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Kurzrezension: Picard 2×05 – “Fly Me to the Moon”

Renée Picard in "Fly Me to the Moon"
Renée Picard in "Fly Me to the Moon"

“Picard” hat einen starken Start hingelegt. Wir besprechen spoielerfrei, ob der Erzählung auf der Halbzeit mit “Fly Me to the Moon” die Puste ausgeht.


Was meinen wir mit “spoilerfrei”?

Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was “spoilerfrei” bedeutet. Damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr die Rezension vorab lesen möchtet, machen wir hier transparent, was wir darunter verstehen:

  • Wir verraten keine wichtigen und unerwarteten Wendungen der Handlung bzw. Informationen über die fiktiven Welt und ihre Figuren.
  • Was im Vorfeld durch Vorschauclips und Trailer gezeigt wird, ist kein Spoiler.
  • Was im Cold Open (vor dem Vorspann) bzw. im ersten Akt (bei Episoden ohne Cold Open) passiert, ist kein Spoiler.
  • Handwerklichen Aspekte (Schauspiel, Drehbuch, Bühnenbild, Soundtrack, Spezialeffekte) sind keine Spoiler, sofern sie nichts Wichtiges über die Handlung verraten.
Picard in "Fly Me to the Moon"
Picard in “Fly Me to the Moon”

Die Folge “Watcher” hat uns mit direkt fünf Cliffhangern zurückgelassen:

  • Die Identität des Supervisors/Wächters
  • Die Rettung von Rios vor Homeland Security
  • Juratis gefährliches Spiel mit der Borgkönigin
  • Die Identität der Frau mit dem “Dixon Hill”-Roman
  • Qs Verlust seiner (scheinbaren) Omnipotenz

Alle diese Storystränge werden in “Fly Me to the Moon” addressiert, einige sogar (vorläufig?) abschließend aufgeklärt. Mit Regisseur Jonathan Frakes sollte das für eine unterhaltsame Stunde “Trek” sorgen – eigentlich.

Fly Me to the Moon

Schon aus dem Trailer wissen wir, dass die junge Frau mit dem Europa-T-Shirt die französische Astronatin Renée Picard ist. Die Frau in Gestalt von Laris nennt sich Tallinn und gehört zu einer Gruppe von Wächtern, deret wir vor einem halben TV-Jahrhundert schon einmal einem Exemplar begegnet sind. Schnell steht die Hypothese im Raum, dass Qs Versuche Renée zu beeinflussen, geeignet scheinen, die Zeitlinie zu verändern.

Tallinn in "Fly Me to the Moon"
Tallinn in “Fly Me to the Moon”

Die Episode arbeitet sich auch an den anderen Storysträngen ab, versorgt uns mit einer Menge neue Informationen, und gibt John de Lancie seinen bisher größten Auftritt seit “Penance”. Zusammen mit de Lancie treten zahlreiche spannende Gaststars in der Folge auf. Ein toller Cameo ist Lea Thompson, der Lorrain Baines aus den “Zurück in die Zukunft”-Filmen und Regisseurin der letzten beiden Episoden. Der Tiefpunkt der Folge stellt leider der erste Auftritt von Brent Spiner als Adam Soong dar. Schon das Auftauchen eines Soongs auf der Coppelius-Kolonie war ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Leider ist Adam Soongs Figur nicht nur ähnlich unplausibel, es bedient sich auch jedes Klischees, das Hollywood für verschrobene Wissenschaftler in der Schublade hat. Alles schwer zu ertragen.

Raffi und Seven in "Fly Me to the Moon"
Raffi und Seven in “Fly Me to the Moon”

Rios Situation wird eher nebenbei aufgelöst. Das ist wenig spannend, weil wir das vorher in Trailern sahen, und auch der Weg zum Ziel nicht vor Originalität oder Charakterentwicklung brodelt. Am Ende stellt sich mir vorrangig die Frage, welchen tieferen Sinn dieser komplette Sub-Plot verfolgte. Ich hoffe, es gibt ein Follow-Up, ansonsten war der ganze Deportationsausflug sowohl für die innere als auch äußere Handlung Zeitverschwendung.

Einen überfälligen Schwerpunkt legt die Episode auf den Tango zwischen Borgkönigin und Jurati, der seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Das ist dann auch tatsächlich der sehenswerteste Teil dieser Folge.

