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Die Hunde des Orion, Titan #3
VirtualSelf
Beitrag 25. May 2009, 18:33
Beitrag #1


Vice Admiral
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Titel: Die Hunde des Orion
Serie: Star Trek Titan
OT: Star Trek – Titan: Orion's Hounds
Autor: Christopher L. Bennett
├ť: Stephanie Pannen
Seiten: 327
ISBN: 978-3-941248-03-8
Verlag:CrossCult, 2009



Ahhhh ohh ahhhhh uuuaaajaa! Weit entfernt von randalierenden Rommulanern, kleingeistigen Klingonen und faktisch faden F├Âdi-Fuzzis k├Ânnen sich Riker und seine Crew endlich dem widmen, f├╝r das die Titan urspr├╝nglich in den Dienst gestellt wurde: dem freudvollen, forschen Forschen.

Das Kartographieren des Gum-Nebels im Arm des Orions f├╝hrt die U.S.S. Titan in bis dahin weitgehend unbekanntes Gebiet.
Aus heiterem Himmel zerrei├čt ein Todesschrei die Gedankenwelten der an Bord befindlichen Empathen und Telepathen. Riker und seine Crew beschlie├čen, der Sache auf den Grund zu gehen und werden Zeugen, wie eine unbekannte Spezies – die Pa'haquel – Sternenquallen, jene empfindsamen Wesen, denen Riker und Troi auf ihrer ersten Farpoint-Mission begegneten, jagt und t├Âtet, um sie in eine Art Zombie-Raumschiffe zu verwandeln.
Entgegen der Ersten Direktive und die Tatsache ignorierend, dass es sich bei den Pa'haquel zwar um m├╝rrische, aber dennoch h├Âfliche und hilfsbereite Wesen zu handeln scheint, beschlie├čt Riker, Partei f├╝r die Sternenquallen zu ergreifen. Jedoch erst Tuvok, der dunkelh├Ąutige Vulkanier an Bord der Titan, begeht, als er die Gedankenschreie und Qualen der sterbenden Himmelsriesen psychisch nicht l├Ąnger ertr├Ągt, einen verh├Ąngnisvollen Fehler, indem er den Quallen Informationen ├╝bermittelt, mit denen sie f├╝r ihre J├Ąger undurchdringliche Schilde generieren k├Ânnen.
Dadurch wird ein Gleichgewicht gest├Ârt, dass seit Jahrtausenden das ├ťberleben s├Ąmtlicher Spezies – nicht nur der Pa'haquel – in diesem Teil des Raumes zwar nicht g├Ąnzlich sicher stellte, aber zumindest wahrscheinlicher machte, denn hier, nahe der Wiege neuer Sterne, treiben gigantische Lebensformen unterschiedlichster Natur – sogenannte Kosmozoane - durch das All, die ganze Planeten verschlingen und denen nur die Waffen in den Leibern der toten Sternenquallen etwas anhaben k├Ânnen.


Nachdem in den ersten beiden B├Ąnden die Nachwehen von Shinzons schr├Ągem Putschversuch in schwerer, anstrengender und ganz und gar freudloser trek'scher Trauerarbeit verarbeitet und hoffentlich endg├╝ltig in einer kleinen imagin├Ąren Urne hinter dem Mond links zur ewigen Ruhe gebettet wurden, entf├╝hrt „Die Hunde des Orion“ den Leser in eine neue, frische, aufregende und phantastische Science Fiction-Welt.
Nicht nur, dass das Schiff und das Universum mit lebendigen Wesen bev├Âlkert werden, die sich – endlich - durch weitaus mehr als nur unaussprechliche Namen auszeichnen – n├Ąmlich durch Humor, Exentrik, spezielle k├Ârperliche Bed├╝rfnisse und kulturelle Hintergr├╝nde -, auch zahlreiche Probleme des Zusammenlebens unterschiedlichster Spezies werden ohne belehrenden Unterton thematisiert. Behutsam lenkt der Autor das Augenmerk des Leser immer wieder auf Details bzw. Konsequenzen einer bestimmten Lebensweise, die selbst dem abgebr├╝htesten Science Fiction-Fan das eine oder andere Licht aufgehen lassen.
Zugleich r├╝ckt eine Diskussion um die Erste Direktive der F├Âderation, welche den Umgang mit fremden Zivilisationen regelt, in den Vordergrund, in deren Verlauf eine verantwortungsethisch basierte Interpretation und eine deutliche pragmatischere Herangehensweise gefordert wird als sie in Star Trek bisher ├╝blich war.
Die Hundert Millionen Toten, die das Eingreifen Rikers in das Gleichgewicht zwischen J├Ągern und Gejagten nach sich zieht, werden bemerkenswerterweise nicht als Anlass genommen, die Forderung des Verbotes einer Einmischung in die inneren Angelegenheiten einer fremden Gemeinschaft erneut zu erheben, sondern implizit zu fordern, Irrt├╝mer in der Beurteilung der Auswirkungen des eigenen Handelns durch sorgsam(er)e Situationsanalysen zu vermeiden.

H├Âchstwahrscheinlich w├Ąre ein Traktat zur Soziologie von fiktiven Alien-Rassen, eine Abhandlung ├╝ber den kant'schen Imperativ im Lichte neuer Sonnen oder ein W├Ârterbuch „Technobabbel f├╝r Loser“ eine wenig erbauliche Lekt├╝re, w├╝rde nicht nebenbei auch noch eine Geschichte erz├Ąhlt werden.
In dieser Hinsicht beweist Christopher L. Bennett - wie schon in seinem gelungenen Franchise-Roman „X-Men: Feind meines Feindes“ (erschienen bei Panini) - nicht nur ein erstaunliches Gesp├╝r f├╝r die leise T├Âne, f├╝r situative Komik und Atmosph├Ąre, f├╝r das Wesentliche, das uns von denen da drau├čen unterscheidet, sondern bringt das Ganze auch noch in einem so lockeren, gef├Ąlligen Stil an den Leser, dass selbst Moral spannend wird.
Auf sinnloses, plakatives Technobabbel wird so radikal verzichtet, dass der eingefleischte Star Trek-Fan dieses geradezu als Affront auffassen muss. Ebenso sind vordergr├╝ndige, ausufernde Action-Sequenzen – das Kauf-Argument eines jeden Padawans – , nervt├Âtend eindimensionale Charaktere oder die gutmenschliche Moralkeule nicht Bennetts Sache. Seine Figuren, die immer auch bereit zum Dialog sind, wollen durchweg nur das Beste, glauben dem richtigen Weg zu folgen und haben f├╝r ihre Entscheidungen regelm├Ą├čig nachvollziehbare, plausible und – vor allem – moralisch akzeptierbare Argumente.


Fazit: Ein gro├čartiger Science Fiction-Roman, voller Exotik, Humor, Emotionalit├Ąt und Tiefgr├╝ndigkeit. So gut wie hier, war Star Trek nie zuvor.
Action-Boys und Freunde von Achsen des B├Âsen sollten lieber mit ihren G.I.Joe-P├╝ppchen spielen.


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kiss your face and touch your skin
I will slide my fingers in
let me show you what I can.


Mancher findet sein Herz nicht eher, als bis er seinen Kopf verliert.
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