.
Dann geschieht etwas, womit keiner von ihnen mehr gerechnet hat: aus den Tiefen des Universums kehren die fleischfressenden Ex-Helden der Vergangenheit zur├╝ck.


Marvel Zombies vs. Army of Darkness
Ashley J. "Ash" Williams (Anm.: der Hauptprotagonist aus „Army of Darkness“) f├Ąllt durch einen Riss zwischen den Dimensionen in das New York eines alternativen Universums. Kurz nach seiner Ankunft erh├Ąlt er durch das Necronomicon die Warnung, dass sich die Toten erheben werden und diese Welt dem Untergang geweiht sei.
Verzweifelt versucht der Neuank├Âmmling, der zun├Ąchst kaum zwischen Superheld und Superschurke zu unterscheiden vermag, die Avenger zu warnen, doch in ihrer Arroganz schenken sie dem Fremden keinen Glauben. Als sich daraufhin eine Zombie-Seuche auszubreiten beginnt und ein Held nach dem anderen f├Ąllt, geht es f├╝r Ash nur noch ums nackte ├ťberleben bis es schlie├člich in Latveria, dem Reiche Doctor Dooms zum finalen Showdown kommt.


Augenf├Ąllig ist zun├Ąchst, dass die Reihenfolge der Storys dieses Sammelbandes zwar der Ver├Âffentlichungshistorie entspricht, in der Chronologie der Handlung jedoch „Marvel Zombies vs. Army of Darkness“ an erster Stelle steht, gefolgt von „Marvel Zombies Dead Days“, „Marvel Zombies (Vol. 1)“ und „Marvel Zombies (Vol. 2)“. Dass man mit seinem Lesen dennoch der Ver├Âffentlichung folgen sollte, hat einen ganz einfachen Grund: der Einstieg wird dadurch wesentlich brachialer bzw. brutaler ... und um nichts anderes geht es ja.
Der Reiz dieses Zombie-Ansatzes liegt fraglos in unserem Voyeurismus begr├╝ndet. Endlich kann man seine Helden richtig leiden sehen. Und mit „leiden“ ist nicht dieses selbstzweiflerische Psycho-Ges├╝lze ambivalenter Charaktere gemeint, sondern das Ausrei├čen von Gliedma├čen, das Fressen von Gehirnen, das Zerrei├čen, K├Âpfen und Ausweiden; das Jammern ob der eigenen Unbeherrschheit, zu dem sich der eine – z.B. Spiderman – mehr, ein anderer – bspw. Wolverine – weniger hinrei├čen l├Ąsst, ist sozusagen nur das Sahneh├Ąubchen auf dem Helden-Burger. Daf├╝r, dass das ganze Blutbad nicht langweilig wird, sorgen schlussendlich ein Vielzahl perfider und bizarrer Pointen, die einen vermuten lassen, dass Kirkman beim Schreiben von reiner Lust getrieben war.

Das Artwork – jedenfalls der Teil, f├╝r den Sean Phillips verantwortlich zeichnet – ist mit seinen tiefen Verschattungen und den rauen Schraffuren grandios d├╝ster und damit eine perfekte Umsetzung Kirkmans kranker Ideen. Verglichen damit, f├Ąllt der „Army of Darkness“-Part, f├╝r dessen Visualisierung Fabiano Neves ma├čgeblich – wenn auch nicht alleine – zust├Ąndig zeichnet, wegen des deutlich glatteren Duktus atmosph├Ąrisch sp├╝rbar ab, ist f├╝r sich genommen aber immer noch ein sehr guter, stimmiger Ansatz.

In editorischer Hinsicht wird dieser au├čergew├Âhnliche Sammelband durch eine umfangreiche Cover-Galerie abgerundet, in der jedes Cover einem kleinen Orgasmus gleichkommt – jedenfalls wenn man auf Morbidit├Ąt und Zerfall steht -, ein Bild jedoch alle anderen ├╝berstrahlt: das Dynamite Exclusive Variant Cover zu Ausgabe 3 des „Army of Darkness“-Crossovers, welches eine k├╝nstlerische Zombie-Reminiszenz an Jim Starlins bahnbrechende Graphic Novel, „The Death of Captain Marvel“ darstellt.


Fazit: 400 Seiten reine Fleischeslust! 400 Seiten gro├čes Fressen! F├╝r Genre-Fans ein Sattmacher.


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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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