Down to Earth

Leider sorgt all das nicht dafür, dass “Fly Me to the Moon” auch nur im Ansatz die Sogwirkung entfalten kann, wie die ersten Folgen der Staffel. Im Gegenteil, das erste Mal entstehen so etwas wie Längen, und ohne den Esprit der ersten Episoden fällt zunehmend ins Gewicht, dass “Picard” in dieser zweiten Staffel bisher wenig mehr leistet, als bekannte Versatzstücke alter Stories aufzuwärmen.

So spaßig insbesondere das Wiedersehen mit Guinan in “Watcher” war, so deutlich wird mit “Fly Me to the Moon”, dass die tapfere Crew der La Sirena und mit ihr das Publikum seit “Assimilation” von einer Nebelkerze zur nächsten eilt und dabei vornehmlich im Kreis läuft. Bis auf die eskalierende Beziehung zwischen Jurati und der Borg-Königin hat die Staffel bis zur Halbzeit wenig aus ihren interessanten Ansätzen gemacht. Die Figuren scheinen immer noch in den selben (durchaus spannenden) Startlöchern zu stehen wie am Anfang der Season, und das wird mit “Fly Me to the Moon” nicht besser.

Borg-Königin in "Fly Me to the Moon"
Borg-Königin in “Fly Me to the Moon”

Wirklich unbefriedigend ist es da, dass uns uns die Episode nach 41 Minuten mit einem Cliffhanger zurück lässt, als die Story gerade anfängt, ein wenig Fahrt aufzunehmen. Ob der kurzen Spielzeit der Folge wirkt das ähnlich unnötig und künstlich wie das Ende von “Penance”.

Beoabachtungen

  • Sind das nicht romulanische Schriftzeichen auf Tallinns Computerdisplay? Auch die Form der UI-Elemente und das Tablet würde zur Ästhetik des Imperiums passen.
  • Jean-Luc Picard hat offenbar zwischen “The Naked Now” und heute viel Zeit investiert, die Mission der Enterprise unter Captain Kirk eingehend zu studieren.
  • Der Plan der Borg-Königin erscheint mir reichlich überkompliziert und spät. Für ein kybernetisches Wesen mit laut “Penance” überragender Intelligenz ist ihr Vorgehen sehr verspielt und unnötig risikobehaftet. Außerdem: Warum jetzt und nicht z.B. schon letzte Folge?
  • Was genau ist Qs Endspiel? Wie wir seit Ende der letzten Episode wissen, versucht er, Renée Selbstzweifel einzuflößen, um die Europa-Mission zu sabotieren. Es ist schwer vorstellbar, dass es das Q-Kontinuum juckt, was aus der Erde oder gar der Föderation wird. Spekulation: Das Ganze scheint ein sehr ausgefallenes Setup zu sein, um Picard in eine Situation zu manöverieren, in der er seinem Herz den Vorrang vor seinem Pflichtbewusstsein geben muss. Ich frage mich bloß: Wie hilft das Q weiter, der diese Staffel ja offenbar auch mit eigenen Problemen kämpft?
  • Man kann die Telefonnummer anrufen, die auf der 3D-gedruckten Visitenkarte steht, und es nimmt tatsächlich ein Anrufbeantworter der entsprechenden fiktiven Figur ab. Hier findet ihr eine Aufzeichnung.
  • Wir haben eine erste heiße Kandidatin für die atypische Borgkönigin, die wir am Anfang der Staffel getroffen haben.

Mit Rücksicht auf die Leser:innen, die die Episoden noch nicht gesehen haben, bitten wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag auf Spoiler zu verzichten. Danke!

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Alles hat einen Anfang: “Notruf im All”

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In “Quarks Bücherclub”, unserem neuen Podcast-Format, sprechen wir über Bücher aller Art. Dabei steht natürlich Star Trek im Vordergrund – aber nicht nur. In der zweiten Folge widmen wir uns dem ersten Star Trek-Buch überhaupt.

Mit “Quarks Bücherclub” präsentieren wir euch ein neues Podcast-Format, in dem wir über unterschiedliche Bücher sprechen wollen. Den Beginn macht dabei natürlich unser Lieblingsfranchise “Star Trek” und hier haben wir uns für eine chronologische Herangehensweise entschieden. Es werden also die (deutschen) Star Trek-Bücher der Reihe nach besprochen, von der Goldmann, zur Heyne zur Cross Cult-Ära.

In dieser zweiten Folge ist “Notruf im All” (Mission to Horatius) von 1968 unser Buch der Wahl. Warum sieht die Enterprise hier aus wie die Orion aus “Raumpatrouille”?  Warum wurde der Roman bei der Erstauflage stark zensiert? Über all das und noch mehr sprechen wir in diesem Podcast.

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Breaking News: “Good Old Streaming”-Plattform kurz vor dem Start

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Kaum zu glauben, aber manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder. Der Ruf der Menschen nach einer einheitlichen Streaming-Plattform wurde erhört. Erfahrt hier exklusiv die Details.

Rezension: “Star Wars – Hoffnung der Königin”

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Wir sehen uns den neuen Zofen-Roman aus der Star Wars-Welt an.

Inhalt (Klappentext)

Padmé Amidala fällt es nicht gerade leicht, sich an das Leben einer Senatorin in den Klonkriegen zu gewöhnen. Ihr heimlicher Ehemann, der Jedi Anakin Skwyalker, kämpft an vorderster Front und gilt als herausragender Kämpfer. Als Padmé hingegen mit den Schrecknissen des Krieges konfrontiert wird, ist sie schockiert über das Leid der Opfer. Nie stand mehr auf dem Spiel als jetzt, weder für die Galaxis noch für das frisch verheiratete Paar. Während Padmé in geheimer Mission unterwegs ist, schlüpft ihre Dienerin Sabé in die Rolle ihrer Herrin im Senat und ist entsetzt über die Machenschaften, die sich dort abspielen. Ihr wird schnell klar, dass sie auf diese Weise keinen Krieg führen kann, nicht einmal für Padmé. Unterdessen zieht Kanzler Palpatine im Hintergrund seine unheilvollen Fäden und manipuliert alle Akteure im Sinne der dunklen Seite der Macht …

Kritik

“Hoffnung der Königin” ist bereits der dritte Roman in der, nun, wie wollen wir sie nennen?, Zofen-Trilogie. Obwohl der Erstling bei Fans ganz gut ankam, kam er bei uns eher weniger gut weg. Teil Zwei war hier schon einen Ticken besser und zeigte auf, wohin die Reise gehen könnte, allerdings sprang man dafür auch in der Zeit zurück. Erfreulicherweise kann der dritte Band nun erneut einen drauflegen und die Reihe mausert sich langsam zu der Beliebtheit hin, die sie bei den Fans genießt. Soviel soll an dieser Stelle schon vorab verraten werden.

Rezension: "Star Wars - Hoffnung der Königin" 1

Das Buch ist auch in der Hinsicht besonders, als es noch vor der US-Veröffentlichung auf Deutsch erschien (im Januar). Die Amerikaner mussten zwei Monate länger warten – was natürlich der Pandemie geschuldet ist.

Natürlich muss an der Stelle die Frage erlaubt sein, ob man dieses Buch wirklich noch braucht. Denn eigentlich war die Geschichte der Zofen ja schon auserzählt. Okay, das war sie genau genommen nach dem ersten Band schon da, Achtung: Spoiler, alle tot, weswegen der zweite Band ja auch die Vorgeschichte erzählte. Hier nun springt man in den Zeitrahmen kurz nach Episode II und der Hochzeit von Padmé und Anakin. Wie schon zuvor sollte man auch hier keine großen Actionszenen erwarten. Der Band ist eher für ruhige Charaktermomente bekannt, aber das hat er ja mit den Vorgängern gemein.

Aus der Not hat man nun eine Tugend gemacht, denn Padmé rekrutiert einfach neue Zofen und ja, die zwei Überlebenden werden auch wieder “heim” geholt, nachdem sie in den ersten Bänden ja auf eigene Missionen gingen. Mag ein wenig konstruiert sein, um die “Gang” wieder zusammen zu bringen, funktioniert aber in diesem Kontext recht gut. Vor allem, da hier dann neue Dynamiken ausgetestet werden, die vor allem Fans der Comics eine Freude machen werden.

Padmé geht nämlich auf Geheimmission (die nicht ganz so interessant ist), während ihre Zofen wiedermal die Stellung halten. Und dabei wird auch sogleich geklärt, ob ihre Freundinnen von ihrer Ehe wissen. Diese lässt sich natürlich schlecht verbergen, wenn Anakin nachts plötzlich im Quartier steht und die Zofe für Padmé hält. So macht die Geheimniskrämerei und der Umgang damit einen Großteil des Buches aus und nicht nur die Einblicke in den Alltag sind recht interessant, sondern auch die Charaktermomente.

Dabei spreche ich hier nicht nur von denen zwischen den Freundinnen, sondern eben auch zwischen Sabé und Anakin. Die müssen nämlich lernen, miteinander auszukommen und tun das im Laufe der Zeit. Nun wissen aber Comicfans, das Anakin sie 20 Jahre später in Padmés Gruft auf Naboo wiedertreffen wird (in den Comics). Sie erkennt Anakin hier nicht, da er Darth Vader ist, umgekehrt ist es aber genau andersherum. Im Comic will sie Anakin natürlich töten, da sie ihn für den Mörder Padmés hält. Wenn man diese Verquickung kennt, erscheinen die Szenen zwischen den beiden in einer wunderbar neuen Dynamik. Hier hat man von der Storygroup her wirklich gut aufgepasst und solche Verknüpfungen wünscht man sich doch öfter.

Genau genommen bin ich jetzt sogar gespannt auf einen möglichen vierten Band, der dann eben die Ereignisse um Episode III aus Sicht der Zofen beleuchtet. Das offene Ende lässt zumindest darauf schließen, das uns alsbald eine Fortsetzung ins Haus stehen dürfte.

An anderer Stelle ist die Verknüpfung aber eher weniger gelungen, etwa wenn weibliche Klone eingeführt werden. Dies ist eigentlich erst bei “The Bad Batch” mit Omega der Fall, weswegen es hier etwas irritiert. Vermutlich hatte Johnston keinen Einblick in die Pläne der Animationsserie, sonst hätte sie das wohl nicht gemacht, es ist dennoch verwunderlich, das dies keinem aufgefallen ist. Andererseits wird das Thema auch nur in wenigen Sätzen abgehakt.


Video-Review: “Hero Quest (2022) Teil 3 – Die Erweiterungen und weiterer Content”

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Im dritten Teil unserer Review-Reihe zum neuen Hero Quest sehen wir uns im Schnellüberblick die Erweiterungen an.

Wir sehen uns die Erweiterungen “Die Bastion” und “Die Rückkehr des Hexen-Lords” im Unboxing an.

Danach gehen wir auf die Fan-Erweiterungen ein, denn auch dort gibt es jede Menge zu entdecken.

Besonderes Augenmerk richten wir dabei auf die Weiterentwicklungen von hq-cooperation.de und Agins Inn (yeoldeinn.com)

Zweitrezension: Picard 2×04 – “Wächter”

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© Paramount+ / Amazon Prime

Wir sehen uns die vierte Folge der aktuellen “Picard”-Season an und klären, was drinsteckt im Wächter – nun, oder auch nicht. Denn Achtung, hier gibt’s Spoiler!

Rezension: Picard 2×04 – “Watcher” / “Wächter”

Picard macht sich auf die Suche nach dem “Wächter” und trifft dabei auf eine alte Bekannte. Die vierte Episode der zweiten Staffel ist ereignisreich und detailverliebt zugleich. Warum “Watcher” für Trekkies ein wahres Fest ist, klärt unsere ausführliche Rezension. Achtung, SPOILER-Alarm!

Meinung: Stacey Abrams for President?

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Die Präsidentin der Erde in "Coming Home"
Die Präsidentin der Erde in "Coming Home"

Prominente Cameos in “Star Trek” haben eine lange Tradition. Von Iggy Pop, über Stephen Hawking, Kelsey Grammer, König Abdullah II und Mae Jamison bis zu Jeff Bezos haben schon viele unerwartete Gaststars sich in Gene Roddenberrys Zukunftsvision verewigt.

Im Finale der vierten Staffel “Discovery” steigt die demokratische US-Politikerin Stacey Abrams als Präsidentin der vereinten Erde aus einem Shuttle. Man darf die Frage stellen, ob diese Besetzung eine gute Idee war.

Kurzrezension: Picard 2×04 – “Watcher”

Los Angeles in "Watcher"
Los Angeles in "Watcher"

Die Suche nach dem “Watcher” geht in die nächste Runde. Ob die Staffel ihr hohes Tempo halten kann, besprechen wir in dieser spoilerfreien Kurzrezension.


Was meinen wir mit “spoilerfrei”?

Es gibt sehr unterschiedliche Auffassungen dazu, was “spoilerfrei” bedeutet. Damit ihr selbst entscheiden könnt, ob ihr die Rezension vorab lesen möchtet, machen wir hier transparent, was wir darunter verstehen:

  • Wir verraten keine wichtigen und unerwarteten Wendungen der Handlung bzw. Informationen über die fiktiven Welt und ihre Figuren.
  • Was im Vorfeld durch Vorschauclips und Trailer gezeigt wird, ist kein Spoiler.
  • Was im Cold Open (vor dem Vorspann) bzw. im ersten Akt (bei Episoden ohne Cold Open) passiert, ist kein Spoiler.
  • Handwerklichen Aspekte (Schauspiel, Drehbuch, Bühnenbild, Soundtrack, Spezialeffekte) sind keine Spoiler, sofern sie nichts Wichtiges über die Handlung verraten.

Das Jahr 2024

Nachdem Rios, Raffi und Seven schon in “Assimilation” unerfreuliche Bekanntschaft mit der rauen Wirklichkeit des 21. Jahrhundert gemacht haben, bricht nun auch Picard auf, um die Koordinaten der Königin zu untersuchen.

Picard in "Watcher"
Picard in “Watcher”

Das zentrale Thema der Episode wird weniger als Parabel als vielmehr mit dem Vorschlaghammer vermittelt: Ist es für Einzelne noch sinnvoll und zumutbar, sich persönlich für die Zukunft der Menschheit zu engagieren? “Watcher” ist alles andere als subtil, was die gegenwärtigen Probleme, insbesondere den drohenden, selbstverschuldeten Klimakollaps und die sich ständig verschärfenden sozialen Verwerfungen der westlichen Welt angeht.

Die Resignation vor den schier unüberwindbar scheinenden Herausforderungen unserer Zeit ist in dieser Episode Picards größter Antagonist, verkörpert durch eine Figur, die man als Antithese zu Edith Keeler (“City on The Edge of Forever”) verstehen kann. Aber auch Raffi, Seven und Rios werden mit der anonymen und manchmal zynischen Grausamkeit eines Staatsapparats konfrontiert, der unerwünschte Menschen und damit vermeintliche soziale Probleme “verschwinden” lässt.

Star Trek doesn't promise that tomorrow will be a better place. In fact, many Trek stories warn what could happen if we make bad choices. However Trek says tomorrow CAN be a better place if we are smart, if we work hard, if we are compassionate, & if we celebrate our diversity.

— Michael Okuda (@MikeOkuda) March 18, 2022

Wie gesagt, ist das alles andere als subtil, sondern hängt dramaturgisch wie ein Damoklesschwert über der Episode. Ebenfalls aus dramaturgischen Erwägungen werden die Probleme unserer Zeit arg pointiert und ihre Ursachen ebenfalls verkürzt thematisiert. Allerdings ist das im Wesentlichen Framing für den eigentlichen Konflikt dieser Episode. D.h. “Watcher” geht es nicht darum, sein Publikum zu sozial und ökologisch tugendhafteren Menschen zu erziehen, sondern die Widersprüchlichkeit von Hoffnung und Zukunftsplänen einerseits und Weltschmerz und Zukunftsängsten andererseits zu erkennen.

Und wie es nun einmal in der humanistischen DNA von “Star Trek” verwurzelt ist, hat “Watcher” letztlich eine vorsichtig optimistische Perspektive auf die Zukunft.

Rios in "Watcher"
Rios in “Watcher”

Sicherlich wird es Zuschauer geben, die diesen direkten Kommentar über zeitgenössische Entwicklungen als parteipolitisch oder gesinnungsideologisch kritisieren werden. Allerdings sollte man der Ehrlichkeit halber drei Dinge im Blick behalten:

Die Autoren haben die Episode erstens zeitlich in die Amtszeit eines Präsidenten der demokratischen Partei und örtlich in eine liberale Hochburg der USA gelegt. Wenn die Episode einen politischen Kommentar macht, dann keinen parteipolitischen, der sich ausschließlich gegen Konservative richtet.

Zweitens: Auch wenn mir selbst eine Parabel auf die Wirklichkeit als Kommentar sowohl künstlerisch als auch intellektuell besser gefiele, ist diese Art von Kritik am Zustand unserer Gegenwart wirklich kein Präzedenzfall für “Star Trek”, sondern ein wiederkehrendes Motiv im Franchise.

Drittens sollte dem Sprichwort über George Orwells “1984” folgend Science-Fiction dem Publikum als Warnung und nicht als Anleitung dienen. Es ist schwerlich “Star Trek” anzulasten, dass die Realität unserer Zeit jene Zustände eingeholt hat, über die “Past Tense” (“Deep Space Nine”) in den 1990ern geradezu prophetisch spekuliert hat. Es wäre geradezu töricht von den Autoren, diesen Umstand nicht aufzugreifen und uns Zuschauer:innen vorzuführen.

“Star Trek: Picard” auf Hochtouren

Wie schon seit Beginn der Staffel hält “Watcher” ein hohes Tempo bei Erzählweise und Inszenierung. Jede Folge dieser Staffel treibt den übergreifenden Plot ein gutes Stück voran, ohne dabei die Hauptfiguren und deren Entwicklung aus dem Blick zu verlieren.

Picard und Jurati in "Watcher"
Picard und Jurati in “Watcher”

Picard selbst hat in dieser Episode mit Abstand am meisten zu tun, dicht gefolgt von Seven und Raffi. Rios Handlungsspielraum ist situationsbedingt arg eingeschränkt, was ihn aber nicht an ein paar schönen Dialogen hindert. Juratis Tango mit der Borg-Königin wird mit Fokus auf die anderen Handlungsstränge diese Woche derweil nur eher gemächlich weitererzählt.

Alle Beteiligten vor und hinter der Kamera scheinen einen Heidenspaß mit dem Material zu haben. Wer glaubte, der Sprung ins 21. Jahrhundert sei der Versuch, Geld für aufwendige Kulissen, Make-Up und Spezialeffekte zu sparen, kann sich entspannen. In “Watcher” wird unter anderem eine absolut unnötige, aber augenzwinkernd und rasant inszenierte Action-Sequenz auf den Straßen von Los Angeles gezeigt. Ich für meinen Teil wäre in dieser Folge auch mit weniger Schauwerten zufrieden gewesen, aber es gibt auch Futter für Popcorn-Liebhaber:innen.

Nach vier durchweg gelungenen Episoden scheint “Picard” tatsächlich den richtigen Rhythmus zum Erzählen seiner Geschichten gefunden zu haben. Dazu bleiben die Dialoge pointiert, nah an den Figuren und immer wieder voller Charme und Witz. Ich habe über lange Strecken mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht vor dem Fernseher verbracht, weil “Watcher” trotz des ernsten Themas verdammt viel Spaß macht. Sowohl das Autor:innentrio Juliana James, Travis Fickett und Jane Maggs, sowie Regisseurin Lea Thompson haben ganze Arbeit geleistet. Wenn es etwas zu meckern gäbe, wären es die gleich drei Cliffhanger, mit denen uns diese Folge zurücklässt.

Der “Watcher” und andere Deep Cuts

“Watcher” schöpft mit beiden Händen aus dem Kanon von “Star Trek”, sowohl was relevante Aspekte der Handlung als auch Zitate und Referenzen angeht. Auch Gelegenheits-Fans haben Gelegenheit mindestens eine Szene als (absolut gelungene) Hommage/Fortsetzung einer Begebenheit aus “The Voyage Home” zu erkennen. Auch die Zeitleiste mit Bezug zum “Deep Space Nine”-Zweiteiler “Past Tense” wird durch Angaben in dieser Episode genauer spezifiziert: Die La Sirena ist im April 2024 gelandet, Sisko, Dax & Bashir werden im September San Francisco besuchen.

Seven und Raffi in "Wacther"
Seven und Raffi in “Watcher”

Damit beweisen die Autoren in Staffel 2 weiterhin, den Kanon des “Star Trek”-Universums sicher zu beherrschen. Daher verwundert gerade deswegen der Auftritt des prominentesten Gaststars in dieser Episode, den Picard an jenen Koordinaten findet, die Jurati in “Assimilation” der Borg-Königin entwendet hatte. Der Anschluss an den bekannten Kanon mag bei dieser Figur auf den ersten Blick so gar nicht passen, wobei Änderungen der Zeitlinie als Erklärung herhalten könnten. Eine genauere Besprechung überlasse ich Tom Götz und Matthias Suzan für ihre spoilerlastigen Rezensionen.

Ebenfalls für deren Reviews sei die Analyse des “Watchers” aufgehoben. Auch wenn dessen Identität (noch) nicht völlig ausbuchstabiert ist, lässt eine Dialogzeile vermuten, dass die Autoren von “Picard” auch hier den bekannten Kanon aufgegriffen haben.

Beobachtungen

  • Seven und Raffis Bus fährt an einer großformatigen Plakatwand vorbei, die für die Science-Fiction-Serie “The Handmaid’s Tale” wirbt.
  • Apropos Werbung: Wie schon letzte Woche begegnen uns Hinweise auf eine bemannte Raummission zum Jupiter-Mond “Europa”.
  • Auch eine Woche später bin ich immer noch kein Fan davon, die Borg-Königin reanimiert zu haben. Aber “Watcher” setzt noch einen drauf. Warum lassen Picard und Jurati sie mit dem Schiff alleine?
Die Borgkönigin in "Watcher"
Die Borgkönigin in “Watcher”
  • Alle guten Dinge sind drei: Im Hintergrund der Straße, zu der Picard herunterbeamt, findet man ein Plakat zur Ankündigung eines Boxkampfes. Seit “The City on The Edge of Forever” sind Poster dieses Formats in zahlreichen Kulissen von “Star Trek”-Zeitreisen als Easter Eggs zu finden.
  • Picards Familie musste im Zweiten Weltkrieg vor den Nazis nach Großbritannien fliehen. Der britische Akzent hat in der Familie offenbar Jahrhunderte überdauert.
  • Die offensichtliche “The Voyage Home”-Szene ist keine bloße Hommage. Ein damals beteiligter Schauspieler ist 34 Jahre später erneut in dieselbe Rolle geschlüpft.
  • Picard macht seinem zeitgenössischen Kontakt das Zugeständnis, dass Wandel häufig langsamer voranschreitet, als es wünschenswert wäre. Er spielt damit darauf an, dass die “Bell-Unruhen” in wenigen Monaten einen gesellschaftlichen Wandel bewirken werden.
  • Ein visueller Effekt am Ende von Picards Suche liefert einen wichtigen Hinweis auf die Identität des “Watchers”, nachdem zuvor in der Episode eine weitere Referenz in dieselbe Richtung gefallen war.
  • Wir sehen einen (gebundenen!) “Dixon Hill”-Roman namens “The Pallid Son”. Picard wird in der Episode von Jurati ebenfalls als “Dixon Hill” bezeichnet, als er verschiedene Beobachtungen zu einer Hypothese über die Änderung an der Zeitlinie kombiniert.
  • In derselben Szene sehen wir die Jackson Roykirk Plaza. Das ist eine Referenz auf den Schöpfer der Sonde “Nomad” aus der gleichnamigen Folge der Originalserie.
  • Ebenfalls am Ende der Folge sehen wir eine Ausgabe der Los Angeles Times. Allerdings ist die Zeitung schon einige Monate alt und die Ausgabe auf den 21. Januar datiert. Neben der Europa-Mission wird berichtet, wie der Fabrikunternehmer Brynner versucht, die Gründung von Gewerkschaften zu unterbinden. Brynner findet Jadzia Dax in “Past Tense” (Danke an Matthias Suzan für den Hinweis!).

Mit Rücksicht auf die Leser:innen, die die Episode noch nicht gesehen haben, bitten wir in den Kommentaren zu diesem Beitrag auf Spoiler zu verzichten. Danke!

Rezension: “Red Hands – Tödliche Berührung”

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Wir sehen uns das ganz in Rot gestaltete Buch mal genauer an.

Inhalt (klappentext)

Manchmal ist eine Geschichte eine Warnung. Manchmal kommt die Warnung zu spät. Ein Auto mäht sich bei der Parade zum 4. Juli durch die Menge. Der Fahrer klettert stolpernd aus dem Auto, streckt die Hände aus … und jeder, den er anfasst, fällt innerhalb von Sekunden tot um. Maeve Sinclair schaut entsetzt zu, wie von ihr geliebte Personen sterben, aber sie will helfen. Doch eine Folge der schrecklichen Vorkommnisse ist, dass Maeve Sinclair nun selbst die Berührung des Todes entwickelt. Sie flieht und erkennt allmählich, dass sie nie wieder einen anderen Menschen berühren können wird. Wer auch immer der Erste ist, der Maeve Sinclair findet, wird das Geheimnis um ihre tödliche Berührung lüften, und es gibt viele, die für dieses Geheimnis über Leichen gehen würden. Ben Walker, Experte für übernatürliche Wissenschaft, wird damit beauftragt, der Sache auf den Grund zu gehen. Doch Maeve fängt an, eine teuflische Stimme in ihrem Kopf zu hören, und der Drang, das Verlangen … der Hunger danach, einen anderen Menschen zu berühren, wird immer stärker.

Kritik

“Red Hands” ist ein neuer Horror-Thriller von Christopher Golden und zeichnet sich zu aller erst dadurch aus, das die Seiten des Buches in einem Rotschnitt gehalten sind! Das heißt sie sind tatsächlich rot gefärbt, was einfach schick aussieht und das Buch in einem Bücherregal hervorhebt. Ich persönlich bin ja Fan von solchem “Schnickschnack” und finde, das unterstützt die Atmosphäre des Buches einfach grandios (weswegen wir hier gleich einen halben Stern Aufwertung geben, einfach so ;)). Natürlich bezieht sich das auf die gedruckte Variante, in einer EBook-Version kann man keine Seiten rot färben. In gewisser Weise ist das also auch Werbung für gedruckte Bücher, die meiner Ansicht nach immer noch ihre Existenzberechtigung haben. Der Nachteil soll and er Stelle aber auch nicht verschwiegen werden: Die Seiten kleben manchmal etwas aneinander. Übrigens: Weitere Bücher mit ähnlichen schönen Ergänzungen: Die Erstauflage der “Unendlichen Geschichte” (erschien vielfarbig) oder Andreas Eschbachs “Gliss”.

Rezension: "Red Hands - Tödliche Berührung" 2

Doch zurück zum Buch. Die Handlung erinnert an die kürzlich erschienene “Wanderers”-Reihe, denn auch hier scheint es sich um einen Virusausbruch zu handeln. Jap, das Thema Pandemie hat inzwischen auch die Buchwelt erreicht. Hier führt es aber nicht zum Ende der Welt bzw. liegen die Dinge etwas anders, ohne an dieser Stelle zuviel spoilern zu wollen. Wie es der Titel schon sagt bringt jeder Infizierte durch Berührung den Tod. Im vorliegenden Fall wird die junge Maeve infiziert und flüchtet in die Berge. Und dann passiert, was in so einem Fall eben immer passiert: jede Menge Leute und Organisationen sind hinter ihr her. Die einen wollen sie töten, die anderen wollen sie als Waffe benutzen und ihre Familie will sie einfach nur retten.

Sicher, das Ausgangsszenario klingt nicht neu, das hat man so oder so ähnlich schon mal gesehen oder gelesen. Immerhin gelingt es Golden aber, dem durchaus ein paar neue Facetten abzugewinnen. So gibt es diesmal keinen Weltuntergangskult, der Verschwörungstheorien verbreitet sondern die Söldner, die Maeve töten wollen werden gar nicht so genau charakterisiert. Nun könnte man meinen, dass gerade deswegen das Buch etwas oberflächlich bleibt und auch wenn das für Teile der Handlung gelten mag, so bringen die gut ausgearbeiteten Charaktere hier nochmal Licht ins Dunkel.

Denn die Geschichte rund um die Familie von Maeve, die sich auf die Suche macht, und auch um unseren Helden Walker, kann durchaus überzeugen. Hier werden die Nöte und Ängste gut rübergebracht, so das man, trotz des eher banalen Settings, gut bei der Stange gehalten wird. Okay, man muss an der Stelle noch akzeptieren, das Hauptheld Walker ein knallharter Agent á la James Bond ist, der Maeve hinterhergeschickt wird, und der, ein typischer Held eben, den meisten Bösewichtern überlegen ist. Aber hält man sich damit nicht zu sehr auf, wird man bis kurz vor Ende eigentlich recht gut unterhalten.

Bei der Konstellation ist es natürlich nicht verwunderlich, das die Nebencharaktere etwas abfallen. Eingeführt werden viele, im Rampenlicht bleiben nur wenige und gegen Ende werden einige auch eher komplett vergessen. Womit wir auch gleich zum Ende springen (müssen), denn hier geht dann alles ganz schnell. In wenigen Seiten wird ein Gegenmittel aus dem Hut gezaubert, was anderen nach Jahren der Forschung nicht gelingt, und die Situation beigelegt. Ob der Autor hier zum Ende kommen musste oder schlicht die Ideen ausgingen, ist wohl eine berechtigte Frage.

Auch die Auflösung zum Virus hat zwar Potential, wird aber etwas zu wenig ausgeschöpft. Hier wäre mehr Hintergrundwissen drin gewesen, vor allem auf die Herkunft des Dings bezogen (wie gesagt, wir spoilern hier nicht). Was man dem Buch allerdings auch noch anrechnen muss, ist, das es eben mal kein Happy End gibt. Zwar gibt es einen Abschluss der Hauptgeschichte, der ist aber für Fans solcher Enden eher unbefriedigend und stellt eben nicht ein glückliches Beisammensein wieder her. Das ist immerhin eine nette Abwechslung und kein Klischee-Einheitsbrei.